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	<title>Helene Fischer-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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		<title>Sag mir, wo Du stehst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jun 2017 08:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach ihrem Aufritt beim DFB-Pokalfinale steht Helene Fischer erneut in der Kritik. Dieses Mal wirft ihr der Frontmann der "Toten Hosen", Campino, in einem Interview indirekt zu wenig politische Haltung vor. Dabei schießt der Punkveteran über das Ziel hinaus. Es ist ein gesellschaftlicher Fortschritt, dass Künstler in keine politischen Bekenntnisse mehr ablegen müssen. In der DDR war das anders. Da hieß es auch in der Musik oft: "Sag mir, wo Du stehst!"</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/kultur/sag-mir-wo-du-stehst/">Sag mir, wo Du stehst</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Ed Sheeran ist großartig. Seit ich den Jungen das erste Mal, irgendwo in England im Autoradio, gehört habe, mag ich seine Lieder. Extrem professionell gemachter Singer-Songwriter-Pop. Eingängig, unterhaltsam, aber ohne den Anspruch, die Welt verbessern zu wollen. Auf seinem aktuellen Album &#8222;Divide&#8220; zeigt der fusselbärtige Engländer wieder die ganze Spannbreite seines Könnens. Klang die erste Single &#8222;Shape of You&#8220; noch irgendwie karibisch inspiriert, setzt er in seinem derzeitigen Hit &#8222;Galway Girl&#8220; auf die volle Irland-Packung.</p>
<p>Wenn Sheeran spricht statt zu singen, dann klingt das sehr &#8222;down to earth&#8220;, wie die die Briten sagen. Hierzulande hieße es: Der Megastar ist auf dem Boden geblieben. Geld, so erklärt er, bedeute ihm nichts. Viel spende Sheeran für ein Kinderkrankenhaus in der Nähe seines Wohnorts. Alkohol halte er für gefährlich. Daher passe er da sehr auf sich auf. Ansonsten halte sich der Künstler an den guten Rat seines Vaters, nie über Religion oder Politik zu singen. Schließlich sei er nur ein 26-jährige Junge, der nicht viel Zeit damit verbringe, Nachrichten zu sehen oder die Zeitung zu lesen. Insofern seien seine Ansichten weder sehr ausgereift noch sehr fundiert, und deshalb halte er lieber die Klappe.</p>
<h2>Ed Sheeran singt nicht über Politik und Religion</h2>
<p>Da ich mich ausschließlich für die Lieder des Mannes aus West Yorkshire interessiere und nicht für dessen Weltanschauungen, kann ich, ebenso wie Millionen anderer Fans, gut mit diesem Statement leben. Bei Campino, dem Frontmann der &#8222;Toten Hosen&#8220;, indes könnte es anders aussehen. <a href="http://www.focus.de/kultur/musik/helene-fischer-schlager-star-erntet-wieder-kritik-dieses-mal-von-toten-hosen-frontmann-campino_id_7216366.html">So kritisiert der Punkveteran Helene Fischer in einem Interview indirekt</a> für ihr vermeintlich unpolitisches Auftreten. Seiner Ansicht nach sei es für Künstler wichtig, sich politisch zu positionieren &#8211; und dafür gegebenenfalls Einbußen bei den Fans in Kauf zu nehmen. Dabei geht unter, dass Campino in dem Interview auch ziemlich kluge Sachen gesagt hat. Etwa zur begrenzten Wirkung gesellschaftskritischer Lieder und der kurzen Halbwertszeit politischer Kommentare. Aber wenn man in diesen Zeiten schon den Namen Helene Fischer in den Mund nimmt, dann muss man auch damit leben können, dass dieser die Überschriften wie die Schlagzeilen bestimmt.</p>
