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	<title>Gleichberechtigung-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Gleichberechtigung-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Was bleibt von der „Gender Care Gap“?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Phil Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 10:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Im Trend]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Phil Friedrich: Arte-Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Care Gap]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitverwendungserhebung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Frauen leisten viel mehr Sorge-Arbeit als Männer, so heißt es, und viele meinen, man müsse diese "Gender Care Gap" schließen. Wenn man sich die Zahlen genau anschaut, löst sich das Problem allerdings schnell in viele kleine Details auf, über die man ganz unterschiedlich denken kann. Eine Analyse der Zeitverwendungserhebung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/was-bleibt-von-der-gender-care-gap/">Was bleibt von der „Gender Care Gap“?</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn in Deutschland darüber berichtet wird, wie die Menschen ihre Zeit verbringen, dann geht es oft um die „Gender Care Gap“ – die Tatsache, dass Frauen deutlich mehr Zeit mit unbezahlter Arbeit im Haushalt einschließlich der Betreuung von Kindern und der Pflege von Angehörigen verbringen als Männer. Dies wird dann meistens als <a href="https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/wann-endet-das-patriarchat/">Zeichen des Patriarchats</a> und mangelnder Gleichberechtigung gewertet.</p>
<p>Quelle dieser Daten ist die so genannte <a href="https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Zeitverwendung/Methoden/zeitverwendung.html">Zeitverwendungserhebung</a>, die in Deutschland alle 10 Jahre durchgeführt wird, die letzten Daten stammen aus dem Jahr 2022. Eine Stichprobe der Bevölkerung führt für einen gewissen Zeitraum ein genaues Tagebuch, wie viel Zeit an verschiedenen Wochentagen für die verschiedenen Tätigkeiten von Schlafen und Essen bis Kochen und Arbeiten, Fernsehen und Putzen drauf geht. Das wird dann auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen hochgerechnet.</p>
<h2>Paare mit Kindern: beide arbeiten gleich viel</h2>
<p>Und da kommt dann eben heraus, dass Frauen in Haushalten, in denen ein Paar mit Kindern zusammenlebt, jeden Tag im Schnitt 340 min mit Haushaltsführung und Betreuung der Familie verbringt, der Mann aber nur 209 min – was dann einen „Gender Care Gap“ von sogar 63% ergibt, im Gegensatz zu den 43%, die das Statistische Bundesamt angibt. Woran liegt das? Das Bundesamt berechnet die Differenz dieser „unbezahlten Arbeit“ nicht nur für Menschen in Paar-Haushalten mit Kindern, sondern über alle Erwachsenen, also auch die, die alleine leben oder die keine Kinder haben sowie die Alleinerziehenden. Wenigstens bei denen, die gar keine Kinder haben oder die gar alleine leben, ist aber irreführend, von Care-Arbeit zu sprechen. Deshalb lohnt es sich, einmal genauer in die Zahlen einzusteigen, denn dabei kommen einige interessante Tatsachen ans Licht.</p>
<p>Bleiben wir zunächst mal bei den Paaren mit Kindern. Was machen die Männer in der Zeit, in der ihre Frauen Essen kochen, putzen und die Kinder betreuen? Sitzen sie vor dem Fernseher? Keineswegs. Genauer: zwar sitzen die Männer tatsächlich 15 min mehr am Tag vor dem Fernseher, dafür schlafen die Frauen 18 min länger.</p>
<p>Die Mehrarbeit der Frauen im Haushalt wird fast auf die Minute genau durch das Mehr an Erwerbsarbeit bei den Männern ausgeglichen. Rechnet man beide Arbeitsblöcke zusammen, kommen die Männer auf 500 min Gesamtarbeitszeit, die Frauen auf 501 min.</p>
<p>Nun kann man sagen, dass es vielleicht besser wäre, wenn Männer und Frauen gleich viel bezahlte und unbezahlte Arbeit leisten, oder man kann sagen, dass die Paare das doch auch selbst entscheiden können und dass es doch erstmal schön ist, wenn beide sich die Arbeiten, die nun mal für die Existenz der Familie nötig sind, unterm Strich ziemlich paritätisch aufteilen. Man könnte sogar fragen, warum das Geldverdienen, das ja für vieles andere nötig ist, eigentlich nicht zur Care-Arbeit zählt, denn auch damit wird ja für das Wohl der Familie gesorgt.</p>
