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	<title>Fleisch-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Fleisch-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Unsere tägliche Grillwurst gib uns heute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2020 14:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Bei Hank im Wohnzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[BILD]]></category>
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		<category><![CDATA[Schnitzel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Billiges Fleisch stellt kein Grundrecht dar, sagt Kolumnist Henning Hirsch. Die Menge muss runter und der Preis rauf </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/unsere-taegliche-grillwurst-gib-uns-heute/">Unsere tägliche Grillwurst gib uns heute</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Jedes Volk hat seine heiligen Sitten und Gebräuche, von denen es nur ungern lassen möchte. So pochen die Amerikaner auf den zweiten Verfassungszusatz, der ihnen zugesteht, jeden, der in ihren Vorgarten uriniert, ungestraft erschießen zu können. Die Briten wiederum mögen sich eine Welt ohne 24/7 Dart-Turniere im TV nicht vorstellen. Die Italiener liefen Amok, falls man ihrer geliebten Pasta Eigelb beimischte. In Spanien läge Revolution in der Luft, wenn eine Regierung es wagen sollte, die Stierkämpfe zwischen Granada und Bilbao zu verbieten. Die Japaner sind ganz verrückt auf irgendwas, was mir aber im Moment gerade nicht einfällt. So hat eben jedes Volk seine speziellen Eigenheiten, die es widerstandslos auf gar keinen Fall hergibt.</p>
<h2>Grillen: ne deutsche Passion</h2>
<p>Was dem Amerikaner das halbautomatische Sturmgewehr ist uns Deutschen der Grill. Ein besonders edles Gerät muss es sein. Ich kenne Haushalte, die investieren in die Anschaffung eines Weber Smokefire mehr Kohle als in die Bildung ihrer Kinder. Und damit sich diese Anlage amortisiert, muss das Teil ständig unter Pellets bzw. Gas gehalten werden. Gibt Tage, an denen in unserem Stadtviertel Weber-Smokefire-bedingt mehr Smog herrscht als auf dem Autobahnring in Los Angeles zur Rush Hour. Von den Gerüchen ganz zu schweigen. Eine empfindliche Nase darf man bei uns im Sommer nicht haben.<br />
Und auf den Grill kommt was drauf?<br />
Richtig: (Billig-) Fleisch.</p>
<p>Ich will Sie jetzt gar nicht damit langweilen, dass bei meinen Großeltern Fleisch bloß am Wochenende auf den Tisch kam: der sagenumwobene Sonntagsbraten. Und auch meinen Eltern war täglicher Fleischkonsum fremd. Der Verzicht gründete nicht auf esoterischen Essgewohnheiten oder Mitleid mit dem Schwein, das im Schlachthof sein Leben für unser Schnitzel lassen muss, sondern basierte rein auf Sparsame-Hausfrau- Erwägungen: Fleisch galt bis weit in die 70er Jahre hinein als Luxusgut.</p>
<p>Das änderte sich im darauf folgenden Jahrzehnt, und wir Deutsche gewöhnten uns an die Dauerzufuhr von Kotelett, Bratwurst, Sahnegulasch und doppellagig Schinken auf der Frühstückssemmel. Gab’s plötzlich alles niedrigpreisig im Discounter und noch dazu ständig im Sonderangebot. Ein wahrer Fleischrun setzte ein. Das Volk war auf Billigfleisch. Ganz egal, wo es herkam, welche Wälder dafür gerodet werden mussten, unter was für grausamen Bedingungen die Transporte abliefen, ob die Schlachtmethoden halbwegs „human“ über die Bolzenschussrampe gingen. Ein Tag ohne Doppel-Whopper und ne 30er Packung Chicken Nuggets war mit einem Mal unvorstellbar geworden. Und wie das mit schlechten Gewohnheiten so ist: man hält sie so lange für normal, bis einem der Arzt die Blutwerte erklärt und hinzufügt: „Wenn Sie Ihre Ernährung nicht sofort ändern, erleben Sie Ihren nächsten Geburtstag nicht mehr“.</p>
