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	<title>Chile-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Chile-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Innovation statt Mañana</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 04:30:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Momente, in denen man als Europäer nur staunen kann. Einer dieser Momente ist, wenn man in Buenos Aires eine Rechnung mit dem Handy in Sekunden überweist, in Santiago de Chile staatliche Dokumente per App beantragt – und dann zurück nach Deutschland kommt, wo man im Restaurant oder im Fachgeschäft gesagt bekommt, dass nur Barzahlung möglich ist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/politik/innovation-statt-manana/">Innovation statt Mañana</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Momente, in denen man als Europäer innehalten sollte. Ein solcher Moment ist, wenn man in Buenos Aires eine Rechnung in Sekunden per Smartphone bezahlt, in Santiago staatliche Dokumente per App beantragt – und dann zurück nach Deutschland kommt, wo im Restaurant oder im Fachgeschäft noch immer der Satz fällt: „<a href="https://texte-zur-sache.de/2024/01/21/selbstbedienungskasse-oder-darf-ich-mal-kurz-in-deine-tuete-gucken/">Nur Barzahlung</a>.“ Diese Erfahrung ist mehr als eine Anekdote. Sie ist ein Perspektivwechsel. Denn Lateinamerika gilt hierzulande nach wie vor als Kontinent der wirtschaftlichen Instabilität, politischer Turbulenzen und infrastruktureller Defizite. Ein Ort, an dem Dinge gerne auf morgen verschoben werden: mañana. Und ja – vieles davon stimmt noch immer. Aber in einem entscheidenden Bereich ist dieses Bild nicht nur überholt, sondern schlicht falsch: der Digitalisierung. Dort hat sich in den vergangenen Jahren eine stille, tiefgreifende Transformation vollzogen. Und Europa, Deutschland im Besonderen, hat sie kaum zur Kenntnis genommen.</p>
<h2>Die Not als Mutter der Disruption</h2>
<p>Die vielleicht unbequemste Wahrheit lautet: Der digitale Fortschritt Lateinamerikas ist kein Zufall. Und er ist auch kein Ausdruck besonderer technologischer Brillanz. Er ist das Ergebnis von Mangel. Wo ein Großteil der Bevölkerung keinen Zugang zu klassischen Bankkonten hat, optimiert man keine bestehenden Strukturen. Man überspringt sie. Wer einmal vor 2023 in Argentinien vor einem Geldautomaten stand, versteht das sofort: Stundenlanges Warten, begrenzte Auszahlungen, leere Automaten. Ein Finanzsystem, das im Alltag schlicht nicht zuverlässig funktionierte. Gleichzeitig erreichte die Inflation unter dem bisher letzten peronistischen Präsidenten Alberto Fernández zwischen 2019 und 2023 Werte von teilweise über 200 Prozent. Vertrauen in Institutionen? Kaum vorhanden. Planungssicherheit? Nicht existent. In einem solchen Umfeld ist Innovation kein „Nice-to-have“. Sie ist Überlebensstrategie.</p>
<p>Genau deshalb entstand <a href="https://www.mercadopago.com.ar/">Mercado Pago</a>. Ursprünglich als Bezahllösung für den E-Commerce gedacht, ist es heute für Millionen Argentinier die zentrale Finanzinfrastruktur. Bezahlt wird per QR-Code, gespart in der App, Kredite werden mit wenigen Klicks vergeben, Händler akzeptieren Zahlungen ohne klassische Terminals. Es ist ein komplettes Finanzsystem – gebaut für eine Realität, in der das alte System nicht funktioniert. Währenddessen hängt in Deutschland noch oft das Schild: „Hier nur Bargeldzahlung möglich.“</p>
<h2>Brasilien: Wenn der Staat Tempo macht</h2>
<p>Brasilien zeigt, dass Innovation nicht nur aus Not entstehen kann – sondern auch aus politischem Willen. Mit <a href="https://www.bcb.gov.br/en/financialstability/pix_en">Pix</a> hat die Zentralbank ein Zahlungssystem geschaffen, das in seiner Konsequenz in Europa bis heute fehlt: Echtzeitüberweisungen, rund um die Uhr, kostenlos für Privatpersonen, interoperabel zwischen Banken und Fintechs. Pix ist kein Zusatzangebot. Es ist Infrastruktur. Innerhalb weniger Jahre wurde es zur dominierenden Zahlungsmethode des Landes. Bargeld verliert rapide an Bedeutung. Selbst kleinste Beträge werden digital abgewickelt.</p>
