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	<title>Eurovision-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Politisches Lied und garstiges Lied</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 May 2016 08:30:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nie war der ESC so politisch wie heute. Während die Ukrainerin Jamala mit einer kaum versteckten Anklage Russlands den Sieg holte, landete Jamie-Lee Kriewitz für Deutschland auf dem letzten Platz. Verdientermaßen. Denn diesmal war nicht das politische Lied das garstige Lied.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein politisch Lied! Pfui! Ein garstiges Lied! Das, was Goethe einem Zecher in Auerbachs Keller in den Mund gelegt hat, dürfte ein Teil der Moskauer Elite nach dem Sieg der Ukraine beim diesjährigen Eurovision Song Contest, kurz ESC, empfunden haben. Dabei war der Beitrag &#8222;1944&#8220; der Sängerin Jamala im Gegensatz zu vielen anderen alles andere als garstig. Die gebürtige Krimtatarin hat Charme und Ausstrahlung, der Song ist mit seiner Mischung aus Moritat, Elektrobeats und orientalischer Folklore originell arrangiert.</p>
<p>Nur: Ohne seine politische Botschaft, die Anklage der Vertreibung der Krimtataren durch Stalin in der UdSSR im Jahr 1944, hätte das Lied nicht funktioniert &#8211; oder wäre zumindest nicht auf einem vorderen Rang gelandet. Insofern dürfte die russische Kritik, die Europäische Rundfunkvereinigung (European Broadcasting Union &#8211; EBU) habe mit der Zulassung des ukrainischen Beitrags gegen ihre eigenen Regeln verstoßen, im Kern berechtigt sein. Denn politische Botschaften sollen beim ESC eigentlich draußen bleiben. Das Vehikel der Ukrainer, Jamala beschreibe in ihrem Song lediglich die Gefühle ihrer deportierten Großmutter, wirkt allzu offensichtlich gekünstelt.</p>
<h2>EBU schafft gefährlichen Präzedenzfall</h2>
<p>Die EBU könnte somit einen gefährlihen Präzedenzfall geschaffen haben. Was soll man künftig Armeniern oder Aserbaidschanern sagen, die von den Traumata ihrer Angehörigen in den Scharmützeln und Kriegen um Berg-Karabach singen wollen? Oder einem Vertreter aus einem Balkanstaat, der Vorfälle aus den post-jugoslawischen Sezessionskriegen zum Thema machen möchte? Es wird spannend zu sehen, ob Jamala Nachahmerinnen oder Nachahmer findet, die versuchen, mit Politik zu punkten. Die Wahrscheinlichkeit erscheint groß. So wimmelte es dieses Jahr nur so von Klonen oder Epigonen des schwedischen Vorjahressiegers Mans Zelmerlöw. Am weitesten weg von Zelmerlöws Rezeptur waren wohl Siegerin Jamala und die letztplatzierten Deutschen mit einem sonderbaren Sonderweg. Aber dazu gleich mehr.</p>
<p>Eigentlich war bereits der Sieg von Conchita Wurst vor zwei Jahren Politik pur. Nur brauchte die österreichische Travestiekünstlerin nicht mit Worten politisch zu werden. Die Kunstfigur selbst war die Politik &#8211; und das ging mit den Regeln des Wettbewerbs konform.</p>
<h2>Australien hätte Sieg verdient gehabt</h2>
<p>Ganz ohne Politik hätte Australien wohl den Sieg davon getragen, knapp vor den zuvor favorisierten Russen, deren Eurodancehymne aber wohl zu überambitioniert und zu sehr Zelmerlöw 2.0 war. Dagegen lieferte die Australierin Dami Im, in sich ruhend und unprätentiös, eine stark arrangierte Pop-Ballade ab, die mit Sicherheit auch außerhalb des ESC-Mikrokosmos funktioniert.</p>