<h2>Teures Gerät und billige Bestückung</h2>
<p><a href="https://texte-zur-sache.de/2020/06/21/aus-deutschen-schlachthoefen/">Wir bestücken unsere Grillroste mit Schweinereien, deren Preis in einem eklatanten Missverhältnis</a> zu den Anschaffungskosten des oben genannten Weber Smokefire EX6 steht. Bei einem Streifzug durch einen x-beliebigen Supermarkt schnappen wir uns aus dessen Kühltheke das Giant-Grillpaket Popeye de luxe: Würste, Spieße, Ministeaks nebeneinander aufgereiht. Alles sauber eingeschweißt und in einer fettigen roten Soße schwimmend. Zeug, von dem niemand so genau weiß, was sich unter der klebrigen Paprika-Zwiebel-Marinade wirklich verbirgt. Zeug, das oft schmeckt wie leicht erhitzter Pressspan mit ner Portion Curryketchup verfeinert. Zeug, von dem wir ahnen, dass es niemals unter gesunden Bedingungen hergestellt worden sein kann. Zeug, das wir aber trotzdem hunderttausendtonnenweise kaufen und auf unsere Kleinwagen-großen Edelstahlgrills schmeißen.</p>
<p>Man muss kein promovierter Ernährungswissenschaftler sein, um zu begreifen, dass die tägliche Zufuhr von grillkohle-geschwärztem Billigfleisch in etwa so bekömmlich ist, wie sich jeden Abend einen gepflegten 2.5-Promille-Rausch anzutrinken. Vom Gedanken daran, dass Jahr für Jahr zig Millionen arme Kreaturen betäubt und gekeult werden, damit wir ungestört unseren Barbecue-Angewohnheiten frönen können, mal ganz abgesehen.</p>
<h2>Grüne wollen Fleisch teurer machen</h2>
<p>Hin und wieder macht mal ein Politiker auf den Billigfleisch-Wahnsinn aufmerksam. So zuletzt <a href="https://www.deutschlandfunk.de/fleischindustrie-habeck-fordert-verbot-von-subunternehmer.694.de.html?dram:article_id=477039">Grünenchef Robert Habeck, der in einem Interview forderte</a>:</p>
<blockquote><p>Im Lebensmitteleinzelhandel darf ein Mindestpreis für tierische Produkte nicht mehr unterschritten werden.</p></blockquote>
<p>Was Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung am darauffolgenden Morgen <a href="https://www.bild.de/politik/inland/die-gruenen/wollen-fleisch-teurer-machen-44497174.bild.html">zu dieser Schlagzeile animierte</a>:</p>
<blockquote><p>GRÜNE WOLLEN FLEISCH TEURER MACHEN!</p></blockquote>
<p>Losgelöst vom Aspekt, dass Playboy, Penthouse und der Hustler in Punkto Berichterstattung seriöser recherchieren als die BILD, wollen wir uns kurz mit der Kernbotschaft der Headline beschäftigen. Die da lautet: Fleisch MUSS billig bleiben!</p>
<p>Und nun frage ich mich: Weshalb muss ausgerechnet Fleisch billig sein? Warum nicht Kino- und Museumsbesuche, die Monatskarte für den ÖPNV, das neue Sakko von Hugo Boss, die Nacht im Vorstadtpuff, belgische Pralinen? Weil’s ein Grundrecht auf stets verfügbares, preisreduziertes Schnitzel gibt, sagen Sie? Nein, gibt es nicht, antworte ich. Genauso wenig wie ein Grundrecht auf All-inclusive-Urlaub am Ballermann oder in Ischgl existiert. Wir haben uns daran gewöhnt, dass uns Fleisch und Pauschalreisen zu Spottpreisen angeboten werden. Aber eine schlechte Gewohnheit bedingt noch kein Menschenrecht.</p>
<p>Sollen sich in Zukunft nur noch die Reichen ne Grillwurst leisten können, schieben Sie jetzt hinterher? Was ist mit den Hartz4ern: Werden die ab sofort von der Fleischtheke ausgeschlossen? Gebt den ALG2-Beziehern mehr Geld, damit die sich gesundes Essen leisten können, erwidere ich. Mehr Geld für die Hartz4er lachen Sie, träumen Sie weiter, Herr Kolumnist. Wer soll das denn finanzieren? Als ob wir hart arbeitenden Steuerzahler nicht schon genug von Vater Staat zur Kasse gebeten werden. Nun also auch noch teureres Fleisch und eine Anhebung der Hartz-Regelsätze. Und was droht als nächstes: die Ökodiktatur?</p>
