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	<title>Game of Thrones-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
	<lastBuildDate>Tue, 09 Dec 2025 07:00:02 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Game of Thrones-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Wo ist eigentlich der Nachtkönig abgeblieben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 07:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Henning Hirsch: Neues vom Serien-Junkie]]></category>
		<category><![CDATA[A song of ice and fire]]></category>
		<category><![CDATA[Daenerys Targaryen]]></category>
		<category><![CDATA[Game of Thrones]]></category>
		<category><![CDATA[George R. R. Martin]]></category>
		<category><![CDATA[HBO]]></category>
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		<category><![CDATA[Jon Snow]]></category>
		<category><![CDATA[King's Landing]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtkönig]]></category>
		<category><![CDATA[Westeros]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Henning Hirsch lässt sich von seinem Sohn überzeugen, endlich 'Game of Thrones' anzuschauen. Obwohl durchgängig gute Unterhaltung, hadert er am Ende mit dem abrupten Tod einer wichtigen Figur und sagt: Chance auf mehr Tiefe der Handlung leider vertan. Eine Neues-vom-Netflixjunkie-Kolumne.  </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/wo-ist-eigentlich-der-nachtkoenig-abgeblieben/">Wo ist eigentlich der Nachtkönig abgeblieben?</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Hast du schon &#8218;Game of Thrones&#8216; gesehen, Papa?&#8220;, will Sohn Nr. 1 vor einigen Wochen wissen.<br />
&#8222;Ist das nicht so&#8217;n Famtasy-Kram mit Drachen?&#8220;<br />
&#8222;Ja.&#8220;<br />
&#8222;Drachen und Einhörner sind eher nicht mein Ding.&#8220;<br />
&#8222;Mein Kumpel Lukas sagt, das ist ne echt krasse Serie.&#8220;<br />
&#8222;Der Lukas sagt das?&#8220;<br />
&#8222;Ja, und der Lukas hat echt Ahnung von so was. Vom dem kam vor 3 Jahren der Tipp mit &#8218;Snowfall&#8216; und &#8218;House of Cards&#8216;. Die Serien fandst du dann auch super.&#8220;<br />
&#8222;Stimmt … ich werde mir die ersten 2 Folgen von &#8218;Game of Thrones&#8216; anschauen und im Anschluss entscheiden, ob sich 8 Staffeln lohnen.&#8220;<br />
&#8222;Tu das, Papa. Ich beginne auch heute Abend damit.&#8220;</p>
<h2>Die Leere hinter dem Eis</h2>
<p>Um es vorneweg zu sagen: <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0944947/">Game of Thrones</a> ist eine große Erzählung. Etwas, das über das übliche Fantasy-Schwertgerassel weit hinausgeht. Ein (fiktives) Mittelalter-Epos in 73 Episoden – angelehnt an die Romanreihe &#8218;A song of ice and fire&#8216; des US-amerikanischen Schriftstellers George R. R. Martin, aufgeteilt in 8 Staffeln, die zwischen 2011 und 2019 vom Kabelsender HBO ausgestrahlt wurden –, in der selbst Menschen, die sonst Thomas Bernhard &amp; Peter Handke lesen und beim Wort &#8218;Popkultur&#8216; die Augen verdrehen, plötzlich mitreden wollen. Eine Serie, die angeblich die naturalistische Härte des realen Lebens, politische Grauzonen, den moralischen Dreck und all so hochkomplexe Sachen verhandelt – und gleichzeitig unterhaltsam rüberkommt, wenn man sie mit Chips &amp; Bier/Coke Zero auf dem Sofa bingt.</p>
<p>Ja ja, ich weiß, dass ich mit meiner Rezi spät dran bin. Aber besser spät dran als komplett versäumt.</p>
<h2>Und dann ist da noch der Nachtkönig</h2>
<p><a href="https://gameofthrones.fandom.com/de/wiki/Nachtk%C3%B6nig">Der Nachtkönig</a> manifestiert das, was sich in einer Heldensaga als &#8218;Das ultimative symbolische Zentrum“ erahnen lässt. Der Nachtkönig ist die drohende Kälte, der Mythos, das transzendente Andere, das Vage „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Jon Snow, als du dir in deinen schlimmsten Albträumen vorstellen kannst“.</p>
<p>Kurz: Er stellt das wirklich Große dar, das Game of Thrones zu bieten hat.</p>
<p>Und die Serie tut, was diese Serie irgendwann mit allem tut, was größer war als ein mittelalterliches Bruder-und-Schwester-Drama: Sie rei0t es kaputt, schmeißt es hin, stampft kurz drauf, zieht weiter.</p>
<h2>Serie, die ihre beste Idee nicht versteht</h2>
<p>Begeben wir uns an den  Anfang, also dort, wo Game of Thrones noch weiß, dass Atmosphäre kein Luxus ist, sondern der Grund, warum man Geschichten erzählt. Der Prolog der ersten Folge ist vielleicht der stärkste Beginn einer High-Fantasy-Reihe seit Jahrzehnten. Nicht, weil er inhaltlich so komplex wäre. Sondern weil er etwas macht, was die Drehbuchautoren danach zunehmend verlernen, bis es in der Serie dann endgültig aufgegeben wird: Er setzt Prioritäten.</p>
<p>Die Weißen Wanderer, der Frost, das namenlose Grauen.<br />
Sie sind das erste Bild der Geschichte.<br />
Eindeutig.<br />
Unmissverständlich.</p>
<p>Und wenn eine Handlung so beginnt, dann sagt sie: „Das hier ist der Kern. Alles andere ist Variation.“</p>
<p>Doch die Serie entwickelt sehr früh eine Leidenschaft fürs Variieren – und bald auch fürs Variieren des Variierens. Und weil jedes neue Figurenpaar, das man irgendwo in Westeros platziert, eine halbe Staffel an „Wohin-gehen-sie-als-Nächstes-und-wen-treffen-sie-unterwegs“-Plotlines nach sich zieht, wird die eigentlich zentrale Bedrohung in die Ecke geschoben wie ein Spielzeug, das man zwar teuer gekauft hat, aber zu sperrig findet, um es regelmäßig in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Der Nachtkönig ist in den Staffeln 3–6 das, was im Theater „das drohende Bühnenbild“ heißt. Es steht da, es wirft Schatten, es kündigt an. Und man erwartet, dass etwas damit passiert. Man erwartet, dass die Bühne sich öffnet und etwas Größeres dahinter sichtbar wird.</p>
<p>Aber Game of Thrones folgt einem anderen Prinzip, das aus der Serialisierung stammt: Alles darf passieren, solange es nicht jetzt sofort passiert. Und wenn dann der Moment kommt, an dem es passieren muss, fällt der Produktion plötzlich ein: „Oh. Scheiße. Wir brauchen ja ein Ende.“</p>
<h2>Vom Mythos zum Setpiece</h2>
<p>Hartheim war der Moment, an dem ich dachte: Okay. Jetzt. Jetzt wird der Nachtkönig endlich in die große Erzählung integriert. Sein stummes, triumphierendes Armheben, das kalte Reanimieren der Gefallenen – das ist der Stoff, aus dem Mythen gemacht werden. Mythen, die größer sind als die Figuren. Mythen, die nicht nur atmosphärisch faszinieren, sondern vor allem erzählerisch überzeugen.</p>
<p>Doch die Serie behandelt diesen (Nicht-) Wendepunkt wie einen CGI-Effekt.<br />
Ein schöner.<br />
Ein teurer.<br />
Aber eben ein Effekt.</p>
<p>Die Serie versteht den Nachtkönig nicht als Figur, sondern als Stimmungserzeuger. Und Stimmung kann man zwar für einen Trailer hervorragend nutzen. Aber für eine Erzählung?</p>
<h2>Das Ende des Nachtkönigs und der Tod jeglicher Relevanz</h2>
<p>Wenn man es ganz nüchtern ausdrückt, dann war die Tötung des Nachtkönigs in „The Long Night“ die größte dramaturgische Arbeitsverweigerung der jüngeren Fernsehgeschichte. Nicht, weil er stirbt – Bösewichte sterben. Sondern weil alles, was vorher über ihn erzählt wurde, nun bedeutungslos wird.</p>
<p>Er wollte nicht herrschen.<br />
Er wollte keine Macht.<br />
Er wollte keine Ordnung umstürzen.<br />
Er wollte keine neue Welt schaffen.</p>
<p>Er wollte… ja, was eigentlich?</p>
<p>Bran töten?<br />
Die Menschheit auslöschen?<br />
Oder einfach nur einmal bedeutungsvoll irgendwo hinmarschieren?</p>
<p>Die Serie weiß es nicht. Weil sie sich nie die Mühe macht, es herauszufinden.</p>
<p>Und so endet der Nachtkönig wie ein Non-Player Charakter in einem mittelmäßigen Rollenspiel, bei dem der Entwickler das Budget für weitere Sequenzen gestrichen hat: Man prügelt munter auf ihn ein, und irgendwann droppt man die Figur.</p>
