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	<title>BBC-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>BBC-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Unsterblich ist nur der Mythos</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 06:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Henning Hirsch: Neues vom Serien-Junkie]]></category>
		<category><![CDATA[BBC]]></category>
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		<category><![CDATA[TV-Serie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Mann, der nie zur Ruhe kam, wird im Finale plötzlich zum Symbol erhoben: Peaky Blinders erzählt über Jahre hinweg von Trauma, Macht und Selbstzerstörung – der Film hingegen sucht nach Größe und Abschluss. Was bleibt, ist ein Spannungsfeld zwischen radikaler Serienkunst und einem Ende, das mehr vereinfacht als vollendet.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/unsterblich-ist-nur-der-mythos/">Unsterblich ist nur der Mythos</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Über sechs Staffeln hinweg gelingt <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt2442560/">Peaky Blinders</a> etwas, das nur wenige Serien schaffen: stilistische Konsequenz gepaart mit inhaltlicher Entwicklung. Die Reise von Thomas Shelby ist komplex, widersprüchlich und über lange Strecken kompromisslos erzählt. Eine Figur, die ebenso faszinierend wie (selbst-) zerstörerisch ist. Besonders stark sind die ersten vier Staffeln, in denen Aufstieg, Machtkonsolidierung und persönliche Abgründe perfekt austariert sind.Mit dem abschließenden Film The Immortal Man wurde dieses düstere Epos nun zu Ende geführt – zumindest formal. Doch eine Frage bleibt zum Schluss: Wird hier tatsächlich ein Kreis geschlossen oder lediglich ein Mythos konserviert?</p>
<h2>Der Aufstieg: Macht als Überlebensstrategie</h2>
<p>Die erste Staffel von Peaky Blinders beginnt beinahe unscheinbar: Birmingham nach dem Ersten Weltkrieg, eine Stadt voller Narben, Männer ohne Perspektive und ein Machtvakuum, das darauf wartet, gefüllt zu werden. Tommy Shelby kehrt als dekorierter, aber traumatisierter Soldat zurück und erkennt schnell, dass Moral in dieser neuen Welt keine Währung mehr ist. Was zählt, ist Kontrolle.</p>
<p>Schon früh etabliert die Serie ihr zentrales Thema: Macht ist kein Ziel, sondern ein Zustand permanenter Unsicherheit. Tommy baut sein Imperium nicht aus Gier auf, sondern aus Notwendigkeit – zumindest redet er sich das ein. Seine Familie, die Shelby Family, fungiert dabei sowohl als Anker als auch als Belastung. Loyalität ist ihre größte Stärke – und gleichzeitig die größte Schwäche.</p>
<h2>Expansion und Selbstzerstörung</h2>
<p>Mit jeder Staffel wächst nicht nur das geschäftliche Imperium der Shelbys, sondern ebenfalls die moralische Fallhöhe. Was als lokale Gang beginnt, entwickelt sich zu einem Netzwerk mit politischen Verbindungen, internationalen Deals und existenziellen Risiken. Die Serie verlagert ihren Fokus zunehmend von Straßenkriminalität hin zu geopolitischen Verstrickungen – ein kluger, wenn auch riskanter Schritt.</p>
<p>Tommy wird in diesem Prozess immer mehr zu einem Mann, der nicht mehr zwischen Strategie und Selbstzerstörung unterscheiden kann. Seine Beziehungen zerbrechen, sein Vertrauen schwindet, und seine Entscheidungen werden zunehmend von Paranoia getrieben. Besonders eindrücklich ist dabei sein Verhältnis zum älteren Bruder Arthur, dessen emotionale Instabilität als Spiegel für Tommys unterdrückte Traumata dient.</p>
<p>Die Serie stellt dabei immer wieder dieselbe Frage: Kann ein Mensch, deseen Leben überwiegend auf Gewalt aufgebaut ist, jemals Frieden finden? Die Antwort scheint über weite Strecken klar zu sein – nein. Und doch bleibt ein Rest Hoffnung, der sich hartnäckig durch alle sechs Staffeln zieht.</p>
<h2>Politik, Ideologie und der Verlust der Kontrolle</h2>
<p>Spätestens mit der Einführung realhistorischer Figuren wie Oswald Mosley erreicht die Serie eine neue Ebene. Die Bedrohung ist nicht mehr nur physisch, sondern ideologisch. Faschismus, Nationalismus und politische Manipulation treten in den Vordergrund – und Tommy findet sich plötzlich in einem Spiel wieder, das selbst er nicht mehr vollständig kontrollieren kann.</p>
<p>Diese Entwicklung ist einer der stärksten Aspekte der späteren Staffeln. Sie zeigt, dass Macht, egal wie groß sie erscheint, immer relativ ist. Tommy mag ein König in Birmingham sein, doch auf der politischen Bühne ist er lediglich eine Figur unter vielen – austauschbar, manipulierbar, verletzlich.</p>
<p>Gleichzeitig beginnt die Serie, sich stärker auf Tommys Innenleben zu konzentrieren. Seine Visionen, seine Schuldgefühle und seine zunehmende Isolation machen deutlich, dass der wahre Konflikt nicht mehr im Außen liegt. Es ist ein Kampf gegen sich selbst – und einer, den er kaum gewinnen kann.</p>