<p>An dieser Stelle breche ich ab, weil wir heute argumentativ eh nicht mehr zusammenkommen, und ich gleich zu einem Vatertag-Nachbarschaft-Grillevent eingeladen bin. Um meinen guten Willen zu beweisen, habe ich mir dafür mal Maiskolben statt Schaschlikspieße puszta art besorgt.</p>
<h2>Menge runter und Preis rauf</h2>
<p>Wer möchte, dass Fleisch nicht zehntausend Kilometer weit rangekarrt und der Amazonas nicht komplett abgeholzt, dass die Verhältnisse in unseren Schlachtbetrieben von moderner Sklaverei zu normalen Arbeitsbedingungen verbessert und der explodierende Antibiotika-Verbrauch gesenkt werden, kommt um eine Reduktion der Menge bei gleichzeitiger Erhöhung der Preise nicht herum.</p>
<p><strong>Fazit 1</strong>: Ein überaus vernünftiger Vorstoß der Grünen.<br />
<strong>Fazit 2</strong>: Niemand muss täglich (Billig-) Fleisch essen.<br />
<strong>Fazit 3</strong>: Die BILD bewegt sich jenseits des Sportteils (der ist mitunter ganz informativ) mittlerweile auf dem Niveau der Sankt-Pauli-Nachrichten.</p>
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		<title>Achtung postfaktisch! Erlösung durch Soja-Latte</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/medien/achtung-postfaktisch-erloesung-durch-soja-latte/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Nov 2016 06:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Ablass]]></category>
		<category><![CDATA[Armageddon]]></category>
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		<category><![CDATA[Inquisition]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob Augstein]]></category>
		<category><![CDATA[Katholische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel Online]]></category>
		<category><![CDATA[Veganismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei Spiegel-Online hat man sich offenbar bestens auf das viel beschworene postfaktische Zeitalter eingestellt. Während Jakob Augstein das Ende der Welt, wie wir sie kennen, beschwört, verspricht eine Kollegin moralische Erneuerung durch Veganismus. Hinter soviel Postfaktischem wollen wir nicht zurückstecken.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Postfaktisch ist das <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/postfaktisch-internationales-wort-des-jahres-a-1121598.html">internationale Wort des Jahres</a>. Um zu erfahren, was postfaktisch bedeutet, kann man sich Wahlkämpfe in den USA anschauen, lautet ein oft gehörter Ratschlag. Das mag stimmen. Nur kenne ich von diesem Land kaum mehr als Disney World und New York, und das soll nicht unbedingt repräsentativ sein. Und was ich dort sah, wirkte auf mich eher fremd (in einer New Yorker U-Bahn gab es einen Werbespot, in dem Barack Obama wegen seiner Gesundheitsreformen als verkappter Kommunist gescholten wurde. Das war 2009; ich fand das damals schon postfaktisch, obwohl man es nicht so nannte). Da Blinde normalerweise nicht über Farben reden, habe ich mich bislang mit Artikeln über die Black Box Vereinigte Staaten zurückgehalten &#8211; und habe vor, dies auch weiterhin zu tun.</p>
<p>Für den deutschen Hausgebrauch kann man inzwischen bei Spiegel-Online (SPON) studieren, was postfaktisch bedeutet. Georg Diez fiel mir bereits vor Monaten als Meister dieses Faches auf. Inzwischen hat scheinbar <a href="http://diekolumnisten.de/2016/11/11/jakob-augstein-trump-ist-ein-faschist/">Jakob Augstein</a> seinen Part übernommen. Zogen irgendwelche wunderlichen Leute in irgendwelche Landesparlamente ein, dann schien das für ihn nicht nur unerfreulich, sondern die Vorbotschaft eines sich ankündigenden Armageddons zu sein. Dabei dürfte auch dem Autor bekannt sein: Wer ständig &#8222;feurio&#8220; ruft, den nimmt man nicht ernst, wenn es wirklich einmal brennt. Nach den Wahlen in den USA muss der Doomsday für Augstein noch ein Stück näher gekommen sein. Jeden morgen schaue ich deshalb gespannt, ob er der Adoptivsohn des Spiegel-Gründers ein Video postet, in dem er sich geißelt und ausruft: &#8222;Kehrt um, denn das Ende ist nahe&#8220;. Nur so könnte er seinen immer düsterer werdenden Alarmismus noch irgendwie steigern. Aber bislang hat mich der Maestro enttäuscht. Weiterhin schreibt er bloß vom Untergang der Welt, zumindest der Welt, wie wir sie kennen.</p>