<p>Dummerweise droppte in der entscheidenden Szene nichts richtig.<br />
Nicht einmal Erkenntnis.<br />
Nicht 1 Folge, die sich danach mit den Konsequenzen des abrupten Abgangs des eigentlichen Antagonisten beschäftigt.</p>
<p>Alles verpufft.<br />
Als wäre es nie gewesen.</p>
<h2>Das eigentliche Drama: Die Serie braucht ihn, aber sie weiß es nicht</h2>
<p>Vielleicht das Bitterste an alledem: Der Nachtkönig ist nicht nur eine interessante Figur.<br />
Er war das einzige strukturelle Korrektiv, das die Serie hatte.</p>
<p>Westeros ist eine Welt voller aristokratischem Müll, voller Intrigen, die nur deshalb funktionieren, weil alle an dieser Stadt kleben wie Fliegen auf einem Haufen Pferdeäpfel. Ein Reich, das realistisch betrachtet längst kollabiert wäre. Aber der Nachtkönig gab dem Ganzen eine Richtung. Eine Notwendigkeit. Eine übergeordnete Bedeutung.</p>
<p>Er war der einzige Grund, warum diese Erzählung hätte mehr sein können als eine hochbudgetierte Darstellung von mittelalterlichem Sex &amp; Crime gewürzt mit Drachen und ein paar (Licht-) Hexen.</p>
<p>Und die Serie entledigt sich seiner, weil er offenbar im Weg stand.<br />
Im Weg wofür:<br />
Für den Machtkampf zwischen Daenerys und Jon?<br />
Für die Frage, ob Tyrion noch einmal eine schlechte Entscheidung treffen darf?<br />
Für die Diskussion: „But what about my claim?“</p>
<h2>Die Lange Nacht war nicht DIE Schlacht, sondern schlichtweg ein Fehler</h2>
<p>Es gibt viele schlechte Serienfinals.<br />
Es gibt viele verschenkte Figuren.<br />
Aber der Umgang mit dem Nachtkönig ist mehr als das.<br />
Er ist die demonstrierte Unfähigkeit, eine Erzählung zu Ende zu denken.</p>
<p>Denn der Nachtkönig war keine Figur, der man sich rasch enlledigen konnte.<br />
Er war der Grund, warum all das in Gang gesetzt wurde.<br />
Er war – strukturell betrachtet – die Notwendigkeit überhaupt, diesen monströsen, mäandernden, tonal schwankenden Riesenklumpen namens „Game of Thrones“ zusammenzuhalten.</p>
<p>Und als man ihn tötete, starb nicht nur der Nachtkönig.<br />
Es starb die Relevanz von allem, was davor passiert ist.</p>
<p>Der gesamte Norden-Plot?<br />
Atmosphärisches Vorspiel ohne Auflösung.</p>
<p>Brans Entwicklung zum 3-äugigen Raben?<br />
Letzten Endes belanglos.</p>
<p>Jon Snow?<br />
Eine Fußnote.</p>
<p>Drachenglas?<br />
Drehbuchprothesen.</p>
<p>Die Mauer?<br />
Ein CGI-Objekt, das hauptsächlich dazu da ist, in Staffel 7 spektakulär zu zerbersten.</p>
<p>Die Serie hat keinerlei Bedenken, (ständig) wichtige Figuren sterben zu lassen.<br />
Keine Angst, Tabus zu brechen.<br />
Keine Hemmungen, exzessive Gewalt plakativ in Szene zu setzen.<br />
Mit dem abrupten Abgang des Nachtkönigs demonstriert sie jedoch unerklärlicherweise Scheu, größer sein zu wollen als eine bloße Fantasy-Seifenoper.</p>
<h2>Warum dieser Verrat so schwer wiegt</h2>
<p>Die Serie gab anfangs das Versprechen, mehr zu sein als Intrigantenstadl &amp; Bettgeschichte von Adligen. Eine Story, die etwas über Menschheit, Überleben, Sinn und Unsinn politischer Ordnungen hätte erzählen können. Und am Ende mutiert sie zu einem visuell aufwendigen Wettereffekt. Ein Schneesturm, der zufällig ein Gesicht hat.</p>
<p>Der Nachtkönig war nicht bloß eine Figur. Er war die Chance, die Serie in die Sphäre echter Mythologie zu heben. Und die Showrunner sagten: „Mythologie? Och nee. Wir machen stattdessen lieber: Daenerys sieht traurig aus. Schnitt. Tyrion runzelt die Stirn. Schnitt. Arya sagt &#8217;not today&#8216; und springt&#8216;. Fertig.“</p>
<h2>Das endgültige Urteil</h2>
<p>Dass der Nachtkönig stirbt, ist nicht das Problem, sondern dass er nichts bedeutet, darin liegt der fatale Irrtum des Drehbuchs. Dass nichts an ihm und seinem Ableben Konsequenzen hat. Dass alles, was die Serie über ihn erzählt, letztlich in sich zusammenfällt wie ein Schneemann im April.</p>
<p>Game of Thrones hat den Nachtkönig nicht getötet.<br />
Es hat die Idee seines Charakters geschreddert.<br />
Und damit den eigenen Mythos gleich mit.</p>
<p>Die Lange Nacht war am Ende nicht das epische Schlachtfeld. Sie war der Moment, in dem die Serie ihren eigenen erzählerischen Bankrott erklärte:<br />
Alles Eis – keine Substanz.<br />
Alles Aufbau – kein Schluss.<br />
Alles Mythos – aber ohne Mythos.</p>
<p>Die größte Ironie dabei: Nichts offenbart die Fehlkonstruktion so sehr wie dieser eine Moment, in dem der Nachtkönig in 1000 Splitter zerbirst. Denn in diesem Augenblick zerfällt die ganze Serie. Und sie merkt es nicht einmal.</p>
<p><strong>Rubrik</strong>: Da wäre durchaus mehr drin gewesen.<br />
+++</p>
<p>Am Ende eine dreigeteilte <strong>Bewertung</strong>:<br />
(1) 9 Punkte (Staffel 1-6)<br />
(2) 7.5 Punkte (Staffel 7)<br />
(3) 5 Punkte (Finale)<br />
+++</p>
<p>Lesen Sie auch von Sören Heim: <a href="https://texte-zur-sache.de/2019/04/21/was-game-of-thrones-richtig-macht-und-was-nicht/">Was Game of Thrones richtig macht (und was nicht)</a><br />
+++</p>
<p><strong>Epilog:<br />
</strong>&#8222;Ich hab&#8216; nach der ersten Folge ausgeschaltet. War doch zu viel Fantasy-Prinzessinnen-Kram; wie du befürchtet hattest. Echt langweilig&#8220;, erzählt mir ein paar Wochen später Sohn Nr. 1, &#8222;du hast es doch bestimmt genauso gemacht, Papa?&#8220;.<br />
&#8222;Ups!&#8220;<strong><br />
</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/wo-ist-eigentlich-der-nachtkoenig-abgeblieben/">Wo ist eigentlich der Nachtkönig abgeblieben?</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sterben und Leben in Westeros</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/leben-und-sterben-in-westeros/</link>
					<comments>https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/leben-und-sterben-in-westeros/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Aug 2017 09:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Cersei Lannister]]></category>
		<category><![CDATA[Danaerys Targaryan]]></category>
		<category><![CDATA[Game of Thrones]]></category>
		<category><![CDATA[George R. R. Martin]]></category>
		<category><![CDATA[Jon Snow]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtkönig]]></category>
		<category><![CDATA[Staffel 7]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Siebte Staffel von ,Game of Thrones' ist vorbei. Einige halten die neuen Folgen für weniger tiefgründig als die älteren Kapitel, die noch auf Romanen von George R. R. Martin basieren. Dieses Urteil ist zu hart. Die Story neigt sich ihrem Ende zu - und muss zwangsläufig Tempo aufnehmen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/leben-und-sterben-in-westeros/">Sterben und Leben in Westeros</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Bildnachweis: Egal ob durch Schwert, Pfeil oder Drachenblut, gestorben wird bei &#8222;Game of Thrones&#8220; häufig. Hier illustriert auf einem Bildteppich. <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Game_of_Thrones_-_SEASON_7_Episode_4.jpg">Foto: Wikimedia Commons; Autor: Kal242382</a></em></p>
<h2>Achtung: Spoiler-Alarm!</h2>
<p>Nun ist sie vorbei, die lange erwartete siebte Staffel von &#8222;Game of Thrones&#8220;. Das überraschende dabei war, dass nichts überraschend war. Im Gegenteil: Es sind Dinge passiert, die alle erwartet haben. Bis auf die spontane Hinrichtung von Petyr Baelish vielleicht, besser bekannt als Kleinfinger, und den olympiareifen Speerwurfkünsten des Nachtkönigs. Aber der große Cliffhanger der Staffel, der Einmarsch der Weißen Wanderer in <a href="https://texte-zur-sache.de/2016/04/23/der-messias-von-westeros/">Jon Snows </a>Norden von Westeros, ist genau das, worauf die Serie von Anfang an schnurgerade hinaus gelaufen ist.</p>