<p>Die Zahlen sind eindrucksvoll: 64 Milliarden Transaktionen im Jahr 2024, ein Wachstum von über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch fast noch bemerkenswerter ist die Entstehungsgeschichte: Entwickelt für weniger als 14 Millionen Real, die Kosten der Einführung größtenteils den Banken auferlegt. Ein staatliches System, das effizient, kostengünstig und massentauglich ist. Wer schon einmal mit der Deutschen Bahn gefahren ist, staunt und wundert sich.</p>
<h2>Nubank: Finanzielle Inklusion in Echtzeit</h2>
<p>Der vielleicht deutlichste Beleg für die Dynamik der Region ist <a href="https://international.nubank.com.br/about/">Nubank</a>. 2013 gegründet, heute eine der größten Digitalbanken der Welt. Über 120 Millionen Kunden, keine Filialen, keine klassischen Gebührenmodelle. Doch die eigentliche Leistung ist nicht die Größe. Es ist die Wirkung. Nubank hat Millionen Menschen erstmals Zugang zum Finanzsystem verschafft – Menschen ohne Kredithistorie, ohne festes Einkommen, ohne Vertrauen in traditionelle Banken. Was hier passiert, ist mehr als ein Fintech-Erfolg. Es ist ein sozialökonomischer Wandel, der in Europa so kaum denkbar wäre – schlicht, weil der Druck fehlt.</p>
<h2>Chile: Der Staat als Plattform</h2>
<p>Während in vielen europäischen Ländern die Digitalisierung der Verwaltung an Zuständigkeiten und Prozessen scheitert, zeigt Chile, was möglich ist, wenn der Staat sich als Plattform versteht. Mit der <a href="https://claveunica.gob.cl/">ClaveÚnica</a> verfügt das Land über ein zentrales digitales Identitätssystem, das den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen bündelt: Steuererklärungen, Sozialleistungen, Dokumente – alles über eine einheitliche Schnittstelle. Chile hat früh in E-Government investiert, institutionelle Strukturen geschaffen und digitale Identität zur Priorität gemacht. Natürlich ist auch dieses System nicht frei von Problemen: Fragmentierung, Fachkräftemangel, strukturelle Grenzen. Aber der Unterschied ist entscheidend: Es gibt eine klare Richtung. Und einen politischen Willen, diese Richtung auch umzusetzen.</p>
<h2>Die eigentliche Lektion</h2>
<p>Es wäre falsch, Lateinamerika zu idealisieren. Argentinien bleibt wirtschaftlich fragil, Brasilien kämpft mit Betrug im Pix-System, Chile steht vor strukturellen Herausforderungen. Aber genau darin liegt die eigentliche Erkenntnis. Innovation entsteht selten aus Komfort. Sie entsteht aus Druck, aus Mangel, aus der Notwendigkeit, bestehende Systeme zu überwinden. Lateinamerika hatte keine Wahl, als viele dieser Systeme zu überspringen. Europa hat diese Wahl noch. Doch genau darin liegt das Risiko. Wer sich nicht aktiv verändert, wird verändert. Die deutsche Autoindustrie erlebt diesen Prozess bereits – schmerzhaft und sichtbar. Oder, um es mit dem oft zitierten Satz zu sagen, der Michail Gorbatschow zugeschrieben wird: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“</p>
<p>Man muss nicht nach Brasilien reisen, um zu verstehen, dass Geld in Sekunden transferiert werden kann. Und man muss nicht nach Chile fliegen, um zu sehen, wie digitale Verwaltung funktioniert. Aber der Blick dorthin hilft, die eigene Trägheit zu erkennen. Und genau darin liegt der eigentliche Wert dieser Perspektive.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/politik/innovation-statt-manana/">Innovation statt Mañana</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Evo will Meer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Oct 2018 06:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Populismus]]></category>