<h2>Steht der Doomsday bevor?</h2>
<p>Diese Woche fiel mir auf, dass bei SPON nicht nur das Inferno beschworen wird, sondern man auch <a href="http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ernaehrung-essen-2-0-aus-alt-mach-neu-a-1120386.html">konstruktiv Möglichkeiten </a>aufzeigt, wie man wenigstens sein persönliches Seelenheil retten kann. Allerdings gibt nicht Augstein himself diese wertvollen Tipps, sondern eine Kollegin, an deren Namen mich zu erinnern ich nicht mehr in der Lage bin (Wow, ich habe den Anfang vom Quijote untergebracht! Wollte ich schon immer machen). Dabei könnten diese SPON-Ratschläge fast von der guten alten Mutter Kirche stammen, die zu früheren Zeiten auch nicht einfach vor der ewigen Verdammnis und dem Höllenfeuer warnte, sondern für jede Schandtat gleich die richtige Buße und im besten Fall sogar den passenden Ablass parat hatte.</p>
<p>Für die SPON-Autorin führt der Weg zum Licht jedoch nicht über Geißelungen, Pilgerfahrten oder großherzige Gaben an die Santa Mater Ecclesia. Veganes Essen soll nun das Passepartout fürs gute Karma sein. Derart positiv soll es auf unser Innerstes einwirken, dass wir uns anschließend gesünder, umweltbewusster und sogar moralisch überlegen (sic!) fühlen. Es könnte auch der Halo-Effekt greifen, heißt es im Text.</p>
<h2>Heiligenschein dank Veganismus</h2>
<p>Ouhauerha (nach Cervantes nun Brösel, läuft!)! Halo ist englisch und heißt Heiligenschein. So etwas hat die Kirche nicht einmal zu ihren besten Zeiten so billig herausgerückt! Heiligenscheine hatten und haben im Vatikan ihren Preis. Ein paar nachgewiesene Wunder oder eine halbwegs gelungene Wiederauferstehung müssen schon drin sein.</p>
<p>Dass man durch bloßes Essen moralische Überlegenheit oder gar Heiligkeit erlangt, war mir bislang nicht bekannt. Gegessen habe ich eigentlich nur deshalb, weil ich Hunger oder Appetit auf etwas hatte. Für die Seele wähnte ich andere zuständig, die Kirche, den Dalai Lama oder meinetwegen irgendwelche esoterischen Vorstadt-Gurus. Und wenn ich etwas Gutes tun wollte, spendete ich für Tiere in Not oder die Caritas.</p>
<h2>Trotz Soja-Latte keine moralische Neugeburt</h2>
<p>Nun ist es nicht so, dass ich ständig Fleisch esse. Ich halte es eher mit fettarmer und oft mediterraner Kost. Zudem kauft meine Frau, meines Wissens nach, häufig im Bio-Supermarkt ein. Ein gutes argentinisches Rindersteak halte ich aber für einen Genuss, auf den ich ohne Not nicht verzichten möchte. Dennoch habe ich die Probe aufs Exempel gemacht, kein Fleisch gegessen und mir in Bio-Cafés Soja-Latte aus fairem Handel bestellt, dazu veganen Kuchen. Hinterher fühlte ich mich nicht moralisch neugeboren, sondern nur satter. Auch von einem Heiligenschein war nichts zu sehen. Aber vielleicht braucht es ja ein bestimmtes Quantum Veganismus, bevor das moralische Upgrade kommt. Den genauen Trainingsplan hat die Dame bei SPON ja nicht verraten.</p>