<p>Nachdem ich in der vergangen Woche am <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/06/01/das-ist-nicht-amerika/#1">Auftritt von Madame beim DFB-Pokalfinale </a>herumgemäkelt habe, muss ich die Sängerin nun verteidigen. Bei Wikipedia habe ich mir ihren Lebenslauf angesehen. Dort steht, dass sie gleich nach der Fachoberschulreife eine Ausbildung zur Musical-Darstellerin in Frankfurt am Main begonnen hat. Von da an war Musik ihr Beruf, nie ist sie außerhalb des Business auffällig geworden. Außer vielleicht mit ihrer Beziehung zu Florian Silbereisen, aber auch der ist Musiker und Musikmoderator. Helene Fischer ist weder Politikerin, noch Politikwissenschaftlerin. Sie hat keinerlei Verpflichtung, sich politisch zu äußern, wenn sie das nicht möchte. In einer Demokratie steht es &#8211; Gott sei Dank &#8211; jedem frei, seine Meinung für sich zu behalten. Auch das Recht zu irgendetwas keine Meinung zu haben, gehört zur Meinungsfreiheit dazu.</p>
<h2>Es gibt ein Recht, keine Meinung zu haben</h2>
<p>Nun ist Helene Fischer in der Sowjetunion geboren. Dort war das anders. Die richtige politische Haltung spielte für die Karriere eine beinahe ebenso wichtige Rolle wie musikalisches Können. Ihre Familie siedelte nach Rheinland-Pfalz um, als die kleine Helene gerade einmal vier Jahre alt war. Sie musste also nie selbst erleben, dass jemand, der offen gegen das System stand, meist keine Chance auf Erfolg hatte. Aber erzählt hat man es ihr bestimmt. Sich nicht ohne Not auf das politische Parkett zu begeben, könnte durchaus eine Entscheidung sein, die die Schlagerdiva tief in ihrem Inneren für ihre Laufbahn getroffen hat. Das ist zwar nur eine Vermutung, aber es wäre legitim.</p>
<p>Nicht nur in der UdSSR, auch in der DDR, mit der wir uns besser auskennen sollten, entscheid neben Talent und solider Ausbildung ebenfalls der richtige Klassenstandpunkt darüber, ob ein Künstler eine <a title="Spielerlaubnis (DDR)" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spielerlaubnis_(DDR)">Spielerlaubnis</a> als Berufsmusiker (Berufsausweis) bekam. Musiker ohne Hochschulabschluss mussten eine Prüfung bestehen, die von einer Kommission des Bezirkskomitees für Unterhaltungskunst abgenommen wurde. Dabei war eine dem Regime unpassende politische Einstellung oft ein Hinderungsgrund für die Vergabe einer Spielerlaubnis.</p>
<p>Inzwischen ist es hierzulande glücklicherweise egal, welche politische Einstellung die Künstler haben, sofern sie dies nicht von sich aus mitteilen wollen. Ich empfinde dies durchaus als Fortschritt. Selbst wenn sich ein Musiker zu Partei X oder zum Projekt Y bekennt, geht dies zumindest den Staat nichts an. Die Fans selbst können entscheiden, ob ihnen das etwas ausmacht oder ob sie es sogar gut finden. Nun habe ich eine durchaus wirtschaftsliberale Einstellung, dennoch höre ich auch Musik von Bands, die sich schon kapitalismuskritisch geäußert haben. So what! Ich wähle die ja nicht in den Bundestag oder das britische Unterhaus. Lediglich wenn jemand an extremen Rändern fischt, montags seltsame Reden in Dresden hält oder im Umfeld des 1. Mai obskure Bräuche in Berlin oder Hamburg pflegt, würde ich ernsthaft darüber nachdenken, meine Sympathien einzustellen. Frau Fischer, deren Musik nun wirklich nicht meine ist, hat aber all dies nicht getan. Man sollte sie in Ruhe lassen.</p>
<h2>Niemand braucht Lippenbekenntnisse</h2>
<p>In der DDR gab es ein <a title="Agitation" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Agitation">Agitationslied</a> der <a title="Singebewegung" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Singebewegung">Singebewegung.</a> Es hieß &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sag_mir,_wo_du_stehst">Sag mir, wo Du stehst&#8220;</a>. Wikipedia beschreibt das Lied so: &#8222;In dem Lied wird der Adressat <em>Du</em> von einem gleichsam gewissenserforschenden Kollektiv, das sich selbst auf der Seite des gesellschaftlichen Fortschritts sieht („wir bringen die Zeit nach vorn“), aufgefordert, sich <em>erkennenzugeben</em>, sowie zur Abkehr vom zurückbleibenden Im-Kreis-Gehen, zum Ablegen der <em>nickenden Maske</em> und zur Offenbarung des <em>wahren Gesichtes</em>.&#8220; Die DDR ist am 3. Oktober 1990 untergegangen &#8211; niemand muss heutzutage das Lied lernen, wenn er es nicht will.</p>