<h2>Paare ohne „Care-Arbeit“</h2>
<p>Es gibt aber noch weitere interessante Details, wenn man sich den anderen Haushaltstypen zuwendet, insbesondere, wenn man verstehen will, was es mit der Gender Care Gap wirklich auf sich hat. Schauen wir uns zuerst die Paare ohne Kinder an. Hier geht es wirklich ein bisschen ungerecht zu. Allerdings muss man bedenken, dass in diesem Topf neben den jungen Paaren, die noch keine Kinder haben und deren Eltern auch noch nicht gepflegt werden müssen, vor allem Rentnerpaare zu finden sind. Leider können wir diese Rubrik nicht nach Altersgruppen aufschlüsseln.</p>
<p>Dass es sich vor allem um Rentner handeln dürfte, erkennt man daran, dass diese Paare deutlich weniger bezahlt arbeiten als Paare mit Kindern. Als Paar beträgt die Summe der Erwerbstätigkeit bei ihnen täglich im Schnitt nur 271 min, Paare mit Kindern hingegen 452 min, also etwa doppelt so lange. Von diesen 271 min entfallen auf den Mann 152, auf die Frau aber nur 119 min. Bei der Haushaltsführung ist es umgekehrt: Der Mann verbringt damit 171 min, die Frau 221 – Somit arbeiten die Männer in dieser Konstellation unterm Strich täglich 17 min weniger als die Frauen, und diese Zeit verbringen die Männer dann mehr vor dem Fernseher.</p>
<p>Wenn es also Ungerechtigkeiten in der Verteilung der Arbeitslast gibt, dann gerade in den Paar-Haushalten, in denen gar keine Kinder leben. Zum Vergleich ist es interessant, sich anzuschauen, wie es in den Haushalten aussieht, in denen gar kein Paar existiert, das sich die Arbeit teilen könnte, also bei den Alleinerziehenden und den Alleinlebenden.</p>
<h2>Sind alleinerziehende Männer „Rabenväter“?</h2>
<p>Ein alleinerziehender Mann verbringt täglich 241 min mit Erwerbstätigkeit, eine alleinerziehende Frau nur 174, das ist eine beachtliche Differenz. Genauso beachtlich ist der Unterschied bei der Haushaltsführung und der Kinderbetreuung. Alleinerziehende Männer verbringen damit täglich 219 min, Frauen hingegen 318 min, das sind mehr als anderthalb Stunden mehr. Die Unterschiede betreffen alle Tätigkeitsbereiche: Männer kochen 10 min kürzer, investieren 12 min weniger in die Wohnungsinstandhaltung, pflegen quasi weder Garten noch Pflanzen oder Tiere und auch keine Textilen, womit alleinerziehende Frauen täglich eine gute halbe Stunde verbringen. Ein großer Unterschied besteht zudem in der Zeit, die Alleinerziehende mit der Kinderbetreuung verbringen: Väter widmen sich dem knapp eine Stunde, Mütter mehr als anderthalb Stunden. Unterm Strich bleibt dem alleinerziehenden Vater damit eine gute halbe Stunde mehr Freizeit am Tag als der Mutter, die er mit Sport, Hobbies und Fernsehen verbringt.</p>
<p>Woher kommen diese Unterschiede? Sind alleinerziehende Väter nachlässiger oder sorgloser als die Mütter, die mit ihren Kindern allein leben? Die Ursachen kann man aus den Zahlen nicht ableiten, aber vielleicht hilft ein Blick auf die Kontrollgruppe der Alleinlebenden, die sich also weder um Kinder noch um einen Partner sorgen müssen, die die Care-Arbeit nur ganz für sich allein vollbringen. Denn auch hier zeigen sich interessante Differenzen.</p>
<h2>Und nun die „Kontrollgruppe“</h2>
<p>Ein männlicher Single verbringt ziemlich exakt drei Stunden mit Erwerbstätigkeit am Tag, eine Frau nur zwei Stunden. Auch in dieser Gruppe können wir leider Rentner nicht von Studierenden oder von berufstätigen Singles unterscheiden. Gravierend ist jedenfalls der Unterschied bei der Haushaltsführung, also dem, was ansonsten als Care- oder Sorgearbeit verstanden wird, was aber bei diesen Personen, die ja allein leben, ausschließlich Selbst-Sorge ist. Damit verbringen die Männer in dieser Gruppe 148 min am Tag, die Frauen hingegen 213. Wieder betrifft dies alle Bereiche, überall sind die Männer schneller fertig oder mit weniger zufrieden. In die Essenszubereitung investieren sie täglich eine gute halbe Stunde, die Frauen fast eine ganze Stunde. Für die Instandhaltung der Wohnung wenden Männer täglich 10 min weniger auf als Frauen, Garten, Pflanzen und Tiere kosten den Mann gut eine viertel Stunde, die Frau fast eine halbe.</p>