<h2>Staffel 6: Das Ende ohne Abschluss</h2>
<p>Die sechste Staffel wirkt stellenweise wie ein Epilog, der sich weigert, einer zu sein. Viele Handlungsstränge werden nicht vollständig aufgelöst, sondern bewusst offen gelassen. Das ist mutig, aber auch frustrierend. Besonders Tommys vermeintlicher Abschied vom Leben – und seine anschließende Rückkehr – fühlt sich weniger wie ein organischer Abschluss an, sondern eher wie eine Vorbereitung auf etwas Größeres.</p>
<p>Und genau hier setzt The Immortal Man an.</p>
<h2>Der Film: Mythos statt Mensch</h2>
<p><a href="https://www.filmstarts.de/kritiken/289679.html">The Immortal Man</a> versucht, das zu liefern, was die Serie bewusst vermieden hat: einen klaren, endgültigen Abschluss. Doch genau darin liegt auch das größte Problem.</p>
<p>Der Film inszeniert Tommy Shelby weniger als Mensch und mehr als Legende. Der Titel ist Programm – Unsterblichkeit wird hier nicht biologisch verstanden, sondern narrativ. Tommy wird zum Symbol, zur Ikone, zur Projektionsfläche. Das ist beeindruckend inszeniert, mit opulenten Bildern, einer dichten Atmosphäre und der gewohnt starken Performance von Cillian Murphy. Doch es geht etwas verloren: die Ambivalenz.</p>
<p>Während die Serie stets davon lebte, dass Tommy gleichzeitig Täter und Opfer war, reduziert der Film diese Komplexität zugunsten eines beinahe heroischen Abschlusses. Selbst seine dunkelsten Entscheidungen werden in einem Licht dargestellt, das eher Verständnis als Kritik erzeugt. Das mag emotional befriedigend sein, ist aber erzählerisch wenig konsequent.</p>
<h2>Stil über Substanz?</h2>
<p>Visuell bleibt der Film dem Stil der Serie treu – vielleicht sogar zu treu. Zeitlupen, dramatische Musik und bildgewaltige Einstellungen dominieren die Szenerie. Was früher als stilistisches Mittel funktionierte, wirkt hier stellenweise wie Selbstzitat. Es ist, als würde sich die Serie selbst imitieren.</p>
<p>Auch narrativ setzt der Film stark auf bekannte Muster: Verrat, Rache, Erlösung. Doch im Gegensatz zur Serie fehlt oft die Zeit, diese Motive wirklich auszuspielen. Konflikte werden schneller gelöst, Charaktere weniger differenziert gezeichnet. Besonders Nebenfiguren wirken wie Statisten in Tommys finalem Akt, statt eigenständige Stimmen zu sein.</p>
<h2>Ein würdiger Abschluss?</h2>
<p>Die Antwort hängt stark davon ab, was man erwartet. Wer sich einen klaren, emotional aufgeladenen Abschluss wünscht, wird mit The Immortal Man zufrieden sein. Der Film liefert große Momente, starke Bilder und eine finale Botschaft, die sich wie ein Schlusspunkt anfühlt.</p>
<p>Wer jedoch die komplexe, oft unbequeme Erzählweise der Serie schätzt, könnte enttäuscht sein. Der Film glättet viele der Ecken und Kanten, die Peaky Blinders so besonders gemacht haben. Er ersetzt Ambiguität durch Klarheit, Zweifel durch Gewissheit – und nimmt der Geschichte damit einen Teil ihrer Tiefe.</p>
<h2>Fazit: Zwischen Legende und Verlust</h2>
<p>Peaky Blinders war nie nur eine Gangster-Serie. Es war eine Studie über Macht, Trauma und die Unmöglichkeit, der eigenen Vergangenheit zu entkommen. Über sechs Staffeln hinweg hat die Serie ein vielschichtiges Porträt eines Mannes gezeichnet, der alles erreicht und dabei sich selbst verloren hat.</p>
<p>The Immortal Man setzt diesem Porträt ein Denkmal – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch Denkmäler sind statisch. Sie bewahren, aber sie erzählen nicht weiter. Und vielleicht ist genau das der größte Unterschied zwischen Serie und Film: Während die Serie lebte, atmete und sich ständig veränderte, wirkt der Film wie ein eingefrorener Moment.</p>
<p>Ein schöner, eindrucksvoller Moment – aber eben auch ein endgültiger.</p>
<p>Und vielleicht ist das die eigentliche Tragik: Nicht, dass Tommy Shelby unsterblich ist. Sondern dass seine Geschichte es nicht mehr ist.</p>
<p><strong>Bewertung:</strong><br />
Serie: 9 Punkte<br />
Film: 6<br />
+++</p>
<p>Lesen Sie auch: <a href="https://texte-zur-sache.de/2026/03/17/one-battle-after-another-die-revolution-frisst-ihre-kinder/">One Battle After Another – Die Revolution frisst ihre Kinder</a><br />
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<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/unsterblich-ist-nur-der-mythos/">Unsterblich ist nur der Mythos</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Die maoistisch-leninistische Sportschau</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/aus-der-digitalen-hoelle/die-maoistisch-leninistische-sportschau/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Sep 2019 14:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Aus der digitalen Hölle]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
