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	<title>Geld-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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		<title>Wir brauchen keine Zinsen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Phil Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2017 10:30:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Jörg Phil Friedrich: Arte-Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Altersvorsorge]]></category>
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		<category><![CDATA[Zinsen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Alle jammern über die niedrigen Zinsen. Und nun soll es sogar Negativ-Zinsen geben. Dabei ist es gar nicht so absurd, dass es Geld kostet, Geld aufbewahren zu lassen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/politik/wir-brauchen-keine-zinsen/">Wir brauchen keine Zinsen</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt keine Zinsen mehr! Seit Jahren ist das Gejammer groß, und es nimmt zu, während die Zinsen abnehmen. Politiker schwingen sich zum Anwalt des „kleinen Sparers“ auf, der Geld für seine Altersvorsorge zurücklegen will, dafür aber keine Verzinsung mehr bekommt. Die Banken, ohnehin seit Jahren Lieblingsfeind von Politik und Medien, werden zum Hauptschuldigen für drohende Altersarmut erklärt.</p>
<p>Sicher haben die Banken weltweit und immer wieder im Laufe der Jahrzehnte große Fehler gemacht und Probleme in der Weltwirtschaft verursacht. Ob ihr Scheitern alle paar Jahrzehnte tatsächlich und auf lange Sicht zum Systemrisiko und zu Wohlstandsverlusten führt, muss man sicherlich im Einzelfall analysieren, und das Urteil kann unterschiedlich ausfallen.</p>
<p>Jedenfalls hat sich über die Jahrzehnte die Meinung ausgebreitet, dass das Geld, das man zur Bank schafft, sich irgendwie von selbst vermehren müsste. Vielleicht liegt genau darin das Problem. Denn der Versuch, Geld möglichst rasant zu mehr Geld zu machen, hat ja gerade zu den großen Finanz- und Bankenkrisen geführt.</p>
<h2>Geldaufbewahrungs-Institute</h2>
<p>Schaut man sich einmal genau an, warum wir unser Geld eigentlich „zur Bank schaffen“, dann sieht man, dass wir vor allem einen Grund haben: Es soll sicher aufbewahrt werden. Das gilt sowohl für den monatlichen Lohn als auch für das, was wir „für später sparen“ möchten. Niemand rennt <a href="https://texte-zur-sache.de/2016/03/11/verschwoerung-gegen-das-bargeld-norbert-haering-im-interview/">gern mit viel Geld in der Tasche</a> durch die Straßen. Ich muss nicht mal Angst vor Kriminellen und Räubern haben, es genügt, schon, meine eigene Schusseligkeit zu bedenken, um mir zu sagen, dass es nicht so toll ist, ständig eine Menge Bargeld mit mir herumzutragen. Besser, das Geld liegt bei der Bank, von meinem Arbeitgeber direkt dorthin überwiesen, und ich hole es mir da in kleinen überschaubaren Häppchen ab. Mit vielen, denen ich Geld schulde, komme ich sowieso nicht persönlich zusammen, denen überweise ich lieber etwas vom Konto, als dass ich ihnen Scheine und Münzen persönlich vorbeibringe.</p>
<p>Genauso ist es aber auch mit dem Geld, das ich für eine große Anschaffung oder gar für den Lebensabend anspare. Das will ich auch nicht in Koffern zu Hause haben, weder in großen oder kleinen Scheinen, noch als Goldmünzen oder Silberbarren. Die Kosten für eine sichere Aufbewahrung, der Schutz gegen Einbruch, Brand und Naturkatastrophen, die im Laufe der Jahrzehnte eintreten könnten, sind viel zu hoch.</p>
<p>Banken sind also Geldaufbewahrungs-Dienstleister. Sie sind auch Geld-Verteilungs-Dienstleister. In meinem Auftrag verteilen sie das Geld an die Leute, denen ich was schulde. Dabei entstehen Kosten, und die muss ich bezahlen.</p>
<p>Wenn wir sonst jemanden bitten, etwas Wertvolles für uns aufzubewahren, kämen wir nicht im Traum darauf, dafür von ihm Geld zu verlangen, eher wäre es selbstverständlich, dass wir ihm dafür Geld geben. Besonders dann, wenn wir erwarten, dass der Wert der Sache nicht fällt. Stellen Sie sich vor, Sie stellen wertvolle Möbel bei jemandem unter. Sie sagen: &#8222;Du kannst sie auch benutzen, und dafür will ich eine „Benutzungsgebühr“. Aber pass auf, dass sie nicht verschleißen, nicht kaputt gehen. Ich will die Sachen in wenigstens dem gleichen Zustand zurück, wie ich sie dir gegeben habe. Am besten, du machst sogar noch was, damit sie noch wertvoller werden.&#8220;</p>
<p>Klingt absurd, ist es auch. Aber wenn wir das Geld zur Bank schaffen, erwarten wir genau das.</p>
<h2>Und die Inflation?</h2>
<p>Aber brauchen wir nicht die Zinsen, damit wir die <a href="https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html">Inflation</a> ausgleichen?</p>