<p>Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gilt mittlerweile auch zwischen Marienborn und Frankfurt/Oder. In Düsseldorf, wo Campino geboren ist, gilt es sogar schon seit dem 24. Mai 1949. Deswegen muss niemand irgendwo, irgendwem sagen, wo sie oder er steht, auch Helene Fischer nicht. Was sollte so ein Pflichtbekenntnis auch bringen? Im Zweifel würde es zur billigen Parole, zum schalen Lippenbekenntnis. Eben wie in der DDR, wo stets und ständig der Klassenstandpunkt gefragt war. Jeder, der da halbwegs in Frieden leben wollte, bekannte sich selbstverständlich zu Weltfrieden, Sozialismus, Himbeereis und schönem Wetter.</p>
<h2>Dieter Nuhr bringt es auf den Punkt</h2>
<p>Lieber halte ich es da mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Nuhr">Dieter Nuhr</a>. Der Kabarettist hat einmal gesagt: &#8222;Das ist so schrecklich, dass heute jeder Idiot zu allem eine Meinung hat. Ich glaube, das ist damals mit der <a title="Demokratie" href="https://de.wikiquote.org/wiki/Demokratie">Demokratie</a> falsch verstanden worden: Man <em>darf</em> in der Demokratie eine Meinung haben, man <em>muss</em> nicht. Es wäre ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.&#8220; Nuhr ist da übrigens ganz beim Rat von Ed Sheerans Vaters.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/kultur/sag-mir-wo-du-stehst/">Sag mir, wo Du stehst</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Das ist nicht Amerika</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jun 2017 05:30:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Auftritt von Helene Fischer beim DFB-Pokalfinale ging am vergangenen Samstag in einem Pfeifkonzert unter. Den Fans aus Dortmund und Frankfurt ging es aber weniger um die Sängerin selbst als um die zunehmende Eventisierung des Sports. Man mag die Pfiffe für unangemessen halten, der Deutsche Fußball Bund sollte die Kritik dennoch ernst nehmen. Denn eine Eventkultur wie in den USA ist nicht 1:1 auf Europa übertragbar. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/sport/das-ist-nicht-amerika/">Das ist nicht Amerika</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>1994 war ich das erste Mal in Kanada. Neben unzähligen positiven Erinnerungen blieb auch ein Ereignis negativ an mir haften: Der Besuch eines Baseball-Spiels. Nicht dass mich dieser Sport irgendwie interessiert hätte, der Ausflug ins Stadion stand nun einmal im Programm meiner damaligen Sprachschule. Man sollte einen Einblick in Land, Gesellschaft und wohl auch in die sportlichen Gepflogenheiten erhalten. Das eigentlich Spannende &#8211; oder sagen wir: Bedrückende &#8211; war: Auch viele Einheimische zeigten ein kaum stärkeres Interesse am Spielgeschehen als ich. Dabei hätten sich die Kanadier doch sehr viel mehr für den Sport und ihre <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Montreal_Expos">Montreal Expos</a> begeistern müssen als ein Gast aus Mitteleuropa. Man unterhielt sich, ging ständig in den für damalige Verhältnisse üppig aufgestellten Gastronomiebereich oder suchte sonst irgendwie Zerstreuung. Die Partie indes wurde immer wieder unterbrochen für Showeinlagen, Tanzvorführungen und &#8211; last but not least &#8211; Werbejingles. Die Atmosphäre erinnerte mehr an einen sonntäglichen Ausflug in den Stadtpark als an die Stimmung in einem x-beliebigen Stadion der Fußball-Bundesliga.</p>
