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	<title>J. J. Abrams-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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		<title>Fußballwunder und neues Jerusalem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 2015 10:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auch abseits der großen Politik war 2015 ein ereignisreiches Jahr; es gab Verlierer und Gewinner. Dirk Schuster schaffte mit Darmstadt 98 ein echtes Fußballwunder, ein griechischer Minister wurde zum Darling der Verschwörungstheoretiker. Und die ARD scheiterte mit dem Versuch, den Propheten des neuen Jerusalem für Deutschland singen zu lassen</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/la-vida-tombola/fussballwunder-und-neues-jerusalem/">Fußballwunder und neues Jerusalem</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele nehmen den Jahreswechsel zum Anlass, um Bilanz zu ziehen, Personen des Jahres zu küren oder Gewinner und Verlierer in irgendwelchen Kategorien zu benennen. Wie subjektiv solche Rankings sind, zeigt das &#8222;Time Magazine&#8220;. In dessen Wertung zur &#8222;Person des Jahres&#8220; folgt auf die deutsche Bundeskanzlerin der Anführer des Islamischen Staates, dann kommt der hierzulande nicht gerade positiv konnotierte US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Viel gemeinsam dürften die drei Genannten nicht haben. Außer, dass sie vielleicht die Schlagzeilen der Medien maßgeblich mitbestimmt haben. Was allerdings auch auf FIFA-Präsident Blatter (immerhin &#8222;Schweizer des Jahres&#8220;), Vladimir Putin (hat gewiss ein Abo auf den Titel &#8222;Russe des Jahres&#8220;) oder Pep Guardiola (vielleicht &#8222;Katalane des Jahres&#8220;?) zutreffen dürfte.</p>
<h2>Alle küren ihre &#8222;Person des Jahres&#8220;</h2>
<p>Nun ist das &#8222;Time Magazine&#8220; mit seiner Kür nicht allein. Der &#8222;Kicker&#8220; etwa macht das auch. So unterschiedliche Publikationen wie die das &#8222;Handelsblatt&#8220;, der &#8222;Focus&#8220; und die &#8222;Gala&#8220; haben ebenso Listen mit Gewinnern des Jahres abgedruckt. Warum also nicht auch in dieser Kolumne ein paar Gewinner und Verlierer ausloben?</p>
<p>Da wir uns hier zumeist in der Welt von Film, Sport oder Kuriosem bewegen, soll sich das Casting auf diese Sphären beschränken. Kanzlerin und IS-Kalif fallen daher von vorn herein aus der Wertung. Trump immerhin bleibt im Rennen.</p>
<p>Für uns liegt nahe, sich dem Votum des &#8222;Kicker&#8220; anzuschließen und den Trainer von <a title="Fußball-Wunder Darmstadt" href="http://www.theeuropean.de/andreas-kern/10184-sv-darmstadt-98-in-der-ersten-bundesliga" target="_blank">Darmstadt 98</a>, Dirk Schuster, zur &#8222;Person des Jahres&#8220; zu krönen. Erstens wird jedem Fußball-Nostalgiker warm ums Herz, wenn ein Klub mit kleinstmöglichem Etat fast von Liga 4 in Liga 1 durchmarschiert und dabei noch dem mit Brause-Millionen gepamperten Retortenklub aus Leipzig eine lange Nase zeigt. Und obwohl die aktuellen Darmstädter Spieler zuvor überall gescheitert waren und das Klubumfeld an einen Zeitsprung zurück in die 70er Jahre erinnert, stellen die Lilien ab und an echten Bundesliga-Größen ein Bein. In der Halbzeit-Tabelle liegen die Südhessen vor weitaus finanzstärkeren Klubs wie Stuttgart, Hannover &#8211; und Dietmar Hopps Hoffenheim, dank SAP-Millionen ebenfalls einer der neureichen Kunstvereine.</p>
<h2>Schuster hat in Darmstadt ein Wunder vollbracht</h2>