<p>Die einzige Kritik, die nach einem Sieg &#8222;Down unders&#8220; hätte laut werden müssen: Warum ist der fünfte Kontinent bei einem europäischen Musikwettbewerb überhaupt dabei?  Die Vorwegnahme einer möglichen Süderweiterung der Europäischen Union kann als eher unwahrscheinlich angesehen werden. Zumal Australien dann prompt großer Nettozahler wäre und seine sehr rigide Einwanderungspolitik auf den Prüfstand stellen müsste.</p>
<p>Im Popbereich indes hat das Land vom anderen Ende der Welt in den vergangenen Jahren mit Kylie Minogue, Natalie Imbruglia und Vanessa Amorosi einige international erfolgreiche weibliche Stars hervorgebracht. Mit denen kann sich Dami Im messen. Eine so große Popnation kann wohl auch richtig einschätzen, was das eigentliche garstige Lied des ESC-Abends war: der deutsche Beitrag, der zu recht mit klarem Abstand auf dem letzten Platz landete.</p>
<h2>Verschwörungstheorien ziehen nicht</h2>
<p>So schrieb ein australisches Nachrichtenportal, dass Sängerin Jamie-Lee Kriewitz wie eine japanische Touristin wirke, die in einem Berliner Club zu viel gefeiert habe. Ihr Lied sei nichts besonderes gewesen, ihr Outfit aber noch schlechter. Die Australier dürften der Wahrheit damit näher kommen, als alle Verschwörungstheoretiker, die das Abschneiden Deutschlands in eine Abstrafung für die Europapolitik der hiesigen Bundeskanzlerin umdeuten. Auch wenn der ESC schon immer politisiert war, selbst das russische Fernsehpublikum ließ Ukrainerin Jamala Punkte zukommen. Und die Ukrainier voteten für den Eurodance made in Moskau. Deshalb: Gemach, gemach, liebe Verschwörungstheoretiker!</p>
<p>Der hierzulande verantwortliche Sender NDR muss sich daher ernsthaft eine paar kritische Fragen gefallen lassen. Die beiden schwedischen Moderatoren parodierten in einer Pausennummer, was ein Song brauche, um beim ESC erfolgreich zu sein. Ihre nicht ganz ernst gemeinte Antwort: Glamour, Kostüme, Beats, ein wenig nackte Haut, Charme, Folklore sowie Themen á la Frieden oder Liebe. Also kurz gesagt: All das, was der deutsche Beitrag nicht zu bieten hatte.</p>
<h2>Sonderbares Manga-Mädchen</h2>
<p>Empathie ist hierzulande seit Monaten ein viel bemühtes Wort. Also seien wir empathisch und versetzen uns einmal in &#8211; sagen wir  &#8211; irische, albanische oder gar australische Fernsehzuschauer. Wieso sollen die einem sonderbaren Manga-Mädchen, das in einem noch sonderbaren Outfit durch einen künstlichen Gruselwald spaziert und dazu ein nichtssagendes Liedchen trällert, Stimmen geben? Wer darauf eine plausible Antwort geben kann, darf dank der Kraft seiner Illusion auch mit einer Verschwörungstheorie wiederkommen. Ansonsten kann man getrost der Meinung sein, dass selbst der Gnadenpunkt der georgischen Jury noch ein äußerst freundliches Geschenk für Jamie-Lee &amp; Co. war.</p>
<p>Ansonsten war das Niveau des diesjährigen ESC-Jahrgangs musikalisch durchaus akzeptabel. Es dominierten eingängige Popsongs, die auffällig oft von schwedischen Autorenteams konzipiert wurden. Do it like Zelmerlöw, hätte das Zweitmotto des ESC lauten können.</p>
<h2>Viel Mainstream-Pop und Schwedenstyle</h2>