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		<category><![CDATA[ZDF]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von der linken Tagesschau, noch linkeren Tarantinofilmen und einer merkwürdigen britischen Studie berichtet Henning Hirsch in seiner heutigen Kolumne </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/aus-der-digitalen-hoelle/die-maoistisch-leninistische-sportschau/">Die maoistisch-leninistische Sportschau</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich heute was zur Heldenreise der AfD schreiben, die sich täglich in den heroischen Kampf gegen Meinungsdiktatur und Mainstreammedien stürzt. Da kam mir gestern Abend jedoch eine kleine Diskussion in Facebook dazwischen, zu der es sich lohnt, ein paar Sätze zu verlieren, weshalb die Heldenreise aufgeschoben, aber nicht vergessen, wird.</p>
<p>Die <a href="https://www.nzz.ch/">NZZ</a> – neben der BILD das AfD-Versteherblatt Nr. 1 im mitteleuropäischen Sprachraum – berichtet unter dem Titel <a href="https://www.nzz.ch/international/ard-und-zdf-haben-laut-studie-ein-linkes-publikum-ld.1508430?mktcid=smsh&amp;fbclid=IwAR2OJsH6ER5-vS223YxT604s_bs7Ec2KP0dd_1iuGX6TCgJKzkvo6PotsW4">„ARD und ZDF haben laut Studie ein linkes Publikum“</a> über die Untersuchung eines britischen Meinungsforschungsinstituts, die belegen soll, dass die Zuschauer der deutschen öffentlich-rechtlichen Programme als politisch links einzustufen sind. Von linkes Publikum zu linkes Programmangebot ist es nur ein gedanklicher Katzensprung. Und so lauteten die Kommentare entsprechend:</p>
<blockquote><p>Außer dem Börsenbarometer ist alles rot</p>
<p>Nicht ohne Grund schaue ich seit Jahren nur noch Netflix</p>
<p>Tagesschau = Sozialismus pur</p></blockquote>
<h2>ARD = Rotfunk</h2>
<p><a href="http://www.ard.de/home/ard/ARD_Startseite/21920/index.html">ARD</a> = Rotfunk, das wusste bereits mein Vater – Gott hab ihn selig –, der sich in den 80ern am liebsten über Klaus Bednarz‘ Monitor aufregte, den er sich aber trotzdem immer wieder ansah. Vielleicht einzig aus dem Grund heraus, sich darüber aufregen zu können. Manche Menschen brauchen dieses Gefühl so wie andere den Kick, bei Rot über eine sechsspurige Schnellstraße zu laufen. Wobei wir der Fairness halber dazu sagen müssen, dass damals links weiter links begann, während links seit dem Spätsommer 2015 unmittelbar links von Herrn Seehofer losgeht. Ein Herr Blüm würde heute im Stamokap-Flügel der SPD verortet, während er früher noch als Herz-Jesu-Sozialist durchging. ARD = Rotfunk ist also keine grundlegend neue Erkenntnis; jedoch das kreuzbrave <a href="https://www.zdf.de/">ZDF</a> ebenfalls links??? Weil manche Politiker in Interviews angeblich härter in die Mangel genommen werden als andere?</p>
<p>&#8230;<br />
An dieser Stelle eine kurze Zwischenbemerkung meinerseits: Die Demokratiefeinde, denen seit Jahren überproportional viel Raum in sämtlichen politischen Sendungen eingeräumt wird, werden dort nach wie vor mit Samthandschuhen angepackt. Ich wünsche mir oft, dass da mal ein Moderator richtig hart nachhakt, um manch menschenverachtende Aussage als das zu entlarven, was sie ist – nämlich demokratiefeindlich und menschenverachtend. Und den Rechten nicht ihre ständige Rumopferei durchgehen lässt. Aber das geschieht leider so gut wie nie. Ende dieser Zwischenbemerkung.<br />
&#8230;</p>
<h2>Studie mit fragwürdiger Repräsentativität</h2>
<p>Zurück zur britischen Studie. Die stammt aus dem Reuters Institute der <a href="http://www.ox.ac.uk/">University of Oxford</a>. Keine Ahnung, was sich dahinter verbirgt. Ich kenne Reuters und ich war auch schon mal in Oxford und hab mir dort die altehrwürdige Hochschule von außen angeschaut. Die Kombination von beiden ist mir jedoch fremd. Klingt ein bisschen wie Monsanto-Fakultät an der TH Köln. Sei’s drum. Ich frage mich allerdings, wie man seriös die politischen Präferenzen von zig Millionen Zuschauern, die sich über mehrere Dutzend Formate verteilen, evaluieren möchte. Welche Stichprobe wurde gezogen? Wie groß ist die Stichprobe? Wie lauten die Kriterien, um in die Stichprobe aufgenommen zu werden? Hier Repräsentativität sicherzustellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Andersherum ausgedrückt: Hätten sich die Autoren auf die Analyse eines (in Ziffer dargestellt: 1) Politmagazins konzentriert – bspw. Panorama, plusminus, Frontal 21 –, hätte was statistisch Belastbares draus werden können; aber über alle Sendungen? Wer Bergdoktor und Traumschiff anschaut, ist linker als das Mock-the-week-Publikum der BBC? Wer sich Tatort und Donna Leon reinzieht, setzt sein Kreuz bei SPD, Grünen und der Linken? Wer soll solch einen hanebüchenen Quatsch denn glauben? Und sowas wird mir als ernstzunehmendes Studienergebnis verkauft?</p>