		<category><![CDATA[Salpeterkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Pinera]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Boliviens Präsident Evo Morales beansprucht von Chile einen Küstenstreifen, den sein Land vor rund 135 Jahren im Salpeterkrieg verloren hat. Um diesen vorgeblichen Anspruch durchzusetzen, ist er vor den Internationalen Gerichtshof gezogen. Die Richter in Den Haag wiesen den Linksnationalisten in die Schranken. Der will den Konflikt aber am köcheln halten, auch um sich seine Wiederwahl zu sichern. Ein gefährliches Spiel.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/politik/evo-will-meer/">Evo will Meer</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn derzeit über Populismus in Südamerika gesprochen wird, dann meistens über die Linkspopulisten in Venezuela, die das einstmals reichste Land des Subkontinents binnen zweier Dekaden zum Armenhaus herunter gewirtschaftet haben. In Mode gekommen ist neuerdings auch der Rechtspopulist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jair_Bolsonaro">Jair Bolsonaro</a>, der kürzlich die erste Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahl gewonnen hat und sich in der Vergangenheit gelegentlich wohlwollend über die Militärdiktatur von 1964 und 1985 äußerte. Etwas unter dem Radar der Weltpresse segelt derzeit Boliviens Präsident Evo Morales, obwohl der in seinem Land stark in die Kritik geraten ist und deshalb versucht, mit einem außenpolitischen Hasardspiel zu punkten. Der Spielfilm <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wag_the_Dog_%E2%80%93_Wenn_der_Schwanz_mit_dem_Hund_wedelt">&#8222;Wag the dog&#8220;</a> lässt grüßen.</p>
<p>Warum ist der einst so scheinbar erfolgreiche Linksnationalist inzwischen umstritten? Zum einem will sich der frühere Kokabauer entgegen einem <a href="https://amerika21.de/2016/02/145542/mehrheit-bolivien-fuer">gescheiterten</a> Referendum, das die erneute Wiederwahl des seit 2006 regierenden Morales möglich machen sollte, im nächsten Jahr wieder als Staatschef zur Wahl stellen. Auf Kritik im In- und Ausland stieß der Sozialist auch, als er im August seinen neuen Regierungspalast einweihte. 34,4 Millionen US-Dollar &#8211; umgerechnet 29,8 Millionen Euro &#8211; soll der Bau verschlungen haben. Eine, für das arme Bolivien nicht gerade bescheidene Summe. Hinzu kommt, dass der &#8222;Großes Haus des Volkes&#8220; genannte Palast, architektonisch nicht in die historische Altstadt von La Paz passt. &#8222;Spiegel-Online&#8220;, nicht gerade ein rechtskonservatives Kampfblatt der Konterrevolution, nannte das 120 Meter hohe Bauwerk einen <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/bolivien-evo-morales-eroeffnet-luxurioesen-regierungsturm-a-1222508.html">&#8222;Protzturm&#8220;</a>. Was angesichts eines Präsidentenbereichs, der mit einer Sauna, einem Jacuzzi und einem Fitnesscenter ausgestattet sein soll, wohl keine ganz falsche Einordnung ist. Für Ärger im Land sorgen außerdem diverse ökologisch umstrittene Infrastrukturprojekte so wie immer wieder laut werdende Korruptionsvorwürfe gegen Vertreter der Regierungspartei.</p>
<h2>Wegen Protzpalast in der Kritik</h2>
<p>Dass man, einmal derart unter Druck geraten, versucht, das Spielfeld zu wechseln, ist eine gängige Taktik der Krisenkommunikation. Schon ganz andere Politiker haben mit dieser Strategie Erfolg gehabt. Unter anderem die hiesigen Kanzlerin, der US-Präsident und sogar Papst Franziskus. Morales spielt dabei aber ein ganz gefährliches &#8211; nationalistisches &#8211; Spiel, denn er will mehr und zwar: Meer. Konkret geht es um einen Küstenabschnitt, den Bolivien 1883 (! &#8211; damals regierte in Deutschland noch Kaiser Wilhelm &#8211; und zwar der Erste, nicht der Zweite) nach einer Niederlage im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Salpeterkrieg">Salpeterkrieg</a> an den Nachbarn Chile abtreten musste. Bis vor den <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/den-haag-boliviens-anspruch-auf-meerzugang-zurueckgewiesen-15816576.html">Internationale Gerichtshof in Den Haag</a> ist der streitbare Staatschef in seinem Kampf ums Meer gezogen. Anfang Oktober entschieden die Richter in den Niederlanden dann aber zu Gunsten der Chilenen. Chile sei rechtlich nicht verpflichtet, Verhandlungen mit Bolivien über einen Zugang zum Pazifik zu führen, sagte Richter Abdulqawi Ahmed Yusuf. Morales will nicht klein beigeben, sondern jetzt außerhalb der gerichtlichen Instanzen Verhandlungsdruck auf Chile aufbauen.</p>