<p>Die Damenwelt zog Glitzerkleider diesmal allzu viel Textilfreiheit vor, die Herren wählten Lederjacken und Löcherjeans als gängiges Outfit. Briten, Spanier und Franzosen konnten sich mit etwas frischeren Beiträgen von den Deutschen absetzen. Auch das italienische Hippie-Mädchen, das wider erwarten nicht &#8222;Karl der Käfer wurde nicht gefragt&#8220; sang, hatte seine Fans. Zypern schickte eine schräge Bon-Jovy-Cover-Band, die offenbar in Käfighaltung lebt. Allzu viel Punkte gab es dafür nicht.</p>
<p>Was fehlte waren schrille oder schräge Nummern sowie der früher häufiger aufgeführte typische Balkanstyle. In Ansätzen ließ ihn die kroatische Teilnehmerin anklingen, deren Outfit dann aber fast so daneben war, wie das von Jamie-Lee. Ein polnischer Minipliträger mit Wallemähne (Mischung aus Phantom der Oper und Wolle Petry) wurde stylingtechnisch zwar ebenfalls negativ auffällig, warum dessen Kitschbalade dann im Zuschauervoting so hoch gewertet wurde, war das eigentliche Mysterium des Abends.</p>
<h2>Hamburger Armenierin desklassiert Jamie-Lee</h2>
<p>Für Deutschland endete es indes mehrfach peinlich: Sowohl die Österreicherin Zoe als auch die aus Hamburg stammende Armenierin Iveta Muchuchyan deklassierten Jamie-Lee. Es hätte für Deutschland wohl selbst dann nicht schlimmer enden können, wenn &#8211; sagen wir einmal &#8211; Michael Wendler oder der aus &#8222;Goodbye Deutschland&#8220; bekannte Schlagernovize Jens Büchner angetreten wären.</p>
<p>Zoe dagegen landete mit ihrem zuckersüßem, auf französisch vorgetragenen Chanson &#8222;Loin d ´ici&#8220; weit vor dem deutschen Beitrag auf Platz 13.  Ihr Lied, das irgendwie an Louane erinnert und die &#8222;fabelhafte Welt der Amelie&#8220; aufleben lässt, traf den Massengeschmack offenbar weitaus besser, als eine schlechte K-Pop-Kopie made in Germany. Muchuchyan schaffte mit kraftvoller Ausstrahlung und wuchtigen Elektrobeats sogar Rang Sieben.</p>
<p>So war die eigentlich Erkenntnis des Abends: Ein politisches Lied muss nicht garstig sein &#8211; und ein garstiges nicht politisch.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Fußballwunder und neues Jerusalem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 2015 10:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[Darmstadt 98]]></category>
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		<category><![CDATA[Xavier Naidoo]]></category>
		<category><![CDATA[Yanis Varoufakis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch abseits der großen Politik war 2015 ein ereignisreiches Jahr; es gab Verlierer und Gewinner. Dirk Schuster schaffte mit Darmstadt 98 ein echtes Fußballwunder, ein griechischer Minister wurde zum Darling der Verschwörungstheoretiker. Und die ARD scheiterte mit dem Versuch, den Propheten des neuen Jerusalem für Deutschland singen zu lassen</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele nehmen den Jahreswechsel zum Anlass, um Bilanz zu ziehen, Personen des Jahres zu küren oder Gewinner und Verlierer in irgendwelchen Kategorien zu benennen. Wie subjektiv solche Rankings sind, zeigt das &#8222;Time Magazine&#8220;. In dessen Wertung zur &#8222;Person des Jahres&#8220; folgt auf die deutsche Bundeskanzlerin der Anführer des Islamischen Staates, dann kommt der hierzulande nicht gerade positiv konnotierte US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Viel gemeinsam dürften die drei Genannten nicht haben. Außer, dass sie vielleicht die Schlagzeilen der Medien maßgeblich mitbestimmt haben. Was allerdings auch auf FIFA-Präsident Blatter (immerhin &#8222;Schweizer des Jahres&#8220;), Vladimir Putin (hat gewiss ein Abo auf den Titel &#8222;Russe des Jahres&#8220;) oder Pep Guardiola (vielleicht &#8222;Katalane des Jahres&#8220;?) zutreffen dürfte.</p>