<p>Weshalb interessieren sich Briten und Schweizer überhaupt dafür, wer in Deutschland abends welchen Kanal einschaltet? Bei den Schweizern kann ich es sogar verstehen. Das Land ist jenseits des Bankgeheimnisses derart langweilig, dass man sich notgedrungen täglich mit den Nachbarn beschäftigen muss, weil es sonst nichts zu schreiben gibt. Aber die Engländer? Die haben ja im Moment mehr als genug mit sich und dem Brexit um die Ohren, als dass man eine merkwürdige Studie zum Thema „Politische Präferenzen des deutschen ÖR-Publikums“ in Auftrag geben müsste. Die dann zu bahnbrechenden Resultaten wie diesem gelangt: „Eine Hälfte der Zuschauer [der BBC] verortet sich leicht links der Mitte, die andere leicht rechts davon, während sich das Publikum von ARD und ZDF fast vollständig in die linke Hälfte des politischen Koordinatensystems einordnet “. Wow! Was für eine [schwachsinnige] Erkenntnis.</p>
<h2>Altbekannte Lügengeschichte von den linken Medien</h2>
<p>Es ist dies natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die immer schon gewusst haben, <a href="https://texte-zur-sache.de/2022/08/21/oeffentlicher-rundfunk-wichtig-oder-kann-weg/">dass wir von den öffentlich-rechtlichen Anstalten [links] zwangsindoktriniert werden</a>, und die deshalb dem staatlichen Rotfunk die Geldzufuhr kappen wollen. Diese Forderung erschallt in schöner Regelmäßigkeit aus den Lagern von AfD und FDP. Den einen ist alles links von Gauland zu links, den anderen ist ebenfalls vieles zu links, sie stören sich aber v.a. am durch die Gebühren außer Kraft gesetzten Wettbewerbsprinzip. Vielleicht steckt auch bloß schnöder Geiz dahinter, weil man heute alles gratis auf den Monitor erhalten möchte. Nun kann man sich natürlich darüber unterhalten, ob 17,50 Euro pro Monat (entspricht zweieinhalb Schachteln Marlboro) eventuell zu hoch angesetzt sind für 24/7 Nachrichten, Politik, Sport und Entertainment, ob wirklich jede Vorabendserie und jede Klamauk-Show zum Bildungsauftrag der Öffentlichen dazugehört. Man kann ebenfalls darüber diskutieren, wie viel ein Intendant und ein Chefredakteur verdienen sollen, ob wir ständig mehr ör-Spartenprogramme benötigen, oder ob Erstes, Zweites und Drittes und ein bisschen ARTE nicht völlig ausreichen. Was ich persönlich allerdings auf gar keinen Fall haben möchte, ist der Wegfall der Öffentlichen bei gleichzeitiger Dauerberieselung durch RTL und Pro 7. Sollte das jemals geschehen, werde ich mich komplett in die (linke?) Scheinwelt von Amazon und Netflix zurückziehen.</p>
<p>Die Lügengeschichte (Märchen klingt in diesem Zusammenhang zu nett) von der flächendeckenden sozialistischen Umerziehung durch unsere Medien wird auch durch die Veröffentlichung [absurder] Studien und ihrer Verbreitung durch AfD-Versteherpublikationen nicht wahrer. Ner Lüge kann man auf den Leim gehen, oder man tut es eben nicht. Wer glaubt, der Fernsehgarten sei ne linke Sendung, der glaubt auch daran, dass die erste Mondlandung in Studio 613 von MGM und nicht auf dem Mond stattfand und der berühmte Satz, „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit“, aus der Feder eines (linken) Hollywoodautors stammt.</p>
<p>Ich werde mir heute Abend übrigens die maoistisch-leninistische <a href="https://www.sportschau.de/index.html">Sportschau</a> – in der Hoffnung, dass es der FC gegen Gladbach nicht verkackt – ansehen und direkt im Anschluss die linksextreme <a href="https://www.tagesschau.de/">Tagesschau</a>. Und danach schwanke ich zwischen einem linken Tarantino-Streifen und einem ultralinken Tim-Burton-Film.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/aus-der-digitalen-hoelle/die-maoistisch-leninistische-sportschau/">Die maoistisch-leninistische Sportschau</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Leaving Neverland</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/kultur/leaving-neverland/</link>
					<comments>https://texte-zur-sache.de/kultur/leaving-neverland/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Mar 2019 05:45:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Henning Hirsch: Aus der digitalen Hölle]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[The Jackson 5]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie sinnvoll und glaubwürdig ist ein mit 25 Jahren Verspätung erfolgender Radiobann, fragt Kolumnist Henning Hirsch. Oder: weshalb auch beim King of Pop Werk und Künstler nicht gleichgesetzt werden dürfen  </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/kultur/leaving-neverland/">Leaving Neverland</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass ausgerechnet ich als notorischer Sobald-Michael-Jackson-im-Autoradio-läuft-sofort-auf-einen-anderen-Kanal-Weiterzapper heute eine Lanze für dessen Musik breche, kommt mir im ersten Augenblick echt ein bisschen komisch vor. Denn letztlich würde es mir vermutlich weder auffallen noch was fehlen, wenn seine Melodien ab morgen nicht mehr erklingen. Außer <em>Billie Jean</em> und <em>Beat it</em> finde ich den Rest seiner Mucke großenteils grottig und habe nie verstanden, weshalb er mit diesem Arsenal an Mittelmäßigkeit zum King of Pop avancierte. Muss am geschickten Marketing seines Managements gelegen haben, dem es gelang, den Jungen aus Gary/ Indiana binnen weniger Jahre von einem braven Mitglied der Familientruppe<a href="https://www.laut.de/Jackson-5"> The Jackson 5</a> in eine ständig um sich selbst rotierende Show-Ikone aus der Märchenburg Neverland zu transformieren. Ne Menge seiner Songs lebten mehr vom visuellen Erlebnis als von seinen Sangeskünsten.</p>