<h2>Niederlage vor Internationalem Gerichtshof</h2>
<p>Treffender als Morales`chilenischer Amtskollege Sebastian Pinera hätte man das Urteil dagegen kaum kommentieren können: &#8222;Heute ist ein großer Tag für Chile, aber auch für das internationale Recht und das gesunde und friedliche Zusammenleben der Staaten&#8220;. In der Tat: Wer sich an die jugoslawischen Erbfolgekriege der 90er Jahre erinnert, der weiß, wie gefährlich der Mix aus übersteigertem Nationalismus, Populismus und dem Streben nach Machterhalt im Extremfall werden kann. So ließen die verschiedenen Machthaber in den jugoslawischen Teilrepubliken den Geist des Nationalismus vor allem deshalb aus der Flasche, um sich nach dem Tode des Patriarchen Tito und dem Niedergang der sozialistischen Ideologie an der Macht halten zu können &#8211; oder aber an die Macht zu gelangen.</p>
<p>Man muss es klar benennen: Vom Grundsatz agiert her agiert der Linksnationalist Morales ganz ähnlich. Er braucht den nationalistischen Trommelwirbel, um sich seine Wiederwahl zu sichern.</p>
<h2>Rhetorik wie in Ex-Jugoslawien</h2>
<p>Dass es anders als in Jugoslawien wohl in keinem Fall zu einem heißen Krieg zwischen Bolivien und Chile kommen wird, dürfte vor allem am militärischen und ökonomischen Ungleichgewicht zwischen den beiden Ländern liegen. Die Chilenen sind so haushoch überlegen, dass ihre Armee im Ernstfall schon nach wenigen Tagen vor Evos Protzturm stehen dürfte. Morales mag zwar ein gnadenloser Populist und Zocker sein, aber so rational, dass er seine Chancen richtig einschätzen kann, ist der dann doch.</p>
<p>Der Großsprecher aus La Paz dürfte den Konflikt mit Chile vor allem deshalb am köcheln halten, weil er einen Sündenbock für die Fehlentwicklungen im eigenen Land braucht. Und so argumentiert Morales ständig, dass nur ein eigener Zugang zum Meer dem ärmsten südamerikanischen Land endlich zu wirtschaftlichem Wachstum und Entwicklung verhelfen könnte. Dass das Kokolores hoch drei ist, dürfte er selbst wissen. Ein Meereszugang war vielleicht vor ein paar Jahrhunderten wichtig, als das Schiff noch das schnellste und effektivste Verkehrsmittel auf der Langstreckte war. In der Zwischenzeit gibt es Flugzeuge, Güterzeuge und Monster-LKW. Und, was von Morales gewogenen Stimmen geflissentlich verschwiegen wird: Der andere Nachbar Peru hat Bolivien 1992 in einem Freundschaftsvertrag für 50 Jahre den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilo_(Peru)">Hafen von Ilo</a> als Freihafen und Freihandelszone überlassen, inklusive fünf Kilometer Küstenstreifen und fünf Kilometer Strand.</p>
<h2>Viele Binnenstaaten sind reich</h2>
<p>Und überhaupt: Wer sagt, dass Binnenstaaten ärmer als ihre Nachbarn sein müssen? Ein Land, dem es in seiner Geschichte ähnlich ergangen ist wie Bolivien, liegt vor unserer Haustür: Österreich. Und niemand kann behaupten, dass sich die Alpenrepublik im Niedergang befindet, nachdem sie 1918 alle Seehäfen &#8211; wie etwa <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Triest">Triest</a> oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Koper">Koper</a> &#8211; als Folge des Ersten Weltkrieges an Italien und Jugoslawien abgeben musste. Nun sitzen in der aktuellen Wiener Regierung auch einige Politiker mit populistischem Hintergrund. Aber selbst von denen sind bislang keine Gebietsansprüche gegenüber Italien und dem inzwischen unabhängigen Slowenien laut geworden. Und auf dem ärmsten Kontinent überhaupt, Afrika, gilt ausgerechnet<a href="https://www.dw.com/de/botswana-diamanten-f%C3%BCrs-volk/a-2648339"> Botswana</a> als Musternation &#8211; und das ist ebenfalls ein Binnenstaat.</p>