<p>Nun haben der Kollege <a href="http://diekolumnisten.de/2015/12/22/vegetarismus-gemuesekonsum-ist-auch-nur-konsum/">Thilo Spahl </a>und <a href="http://diekolumnisten.de/2015/12/21/freiheit-fuer-das-himbeereis/">ich hier </a>bereits mehrfach geschrieben, warum wir Veganismus aus ernährungswissenschaftlichen oder ökologischen Gründen nicht unbedingt für den wahren Jakob halten; andere Autorinnen und Autoren dieser Seite sehen das anders und haben ebenfalls ihre Meinungen vorgebracht. Inzwischen ist aber postfaktisch angesagt! Also keine sachlichen Argumente mehr an dieser Stelle! Wir erklären deshalb nicht, warum es uns wenig ökologisch erscheint, Avocados aus Chile oder Peru um die ganze Welt zu fliegen. Oder warum man sie nicht unbedingt hierzulande unter dem Einsatz von viel Energie im Gewächshaus groß ziehen sollte. Ebenso wenig kritisieren wir, dass viele Veganer Geschmacksverstärker und andere Chemie nutzen, um ab und an den schnöden Fleischgeschmack zu kopieren. Und schon gar nicht bringen wir vor, dass viele Ärzte eine ausgewogene Ernährung befürworten, die Obst, Gemüse, und Ballaststoffe enthält. Aber gelegentlich eben auch Fleisch oder Fisch. Und selbstverständlich ist es uns mittlerweile egal, dass TV-Köchin <a href="http://diepresse.com/home/leben/ausgehen/4855150/Sarah-Wiener_Veganismus-ist-eine-Mangelernaehrung">Sarah Wiener </a>orthodoxen Veganismus einmal mit Mangelernährung in Zusammenhang brachte.</p>
<h2>Fleisch essen, weil es schmeckt</h2>
<p>Wir leben nunmal in postfaktischen Zeiten. Es muss reichen, dass ich ab und an Fleisch esse, weil es mir schmeckt. So hätte ich gut mit den Usancen der mittelalterlichen Kirche leben können. Gelegentlich ein anständiger Ablass und bei besonders schweren Vergehen ein Bußgang nach Canossa (heute nennt man so etwas wohl Trekking, das könnte sogar fit halten). Dafür gab es Essensvorschriften nur in der Fastenzeit oder an Freitagen. Und Fisch ging sowieso fast immer. Dieser Deal war fair. Aber Bolognese, Schnitzel und Burger mühsam mit irgendwelchen Ersatzstoffen nachzubauen, ohne echte Garantie auf den gleichen Geschmack? Und ohne einen wirklichen Anspruch auf einen Heiligenschein? Der Einsatz ist mir zu hoch, liebes SPON! Schlechter Deal!</p>
<p>Wirklich schwierig erscheint mir vor allem das Moral-Argument. Wer von sich selbst behauptet, besonders moralisch zu handeln, fällt gleichzeitig ein negatives Urteil über andere. Beinahe so, wie der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pharis%C3%A4er_und_Z%C3%B6llner">biblische Pharisäer (Lukas 18,9 -14)</a>, der Gott dafür dankte, dass er so fromm und gerecht war &#8211; und ganz anders als die &#8211; damals relativ schlecht beleumundeten &#8211; Zöllner. Käme es nun bei vielen Zeitgenossen in Politik und Medien in Mode, mit einem derart erhobenen moralischen Zeigefinger auf Fleischkonsum oder andere nicht goutierte Verhaltensweisen zu deuten, dann sehe ich ernsthaft die Gefahr, dass auch hierzulande viele Menschen dorthin getrieben werden, wo sie in den USA und andernorts bereits gelandet sind.</p>
<h2>Vom Preußenkönig lernen</h2>
<p>Ich persönlich halte es seit jeher eher mit Preußenkönig Friedrich dem Großen, in dessen Land bekanntlich jeder nach seiner Facon selig werden sollte. Pragmatismus und hin und wieder eine gewisse Egalhaltung scheinen mir durchaus lebenskluge Leitplanken zu sein. Die dogmatischsten Menschen dagegen sind meiner Einschätzung nach tendenziell auch die unglücklichsten. Deren Welt läuft Gefahr, jeden Tag ein Stück unterzugehen. Deshalb: Sollte morgen wirklich der Doomsday bevorstehen, ich würde heute &#8211; ganz postfaktisch &#8211; noch ein Rindersteak essen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/medien/achtung-postfaktisch-erloesung-durch-soja-latte/">Achtung postfaktisch! Erlösung durch Soja-Latte</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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