<p>Ebenso vorhersehbar war Snows Outing als eigentlicher Thronfolger von Westeros. Dass der Anführer des Nordens kein Bastard des Provinzfürsten Ned Stark, sondern der eheliche Sohn des gemeuchelten Kronprinzen Rheagar Targaryen ist, galt spätestens seit Staffel Fünf als offenes Geheimnis. Dazu passt, dass Snow gerade ein Verhältnis mit Danaerys angefangen hat, die unbekannterweise seine Tante ist. Das mag in hiesigen Gefilden als unschicklich gelten, in Targaryan-Kreisen hält man es in Liebensangelegenheiten aber durchaus so. Vor allem dann, wenn man sich zum Herrschen berufen fühlt. Es wäre wenig überraschend, wenn das Dreamteam Danaerys/Snow bald gemeinsam vom Eisernen Thron grüßen würde. Sie sind ja auch so schön und so edel wie einst <a href="http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/scheidung-von-angelina-jolie-und-brad-pitt-brangelina-wollen-scheidung-privat-regeln/19234010.html">Brangelina</a> und mindestens so machtbegabt wie die Clintons, das real existierende Power-Couple.</p>
<h2>Brangelina von Westeros</h2>
<p>Die Realität hat einem Immobilien-Mann aus Manhattan die Rolle zugedacht, Hillary um den Eisernen Thron, Verzeihung um das Weiße Haus, zu bringen. Es scheint so, als hielte das Weltgeschehen inzwischen mehr Wendungen bereit als die Fiktion bei &#8222;Game of Thrones&#8220;. Die Serie ist aber immer noch aufregender als der deutsche Wahlkampf. Und wenn sie bloß halb so wetterwendisch ist wie in den frühen Staffeln, dann besteht die immer noch die Möglichkeit, dass entweder die formal amtierende Regentin von Westeros, <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/08/28/willkommen-bei-den-lannisters/#1">Cersei Lannister</a>, oder der Nachtkönig die Party crashen werden. Der Nachtkönig präsentiert sich ja bereits in etwa so, wie &#8222;Spiegel&#8220; oder &#8222;Stern&#8220; den aktuellen Bewohner des Weißen Hauses darstellen. Ok, der spielt vielleicht besser Golf, während der Nachtkönig seine Stärken eindeutig in den Wurfdisziplinen hat. Man darf also gespannt sein, was Staffel Acht bieten wird: Ein Alles-wird-gut in Hollywood-Manier oder zynisches Sterben, wie es der Erfinder der Serie und der zugrunde liegenden Romane, George R. R. Martin, eigentlich mag? Oder vielleicht doch irgend etwas dazwischen?</p>
<p>Wenn ich eine Prognose wagen darf: In irgendeiner Auseinandersetzung mit Cersei oder dem Nachtkönig stirbt Danaerys, Snow dagegen überlebt oder er kriegt auch noch seine zweite Wiederauferstehung hin. Am Ende sitzt er dann allein auf dem Eisernen Thron und regiert ein verwüstetes Land, das in den vielen Kriegen auf erbärmliches Niveau zurückgeworfen wurde. Ein Land, das in etwa so aussieht, wie Europa nach der Zerstörung der römischen Hochkultur, in den Zeiten der Völkerwanderung.</p>
<p>Snow als Fantasy-Ausgabe von Johann Ohneland anstelle von Jon &amp; Danaerys in Love &#8211; so ein Szenario würde mich mit der Serie versöhnen. Es entspräche auch Martins skeptischer Grundeinstellung.</p>
<h2>Fans hadern mit Erzähltempo</h2>
<p>Eine andere Kritik teile ich nur bedingt: Viele Fans hadern mit dem höheren Erzähltempo und der mangelnden Charakterentfaltung in den neuen Folgen. Zwar ist richtig, dass den einzelnen Persönlichkeiten nicht mehr so viel Raum gegeben wird wie zu Beginn, als es noch Romanvorlagen von Martin gab. Aber das ist folgerichtig und unvermeidbar. Alles, was sich in früheren Staffeln langsam angebahnt hat, treibt nun seinem Höhepunkt entgegen: Der Antagonismus zwischen den Thronprätendentinnen Cersei und Danaerys ebenso wie die bevorstehende &#8211; und wohl alles übertreffende &#8211; Schlacht zwischen den Lebenden und den Toten. Hier bleibt wenig Raum für Nuancen, die es aber dennoch gibt. Beispielsweise in den Dialogen zwischen Cersei und ihren Brüdern, in denen über Familie, Tod und Glück sinniert wird. Oder wenn Ser Bronn vom Schwarzwasser  &#8211; weniger feingeistig &#8211; den Sinn des Lebens zwischen den Bettlaken ausmacht und Snow-Berater Ser Davos im derbsten Luther-Ton feststellt: &#8222;Nichts fickt Dich härter als die Zeit.&#8220;</p>
<h2>Weniger Raum für Nuancen</h2>
<p>Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Deshalb: Bitte Milde mit den GoT-Machern! Allen Schwächen und einer nicht zu übersehenden Annäherung an Blockbuster wie ,Herr der Ringe&#8216; und ,The Walking Dead&#8216; zum Trotz, dürfte die aktuelle Staffel von &#8222;Game of  Thrones&#8220; mit Sicherheit eines der Fernsehereignisse des Jahres gewesen sein. Jeder deutschen Serie ist das handwerklich, dramaturgisch und schauspielerisch so weit voraus wie der JFK Airport dem <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/ber-eroeffnung-flughafenchef-will-starttermin-nicht-vor-weihnachten-nennen/20256396.html">BER</a> (der geplante, neue Flughafen der hiesigen Hauptstadt, von dem schon seit mehr als einem halben Jahrzehnt Flugzeuge abheben sollten). Und so denken einige meiner Bekannten mit Grausen daran, dass es vielleicht zwei Jahre dauern könnte, bis die Kämpfe um den fiktiven Kontinent Westeros ihr großes Finale erleben werden.</p>
<p>Was immer dann passieren wird, eines dürfte sicher sein: Das Motto von Erfinder Martin wird voll zum Tragen kommen: Jeder Mensch muss sterben. Sogar Jon Snow, aber der steht wieder auf.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/leben-und-sterben-in-westeros/">Sterben und Leben in Westeros</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Willkommen bei den Lannisters</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/willkommen-bei-den-lannisters/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Aug 2017 06:10:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Australien]]></category>
		<category><![CDATA[Cersei Lannister]]></category>
		<category><![CDATA[Duisburg]]></category>
		<category><![CDATA[Game of Thrones]]></category>
		<category><![CDATA[Horst Schimanski]]></category>
		<category><![CDATA[Jamie Lannister]]></category>
		<category><![CDATA[Jon Snow]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Straßennamen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein australische Baufirma plant, einige Straßen in einem Neubaugebiet nach Figuren aus "Game of Thrones" zu benennen. Gegen eine "Lannister Straße" hat jedoch die zuständige Kommunalbehörde ihr Veto eingelegt. Man wünscht sich keine Straße, die nach einem inzestuösen Geschwisterpaar benannt ist, Für die Snow- und die Samwell-Straße soll es aber grünes Licht geben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/willkommen-bei-den-lannisters/">Willkommen bei den Lannisters</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bis vergangene Woche wusste ich nicht, wer <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/08/24/carl-schmitt-im-ferrari/">Carl Schmitt </a>ist, über Cersei und Jamie Lannister war ich dagegen bestens informiert. Da die Lektüre der Kolumnisten gelegentlich auch Kolumnisten bildet, habe ich inzwischen <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/08/23/carl-schmitt-und-ich/">einiges über Herrn Schmitt</a> erfahren. Nach all dem, <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/08/21/carl-schmitt-und-seine-neue-ordnung/">was ich lesen konnte</a>, glaube ich eher nicht, dass nach ihm (noch) eine Straße benannt ist. Anders sieht es bei den Lannister-Geschwistern aus oder sagen wir besser: beinahe hätte es anders ausgesehen.</p>