<p>In Asien liegt der Binnenstaat Mongolei. Der ist zwar reich an Rohstoffen, der Wohlstand ist allerdings mindestens genauso ungleich verteilt wie in Bolivien. Immerhin machen die Vertreter der führenden mongolischen Parteien nicht das böse Schicksal oder andere Länder für ihre Misere verantwortlich, sondern benennen zumindest verbal die im <a href="https://de.nachrichten.yahoo.com/mongolischer-verkehrsminister-wegen-mordes-seinem-ministerium-gefeuert-122608054.html">Steppenstaat grassierende Korrupt</a>ion als wesentliches Problem. Was ihre Taten angeht, sieht es dann schon anders aus. Im Gegensatz zu Morales verzichten die mongolischen Politiker immerhin, sich wieder und wieder im Amt bestätigen zu lassen. Seit der Einführung der Demokratie in den 90er Jahren wechseln dort die Präsidenten und Regierungschefs sogar deutlich öfter als in Deutschland.</p>
<h2>Morales spielt mit seinem Volk</h2>
<p>Wenn der bolivianische Präsident immer wieder einen Meereszugang einfordert und somit chilenisches Staatsgebiet beansprucht, dann gaukelt er seinem Volk ein ebenso illusorisches Trugbild vor, wie dies die deutschen Rechtsaußen getan haben, die bis zuletzt die Legitimität der Oder-Neiße-Grenze in Frage stellten. Besser wäre es, Morales würde endlich den Blick nach vorne richten und die wirtschaftliche Situation in seinem Land weiter verbessern. Bolivien ist Rohstoffreich &#8211; verfügt über Gasvorkommen und andere Bodenschätze. Und Morales ist es ja in den ersten Jahren seiner Regierung auch gelungen, einige der Erlöse daraus sinnvoll zu nutzen, um die Armut zu lindern und die Infrastruktur auszubauen. Am besten aber wäre es, der Präsident würde die Verfassung respektieren und sich aus der ersten Reihe der Politik zurückziehen. Ohnehin verbraucht sich irgendwann jeder an der Macht. Gerade regelmäßige Wechsel in Führungspersonen machen die Demokratie aus.</p>
<p>Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Morales als Held gefeiert worden wäre, wenn er den Präsidentenpalast vor zehn Jahren in Ehren verlassen hätte. Gerade für die Armen und die Indigenen im Land hat wohl kein bolivianischer Staatschef mehr erreicht. Aber auch diese Fan-Basis hat längst zu bröckeln begonnen. Es ist, wie es ist: Besser werden die Amtszeiten von Dauerregenten mit fortschreitender Zeit in der Regel nicht. Eine Erkenntnis übrigens, die nicht nur für Bolivien gilt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/politik/evo-will-meer/">Evo will Meer</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Der Letzte macht das Licht aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jan 2018 13:50:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn man durch Südamerika reist, trifft man überall Venezolaner. Weil es mit dem Land steil bergab geht und die Gewalt eskaliert, entscheiden sich immer mehr Menschen, Venezuela zu verlassen. In Kolumbien, Peru oder Chile üben sie oft gering bezahlte Jobs aus. Trotzdem sind sie glücklich, wieder genug zu essen und eine Perspektive für ihr Leben zu haben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/politik/der-letzte-macht-das-licht-aus/">Der Letzte macht das Licht aus</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Flughafen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Balmaceda_Airport">Balmaceda</a> im chilenischen Patagonien ist in etwa so groß wie die Bahnhofshalle einer deutschen Kleinstadt, genauso zugig und ähnlich heruntergekommen. Immerhin gibt es dort eine Cafeteria, durch die der Wind ebenso bläst wie durch den Rest der Flughafenhalle. Dort arbeitet Ros, eine junge Venezolanerin. Als Kellnerin in so einem Lokal zu arbeiten, dürfte eher nicht der Lebenstraum einer intelligenten jungen Frau sein. Ros ist aber froh, den Job zu haben. In einem zugigen Café, ausgerechnet in Chile, einem Land, dessen Gesellschaftsordnung wohl am ehesten dem entspricht, was der frühere tschechische Staatspräsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%A1clav_Klaus">Vaclav Klaus</a> einmal <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wirtschaft/gegen-das-buerokraten-europa-1628147.html?GEPC=s48">&#8222;Marktwirtschaft ohne Adjektiv&#8220;</a> nannte.</p>