<p>Unterm Strich verbringen Alleinlebende wieder ungefähr gleich viel Zeit mit Arbeit: Männer 329 min am Tag, Frauen 335 – Bei den Männern ist aber der Anteil der Erwerbsarbeit viel höher als bei den Frauen. Wieder kann man aus den nackten Zahlen nichts über die Ursachen ableiten. Bedenkenswert ist aber, dass die Verteilung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit über alle Haushaltstypen ähnlich ist, egal, ob es Paare mit Kindern oder eben Alleinlebende sind. Ob man daran politisch etwas ändern kann oder überhaupt will, kann man nicht durch das Beschwören und Skandalisieren der so genannten Gender Care Gap entscheiden, sondern erst, wenn man die Menschen selbst gefragt hat, ob sie so oder anders leben wollen und was sie daran hindert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/was-bleibt-von-der-gender-care-gap/">Was bleibt von der „Gender Care Gap“?</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Frauenquote: Wollen Sie Vorstand werden?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Phil Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Aug 2017 08:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Jörg Phil Friedrich: Arte-Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[DAX]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenquote]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Vorstand]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kaum jemand will Vorstand eines Großunternehmens werden. Aber immer mehr Frauen sollen jetzt per Quotenregelung dazu gezwungen werden, es dennoch zu versuchen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/wollen-sie-vorstand-werden/">Frauenquote: Wollen Sie Vorstand werden?</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Meiner bisherigen Erfahrung nach wollen die meisten Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, etwas anderes werden als Vorstand eines Großunternehmens. Spätestens, wenn sie sich mit der Frage beschäftigen, was sie dafür tun müssten, um irgendwann mal die Chance zu haben, im Chefbüro eines DAX-Unternehmens platznehmen zu dürfen, winken die meisten ab. Es gibt wahrlich lohnendere Perspektiven. Viele wollen einfach einen schönen spannenden Gelderwerb haben, mit dem sie sich eine angenehme Freizeit finanzieren können. Einige wollen sich selbständig machen, freiberuflich arbeiten oder ein kleines Unternehmen mit einer Handvoll Mitarbeiter, die sie gut kennen und mit denen der tägliche Umgang eine Freude ist. Andere wollen was besonders kreatives machen, Filme drehen, Artikel schreiben, programmieren, moderieren, was auch immer. Eine leitende Position, noch dazu in einer vielstufigen Hierarchie, streben nur wenige an.</p>
<h2>Frauenquote auch für Einbrecher und Mörder?</h2>
<p>Nun könnte es sein, dass mehr Männer als Frauen die Neigung haben, eine Ochsentour durch die Leitungsebenen eines Konzerns anzutreten. Es haben bekanntlich auch mehr Männer als Frauen die Neigung zu Drogenkonsum und Kriminalität. Wenn das so ist, dann wäre es völlig abwegig, zu erwarten, dass am Ende genauso viele Frauen wie Männer in den Chefetagen ankommen. Es erwartet auch niemand, dass es genauso viele Einbrecherinnen und Mörderinnen gibt wie Einbrecher und Mörder.</p>
<p>Die Familienministerin <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/chancengleichheit-katarina-barley-frauenquote-vorstaende">denkt jetzt mal wieder über eine Frauenquote nach</a>. Will sie Frauen zwingen, etwas zu tun, was sie gar nicht wollen? Natürlich nicht, aber darauf müsste die Sache hinauslaufen. Oder es könnte passieren, dass eben nicht die geeignetsten Leute Vorstand werden, sondern die, die die Quote erfüllen.</p>
<p>Gut, ob die Leute, die heute die großen Konzerne leiten, unbedingt die besten sind, kann man lange diskutieren. Aber immerhin, sie haben es geschafft, dort hin zu kommen, und das setzt möglicherweise ein paar Qualitäten voraus, die man auch braucht, um da einen guten Job zu machen.</p>