<p>Umgekehrt gefragt: Entsteht nicht die Inflation auch deshalb, weil Geld immer mehr „wert sein soll“? Weil alle meinen, das Geld müsse sich von selbst vermehren? Für die gleiche Arbeit wollen alle im Laufe der Zeit immer mehr Geld, weil ja alles immer teurer wird, was wieder daran liegt, dass alle ja immer mehr Geld wollen. Die Zinsidee ist dabei eine treibende Kraft. Man merkt es daran, dass derzeit, wo es keine Zinsen gibt, auch kaum Inflation auftritt.</p>
<p>Sparen hat erst mal nichts mit Vermehren zu tun, und es wäre gut, wenn wir die Banken als bloße Finanzdienstleister betrachten, die wir beauftragen, Geld sicher aufzubewahren und zu verteilen. Dabei entstehen Kosten, und diese Kosten müssen wir bezahlen wie die von jedem anderen Dienstleister.</p>
<p>Und wer möchte, dass sich das Geld vermehrt, das er hat, der sollte es denen geben, die es investieren um Gewinne zu machen. In Zeiten von Online-Banking kann jeder Aktionär werden. Klar, da gibt es ein Risiko, und selbstverständlich, da muss man sich mit den Unternehmen beschäftigen, in die man investiert. Auch dafür gibt es wieder Dienstleister, denen man das überlassen kann &#8211; wenn man will. Auch die wollen Geld dafür.<br />
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		<title>Rhetorik oder Argument</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Phil Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Sep 2016 13:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Phil Friedrich: Arte-Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophicum]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Philosophicum in Lech kann man nicht nur etwas über Philosophie lernen, sondern auch über Techniken, das Publikum zu überzeugen. Denn eben wenn Belege fehlen, dann stellt eine Metapher zur rechten Zeit sich ein.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/gesellschaft/rhetorik-oder-argument/">Rhetorik oder Argument</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal lauscht man einem Vortrag und fühlt sich mehr und mehr unwohl. So ging es mir heute beim Vortrag von Christoph Türcke beim <a href="https://texte-zur-sache.de/2016/10/05/raucht-doch/">Philosophicum Lech</a>, den er unter dem Titel „Wir kommen nicht von Gott los, solange wir mit Geld hantieren“ hielt. Ich hatte den Eindruck, da reiht einer eine unbegründete These an die andere, ich wollte bei jedem zweiten Satz aufbegehren, widersprechen, nach Belegen fragen, Ungereimtheiten aufzeigen. Das Publikum um mich herum aber war begeistert, beifälliges Gelächter und Zwischenapplaus zeigten, dass Türcke rhetorisch gekonnt und inhaltlich erwartbar die Meinungen der Zuhörer über den Gegenstand seines Vortrags bestätigte.</p>
<p>Aber was war eigentlich der Gegenstand? Christoph Türcke erzählte eine Geschichte des Geldes, genauer, seine Geschichte des Geldes. Klug ist es immer, das habe ich inzwischen gelernt, wenn man zu diesem Zweck eine Behauptung über die bisherigen Vorstellungen von dieser Geschichte in die Welt setzt, um diese sodann als Märchen abzutun und die eigenen Geschichte als den neuen, plausiblen, nachweisbaren tatsächlichen Verlauf des Geschehens hinzustellen.</p>
<h2>Märchen und Gegenmärchen</h2>
<p>Das Märchen ist nach Türcke, dass das Geld aus dem Tausch entstanden sei, dass es sozusagen aus allen Tauschgegenständen wegen seiner besonderen Fähigkeit, bloßer Tauschgegenstand sein zu können, hervorgegangen sei.<br />
Es ist natürlich für das freie Denken ertragreich, einer bekannten und weitgehend akzeptierten Geschichte eine andere, wenigstens ebenso plausible Geschichte entgegenzusetzen. Wenn man die eine aber als Märchen, die eigene jedoch als Tatsache hinstellt, dann muss mehr kommen, Belege, die die eine verwerfen und die eigene stützen.</p>
<p>Türckes Geschichte ist, dass das Geld aus der Schuld stammt. Das ist nun noch nicht so spektakulär. Dass das Wort Geld auch nicht von Gold kommt, sondern von Gilt, was irgendwie eben Schuld bedeutet, ist auch keine große Sache, schließlich steckt ein solcher Wortstamm auch noch im „Vergelten“ der Schuld.</p>
<p>Der große Wurf, den Christoph Türcke machen will, ist, dass es nicht um eine Schuld gegenüber jemanden anders, etwa für eine erhaltene Leistung oder Wäre, geht, sondern um eine Schuld gegenüber Göttern, und dass die Schuldzahlung das Opfer an diese Gottheiten ist. Wobei Türcke, rhetorisch geschickt gespickt mit launigen Bemerkungen und Anspielungen, eine für mich ziemlich krude Geschichte darüber erzählt, dass die Menschen irgendwie mit der Gewalt beim Schlachten klarkommen wollten, indem sie sie immer wieder erneut wiederholten, und dann im Verlaufe der Jahrtausende durch Opferungen von immer kleineren Tieren und schließlich nur noch Abbildungen von Tieren (goldenes Kalb) ersetzten. Ich gebe zu, dass das jetzt deshalb unverständlich ist, weil ich es wirklich nicht verstanden habe.</p>