<h2>Stimmung wie beim Sonntagsausflug</h2>
<p>Der Eindruck, dass der sportliche Wettkampf in Nordamerika Beilagecharakter hat, verstärkt sich dadurch, dass die Bedeutung eines Vorrundenmatchs in der Tat begrenzt ist. Die besten Teams ihrer Gruppe ziehen anschließend in eine Zwischenrunde ein, bevor es später in den Play-Offs wirklich ernst wird. Einen Abstieg, wie er im europäischen Sport gang und gäbe ist, kennt die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Major_League_Baseball">nordamerikanische Baseball-Liga </a>nicht. Dafür kann es sein, dass ein Team in eine andere Stadt umgesiedelt wird, falls der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt. Genauso erging es den Montreal Expos. Die Liga gab 2004 bekannt, das Franchise aus dem wenig profitablen kanadischen Markt in die US-amerikanische Hauptstadt Washington zu verlegen, wo zuvor mehr als 30 Jahren lang kein Profi-Baseball mehr gespielt wurde.</p>
<p>Mit der Gewissheit, dass ein derart vom Businessgedanken durchorchestrierter Sport nicht mit den europäischen Gepflogenheiten kompatibel ist, kehrte ich in meine hessische Heimat zurück, um mich Samstag für Samstag an den Partien der Frankfurter Eintracht, zugigen Stehplätzen, alkoholfreiem Bier und Laugenbrezeln zu erfreuen. Der Komfort mag im Frankfurter Waldstadion, wie es damals noch hieß, kleiner geschrieben worden sein als im überdachten Olympiastadion von Montreal, die Stimmung und der sportliche Nährwert waren dagegen um Dimensionen besser.</p>
<h2>Europa hat andere Fankultur als USA</h2>
<p>Nun sind seit meinem Montreal-Erlebnis über 20 Jahre vergangen. Sportpuristen mussten inzwischen hinnehmen, dass es Franchises nicht bloß in den nordamerikanischen Ligen gibt. Mit <a href="https://texte-zur-sache.de/2016/08/15/ich-wuerde-nie-zu-rb-leipzig-gehen/">RB Leipzig </a>ist ein ganz ähnliches Konstrukt in der obersten deutschen Fußballspielklasse angekommen. Und während einst ruhmreiche Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder der Nürnberger Club sich immer schwerer tun, überhaupt am Leben zu bleiben, mischt neben den Leipzigern auch der von einem Mäzen gepäppelte &#8222;Dorfklub&#8220; FC Hoffenheim die Liga auf. Die im Orbit von Großkonzernen wie Bayer und Volkswagen aktiven &#8222;Werksteams&#8220; aus Leverkusen und Wolfsburg haben sich zwar dieses Jahr eine Erfolgspause gegönnt. Sie sind finanziell dennoch derart im Vorteil, dass sie nächstes Jahr wieder Traditionsvereine wie den 1. FC Köln oder Werder Bremen übertrumpfen könnten.</p>
<p>Der Deutsche Fußball Bund (DFB) selbst ist in Sachen Kommerzialisierung längst schon weiter als die Bundesliga. Dem Nationalteam wurde der international vermarktbare Name &#8222;Die Mannschaft&#8220; verpasst und bei Länderspielen ähneln Show- und Rahmenprogramm immer mehr den Gepflogenheiten, die man aus Übersee kennt. Eine Helene Fischer in der Halbzeitpause eines Freundschaftsspiels des DFB-Teams wäre keineswegs ungewöhnlich gewesen. Vielleicht hätte es dem Event- und Familienpublikum des DFB sogar gefallen. Die Schlagerdiva aber ausgerechnet beim Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt, zwei ausgeprägten Traditionsteams mit entsprechendem Selbstverständnis, singen zu lassen, war dagegen keine kluge Idee. Jeder, der sich in die Stimmung beider Fanlager hineinversetzt hätte, hätte das Pfeifkonzert vorhersehen können. Eine Amerikanisierung und Eventisierung des Fußballs ist Westfalen wie Hessen ein rotes Tuch. Bei einem Endspiel zwischen Leipzig und Hoffenheim wäre die Sache wohl anders gelaufen. Sogar YouTuberin <a href="http://meedia.de/2017/05/05/meist-gehasst-und-viel-gesehen-youtube-star-bibi-singt-und-spaltet-mit-217-sekunden-das-netz/">&#8222;Bibi&#8220; </a>hätte da eventuell Applaus bekommen.</p>