<p>Sein Versuch, weißer zu wirken als <a href="https://www.welt.de/kultur/gallery12936321/Eine-der-groessten-Ikonen-Hollywoods.html">Elizabeth Taylor</a> und am Ende von 500 Schönheits-OPs irgendwann auszusehen wie seine Muse <a href="http://www.whoswho.de/bio/diana-ross.html">Diana Ross</a>, ließen mich bereits vor dreißig Jahren an seinem geistigen Gesundheitszustand zweifeln. Aber: so wie die Musikgeschmäcke stark unterschiedlich auf uns Menschen verteilt sind, prüfe jeder sich selbst in Punkto Wahnsinn, bevor er den ersten Stein in Richtung Jackson wirft.</p>
<h2>Bannstrahl auf die Songs des King of Pop</h2>
<p>Vor einigen Tagen strahlte der <a href="https://www.chip.de/news/HBO-in-Deutschland-nutzen-so-gehts_129471443.html">TV-Kanal HBO</a> die zweiteilige Dokumentation <a href="https://www.youtube.com/watch?v=AzZ3pLb9rZU"><em>Leaving Neverland</em></a> aus, in der die altbekannten Pädophilievorwürfe erneut thematisiert wurden. An und für sich nichts Welterschütterndes, denn darüber wissen wir ja seit 1993 eigentlich Bescheid, aber dieses Mal entfalten die Anschuldigungen eine ungeahnte Wucht: einige Sender – von denen die <a href="https://www.bbc.com/">BBC</a> der vorerst wichtigste ist – sprachen einen Bann gegen den Interpreten aus. M.J.-Stücke werden ab sofort nicht mehr gespielt. Begründung: Die Verdachtsmomente wiegen nun zu schwer, als dass man die Musik noch mit gutem Gewissen verbreiten kann.</p>
<p>Diese rigorose Vorgehensweise kann man entweder bejahen oder achselzuckend drüber hinweggehen oder kurz <a href="https://texte-zur-sache.de/2021/08/13/ich-bin-ein-boomer-wer-holt/">die Sinnhaftigkeit dieses neuen Moralismus</a> hinterfragen. Wem ist im Jahre 2019 damit geholfen, wenn die Radio-DJs <em>Thriller</em> nicht mehr auflegen? Hören die US-amerikanischen Opfer überhaupt europäische Sender? Können sie nicht wie ich, sobald diese Musik ans Ohr dringt, einfach das Programm wechseln? Stehen die Lieder von Jackson in irgendeinem Zusammenhang mit seinen (angeblichen) Taten? Wird darin Missbrauch propagiert? Warum trifft es jetzt M.J., während Künstler, denen man Vergewaltigung, Sexismus, Gewaltverherrlichung, Antisemitismus vorwirft, vom Bann ausgespart bleiben? Aus welchem Grund diese Vehemenz zehn Jahre nachdem der King das Zeitliche gesegnet hat? Weshalb halten wir uns in seinem Fall nicht an den klugen Grundsatz, das Objekt vom Erschaffer getrennt zu betrachten? Weil das speziell im Genre Pop nicht möglich ist, da dort Interpret, Musik und Fans zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen, sagen Sie?</p>
<p>Also ab sofort auch keine Songs mehr von Ryan Adams, Chris Brown, Nelly, Riff Raff und wie die der Vergewaltigung bezichtigen Gangsta-Rapper alle sonst noch so heißen?  Wir sperren sexistische Texte von Bushido &amp; Co? (Ja ja, Ryan Adams ist kein Gangsta Rapper. Weiß auch ich). Was ist mit den Kantaten und Chorälen des Antijudaisten Bach? Wie gehen wir mit den Opern Richard Wagners um? Muss der Grüne Hügel geschlossen werden und Bayreuth Insolvenz anmelden? Das ist was völlig anderes, behaupten Sie nun, überhaupt nicht miteinander vergleichbar? Warum nicht, frage ich. Musik ist Musik. Von <a href="http://www.spiegel.de/panorama/leute/missbrauchsvorwuerfe-woody-allen-wehrt-sich-gegen-adoptivtochter-a-950799.html">Woody Allen</a> und <a href="https://www.stern.de/lifestyle/leute/roman-polanski-soll-weitere-minderjaehrige-missbraucht-haben-7580100.html">Roman Polanski</a>, denen Ähnliches wie Jackson vorgeworfen wird, will ich hier, da sie ja keine Musiker, sondern Regisseure sind, gar nicht erst anfangen, obwohl mir beim Schlachtruf &#8222;Kill your Idol!&#8220; die Trennlinie zwischen Film und Pop weiterhin nicht so ganz klar ist. Ich persönlich bleibe bei meinem Credo: Werk und Künstler sind nicht dasselbe. Andernfalls dürfte ich ja auch den Krimi <a href="https://www.welt.de/vermischtes/article1159793/Polnischer-Romanautor-wegen-Mordes-verurteilt.html"><em>Am</em><em>ok</em> von Krystian Bala</a> nicht in die Hand nehmen, da der Autor in diesem Buch einen Mord schildert, den er selbst begangen hat. Soweit wollen wir den Rigorismus dann doch nicht treiben, meinen Sie jetzt, nachdem ich Ihnen einen kleinen Auszug der möglichen Verbotsliste präsentiert habe? Ich wiederum sage: Wenn schon supermoralisch, dann auch konsequent supermoralisch.</p>