<p><a href="http://www.bento.de/haha/game-of-thrones-australien-verbietet-lannister-road-wegen-inzest-1626080/">Eine australische Baufirma</a> plante, eine Straße in einem Neubaugebiet nach diesen Figuren der Erfolgsserie &#8222;Game of Thrones&#8220; zu benennen. Dagegen stellten sich die Kommunalbehörden. Sie stießen sich daran, dass die beiden eine inzestuöse Liebesbeziehung pflegen und erklärten, dass ein Straßenname die öffentliche Ordnung nicht stören und bestehende Gemeinschaftswerte nicht gefährden dürfe.</p>
<h2>Cersei hat es faustdick hinter den Ohren</h2>
<p>Nun hat Cersei nicht nur drei Kinder mit ihrem Bruder gezeugt, sie ist auch sonst nicht gerade ein Vorbild an Anstand, Sitte und Moral. Viele sehen in ihr den ruchlosesten Charakter unter den Thronprätendenten des fiktiven Kontinents Westeros. Wer seine Schwiegertochter in die Luft Jagen lässt, dem Ehemann ständig mit dem eigenen Bruder Hörner aufsetzt und einen anderen Bruder aus Machtkalkül zum Abschuss freigibt, der muss ziemlich hartgesotten sein. Selbst J. R. Ewing, der ultimative Filmbösewicht meiner Kindheit, wirkt gegen Madame allenfalls wie ein halbstarker Vorstadtintrigant. Wenn Cersei Lannister tatsächlich existieren würde, dann käme wohl niemand auf die Idee, auch nur ein Dorfgässchen nach ihr zu benennen.</p>
<p>Bei Jamie sieht das schon anders aus. Der ist eigentlich ein anständiger Kerl. Wenn er nicht gerade von Cersei verführt oder manipuliert wird, glänzt er als tapferer Kämpfer und ziemlich fähiger Heerführer. Seinem Bruder Tyrion, dem schwarzen Schaf der Familie, hat er das eine oder andere Mal aus der Patsche geholfen und ihn sogar vor seiner bevorstehenden Hinrichtung bewahrt. Die übrigens maßgeblich von Schwester Cersei betrieben wurde. Also nach jemanden wie Jamie könnte man schon eine Straße benennen, wenn eben diese pikante Bettgeschichte mit Cersei nicht wäre&#8230;</p>
<h2>Jon Snow würde sogar Margot Kässmann gut finden</h2>
<p>Auch wenn die Lannister-Straße passé ist, es werden &#8222;down under&#8220; doch noch Straßen nach &#8222;Game of Thrones&#8220;-Persönlichkeiten benannt. Etwa nach <a href="https://texte-zur-sache.de/2016/04/23/der-messias-von-westeros/">Jon Snow</a>, gegen den selbst die größten Moralapostel nichts einzuwenden haben dürften. Snow lässt quasi Klimaflüchtlinge in sein nördliches Königreich einreisen, öffnet Grenzwälle und setzt sich für Völkerverständigung ein. Sogar eine waschechte Wiederauferstehung hat er hingekriegt. Würde es Snow wirklich geben, selbst Margot Kässmann und Katrin Göring-Eckardt könnten ihn guten Gewissens in ihre Nachgebete aufnehmen.</p>
<p>Eine andere Straße soll den Namen von Samwell Tarly tragen, einem Vertrauten von Snow. Auch dagegen dürfte niemand etwas haben. Samwell ist ziemlich korpulent und eigentlich ungeschickt. Dennoch meldet er sich zum Dienst bei der Nachtwache, einer Art Frontex von Westeros. Bei der Grenztruppe bekommt Tarly viele verzwickte Aufgaben gestellt, die ihn zwar häufig überfordern, vor denen er aber nie wegläuft. Wer Hartnäckigkeit und Kampfgeist gut findet, für den ist Samwell weit vorn dabei. Persönlich habe ich für diese Figur äußerst viele Sympathien. Eigentlich ist er neben Tyrion mein absoluter Favorit bei &#8222;Game of Thrones&#8220;. Irgendwie geht es Samwell bei der Nachtwache genau wie mir beim Schulturnen: Wer weitgehend talentfrei ist, sich aber trotzdem anstrengt, der bekommt die &#8222;Gnaden-Drei&#8220; oder eben den Zuspruch der Serienfans. Außerdem mag ich Menschen mit Schwächen. Die Superperfekten, die immer alles richtig machen und auf einem moralisch besonders hohen Ross sitzen, sind mir suspekt. &#8222;Game of Thrones&#8220; hat mich in dieser Einstellung bestätigt. So gab sich der Oberpriester &#8222;Hoher Spatz&#8220; streng, mildtätig und puritanisch. Er hatte es aber faustdick hinter den Ohren und war genauso machtbewusst wie Cersei. Der &#8222;Hohe Spatz&#8220; mag zwar alle Gebote seiner Religion gekannt haben, die einfache Regel &#8222;Leg Dich nicht mit Cersei an&#8220;, hat er aber missachtet. Und so wurde auch er pulverisiert. Das war nun wirklich nicht nett. In einer Hohe-Spatz-Straße hätte ich aber auch nicht leben mögen.</p>
<h2>Samwell Tarly bekommt seine Straße</h2>
<p>Samwell Tarley pflegt zwar einige Laster, dafür ist er kopfklar und belesen. Sicher wüsste er, wer Carl Schmitt ist. Im weiteren Verlauf der Serie setze ich voll auf Samwell. Wenn sich einer eine List ausdenken kann, um Cersei oder den immer mächtiger werdenden Nachtkönig zu besiegen, dann er. So war es schließlich auch bei Odysseus in der Antike oder bei Wickie im Kinderfernsehen: Mit Pfiff und Strategie lassen sich selbst die vermeintlich größten Matadore schlagen.</p>
<p>Deshalb hätte ich nichts dagegen, in einer Samwell-Tarly-Straße zu wohnen. Lieber jedenfalls als in einer Wilhelm-Pieck- oder Ernst-Thälmann-Straße, die es zumindest im Osten Deutschlands noch vereinzelt gibt. Und im Westen der Republik sind bis zum heutigen Tag Straßen nach Größen aus der Zeit des Nationalsozialismus benannt. Etwa nach dem Sportfunktionär <a href="http://www.ksta.de/region/rhein-sieg-bonn/troisdorf/antrag-erneut-diskutiert-troisdorf-ueber-die-umbenennung-der-carl-diem-strasse-23854716">Carl Diem</a>, der unter anderem im Frühjahr 1945, in einer so genannten &#8222;Sparta-Rede&#8220;, Kinder und Jugendliche zum &#8222;finalen Opfergang für den Führer&#8220; aufrief. So kurz vor dem Untergang der Hitler-Diktatur hätte selbst dem verblendetsten NS-Anhänger klar sein müssen, dass er mit so einer Aussage Minderjährige in den sicheren Tod schickt. Verglichen mit Herrn Diem zöge ich irgendeine Game-of-Thrones-Persönlichkeit als Patron meiner Straße dann doch vor.</p>
<h2>Manche Namen muss man googlen</h2>
<p>Ohnehin finde ich die Namensidee der australischen Baugesellschaft gar nicht schlecht. Die Figuren aus der Erfolgsserie kennen mit Sicherheit mehr Menschen als den dänischen Kommunisten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Andersen_Nex%C3%B8">Martin Andersen Nexö,</a> dessen Namen man in den neuen Bundesändern noch immer auf vielen Straßenschildern findet. Die schwedische Philantrophin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elsa_Br%C3%A4ndstr%C3%B6m">Elsa Brändström </a>ist dagegen eine hochehrenwerte Frau. Niemand macht einen Fehler, wenn er eine Straße nach ihr benennt. Als ich ihren Namen das erste Mal las, musste ich aber ein Lexikon aufschlagen. Google &amp; Co. gab es damals noch nicht. 2005, als ich in eine Winckelmann-Straße zog, waren diese Internetsuchmaschinen schon bestens bekannt. Sie halfen mir jedoch nicht wirklich weiter, da ich gleich auf mehrere Winckelmänner mit nicht ganz uninteressanter Biographie stieß. Allein aufgrund eines regionalen Abgleichs von Namensgeber und Stadt, konnte ich eine belastbare Vermutung darüber anstellen, um welchen Winckelmann es sich eigentlich in meiner Straße handelt. Besser wäre gewesen, die Stadtverwaltung hätte den Vornamen mit auf das Schild geschrieben&#8230;</p>
<p>Zuvor hatte ich mein halbes Leben in einer Martinstraße gelebt. Da war die Namenszuordnung einfacher. Martin Schulz war noch kein Thema und rundherum trugen alle Straßen die Namen von bereits vom Vatikan anerkannten Heiligen. Straßenpatron muss zwangsläufig Martin von Tours gewesen sein, der in einer frostigen Sturmnacht seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat.</p>
<p>The real Sankt Martin ist ohnehin so etwas wie der ideale Namensgeber schlechthin: Überregional, ja weltweit bekannt, moralisch unangreifbar und über die politischen Lager hinweg konsensfähig. Nur: Man kann nicht alle Straßen nach ihm benennen, und allzu viele ebenso populäre wie unangreifbare Persönlichkeiten gibt es nicht. Die Option, fiktive Figuren zu nutzen, finde ich deshalb grundsätzlich erwägenswert.</p>
<h2>Die Schimi-Uni wäre cool gewesen</h2>