<h2>Alle küren ihre &#8222;Person des Jahres&#8220;</h2>
<p>Nun ist das &#8222;Time Magazine&#8220; mit seiner Kür nicht allein. Der &#8222;Kicker&#8220; etwa macht das auch. So unterschiedliche Publikationen wie die das &#8222;Handelsblatt&#8220;, der &#8222;Focus&#8220; und die &#8222;Gala&#8220; haben ebenso Listen mit Gewinnern des Jahres abgedruckt. Warum also nicht auch in dieser Kolumne ein paar Gewinner und Verlierer ausloben?</p>
<p>Da wir uns hier zumeist in der Welt von Film, Sport oder Kuriosem bewegen, soll sich das Casting auf diese Sphären beschränken. Kanzlerin und IS-Kalif fallen daher von vorn herein aus der Wertung. Trump immerhin bleibt im Rennen.</p>
<p>Für uns liegt nahe, sich dem Votum des &#8222;Kicker&#8220; anzuschließen und den Trainer von <a title="Fußball-Wunder Darmstadt" href="http://www.theeuropean.de/andreas-kern/10184-sv-darmstadt-98-in-der-ersten-bundesliga" target="_blank">Darmstadt 98</a>, Dirk Schuster, zur &#8222;Person des Jahres&#8220; zu krönen. Erstens wird jedem Fußball-Nostalgiker warm ums Herz, wenn ein Klub mit kleinstmöglichem Etat fast von Liga 4 in Liga 1 durchmarschiert und dabei noch dem mit Brause-Millionen gepamperten Retortenklub aus Leipzig eine lange Nase zeigt. Und obwohl die aktuellen Darmstädter Spieler zuvor überall gescheitert waren und das Klubumfeld an einen Zeitsprung zurück in die 70er Jahre erinnert, stellen die Lilien ab und an echten Bundesliga-Größen ein Bein. In der Halbzeit-Tabelle liegen die Südhessen vor weitaus finanzstärkeren Klubs wie Stuttgart, Hannover &#8211; und Dietmar Hopps Hoffenheim, dank SAP-Millionen ebenfalls einer der neureichen Kunstvereine.</p>
<h2>Schuster hat in Darmstadt ein Wunder vollbracht</h2>
<p>Wenn eine US-amerikanische Zeitung Deutschland &#8211; trotz Flughafen Berlin, Hamburger Elbphilharmonie und &#8222;Wertarbeit&#8220; á la Volkswagen &#8211; zur neuen &#8222;CanDo-Nation&#8220;, also zum Machervolk, erklärt, dann muss Darmstadt mindestens eine &#8222;CanDo-Stadt&#8220; sein und Schuster der &#8222;CanDo&#8220;-Typ schlechthin. In der Tat: SV98-Stürmer<a title="Interview mit Marco Sailer" href="http://diekolumnisten.de/2015/11/18/hinter-wunder-steckt-arbeit-marco-sailer-vom-sv-darmstadt-98-im-interview/" target="_blank"> Marco &#8222;Toni&#8220; Sailer berichtete uns in einem Interview</a>, dass der hessische Höhenflug keines Falls vom Himmel gefallen kam, sondern vielmehr die Frucht harter Arbeit war. Zudem betonte auch Sailer die überragende Bedeutung Schusters. Ohne seine Begeisterungsfähigkeit, seine Menschenführung und sein taktisches Geschick gäbe es am Böllenfalltor womöglich immer noch Dritt- oder Viertligaduelle gegen Großaspach, Chemnitz oder die Würzburger Kickers.</p>
<p>Stattdessen lernen nun Weltstars wie Xabi Alonso, Robert Lewandowski oder Chicharito die Vorzüge der 70er-Jahre-Atmosphäre im 98er-Stadion kennen. Läge Darmstadt in Österreich, der legendäre Fernsehkommentator Edi Finger hätte die Erfolgsstory gewiss mit einem &#8222;zwickts mi, i glaab i draam&#8220; kommentiert.</p>