<h2>Weshalb haben alle so lange in Neverland weggeschaut?</h2>
<p>Liegt das eigentlich Verstörende der Causa Jackson nicht darin, dass wir ihn zu Lebzeiten derart vergötterten, uns dermaßen von seinem Megastar-Glanz blenden ließen, dass wir damals nicht wahrhaben wollten, was letztlich jeder Boulevardreporter und Paparazzo in Los Angeles von den Dächern pfiff: die Ich-hab-euch-alle-so-lieb-Nummer ist Hollywood-Mimikry, der King of Pop ein der normalen Welt entrückter Egomane, die Gute-Onkel-Nummer dient vor allem dazu, kleine Jungs nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neverland-Ranch">Neverland</a> zu locken, um ihnen dort zwischen Kettenkarussell, Geisterbahn und Streichelzoo ungestört an die Figur zu gehen. Im Unterschied zu vielen anderen Missbrauchsfällen, bei denen es den Tätern gelingt, die unappetitliche Angelegenheit komplett zu vertuschen, drangen bei Jackson bereits vor drei Jahrzehnten so viele Details nach draußen, dass <a href="https://www.lecturio.de/magazin/die-prozesse-michael-jacksons/">1993 erste staatsanwaltschaftliche Ermittlungen</a> gegen ihn aufgenommen wurden. Und der Skandal bestand mMn darin, dass man diese Recherchen nach Zahlung von zwanzig (andere Quellen nennen bis zu 25) Millionen Dollar Schweigegeld an das (mutmaßliche) Opfer einstellte, und nicht weiter nachforschte. DAS war der Sündenfall! 2003 ein weiteres Mal aufgerollt, endete der Prozess anderthalb Jahre später mit einem <a href="http://www.spiegel.de/panorama/jackson-prozess-freispruch-ohne-freude-a-360383.html">Freispruch aufgrund unsicherer Beweislage</a>. Lag das an der eventuell fiktionalen Geschichte des neuen Klägers oder nur an unglaubwürdig klingenden Übertreibungen, oder war der King of Pop tatsächlich unschuldig? Außer den Beteiligten weiß das niemand, so dass es an dieser Stelle müßig ist, darüber zu spekulieren. Dass Wade Robson und James Safechuck damals noch als Entlastungszeugen zu Gunsten ihres Idols aussagten, während sie ihn in der aktuellen Doku schwer belasten, bedeutet auch kein Ruhmesblatt für diese beiden Herren.</p>
<h2>Der Versuch, uns selbst reinzuwaschen</h2>
<p>Ob die Reinkarnation Peter Pans nun ein notorischer Kindespeiniger war oder nicht, werden wir mit 100%iger Sicherheit nie erfahren. Das (angebliche) Scheusal liegt seit einem Jahrzehnt sechs Fuß unter der Erde, die mutmaßlichen Leidtragenden wurden mit ner Menge Geld zum Schweigen gebracht oder gaben – wie Robson und Safechuck – widersprüchliche Aussagen zu Protokoll. Jacksons Nachlassverwalter und seine Familie werden sich hüten, Licht ins pädophile Dunkel zu bringen. Von daher bleibt es im Moment beim Status „Beschuldigt, aber wegen Mangels an Beweisen (bisher) keiner konkreten Straftat überführt“. Reicht dieser Erkenntnisstand, der seit 1993 immer derselbe ist, aus, um die Stücke aus den Playlists der Sender zu entfernen? Das hätten die Verantwortlichen, falls Künstler und Werk gleichgesetzt werden, bereits vor 25 Jahren tun müssen. Heute wirkt die Aktion wie ein <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/michael-jackson-leaving-neverland-missbrauch-kunst-1.4358636">verspäteter Exorzismus</a>, mit dem die Anstalten vor allem sich selbst vom Vorwurf des Komplizentums zu reinigen versuchen.</p>
<p>Völlig losgelöst davon, ob <em>Beat it</em> und <em>Billie Jean</em> jetzt aus den Programmen verbannt sind: beim nächsten <em>Bad!</em> werde ich, bevor ich weiterzappe, automatisch an Kindesmissbrauch denken. Wird lange dauern, bis wir die Jackson-Songs wieder unbeschwert als 80er-/ 90er-Partymucke anhören können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/kultur/leaving-neverland/">Leaving Neverland</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Die (Fernseh-) Wüste lebt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2016 05:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Ostermontag lief "Sherlock" direkt nach dem "Tatort". Größer kann die die Fallhöhe zwischen genialem Fernsehen und Massenware nicht sein. Briten, US-Amerikaner aber auch Skandinavier sind deutschen Produktionen um Jahre voraus. Besserung ist nicht in Sicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Von Woody Allen wird erzählt, dass er sich die Beziehungskomödie „Der bewegte Mann“ in einem Off-Kino angesehen habe, um den deutschen Humor zu verstehen. Der US-Regisseur soll das Lichtspielhaus verstört verlassen haben. Ob Allen auch „Tatort“ oder „Der Alte“ gesehen hat, ist nicht bekannt. Man muss aber kein US-Filmgenie sein, um deutsche Krimimassenware als international höchstens viertklassig abzutun. Getretener Quark wird breit, nicht stark, das wusste schon Dichterfürst Goethe.</p>