<p>Anfang der 90er Jahre schlugen die Duisburger Jungsozialisten vor, die örtliche Universität nach <a href="http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/deutsche-uni-identitaeten-dramen-um-namen-a-370014.html">Horst Schimanski </a>zu benennen, dem legendären Fernsehkommissar aus dem Ruhrpott. Ich hätte das charmant gefunden. Ehrlich gesagt, könnte ich sonst spontan keinen berühmten real existierenden Duisburger nennen, außer vielleicht den Kickern des Fußballklubs MSV, Torwartlegende Toni Turek oder jenem unglücklichen Bürgermeister, der bei der Love Parade-Katastrophe amtiert hat. Und manch ein Student hätte es mit Sicherhheit cool gefunden, zu sagen: &#8222;Ich geh`anne Schimi-Uni!&#8220; Benannt wurde die Universität schließlich nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Mercator">Gerhard Mercator</a>. Dank Internet-Recherche weiß ich, dass das ein Mathematiker und Kartograf aus dem 16. Jahrhundert war.</p>
<p>Immerhin haben die Duisburger Stadtväter inzwischen eine <a href="https://www.derwesten.de/staedte/duisburg/fans-pilgern-nach-ruhrort-zur-horst-schimanski-gasse-id11957547.html">Gasse nach Schimanski </a>benannt. Das hat das Raubein von der Ruhr jetzt sowohl <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/08/25/noch-einmal-zu-schmitt-und-heidegger/">Herrn Schmitt</a> als auch den Lannisters voraus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/willkommen-bei-den-lannisters/">Willkommen bei den Lannisters</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Kims wunderbare Welt des Streaming</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Aug 2016 06:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Amazon Prime]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<category><![CDATA[Kim Jong-Un]]></category>
		<category><![CDATA[Netflix]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkoera]]></category>
		<category><![CDATA[Streaming]]></category>
		<category><![CDATA[Tatort]]></category>
		<category><![CDATA[The Walking Dead]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Machthaber aus dem Kim-Clan gelten als Filmfreaks. Der aktuelle Herrscher Nordkoreas, Kim Jong-un, bringt nun den Streaming-Anbieter "Manbang" an den Start. Landeskenner schätzen, dass nur wenige Tausend den Dienst empfangen können. Allerdings überlegen wir schon mal, wie Kim das US-Vorbild "Netflix" überholen kann...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für alle, die glauben, dass Nordkorea zwar ein paar Bomben und noch ein paar Raketen hat, ansonsten aber tiefste technologische Diaspora ist, hat Machthaber Kim Jong-Un eine Überraschung parat: Das kommunistische Land soll nun seinen eigenen Streaming-Anbieter bekommen, so etwas wie ein volkseigenes &#8222;Netflix&#8220; in dunkelrot.</p>
<p>Die TV-Box &#8222;Manbang&#8220; (was auf Englisch recht zweideutig klingt, auf gut Koreanisch aber so viel wie &#8222;überall&#8220; oder &#8222;an jedem Ort&#8220; heißt) soll Kims Untertanen mit staatlich autorisierten Fernsehangeboten versorgen. Die verschiedenen Programme seien deutschsprachigen und englischen Berichten zufolge frei auswählbar und zeitlich flexibel verfügbar. Freuen dürfen sich &#8222;Manbang&#8220;-Kunden auf linientreue Dokumentarfilme und Lernvideos, um Englisch und Russisch zu sprechen, heißt es in einer <a href="https://www.nknews.org/2016/08/netflix-style-video-on-demand-comes-to-north-korea-state-tv-shows/">Ankündigung des Staatsfunks KCTV</a>. Vor allem jedoch seien Kunden in der Lage, fünf Fernsehkanäle zu streamen, die stets Neues über Leben und Wirken des kommunistischen Führers liefern und die regionale Presse vorlesen.</p>
<h2>Nur Elite kann &#8222;Manbang&#8220; empfangen</h2>
<p>Obwohl für die Kim-Dynastie, zumindest verbal, nicht einmal der Himmel die Grenze ist, dürfte die Nutzerzahl von &#8222;Manbang&#8220;, wenigstens bis zum Sieg der Weltrevolution, deutlich hinter der des Vorbildes &#8222;Netflix&#8220; zurückbleiben. In Nordkorea hat nur eine kleine Elite Zugang zum ebenfalls staatlich kontrollierten nationalen Intranet, noch weniger Menschen können das weltweite Internet nutzen. Experten gehen deshalb davon aus, das dass sich maximal wenige Tausend der etwa 25 Millionen Einwohner des Landes für Kims Streaming anmelden können.</p>
<p>So bizarr die Meldung über das nordkoreanische Streaming auch klingen mag, Medienbegeisterung hat im Herrscher-Haus Tradition. Dynastie-Gründer Kim Il-sung liebte Samurai- und Kriminalstoffe aus Japan, das Faible von Nachfolger und Sohn Kim Jong-il für US-amerikanisches sowie französisches Kino war legendär. Der aktuell herrschende Kim, ein Mittdreißiger, über dessen genaues Alter unterschiedliche Angaben kursieren, ist mutmaßlich in einem Schweizer Internat aufgewachsen. Allen technischen Neuerungen soll er, Berichten zufolge, extrem aufgeschlossen sein. Und während seine Untertanen in maximaler Isolierung von der Außenwelt leben, nennt der dickliche Regent alle möglichen technischen Spielereien sein Eigen, vom Smartphone über das Tablet bis zum Satelliten-Fernsehen. Anders als die hiesige Kanzlerin käme er niemals auf die Idee, das <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/kanzlerin-merkel-nennt-bei-obama-besuch-das-internet-neuland-a-906673.html">Internet als &#8222;Neuland&#8220;</a> zu bezeichnen.</p>
<h2>Die Kims sind Kino-Experten</h2>
<p>Man kann sich vorstellen, dass Genosse Kim den Kapitalisten von &#8222;Netflix&#8220; gerne zeigen möchte, was eine mediale Harke ist. <a href="http://www.sz-online.de/nachrichten/ueberholen-ohne-einzuholen-2004374.html">&#8222;Überholen ohne einzuholen&#8220;</a>, ganz so wie es einst der starke Mann der DDR, Walter Ulbricht, formuliert hat. Aber mit welchen Inhalten? Schließlich verbietet es sich für einen orthodoxen Kommunismus, wie er in Nordkorea immer noch Staatsideologie ist, sich an dekadenter westlicher Filmproduktion zu bedienen. Spielen wir daher für einen Moment den fiktiven &#8222;Manbang&#8220;-Programmdirektor und überlegen, mit welchen heroischen Serienleistungen das nordkoreanische Volk den Streaming-Gipfel erklimmen könnte.</p>
<p>Die erfolgreichste Serie weltweit ist derzeit wohl &#8222;Game of Thrones&#8220; (GoT), ein in einer Mittelalterwelt verorteter Machkampf diverser Herrscherclans. Markenzeichen der Produktion sind seine Grausamkeit und das ständige Ableben aller möglichen Hauptfiguren. Betrachtet man die Handlung genau, so liegt der Serienstoff für den künftigen &#8222;Manbang&#8220;-Blockbuster &#8222;Game of Kims&#8220; regelrecht auf den Schlaglöcher übersäten nordkoreanischen Straßen. In Kims rotem Reich sind die Rivalitäten in Herrscherfamilie, Staatspartei und Militär ebenfalls Legende. Der jungenhafte Staats- und Parteichef soll sogar <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/nordkorea-kim-jong-un-begruendet-hinrichtung-seines-onkels-a-941391.html">einen Onkel </a>&#8211; im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; zum Abschuss frei gegeben haben, der ihm eigentlich als persönlicher Berater diente. Und in Sachen Grausamkeit sollen nordkoreanische Haftlager und Gefängnisse sogar die Phantasien von GoT-Autor George R. R. Martin übertreffen.</p>
<h2>&#8222;Game of Thrones&#8220; auf koreanisch</h2>
<p>Ein andere aktuelle Erfolgsstory ist &#8222;The Walking Dead&#8220;, ein Endzeitstoff, in dem ein unbekannter Virus beinahe die gesamte Menschheit zu Zombies mutieren lässt. Einige der letzten nicht Infizierten schaffen es, sich unter ihrem charismatischen Anführer Rick Grimes in einem ehemaligen Gefängnis zu verschanzen. Der Plot erscheint wie geschaffen, um nordkoreanische Serienfreaks zu unterhalten und sie gleichzeitig in der reinen Lehre zu unterweisen. So könnten die &#8222;Manbang&#8220;-Macher den Genossen Kim zu ihrem Rick Grimes hochstilisieren, der seine treuen Genossen im Staatsgefängnis Nordkorea mit Stacheldraht und stets wachsamen Grenztruppen vor dem bösen Rest der Welt zu schützen versucht: Den wahren Zombies, infiziert mit dem Kapitalismus-Virus.</p>