<h2>Varoufakis &#8211; mehr Glanz als Substanz</h2>
<p>Mit dem &#8222;Wunder vom Böllenfalltor&#8220; ist es Schuster aus unserer Sicht gelungen, die gefühlte Nummer 2, den griechischen <a title="Als Politiker ein Flop, als Celebrity top: Varoufakis" href="http://www.theeuropean.de/andreas-kern/10235-euro-verhandlungen-zwischen-eu-und-griechenlan" target="_blank">Ex-Finanzministerdarsteller Yanis Varoufakis</a>, abzuhängen. Stünde nur dessen Wirken als Politiker zur Wertung, Varoufakis hätte selbst diese Platzierung eher nicht verdient. Aber wir konzentrieren uns ja auch auf Star-Appeal und Glamour-Faktor. So trüb die politische Bilanz nach nur einem halben Jahr Minister-Aufführung war, so rasant verlief Varoufakis`Aufstieg in der Yellow-Press und bei Verschwörungstheoretikern.</p>
<p>Mit Ledermantel, Motorrad und offenem Hemd brachte der virile Schuldenrebell mitunter gestandene Politmoderatorinnen zum Erröten. Seine steilen Thesen zur internationalen Finanzpolitik stiegen bei einer Querfront vom ganz linkem bis zum ganz rechten Rand zwischenzeitlich schneller im Kurs als die T-Aktie in ihren besten Tagen. Nicht nur in Griechenland werden inzwischen T-Shirts mit dem Konterfei des Hellen verkauft &#8211; angelehnt an ein entsprechendes Modell Ché Guevaras. Darüber hinaus bezeugte der Sozialist mit mehreren in Celebrity-Magazinen veröffentlichten Fotos, dass man zwar Marxismus predigen, dabei aber durchaus im üppigen Upper-Class-Ambiente residieren kann. Nicht immer bestimmt das Sein das Bewusstsein.</p>
<p>Vom abseitigen Wissenschaftler in Griechenland hin zum &#8222;sexiest rebel alive&#8220;. So einen Aufstieg schafft wohl nicht jeder Athener Wirtschaftsprofessor! Musste der Spieltheoretiker früher bei irgendwelchen obskuren Weltverbesserertreffen in Kroatien noch den &#8222;großen Effenberg&#8220; zeigen, um zumindest in radikalen Internetforen entsprechend Widerhall zu finden, so rissen sich die Talkshows zeitweise geradezu um ihn. Varoufakis`Bücher erzielen noch immer enorme Auflagen. Der Politjob als Prequell zum lukrativen globalen Revoluzzerrdasein. Auch so kann Karriere gehen.</p>
<h2>Immerhin: Grieche lieferte stets eine gute Show</h2>
<p>Für Griechen und Europäische Union indes war Varoufakis`Gastrolle in der Regierung im besten Fall eine verlorene &#8211; und sicher auch kostspielige &#8211; Zeit. Aber immerhin: Eine gute Show hat der Yanis stets abgeliefert &#8211; oder um es in der Sprache der Eiskunstlaufjuroren zu sagen: Die B-Note hat gestimmt&#8230;</p>
<p>Auf Platz drei setzen wir J. J. Abrams. Dem Regisseur und Produzenten ist es gelungen, mit <a title="Ein voller Erfolg: Star Wars VII" href="http://diekolumnisten.de/2015/12/14/mythos-macht-moneten/" target="_blank">&#8222;Star Wars &#8211; das Erwachen der Macht&#8220; </a>den erfolgreichsten Start der Kinogeschichte hinzulegen. Sicher, irgendwie ist es ein Selbstläufer, wenn der omnipotente Disney-Konzern die größte Kino-Franchise überhaupt wieder zum Laufen bringt. Allerdings ist der Film nicht nur handwerklich perfekt gemacht. Alte Stars wie Carrie Fisher oder Harrison Ford lassen auch langjährigen Fans schnell warm ums Herz werden; frische, unverbrauchte Schauspieler wie Daisy Ridley oder John Boyega führen mit ihrem Talent wiederum eindringlich vor Augen, warum das amerikanische oder britische Kino auch künftig Lichtjahre vor dem hiesigen liegen wird. Einen Til Schweiger könnte man sich nicht einmal in der Rolle von Jar-Jar Binks ernsthaft vorstellen&#8230;</p>