<h2>Metaphorisches Argumentieren</h2>
<p>Aber durch diese Umstellung der Opferung auf Metallgegenstände kommt es eben zur ersten Kapitalakkumulation, und zwar in den Tempeln, und die Priester konnten, gegen Gebühr, die Opfer erneut herausgeben, damit sie wieder geopfert werden konnten. Damit kann Christoph Türcke dann geschickt einen metaphorischen Bogen spannen zu den heutigen Geldtempeln (Zentralbanken) und den heutigen Priestern, deren Oberpriester der Zentralbankchef Draghi ist.<br />
Wozu eine plausibel nachvollziehbare Erklärung liefern, wo die Metapher doch so schön ist und beim Publikum auf freudige Begeisterung stößt? Da macht es dann auch nichts, dass Christoph Türcke für seine Initialerzählung keinen Beleg beibringt, was er natürlich auch nicht kann, weil man eine so anspruchsvolle Erzählung über Geschehnisse, die viele Jahrtausende zurückliegen und Jahrtausende gedauert haben sollen, nicht wirklich aus ein paar prähistorischen Funden herausdeuten kann. In der Diskussion vertritt Türke die These, es gäbe keine frühe Kultur, in der es keine Opfer gäbe. Zutreffend wäre vielleicht, dass Christoph Türcke keine Kultur kennt, in deren Überreste er nicht irgendwie irgendetwas wie ein Opfer hineindeuten könnte.</p>
<h2>Technik als Selbstzweck</h2>
<p>Auch <a href="https://www.pe.ruhr-uni-bochum.de/erziehungswissenschaft/tew/team/meyer-drawe.html.de">Käte Meyer-Drawe</a> setzte sich in ihrem Vortrag „Im Anfang war Technik“ mit einer bekannten und weit akzeptierten Deutung auseinander, der sie eine eigene Deutung entgegensetzte. Sie zeigte aber, dass das auch anders geht, weniger rhetorisch brillant, weniger spektakulär, dafür mit Belegen und plausiblen Rekonstruktionen.</p>
<p>Die These, gegen die Meyer-Drawe sich wendet, ist die, dass Technik immer etwas Instrumentelles ist, dass sie Mittel zum Zweck sei. Vielmehr, so könnte man sagen, ist Technik immer selbst Zweck, ist Selbstzweck.</p>
<p>Dazu zeigt sie zunächst, dass schon in den ersten Schöpfungsgeschichten immer Technik im Spiel war. Gott schuf den Menschen, ebenso wie es Prometheus tat, aus Erde, er war quasi ein töpfernder Gott. Hier könnte man mit einem Augenzwinkern einwenden, dass Technik im Sinne einer regelgeleiteten beherrschten Herstellungsprozesses etwas ist, was Übung und Erfahrung, in jedem Falle Wiederholung verlangt. Das wievielte Exemplar in der Töpferei Gottes mag der Mensch gewesen sein? Beherrschte er die Technik des Menschenmachens bereits? Oder ist der Mensch sein erster Versuch? Das würde manches erklären.</p>
<h2>Zwecklose Maschinen</h2>
<p>Doch Spaß beiseite. Das zentrale Argument Meyer-Drawes ist, dass der Mensch immer Maschinen gebaut hat, die keinen Zweck erfüllen, oder die einen Zweck erfüllen, den man mit geringerem Aufwand auch ohne diese Technik erfüllen kann. Dafür bringt sie eine Vielzahl von Beispielen aus verschiedenen Jahrhunderten, vom Bratenwender im Mittelalter bis zum Raketenauto. Jeder im Publikum hätte danach aus eigenem Erleben weitere Beispiele nennen können.</p>
<p>Meyer-Drawe zeigt Bilder von Höllenmaschinen und verweist darauf, dass diese weit vielfältiger und spannender waren als die Himmelsmaschinen. Man ist mit ihr fasziniert von der Phantasie, welche die Menschen darauf verwendet haben, solche Maschinen auszudenken.</p>
<p>All das macht plausibel, dass Technik eben zunächst nicht ein Mittel zur Erreichung bestimmter Zwecke ist, sondern dass Technik oft, vielleicht sogar in erster Linie, um ihrer selbst Willen erdacht und realisiert wird. Die instrumentelle Bestimmung der Technik kann weit weniger erklären, als es zunächst scheint. Vielmehr scheint Technik tatsächlich einem kreativen Spieltrieb des Menschen zu entspringen. Eine These, die, wenn man genau darüber nachdenkt, eigentlich gar nicht so umwerfend ist. Eigentlich, so denkt man am Ende, habe ich das doch schon zuvor gewusst, es war von der herrschenden Deutung nur verdeckt.</p>
<h2>Was würde Heidegger antworten?</h2>
<p>Für mich ist diese Idee die plausibelste Technikdeutung seit <a href="https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/gestell/808">Heideggers Gestell</a>, und es wäre reizvoll, diese beiden Deutungen einmal miteinander ins Gespräch zu bringen. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
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