<p>Natürlich sind solche Serien aufwendig, ihre Produktion dürfte teuer sein. Vielleicht zu teuer für das nordkoreanische Budget. Also fahnden wir nach billigeren Stoffen, die trotzdem erfolgreich sind. Wobei wir beim &#8222;Tatort&#8220; wären: Massenware, die häufig abgeschmackt und lange auserzählt wirkt &#8211; mit Schauspielern, die in ihrer Kunst oft von den Nachrichtensprechern aus Pyöngyangs Staatsfunk getoppt werden. Dennoch funktioniert die Serie. Selbst nach beinahe 40 Jahren hat sie hierzulande Traum-Einschaltquoten. Allerdings steht zu befürchten, dass die Drehbücher kaum einer kritischen Prüfung durch Meister Kim persönlich standhalten dürften. Weltverbesserische Dialoge, moralische Belehrungen sowie Handlungen, in denen Unternehmer vielfach die Bösen sind? &#8222;Das nimmt uns doch keiner ab, das hält doch sogar der letzte Landarbeiter in der nordöstlichen Provinz Hamgyŏng-pukto für Propaganda!&#8220;, könnte eine Reaktionen des erprobten Cineasten und Staatenlenkers lauten.</p>
<h2>&#8222;Tatort&#8220; zu langweilig für Machthaber</h2>
<p>Und so setzt &#8222;Manbang&#8220; vorerst weiter auf Bewährtes. Dokumentationen, Reden und Diskussionen von schöner, konstruktiver Einmütigkeit und mit volksaufklärerischem Anspruch. Das finden wir eher langweilig und ziehen uns als fiktive Berater zurück. Falls Kim dafür dennoch Unterstützung braucht: Beim deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollte er schnell fündig werden.</p>
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<div id="siteSub"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hamgy%C5%8Fng-pukto#p-search"><u><span style="color: #0066cc;"> </span></u></a></div>
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		<title>Der Messias von Westeros</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/der-messias-von-westeros/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Apr 2016 09:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Das Lied von Feuer und Eis]]></category>
		<category><![CDATA[Game of Thrones]]></category>
		<category><![CDATA[George R. R. Martin]]></category>
		<category><![CDATA[Jon Snow]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtwache]]></category>
		<category><![CDATA[Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Wiedergeburt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Sonntag startet die sechste Staffel von "Game of Thrones". Dann erhalten die Fans eine Antwort auf die Frage, ob Serienheld Jon Snow noch lebt oder wenigstens eine anständige Wiederauferstehung hinbekommt. Dabei wird eine andere Figur für den Fortgang immer wichtiger.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Leute, die sich dafür interessieren, ob Hillary Clinton oder Bernie Sanders, Donald Trump oder Ted Cruz um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen. Und es mag welche geben, die immer noch wissen wollen, ob der für 2012 avisierte Flughafen der deutschen Hauptstadt irgendwann in mittelferner Zukunft seiner Bestimmung übergeben wird. Für die meisten Menschen auf dieser Erde indes hat an diesem Wochenende eine andere Frage Priorität: Lebt Jon Snow?</p>
<p>Für alle, die weder Fans der Serie „Game of Thrones“ (GoT) sind, noch die Buchreihe „Das Lied von Feuer und Eis“ kennen, mag der Hype unvorstellbar sein. Echte „GoT“-Anhänger indes beschäftigt seit vergangenem Sommer kaum etwas so sehr, wie die Zukunft dieser Hauptfigur. Glaubte man Snow doch dazu berufen, einer ganzen Phantasiewelt die Erlösung von Krieg, Kabale und Intrigen zu bringen. Und so einer soll die Szenerie für immer verlassen? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, hofft ein Großteil der „GoT“-Gemeinde, dass ihr Liebling von den Toten aufersteht. Allerdings nicht nach der Schrift. Denn die Romanvorlage ist bereits zu einem vorläufigen Ende gekommen. Was sich Autor George R. R. Martin nun für die Serie ausdenkt, ist in der Tat Neuland.</p>
<h2>Warten auf die Auferstehung</h2>
<p>Snow als Christus von Westeros, auferstanden von den Toten: Eine Nummer kleiner, so kann man denken, macht es Martin nicht. Die meisten Morde, die meiste Gewalt, die finstersten Schurken. Wer sich so um Superlative müht, braucht fürs Schlusskapitel einen echten Knalleffekt. Und was käme besser, als ein Messias. Um so einer zu werden, bräuchte Snow schon eine Auferstehung, das gehört zum guten Ton. Dann, und nur, dann würde der Filmtod für die Fans einen Sinn ergeben. Ein Kniff, den man angesichts der bisherigen Dramaturgie der Serie nicht ganz von der Hand weisen kann.</p>
<p>So muss man sich „Game of Thrones“ wie eine Mischung aus Mittelaltermärchen, Shakespeare`scher Tragödie und einer Seifen-Oper à la Dallas mit jeder Menge Familienränke vorstellen. Drachen, Magie und Geister kommen darin ebenso vor, wie Liebesschmerz, Neid und Inzucht. Der Unterschied zu den meisten anderen Filmepen: In Martins Kosmos gibt es kein Gut und kein Böse, kein Schwarz und kein Weiß. Nur allerlei Schattierungen von Grau. So vollbringt fast jede Hauptfigur ebenso Heldentaten wie Schurkereien. Ein Seitensprung gilt fast schon als lässliche Sünde. Bei Vater- oder Brudermord fängt das Strafregister eigentlich erst an zu zählen. Und wer wirklich zwei Folgen lang ohne Missetat durch den fiktiven Kontinent Westeros gewandelt ist, droht garantiert in einer der nächsten Szenen gemeuchelt zu werden. „Valar morghulis – jeder Mensch muss sterben“, lautet das aus der Kunstsprache Valyrisch übersetzte Motto der Serie.</p>
<h2>„Valar morghulis – jeder Mensch muss sterben“</h2>
<p>Jeder Mensch muss sterben – bis auf Jon Snow, konnte man lange Zeit entgegnen. Denn der uneheliche Sohn des Warlords Ned Stark, einem früh gekillten Helden der ersten Staffel, passte in kein Schema. Er schien irgendwie ohne Sünde zu sein und durfte dennoch leben, ganze fünf Staffeln sogar. Anstatt sich mit seinen Halbbrüdern in den Bürgerkriegen von Westeros zu balgen, zog es Snow vor, sich der Nachtwache zu verschreiben. Einer zölibatär lebenden Ritterkaste, die in einer entlegenen Bergfeste lebt und vor allem eine Aufgabe hat: Westeros vor in Wildnis lebenden Völkern von jenseits der Grenze zu schützen. Zyniker würden sagen, eine Art Frontex des Mittelalters. In dieser rauen Männergemeinschaft wirkte Snow wie der große Außenseiter. Er war gebildeter, weltläufiger und weniger grobschlächtig. Zwar verstand Snow zu kämpfen, dennoch blieben Redegewandtheit und Verstand seine stärksten Waffen. Und als ihm Stanis Baratheon, ein anderer Warlord, anbot, den Mord an seinem Vater zu rächen und gemeinsam die Heimat zurückzuerobern, lehnte Snow ab. Sein Reich schien wirklich nicht mehr von dieser Welt zu sein. Und messianische Feindesliebe und Barmherzigkeit hatte der Grenzritter auch drauf.</p>
<p>Schnell brachte es Snow vom Außenseiter zum Lordkommandanten der Nachtwache. In dieser Funktion traf er dann eine folgenschwere Entscheidung. Als die Stämme jenseits der Grenze vom immer härteren Winter und einer Geisterarmee bedroht wurden, öffnete der Fürstensohn die Grenzpforte. Rasch rief Snows moralischer Imperativ seine Gegner auf den Plan, die, man befindet sich irgendwie im Mittelalter, keine Rechtsgutachten in Auftrag gaben, sondern zu finsterer Tat schritten. In einem Hinterhalt metzelten sie ihren Herrn und Meister. So die vorläufig letzte Szene der Saga, die Fans und Beobachter bis heute verzweifeln oder spekulieren lässt. Zumal auch der Verrat durch Gefolgsleute eine Analogie zum biblischen Messias ist.</p>