<h2>Abrams hat Mythos Star Wars neu belebt</h2>
<p>Abrams und sein Team haben nicht nur ein perfektes Ensemble aus jung und alt zusammengestellt. Es ist ihnen vor allem gelungen, einen Mythos aufleben zu lassen, ohne ihn konservieren zu wollen.</p>
<p>Gewiss, das &#8222;Erwachen der Macht&#8220; wirkt in weiten Teilen wie eine Hommage an die Anfänge des Star-Wars-Kults. Aber das dürfte Absicht gewesen sein. Wenn es Abrams nun schafft, im nächsten &#8211; bereits angekündigten &#8211; Stars Wars Streifen ganz neue Akzente zu setzen, dann ist ihm endgültig ein Platz im Hollywood-Olymp sicher.</p>
<p>Wo es Gewinner gibt, muss es auch Verlierer geben. Aber hier wollen wir zum Jahresende gnädig sein &#8211; und die meisten Unzulänglichkeiten mit dem Mantel des Schweigens bedecken. Kandidaten für die Loser-Kür hätte es aber auch in der &#8222;bunten Welt&#8220; im Überfluss gegeben: Den schon erwähnten Herrn Blatter ebenso wie seinen Gegenspieler Michel Platini. Diverse Herren beim Deutschen Fußball Bund nicht zu vergessen. Kurz und schmerzlos präsentieren wir allerdings die ARD &#8211; oder besser gesagt, die für den Eurovision Song Contest verantwortliche Redaktion &#8211; auf Rang 1.</p>
<h2>ARD erlitt mit Naidoo Schiffbruch</h2>
<p>Den tiefen Sturz einer nichtssagenden Ersatzkandidatin auf den letzten Platz &#8211; weit hinter so profilierten Schlagernationen wie Albanien oder Aserbaidschan &#8211; sollte <a title="ARD blamiert sich mit Naidoo-Kür" href="http://www.klatsch-tratsch.de/2015/12/27/posse-um-naidoo-nominierung-als-peinlichkeit-des-jahres-gekuert/262797" target="_blank">Xavier Naidoo </a>im neuen Jahr wettmachen. Per Fingerzeig wurde der Sohn Mannheims in aller Eile &#8211; an den Fans vorbei &#8211; ausgewählt. Die Gebührenfunker vergaßen indes das zu tun, was jeder anständige Personalchef vor einer X-beliebigen Neueinstellung macht: Sich über den Kandidaten zu informieren.</p>
<p>Der badische Barde ist gesellschaftspolitisch ja kein Unbekannter, sondern immer wieder mit seiner Meinung als Borderliner aufgefallen. Mannheim nannte er einmal das &#8222;neue Jerusalem&#8220; &#8211; obwohl man dort Ölberg und Garten Gethsemane vergeblich suchen muss. Auch wurden Naidoos Auftritte bei rechtsverschwörerischen Gruppen in den Medien bereits umfänglich kommentiert. What you get, is what you see!</p>
<h2>&#8222;Lebbe geht immer weiter&#8220;</h2>
<p>Überraschend hätte das Echo in den Medien und den sozialen Netzwerken für das öffentlich-rechtliche Fernsehen in keinem Fall kommen dürfen. Die Damen und Herren Redakteure hätten zur Not einfach mal googlen müssen, bevor man Xavier für Deutschland singen lässt. So gebührt der ARD neben dem Schaden verdientermaßen auch der Spott. Naidoos Image dürfte ebenso Kollateralschäden abbekommen haben, obwohl der wirklich nichts für die Pleite konnte.</p>
<p>Wie dem auch sei: Für Verlierer wie für Gewinner gilt auch im neuen Jahr die Weisheit des hessisch-serbischen Volksphilosophen Dragoslav Stepanovic: Lebbe geht immer weiter&#8230;</p>
<p>In diesem Sinne: Ein gesundes und erfolgreiches 2016</p>
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