<p style="text-align: left;">Die Programmverantwortlichen der deutschen Sender indes scheinen sich um diese Weisheit nicht zu scheren. Ansonsten würden sie manche Formate nicht so zu Tode inflationieren, wie es sonst nur die venezolanische Staatsbank mit ihrer Landeswährung Bolivar tut.</p>
<h2>&#8222;Der Alte&#8220; ist der wahre &#8222;Walking Dead&#8220;</h2>
<p>Gefühlt hat jedes mittelfränkische Mittelzentrum inzwischen sein Tatort-Ermittlerteam und „Der Alte“ wandelt schon in der dritten oder vierten Inkarnation durch die Münchner Vorortvillen, quasi als echter „Walking Dead“. Kein Wunder, dass den Drehbüchern dieser Endlosserien die Luft ausgehen muss. Längst bin ich aus der deutschen Serienwelt ausgestiegen und halte mich an britischen oder US-amerikanischen Produktionen schadlos. Die sind entweder unterhaltsamer, innovativer oder lustiger als hiesige Produktionen. Meist aber, wie im Fall von „Sherlock“ oder „Game of Thrones“ schlagen sie die Fernsehware aus Germany in allen Kategorien.</p>
<p>Als mit Kassel die dritte Stadt meiner hessischen Heimat ein <a title="Jedes Nest hat einen Tatort-Ermittler" href="http://diekolumnisten.de/2016/02/15/out-of-hildburghausen/" target="_blank" rel="noopener">Tatort-Ermittlerteam </a>bekam, habe ich mich an dieser Stelle über diesen Dinosaurier deutscher Fernsehunterhaltung ausgelassen. Die Reaktionen darauf waren nicht durchweg positiv. Einige Bekannte verwiesen auf den Anspruch der Serie, andere auf Highlights &#8211; wie den Münsteraner Tatort-, der eher einem Comedy-Film als einem Polizeiformat ähnelt. Auch wurden die noch immer sehr hohen Quoten angeführt, die der Tatort allsonntäglich verbuchen kann.</p>
<h2>ARD und ZDF altern mit ihren Zuschauern</h2>
<p>Letzteres ist mir ein Rätsel. Erklären kann ich es mir mit einem gewissen Strukturkonservatismus, der die Deutschen wohl in ihrem Wesen auszeichnet. Zu Revolutionen fühlte sich unser Volk nie berufen. Nicht einmal, wenn man dazu nur den Um- oder Ausschaltknopf auf der Fernbedienung drücken müsste. Zudem altern ARD und ZDF mit ihren Zuschauern – und ältere Menschen ändern ihre Gewohnheiten erst recht nicht. Lieber schläft man mit dem &#8222;Alten&#8220; oder Lena Odenthal ein, als dass man sich an den lüsternen Zwerg aus „Game of Thrones“ oder den Bomben legenden Konvertiten aus „Homeland“ heranwagt. In einem Land, in dem Florian Silbereisen und der Musikantenstadl reüssieren und Helene Fischer als Superstar gilt, können auch Gähngestalten wie Schenk und Ballauf ihr lebenslanges TV-Refugium haben.</p>
<p>Als Helmut Kohl 300.000 Menschen auf der Bonner Hofgartenwiese gegen die Nachrüstung demonstrieren sah, kamen ihm Zweifel an seiner Sicherheitspolitik. Können all diese Menschen unrecht haben, hat er sich gefragt. Später erst habe die Geschichte aus seiner Sicht die Antwort gegeben. Angesichts der unzähligen Tatort-Fans frage auch ich mich: Können sich all diese Fans irren oder liegst nicht Du mit Deiner Ablehnung der Reihe daneben?</p>
<h2>Fallhöhe zwischen Cumberbatch und Makatsch</h2>
<p>So lange wie beim Altbundeskanzler hat es bei mir nicht gedauert, bis ich mich in meiner Position bestätigt sah. Genau genommen, fiel es mir am Ostermontag wie im tagesaktuellen Emmaus-Evangelium wie Schuppen von den Augen. Da lief direkt im Anschluss an einen Tatort mit Ex-VIVA-Girlie Heike Makatsch eine Sonderfolge der hoch gehandelten Serie „Sherlock“. Zwar habe ich nur die BBC-Produktion mit dem koksenden Kultdetektiv gesehen, aber die Reaktionen von Kritikern und Fans reichten mir zum Vergleich.</p>
<p>Bezeichnend eine <a title="Tatort ist wie PUR als Vorgruppe" href="https://twitter.com/ORasche/status/714658527315419136" target="_blank" rel="noopener">Äußerung</a> bei twitter: &#8222;Dieser Tatort und danach Sherlock, das ist wie ein Rolling Stones-Konzert mit PUR als Vorgruppe&#8220;. Weniger originell, dafür umso eindeutiger ein anderer<a title="Deutsches Fernsehen ist zum Weinen" href="https://twitter.com/nieschwietz/status/714543447177359361" target="_blank" rel="noopener"> tweet:</a> <a title="Sherlock schlägt Tatort" href="http://www.bild.de/unterhaltung/tv/tatort/versus-sherlock-starke-konkurrenz-fuer-makatsch-45098982.bild.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;#Sherlock:</a> Das ist einfach alles so gut gemacht, dass ich weinen muss, wenn ich an deutsches Fernsehen denke&#8220;. Drastischer kann man die Fallhöhe zwischen „Tatort“ und „Sherlock“, zwischen Heike Makatsch und Benedict Cumberbatch nicht auf den Punkt bringen.</p>
<h2>US-Sender haben größeren Markt</h2>