<h2>Jon Snow ist tot. Aber wie lange?</h2>
<p>In der Nacht von Sonntag auf Montag können zumindest die Sky-Abonnenten den Fortgang mit eigenen Augen verfolgen. Alle anderen müssen sich gedulden, bis die sechste Staffel von „GoT“ im Free-TV gezeigt wird oder im Stream bzw. auf DVD erhältlich ist.</p>
<p>Wagen wir eine Prognose!</p>
<p>Mit Sicherheit hat Snow die Metzelei durch die Nachtwache nicht überlebt, ansonsten würde auch Autor Martin seinem „Valar Morghulis“-Grundsatz untreu. Zudem ist es gerade die Stärke von „GoT“, dass die Serie mit allen heile Welt und Happy End-Konventionen bricht. In einem Martin-Plot kann Jon Snow nicht wie Aragorn in „Herr der Ringe“ am Ende als König mit hübscher Braut auf dem Eisernen Thron sitzen. Das wäre ja so etwas von Rosamunde Pilcher.</p>
<h2>Preis für Blutzauber wäre zu hoch</h2>
<p>Auch eine andere Hoffnung der Snow-Jüngerschaft, die Wiedererweckung durch die Blutzauberin Melisandre, wäre eine dramaturgische Enttäuschung. Sicher, die Hexerin hat Wiederauferstehungen im Repertoire, das hat sie schon eindrucksvoll bewiesen. Auch war sie bereits bei Snow auf der Festung und hat ihn dort ordentlich bezirzt. Aber was wäre das für eine Mesalliance? Hier die böse Frau, die Kinder ins Feuer werfen lässt, damit ihre Väter Kriegsglück haben. Dort der gute Mensch von Westeros, der sein Leben nicht nur für seine Freunde, sondern sogar für Wildfremde hingibt?</p>
<p>Nein, dieses Bündnis erschiene unglaubwürdig und gekünstelt. Zudem dürfte Melisandre nicht die Art von Frau sein, die andere Menschen für lau wieder zum Leben erweckt. Nein, diese obskure Magierin würde einen Preis von Snow fordern. Und der dürfte hoch und schmutzig sein. Zu hoch und zu schmutzig für einen Fast-schon-Messias.</p>
<h2>Ist Sansa die wahre Schlüsselfigur?</h2>
<p>Wir entscheiden uns deshalb für die Yoda-Variante! Snow stirbt, aber sein Geist lebt weiter. Entweder fährt er in ein Tier ein, was in der Serie auch gängige Praxis ist. Oder der einstige Grenzschützer wird zu einem der Wesen mit wechselndem Gesicht, die ebenfalls zur „GoT“ Grundausstattung gehören. Vielleicht macht es Snow aber wirklich wie Jesus und erscheint den Seinen in verklärter Form. Etwa seiner Schwester Sansa, die für uns die eigentliche Schlüsselfigur der finalen Staffeln werden könnte.</p>
<p>Weibliche Heldinnen sind gerade angesagt im Hollywood-Blockbuster-Kino. Katniss Everdeen aus „Tribute von Panem“ ist zur absoluten Trendsetterin geworden, die in Zeiten der Emanzipation gerade in den USA ziemlich viele Epigoninnen findet. J. J. Abramas hat mit Rey in seinem „Star Wars“-Sequel die wohl bekannteste von ihnen erschaffen. Beatrice Prior aus „Divergent“ ist ein anderes Beispiel. Folgt Martin diesem Trend?</p>
<h2>Vom Aschenputtel zur Kämpferin</h2>
<p>Dafür spricht: Sansa hat eine enorme Entwicklung genommen. Als braves Mädchen und hilflose Geisel der durchtriebenen Lennister-Sippe ist die älteste Halbschwester Jon Snows einst gestartet. Das Leben, schmutzige Ränke und unglückliche Zwangsehen haben die Lady immer härter und widerspenstiger lassen. Mit unglaublichem Selbstbehauptungswillen ist sie schließlich in Staffel fünf angekommen. Auch töten kann sie inzwischen, das ist unerlässlich bei Game of Thrones.</p>
<p>Erhält Sansa nun, wie einst Luke Sykwalker von Meister Yoda, brüderliche Unterweisungen aus dem Jenseits, könnte die Metamorphose zur Anführerin vollendet werden. Gleichzeitig wird an der Figur Sansa deutlich, was Martins Erzählkunst von anderen Filmhandlungen abhebt. Katniss Everdeen und Beatrice Prior waren von Anfang an stark und sind wohl schon mit geballter Faust auf die Welt gekommen. Sansa Stark musste – nomen est omen – stark werden, weil die Umstände sie dazu zwangen. Den gesamten Prozess kann man in der Serie verfolgen. Es wäre nur Konsequent, würde Martin diesen Wandel jetzt auf einen finalen Höhepunkt zusteuern lassen.</p>
<p>Aber Martin wäre nicht Martin, wenn es am Ende nicht ganz anders käme und auch Sansa bald schon den Gang alles Irdischen gehen müsste. Auch Snow-Jünger müssen zugeben, dass gerade das „Valar Morghulis“, das Wegsterben der Heroen, die ständigen Brüche und unvorhergesehen Wendungen das Salz in der Suppe von „GoT“ sind. Wer das nicht mag, kann „In aller Freundschaft“ schauen.</p>
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		<title>Die (Fernseh-) Wüste lebt</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/die-fernseh-wueste-lebt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2016 05:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Ostermontag lief "Sherlock" direkt nach dem "Tatort". Größer kann die die Fallhöhe zwischen genialem Fernsehen und Massenware nicht sein. Briten, US-Amerikaner aber auch Skandinavier sind deutschen Produktionen um Jahre voraus. Besserung ist nicht in Sicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Von Woody Allen wird erzählt, dass er sich die Beziehungskomödie „Der bewegte Mann“ in einem Off-Kino angesehen habe, um den deutschen Humor zu verstehen. Der US-Regisseur soll das Lichtspielhaus verstört verlassen haben. Ob Allen auch „Tatort“ oder „Der Alte“ gesehen hat, ist nicht bekannt. Man muss aber kein US-Filmgenie sein, um deutsche Krimimassenware als international höchstens viertklassig abzutun. Getretener Quark wird breit, nicht stark, das wusste schon Dichterfürst Goethe.</p>
<p style="text-align: left;">Die Programmverantwortlichen der deutschen Sender indes scheinen sich um diese Weisheit nicht zu scheren. Ansonsten würden sie manche Formate nicht so zu Tode inflationieren, wie es sonst nur die venezolanische Staatsbank mit ihrer Landeswährung Bolivar tut.</p>
<h2>&#8222;Der Alte&#8220; ist der wahre &#8222;Walking Dead&#8220;</h2>
<p>Gefühlt hat jedes mittelfränkische Mittelzentrum inzwischen sein Tatort-Ermittlerteam und „Der Alte“ wandelt schon in der dritten oder vierten Inkarnation durch die Münchner Vorortvillen, quasi als echter „Walking Dead“. Kein Wunder, dass den Drehbüchern dieser Endlosserien die Luft ausgehen muss. Längst bin ich aus der deutschen Serienwelt ausgestiegen und halte mich an britischen oder US-amerikanischen Produktionen schadlos. Die sind entweder unterhaltsamer, innovativer oder lustiger als hiesige Produktionen. Meist aber, wie im Fall von „Sherlock“ oder „Game of Thrones“ schlagen sie die Fernsehware aus Germany in allen Kategorien.</p>
<p>Als mit Kassel die dritte Stadt meiner hessischen Heimat ein <a title="Jedes Nest hat einen Tatort-Ermittler" href="http://diekolumnisten.de/2016/02/15/out-of-hildburghausen/" target="_blank" rel="noopener">Tatort-Ermittlerteam </a>bekam, habe ich mich an dieser Stelle über diesen Dinosaurier deutscher Fernsehunterhaltung ausgelassen. Die Reaktionen darauf waren nicht durchweg positiv. Einige Bekannte verwiesen auf den Anspruch der Serie, andere auf Highlights &#8211; wie den Münsteraner Tatort-, der eher einem Comedy-Film als einem Polizeiformat ähnelt. Auch wurden die noch immer sehr hohen Quoten angeführt, die der Tatort allsonntäglich verbuchen kann.</p>
<h2>ARD und ZDF altern mit ihren Zuschauern</h2>