<h2>Die Frauenquote bewirkt das Gegenteil</h2>
<p>Es ist völlig richtig: Man muss viel dafür tun, geschlechtsspezifische Diskriminierungen abzubauen. Das ist eine tägliche Kleinarbeit, die einen langen Atem erfordert und vor allem mit einem Bewusstseinswandel im Alltag zusammenhängt. <a href="https://texte-zur-sache.de/2016/10/24/bundestagswahl-2017-eine-opposition-fuer-die-opposition/">Eine befohlene Quote</a> wirkt diesem Wandel geradezu entgegen, denn sie ist selbst eine geschlechtsspezifische Diskriminierung. Wer per Frauenquote an die Macht kommt, hat niemals die gleiche Autorität wie jemand, der es geschafft hat, indem er die Regeln beherrscht. Vielleicht sind auch die Regeln falsch, die Spielregeln, nach denen die einen sich nach oben schieben und andere hinter sich lassen. All das muss man kritisch diskutieren, und dann ändert sich die Gesellschaft auch, so wie sie sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat.</p>
<p>Und dann wird man allmählich sehen, wie viele Frauen wirklich ganz „nach oben“ wollen &#8211; und dieses „Oben“ ist hier sehr bewusst in Gänsefüßchen gesetzt. Denn was für wen wirklich Oben ist und ob Oben wirklich das Traumziel ist, das muss jeder Mensch für sich selbst herausfinden. Da helfen keine Quoten.</p>
<p>So wie wir nicht erwarten können, dass in den Gefängnissen irgendwann mal genauso viele Frauen sitzen wie Männer, werden auch in den Vorständen der Großunternehmen vielleicht niemals so viele Frauen wie Männer sein. Man weiß es nicht. Viel wichtiger ist, dass die Frage: „Sind Sie dort, wo sie gern hinwollten, und sind sie da glücklich?“ von ebenso vielen Frauen wie Männern mit „Ja“ beantwortet wird. Und das sollte zu schaffen sein.<br />
<img decoding="async" src="https://ssl-vg03.met.vgwort.de/na/f32c25a6b1e4486d8cf38935a1307be0" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/wollen-sie-vorstand-werden/">Frauenquote: Wollen Sie Vorstand werden?</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Der Wehrpflicht-Artikel</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/recht/der-wehrpflicht-artikel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Phil Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Aug 2016 09:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Jörg Phil Friedrich: Arte-Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Männerrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrdienst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch fehlende Pflichten diskriminieren. Zeit, den Dienstpflicht-Artikel im Grundgesetz zu überarbeiten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/recht/der-wehrpflicht-artikel/">Der Wehrpflicht-Artikel</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die <a href="http://diekolumnisten.de/2016/08/22/zivilschutz-dekadenz/">Diskussion um das Zivilschutzkonzept</a> der Bundesregierung hat wieder in Erinnerung gerufen, dass die Wehrpflicht in Deutschland nur ausgesetzt und nicht abgeschafft ist. In der Tat regelt <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_12a.html">Artikel 12a des Grundgesetzes</a> die Wehrpflicht in Deutschland so, dass der Staat nicht zwangsläufig Personen zum Wehrdienst heranziehen muss &#8211; er ist sozusagen nicht zur Durchsetzung der Wehrpflicht verpflichtet.</p>
<p>Der Artikel 12a ist ohnehin ein recht lustiger Artikel, der eigentlich dringend geändert werden muss &#8211; allerdings nicht, um die Wehrpflicht abzuschaffen. Das Wort „Wehrpflicht“ taucht darin streng genommen gar nicht auf, nur einmal, in Satz 3, ist von den „Wehrpflichtigen“ die Rede. Ansonsten spricht der Artikel vom Wehrdienst, aber auch das erst im Satz 2.</p>
<p>Von Dienst ist hingegen viel die Rede in diesem Artikel, und zwar von einem Dienst, zu dem manche Menschen verpflichtet sind. Eigentlich ist er ein Dienstpflicht-Artikel, der regelt, wer wann zum Dienst für die Allgemeinheit verpflichtet werden darf. Da geht es um Wehrdienst, um Kriegsdienst, um Ersatzdienst, um &#8222;zivile Dienstleistungen&#8220; und um &#8222;öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse&#8220;, zu denen manche Menschen verpflichtet werden können. Im Satz 1 wird dieser Dienst (vermutlich ist das die indirekte Definition von Wehrdienst) benannt als „Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband“.</p>