<p>Warum die Deutschen so erfolgslos Fernsehserien produzieren wie die US-Amerikaner (die Männer jedenfalls) Fußball spielen, darüber wurde schon viel geschrieben und noch mehr nachgedacht. Zum einen wird es mit dem größeren Markt und der größeren Zahl profilierter Schauspieler begründet. So kommen viele der innovativen Serien von HBO, einem Spartensender, der eben kein „Broadcasting“, kein Fernsehen für ein breites Publikum machen will, sondern sich auf anspruchsvolle Unterhaltung für klar definierte Zielgruppen (&#8222;narrow casting&#8220;) spezialisiert hat. &#8222;Game of Throne&#8220; etwa erzählt eine komplexe, durchgehende Geschichte, bei der die Zuschauer ständig am Ball bleiben müssen. Hauptfiguren kommen und gehen. Immer wieder werden neue Handlungsstränge entwickelt.</p>
<p>Zudem finanzieren sich viele der HBO-Erfolgsproduktionen durch DVD-Verkäufe oder weltweites Streaming bei Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime. US-amerikanische Populärkultur funktioniert eben auch in Europa und Asien. Deutsche Fernsehmacher dagegen finden einen begrenzten Markt. 80 Millionen Deutsche, rund 8 Millionen Österreicher, rund 8 Millionen Schweizer, eine Hand voll Liechtensteiner. Dazu Minderheiten in Luxemburg, Belgien, Südtirol und Namibia. Das war es.</p>
<h2>Auch Briten und Dänen liefern starke Formate</h2>
<p>Dabei sind viele Junge und Dynamische aus der deutschsprachigen Zielgruppe längst zu den Streaming-Portalen emigriert. Und dort wollen sie nicht unbedingt Stoffe aus München-Haidhausen oder Frankfurt-Bonames sehen. New York, London oder Phantasiewelten kommen besser an. Man hört ja auch nicht die Kastelruther Spatzen oder Bernhard Brink, sondern eher Coldplay oder Madonna, wenn nicht gar Iron Maiden oder Eminem.</p>
<p>Doch allein mit dem Mangel an Masse und finanziellen Möglichkeiten können sich die deutschen Sendeanstalten nicht herausreden. So stammt &#8222;Sherlock&#8220; nicht von einem US-amerikanischen Hipster-Kanal, sondern von der guten alten BBC, der Mutter aller öffentlich-rechtlichen Sender. Und der sollte kommerzieller Erfolg ebenso egal sein, wie ARD oder ZDF.</p>
<h2>Danmarks Radio hat kleineres Budget als ARD</h2>
<p>Ohnehin feuern die BBC und die private Konkurrenz von ITV immer wieder neue Geniestreiche ab. „Broadchurch“, „Luther&#8220; oder das kriminalistische Erweckungserlebnis der 90er Jahre „Für alle Fälle Fitz“ sind nur die bekanntesten Erfolgsserien von der Insel. Auch die Skandinavier liefern seit Jahren Produktionen ab, die hiesige Massenware klar in den Schatten stellen. „Die Brücke“, „Kommissarin Lund“ und „<a title="Borgen - ein Hit aus Dänemark" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Borgen_%E2%80%93_Gef%C3%A4hrliche_Seilschaften" target="_blank" rel="noopener">Borgen &#8211; Gefährliche Seilschaften</a>“ heißen einige der außergewöhnlichen Formate. Dabei verfügen Dänemark und Schweden nur über ein Zehntel der Einwohnerzahl Deutschlands. Auch ist der für &#8222;Borgen&#8220; verantwortliche Sender Danmarks Radio ebenfalls öffentlich-rechtlich organisiert. Er hat längst nicht das Budget von ARD oder ZDF.</p>
<p>So dürften Strukturkonservatismus, Kopflastigkeit und Risikoscheu die eigentlichen Fundamente der Serienwüste Deutschland sein. Der gesamte deutsche TV-Markt ist nicht innovationsfreundlich. In Schweden und Dänemark sieht das anders aus &#8211; da sind die Öffentlich-Rechtlichen an interessanten Co-Produktionen beteiligt. Hierzulande wird &#8211; so lange die Quoten stimmen &#8211; wie gewohnt weiter gewerkelt, werden halbtote Pferde zu Tote geritten. Das ist kurzfristig einfacher und billiger. Und es erspart den Verantwortlichen Konflikte in den hierarchisch organisierten Sendern.</p>
<h2>Neue Fehlerkultur muss her</h2>
<p>Mitentscheiden wollen beim deutschen Fernsehehen viele. Wo die trendigen US-Sender den Kreativen das Steuer überlassen, gilt in good old Germany immer noch das Prinzip der vielen Köche. Und oft haben diese Köche auch politische Loyalitäten zu berücksichtigen. Man stelle sich vor, in einer deutschen Rundfunkanstalt käme jemand auf die Idee, eine Serie mit Zombies, einem Drogen dealenden Lehrer oder einem notgeilen Gnom zu drehen und sie zur Hauptsendezeit auszustrahlen. Den Widerstand und die Bedenken in den Gremien kann man sich bildlich vorstellen. Floppt das Format erst einmal, weil ein Teil der Zuschauer wegen der komplexen Handlung aussteigt, kann es für den zuständigen Redakteur schnell ungemütlich werden. Mir ist unklar, ob FDP-Chef Christian Lindner auch an die hiesige Fernsehlandschaft denkt, wenn er immer wieder eine andere <a title="Lindner fordert andere Fehlerkultur" href="https://www.facebook.com/welt/videos/10153103608413115/" target="_blank" rel="noopener">Fehlerkultur </a>für Deutschland fordert. Dies wäre aber eine entscheidende Voraussetzung, damit es endlich einen deutschen &#8222;Sherlock&#8220; oder ein deutsches &#8222;Borgen&#8220; gibt.</p>
<p>Noch sind solche Produktionen aber nicht am Horizont erkennbar. Dafür aber jede Menge &#8222;Bergdoktor&#8220;, &#8222;In aller Freundschaft&#8220; oder &#8222;SOKO Leipzig&#8220;. Die deutsche (Fernseh-) Wüste, sie lebt!</p>
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