<p>Letzteres ist mir ein Rätsel. Erklären kann ich es mir mit einem gewissen Strukturkonservatismus, der die Deutschen wohl in ihrem Wesen auszeichnet. Zu Revolutionen fühlte sich unser Volk nie berufen. Nicht einmal, wenn man dazu nur den Um- oder Ausschaltknopf auf der Fernbedienung drücken müsste. Zudem altern ARD und ZDF mit ihren Zuschauern – und ältere Menschen ändern ihre Gewohnheiten erst recht nicht. Lieber schläft man mit dem &#8222;Alten&#8220; oder Lena Odenthal ein, als dass man sich an den lüsternen Zwerg aus „Game of Thrones“ oder den Bomben legenden Konvertiten aus „Homeland“ heranwagt. In einem Land, in dem Florian Silbereisen und der Musikantenstadl reüssieren und Helene Fischer als Superstar gilt, können auch Gähngestalten wie Schenk und Ballauf ihr lebenslanges TV-Refugium haben.</p>
<p>Als Helmut Kohl 300.000 Menschen auf der Bonner Hofgartenwiese gegen die Nachrüstung demonstrieren sah, kamen ihm Zweifel an seiner Sicherheitspolitik. Können all diese Menschen unrecht haben, hat er sich gefragt. Später erst habe die Geschichte aus seiner Sicht die Antwort gegeben. Angesichts der unzähligen Tatort-Fans frage auch ich mich: Können sich all diese Fans irren oder liegst nicht Du mit Deiner Ablehnung der Reihe daneben?</p>
<h2>Fallhöhe zwischen Cumberbatch und Makatsch</h2>
<p>So lange wie beim Altbundeskanzler hat es bei mir nicht gedauert, bis ich mich in meiner Position bestätigt sah. Genau genommen, fiel es mir am Ostermontag wie im tagesaktuellen Emmaus-Evangelium wie Schuppen von den Augen. Da lief direkt im Anschluss an einen Tatort mit Ex-VIVA-Girlie Heike Makatsch eine Sonderfolge der hoch gehandelten Serie „Sherlock“. Zwar habe ich nur die BBC-Produktion mit dem koksenden Kultdetektiv gesehen, aber die Reaktionen von Kritikern und Fans reichten mir zum Vergleich.</p>
<p>Bezeichnend eine <a title="Tatort ist wie PUR als Vorgruppe" href="https://twitter.com/ORasche/status/714658527315419136" target="_blank" rel="noopener">Äußerung</a> bei twitter: &#8222;Dieser Tatort und danach Sherlock, das ist wie ein Rolling Stones-Konzert mit PUR als Vorgruppe&#8220;. Weniger originell, dafür umso eindeutiger ein anderer<a title="Deutsches Fernsehen ist zum Weinen" href="https://twitter.com/nieschwietz/status/714543447177359361" target="_blank" rel="noopener"> tweet:</a> <a title="Sherlock schlägt Tatort" href="http://www.bild.de/unterhaltung/tv/tatort/versus-sherlock-starke-konkurrenz-fuer-makatsch-45098982.bild.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;#Sherlock:</a> Das ist einfach alles so gut gemacht, dass ich weinen muss, wenn ich an deutsches Fernsehen denke&#8220;. Drastischer kann man die Fallhöhe zwischen „Tatort“ und „Sherlock“, zwischen Heike Makatsch und Benedict Cumberbatch nicht auf den Punkt bringen.</p>
<h2>US-Sender haben größeren Markt</h2>
<p>Warum die Deutschen so erfolgslos Fernsehserien produzieren wie die US-Amerikaner (die Männer jedenfalls) Fußball spielen, darüber wurde schon viel geschrieben und noch mehr nachgedacht. Zum einen wird es mit dem größeren Markt und der größeren Zahl profilierter Schauspieler begründet. So kommen viele der innovativen Serien von HBO, einem Spartensender, der eben kein „Broadcasting“, kein Fernsehen für ein breites Publikum machen will, sondern sich auf anspruchsvolle Unterhaltung für klar definierte Zielgruppen (&#8222;narrow casting&#8220;) spezialisiert hat. &#8222;Game of Throne&#8220; etwa erzählt eine komplexe, durchgehende Geschichte, bei der die Zuschauer ständig am Ball bleiben müssen. Hauptfiguren kommen und gehen. Immer wieder werden neue Handlungsstränge entwickelt.</p>
<p>Zudem finanzieren sich viele der HBO-Erfolgsproduktionen durch DVD-Verkäufe oder weltweites Streaming bei Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime. US-amerikanische Populärkultur funktioniert eben auch in Europa und Asien. Deutsche Fernsehmacher dagegen finden einen begrenzten Markt. 80 Millionen Deutsche, rund 8 Millionen Österreicher, rund 8 Millionen Schweizer, eine Hand voll Liechtensteiner. Dazu Minderheiten in Luxemburg, Belgien, Südtirol und Namibia. Das war es.</p>
<h2>Auch Briten und Dänen liefern starke Formate</h2>
<p>Dabei sind viele Junge und Dynamische aus der deutschsprachigen Zielgruppe längst zu den Streaming-Portalen emigriert. Und dort wollen sie nicht unbedingt Stoffe aus München-Haidhausen oder Frankfurt-Bonames sehen. New York, London oder Phantasiewelten kommen besser an. Man hört ja auch nicht die Kastelruther Spatzen oder Bernhard Brink, sondern eher Coldplay oder Madonna, wenn nicht gar Iron Maiden oder Eminem.</p>
<p>Doch allein mit dem Mangel an Masse und finanziellen Möglichkeiten können sich die deutschen Sendeanstalten nicht herausreden. So stammt &#8222;Sherlock&#8220; nicht von einem US-amerikanischen Hipster-Kanal, sondern von der guten alten BBC, der Mutter aller öffentlich-rechtlichen Sender. Und der sollte kommerzieller Erfolg ebenso egal sein, wie ARD oder ZDF.</p>
<h2>Danmarks Radio hat kleineres Budget als ARD</h2>
<p>Ohnehin feuern die BBC und die private Konkurrenz von ITV immer wieder neue Geniestreiche ab. „Broadchurch“, „Luther&#8220; oder das kriminalistische Erweckungserlebnis der 90er Jahre „Für alle Fälle Fitz“ sind nur die bekanntesten Erfolgsserien von der Insel. Auch die Skandinavier liefern seit Jahren Produktionen ab, die hiesige Massenware klar in den Schatten stellen. „Die Brücke“, „Kommissarin Lund“ und „<a title="Borgen - ein Hit aus Dänemark" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Borgen_%E2%80%93_Gef%C3%A4hrliche_Seilschaften" target="_blank" rel="noopener">Borgen &#8211; Gefährliche Seilschaften</a>“ heißen einige der außergewöhnlichen Formate. Dabei verfügen Dänemark und Schweden nur über ein Zehntel der Einwohnerzahl Deutschlands. Auch ist der für &#8222;Borgen&#8220; verantwortliche Sender Danmarks Radio ebenfalls öffentlich-rechtlich organisiert. Er hat längst nicht das Budget von ARD oder ZDF.</p>
<p>So dürften Strukturkonservatismus, Kopflastigkeit und Risikoscheu die eigentlichen Fundamente der Serienwüste Deutschland sein. Der gesamte deutsche TV-Markt ist nicht innovationsfreundlich. In Schweden und Dänemark sieht das anders aus &#8211; da sind die Öffentlich-Rechtlichen an interessanten Co-Produktionen beteiligt. Hierzulande wird &#8211; so lange die Quoten stimmen &#8211; wie gewohnt weiter gewerkelt, werden halbtote Pferde zu Tote geritten. Das ist kurzfristig einfacher und billiger. Und es erspart den Verantwortlichen Konflikte in den hierarchisch organisierten Sendern.</p>
<h2>Neue Fehlerkultur muss her</h2>
<p>Mitentscheiden wollen beim deutschen Fernsehehen viele. Wo die trendigen US-Sender den Kreativen das Steuer überlassen, gilt in good old Germany immer noch das Prinzip der vielen Köche. Und oft haben diese Köche auch politische Loyalitäten zu berücksichtigen. Man stelle sich vor, in einer deutschen Rundfunkanstalt käme jemand auf die Idee, eine Serie mit Zombies, einem Drogen dealenden Lehrer oder einem notgeilen Gnom zu drehen und sie zur Hauptsendezeit auszustrahlen. Den Widerstand und die Bedenken in den Gremien kann man sich bildlich vorstellen. Floppt das Format erst einmal, weil ein Teil der Zuschauer wegen der komplexen Handlung aussteigt, kann es für den zuständigen Redakteur schnell ungemütlich werden. Mir ist unklar, ob FDP-Chef Christian Lindner auch an die hiesige Fernsehlandschaft denkt, wenn er immer wieder eine andere <a title="Lindner fordert andere Fehlerkultur" href="https://www.facebook.com/welt/videos/10153103608413115/" target="_blank" rel="noopener">Fehlerkultur </a>für Deutschland fordert. Dies wäre aber eine entscheidende Voraussetzung, damit es endlich einen deutschen &#8222;Sherlock&#8220; oder ein deutsches &#8222;Borgen&#8220; gibt.</p>
<p>Noch sind solche Produktionen aber nicht am Horizont erkennbar. Dafür aber jede Menge &#8222;Bergdoktor&#8220;, &#8222;In aller Freundschaft&#8220; oder &#8222;SOKO Leipzig&#8220;. Die deutsche (Fernseh-) Wüste, sie lebt!</p>
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