<p>In ihrer Heimat, dem sozialistischen Venezuela des charismatischen Großsprechers Hugo Chavez und seines unfähigen Nachfolgers Nicolas Maduro, hatte Ros Medizin studiert und sich auf eine Karriere als Ärztin vorbereitet. Inzwischen ist nicht nur das venezolanische Gesundheitssystem zusammen gebrochen, selbst an den gängigsten Medikamenten mangelt es, auch sehen immer weniger junge Venezolaner eine Zukunft in ihrer Heimat. Nach beinahe 20 Jahren sozialistischer Herrschaft ist das einstmals reichste Land Südamerikas zu einem gescheiterten Staat geworden, dessen Bevölkerung der mittlerweile de facto diktatorisch regierende Machthaber Maduro nur noch mit Hilfe von Polizei, Militär und informellen Schlägertrupps einigermaßen unter Kontrolle halten kann.</p>
<h2>Immer Venezolaner flüchten aus ihrem Land</h2>
<p>Wer kann, der haut ab aus einem Land, in dem es kaum mehr etwas zu kaufen gibt und das 2017 mit einer Inflationsrate von über 2600 Prozent weltweiter Spitzenreiter bei der Geldentwertung war. Und bei <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/venezuela-rund-10-000-proteste-im-jahr-2017-a-1188067.html">Spiegel-Online war in diese </a>Woche zu lesen, dass die Zahl der Proteste infolge der Versorgungskrise und der Ausschaltung von Parlament und Opposition durch Maduros Regierung im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Die auf Konfliktstudien spezialisierte Organisation &#8222;Observatorio Venezolano de Conflictividad Social&#8220; (OVCS) teilte Spiegel-Online zufolge mit, dass im Jahr 2017 insgesamt 9787 Demonstrationen und andere Arten von Protestaktionen gezählt wurden. Auch dies dürfte weltweit ein Spitzenwert sein.</p>
<p>Und so hat nicht nur Flughafenkellnerin Ros das Land der leeren Regale und der geplatzten Träume verlassen. Eine ganze Generation ist dabei, mit den Füßen gegen den real existierenden Sozialismus à la Chavez und Maduro abzustimmen. Viele zieht es in die Nachbarländer Kolumbien und Brasilien. Andere gehen weiter weg, in die USA, nach Europa, nach Chile oder sogar nach Peru, auf das die Venezolaner noch vor ein paar Jahren eher mittleidig herab geschaut haben, das aber während der aufeinanderfolgenden Regierungszeiten mehrerer wirtschaftsfreundlicher, liberaler (Toledo, Kuczynski) oder sozialdemokratischer (Garcia, Humala) Präsidenten eine wahre Wachstumsrallye hingelegt hat.</p>
<h2>Starbucks statt Sozialismus</h2>
<p>Mittlerweile trifft man in den Coffeeshops von Lima oder Santiago de Chile ständig junge Venezolaner, die dort Kaffee aufbrühen anstatt in Caracas unter der krisenhaften Entwicklung infolge von Chavez` Sozialismus des 21. Jahrhunderts leiden zu müssen. Auch bei jedem zweiten Tankstopp füllte mir ein geflüchteter Venezolaner das Benzin in den Wagen. Und auf meine Frage, ob es ihnen schwer falle, in der Fremde einem eher schlecht bezahlten Job nachzugehen, sagten mir alle unisono, dass dies auf jeden Fall besser sei, als mit dem Failed State Venezuela weiter in die Misere abzurutschen.</p>
<p>Auch Ros berichtete mir, dass sie glücklich sei, in Chile wieder ein normales Leben leben zu können und eine Perspektive für ihr Leben zu haben. Und wenn es nur eine Arbeit in einer windigen Flughafencafeteria ist. Mit Tränen in den Augen fügte sie hinzu, wie sehr sie ihren bereits in Chile lebenden Verwandten dankbar sei, dass sie ihr das Geld für die Reise in den Andenstaat vorgestreckt hätten. Sie ist überzeugt: Immer mehr wollen weg, nur weg aus Venezuela. Falls sich Maduro oder ein ähnlich aufgestellter Nachfolger noch lange halten, dann, so befürchtet Ros, könnte irgendwann der Letzte das Licht in ihrer Heimat ausmachen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/politik/der-letzte-macht-das-licht-aus/">Der Letzte macht das Licht aus</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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