<h2>Furcht vor Kommerzialisierung</h2>
<p>Nicht ohne Berechtigung meinen manche, dass man Madame Fischer nicht derart hätte auspfeiffen dürfen. Eine Abstimmung mit den Füßen, hin zum Bierstand oder zum Urinal, hätte es auch getan. Wäre ich im Stadion gewesen, dann hätte ich es auch so gehalten. Nur bin ich gewiss kein Fan der Schlagerfrau, bei den Dire Straits, Oasis oder auch Ed Sheeran wäre ich schon im Stadion geblieben und hätte mir deren Show angesehen. Dann allerdings hätte ich Nahrungsaufnahme und Harnentleerung notfalls in die reguläre Spielzeit verschieben müssen. Im Gegensatz zu den amerikanischen Fans haben hiesige Sportenthusiasten aber ein echtes Interesse an dem, was da auf dem Platz passiert. Darauf wollen und können sie schwer verzichten. Showeinlagen sollten Nebensache sein und kein Event &#8211; wie etwa beim Super Bowl in den USA.</p>
<p>Und mit Verlaub: Zehn bis 15 Minuten Musik in der Halbzeitpause, was soll so ein Appetizer bringen? Im originären Interesse der Fans ist das nicht, ansonsten fände so etwas in längerer Form vor oder nach dem Spiel statt. Nicht nur die Ultras aus den Fankurven von Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt dürften da vermuten, dass es zuallererst um die wirtschaftlichen Interessen des Veranstalters geht. Und sie dürften die Nachtigall trapsen hören, dass Sportveranstaltungen künftig &#8211; eben wie in den USA &#8211; häufiger unterbrochen werden, eben für Werbung und dieser förderlicher Showeinlagen.</p>
<h2>Wer in die Küche geht, muss die Hitze vertragen</h2>
<p>Nun bin ich beileibe nicht derjenige, der von vorneherein alles verteufelt, was da aus Nordamerika herüber kommt. Beispielsweise sehe ich mir gerne Hollywoodstreifen im Kino an. Sie sind meist besser und oft auch intelligenter gemacht als alles, was hierzulande so zusammenproduziert wird. Ab und an trinke ich auch im Ketten-Coffeeshop einen Espresso. Der schmeckt nicht schlecht und es gibt stabil funktionierendes WLAN. Ich habe noch nicht mal Lust, als Zweihunderttausendster täglich, den gegenwärtigen US-Präsidenten öffentlich zu bashen. Das machen genug andere und bei vielen fehlt mir inzwischen einfach die Originalität.</p>
<p>Europa hat aber definitiv eine andere Fankultur als die USA oder Kanada. Oder um es mit David Bowie zu sagen: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=cUliUWMrMZA">&#8222;This is not America&#8220; (deutsch: &#8222;Das ist nicht Amerika&#8220;). </a>Deshalb halte ich es ebenso für legal wie für legitim, dass Zuschauer eine Sängerin auspfeifen, weil sie ein Zeichen gegen eine &#8211; wenn auch vielleicht nur vermutete &#8211; Eventisierung des Sports setzen wollen. Auch das ist Meinungsfreiheit und die gehört zu einer Demokratie nun einmal essentiell dazu. Für den DFB wie für Helene Fischer gilt dagegen: Wer in die Küche geht, der muss die Hitze vertragen können. Und wer mit Show ins Stadion geht, die Reaktionen der Fans. Die Anhänger aus Dortmund und Frankfurt hinterher zu diffamieren, war dagegen das Falscheste was Verbandspräsident Grindel tun konnte. Die &#8222;Der-Fußball-das-sind-wir-Attitüde&#8220; dürfte sich der DFB spätestens seit den <a href="https://texte-zur-sache.de/2015/11/09/gomorrha/">Skandalen um die WM 2006 </a>eigentlich nicht mehr leisten können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/sport/das-ist-nicht-amerika/">Das ist nicht Amerika</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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