<p>Eigentlich geht es also um viel mehr, als um die Pflicht, das Land gegen Feinde zu verteidigen. Wehrpflicht &#8211; das ist die Pflicht, Gefahren für alle abzuwehren.</p>
<p>Wer ist zu diesem Dienst verpflichtet, der ja immerhin auch den Dienst im Zivilschutz, mithin also das, was uns im aktuellen Zivilschutzkonzept interessiert, umfasst?</p>
<h2>Männer</h2>
<p>Ja, das allererste Wort in diesem Grundgesetz-Artikel lautet Männer. Gut, das haben wir irgendwie schon lange gewusst, denn ausschließlich junge Männer wurden ja tatsächlich zum Wehrdienst verpflichtet, mussten, im <a href="http://kritikdervernetztenvernunft.de/2016/06/10/das-gewissen-meldet-sich/">Gewissenskonfliktfall</a>, den Kriegsdienst verweigern, um dann Ersatzdienst zu leisten &#8211; wobei man sich da schon wieder fragt, warum die nicht einfach ihren „Wehrdienst“ in einem „Zivilschutzverband“ geleistet haben &#8211; aber das ist eine andere Geschichte.</p>
<p>Wenn man jedenfalls heute diesen Artikel mit dem Abstand eines guten halben Jahrzehnts von der letzten Dienstverpflichtung junger Männer liest, fragt man sich vor allem: Warum Männer?</p>
<p>Das zeugt natürlich von einem sehr altmodischen, veralteten Geschlechterbild aus der Zeit, in der dieser Artikel ins Grundgesetz kam, das ist jetzt fast 60 Jahre her. Eigentlich müssten Feministinnen heute Sturm laufen gegen diese Ungleichberechtigung.</p>
<h2>Frauen</h2>
<p>Widerstand hat es tatsächlich schon gegeben gegen diese <a href="http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Bundeswehr/frauen.html">Benachteiligung der Frauen</a>. Im Absatz 4 des Artikels kommen Frauen nämlich von Anfang an vor: Sie können, wenn es im Verteidigungsfalle nicht genug Männer in für den Sanitätsdienst- und Heildienst gäbe, schon immer zum Pflastern und Spritzen herangezogen werden. Aber das Ergreifen und Benutzen einer Waffe war ihnen bis zum Jahre 2000 grundgesetzlich untersagt. Erst nachdem der Europäische Gerichtshof darin einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz entdeckt hatte, wurde das Verbot gelockert – nun heißt es ausdrücklich, dass niemand die Frauen zum Schießen und Kämpfen verpflichten darf.</p>
<h2>Das Recht zur Pflicht</h2>
<p>Aber ist nicht auch das Verwehren einer Pflicht eine Art mangelnde Gleichberechtigung? Nicht von Ungefähr steht der Artikel 12a bei den Grundrechten, und nicht bei den Pflichten im Grundgesetz. Man könnte sich fragen, wer hier mehr diskriminiert wird, die Männer, die ihre gewissensbedingte Unfähigkeit zum Kämpfen erst einmal nachweisen müssen, oder die Frauen, denen man implizit unterstellt, dass sie es wohl eh nicht fertigbringen, einen anderen Menschen im Ernstfall und im Einsatz für das Mutterland zu töten.</p>
<p>Auch die Unterstellung, dass man bestimmten Menschen auf Grund ihres Geschlechts eine bestimmte Pflicht auf keinen Fall zumuten darf, diskriminiert. Und warum sollten Frauen nicht wie Männer zum „Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband“ verpflichtet werden können? Trauen wir ihnen die pflichtgemäße Ausführung eines solchen Dienstes nicht zu?</p>
<p>Deshalb, liebe Feministinnen und Männerrechtler, lasst uns jetzt, wo es ohnehin gerade nicht ernsthaft um Einberufungen zur Wehrpflicht geht, gemeinsam für eine Änderung des Artikels 12a des Grundgesetzes kämpfen. Wir könnten ihn ordentlich kürzen, ihn klar und einfach schreiben, wie es sich für einen Grundrechtsartikel gehört. Und er sollte deutlich zu einem allgemeinen Dienstpflicht-Artikel werden, der regelt, wann wir als Bürger verpflichtet sind, unsere eigenen Ziele hintenan zu stellen  und Dienst für die Allgemeinheit zu leisten.<br />
<img decoding="async" src="http://vg09.met.vgwort.de/na/196b85f68235497d8628550363b17121" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/recht/der-wehrpflicht-artikel/">Der Wehrpflicht-Artikel</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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