<p>Wenn eine US-amerikanische Zeitung Deutschland &#8211; trotz Flughafen Berlin, Hamburger Elbphilharmonie und &#8222;Wertarbeit&#8220; á la Volkswagen &#8211; zur neuen &#8222;CanDo-Nation&#8220;, also zum Machervolk, erklärt, dann muss Darmstadt mindestens eine &#8222;CanDo-Stadt&#8220; sein und Schuster der &#8222;CanDo&#8220;-Typ schlechthin. In der Tat: SV98-Stürmer<a title="Interview mit Marco Sailer" href="http://diekolumnisten.de/2015/11/18/hinter-wunder-steckt-arbeit-marco-sailer-vom-sv-darmstadt-98-im-interview/" target="_blank"> Marco &#8222;Toni&#8220; Sailer berichtete uns in einem Interview</a>, dass der hessische Höhenflug keines Falls vom Himmel gefallen kam, sondern vielmehr die Frucht harter Arbeit war. Zudem betonte auch Sailer die überragende Bedeutung Schusters. Ohne seine Begeisterungsfähigkeit, seine Menschenführung und sein taktisches Geschick gäbe es am Böllenfalltor womöglich immer noch Dritt- oder Viertligaduelle gegen Großaspach, Chemnitz oder die Würzburger Kickers.</p>
<p>Stattdessen lernen nun Weltstars wie Xabi Alonso, Robert Lewandowski oder Chicharito die Vorzüge der 70er-Jahre-Atmosphäre im 98er-Stadion kennen. Läge Darmstadt in Österreich, der legendäre Fernsehkommentator Edi Finger hätte die Erfolgsstory gewiss mit einem &#8222;zwickts mi, i glaab i draam&#8220; kommentiert.</p>
<h2>Varoufakis &#8211; mehr Glanz als Substanz</h2>
<p>Mit dem &#8222;Wunder vom Böllenfalltor&#8220; ist es Schuster aus unserer Sicht gelungen, die gefühlte Nummer 2, den griechischen <a title="Als Politiker ein Flop, als Celebrity top: Varoufakis" href="http://www.theeuropean.de/andreas-kern/10235-euro-verhandlungen-zwischen-eu-und-griechenlan" target="_blank">Ex-Finanzministerdarsteller Yanis Varoufakis</a>, abzuhängen. Stünde nur dessen Wirken als Politiker zur Wertung, Varoufakis hätte selbst diese Platzierung eher nicht verdient. Aber wir konzentrieren uns ja auch auf Star-Appeal und Glamour-Faktor. So trüb die politische Bilanz nach nur einem halben Jahr Minister-Aufführung war, so rasant verlief Varoufakis`Aufstieg in der Yellow-Press und bei Verschwörungstheoretikern.</p>
<p>Mit Ledermantel, Motorrad und offenem Hemd brachte der virile Schuldenrebell mitunter gestandene Politmoderatorinnen zum Erröten. Seine steilen Thesen zur internationalen Finanzpolitik stiegen bei einer Querfront vom ganz linkem bis zum ganz rechten Rand zwischenzeitlich schneller im Kurs als die T-Aktie in ihren besten Tagen. Nicht nur in Griechenland werden inzwischen T-Shirts mit dem Konterfei des Hellen verkauft &#8211; angelehnt an ein entsprechendes Modell Ché Guevaras. Darüber hinaus bezeugte der Sozialist mit mehreren in Celebrity-Magazinen veröffentlichten Fotos, dass man zwar Marxismus predigen, dabei aber durchaus im üppigen Upper-Class-Ambiente residieren kann. Nicht immer bestimmt das Sein das Bewusstsein.</p>
<p>Vom abseitigen Wissenschaftler in Griechenland hin zum &#8222;sexiest rebel alive&#8220;. So einen Aufstieg schafft wohl nicht jeder Athener Wirtschaftsprofessor! Musste der Spieltheoretiker früher bei irgendwelchen obskuren Weltverbesserertreffen in Kroatien noch den &#8222;großen Effenberg&#8220; zeigen, um zumindest in radikalen Internetforen entsprechend Widerhall zu finden, so rissen sich die Talkshows zeitweise geradezu um ihn. Varoufakis`Bücher erzielen noch immer enorme Auflagen. Der Politjob als Prequell zum lukrativen globalen Revoluzzerrdasein. Auch so kann Karriere gehen.</p>
<h2>Immerhin: Grieche lieferte stets eine gute Show</h2>
<p>Für Griechen und Europäische Union indes war Varoufakis`Gastrolle in der Regierung im besten Fall eine verlorene &#8211; und sicher auch kostspielige &#8211; Zeit. Aber immerhin: Eine gute Show hat der Yanis stets abgeliefert &#8211; oder um es in der Sprache der Eiskunstlaufjuroren zu sagen: Die B-Note hat gestimmt&#8230;</p>
<p>Auf Platz drei setzen wir J. J. Abrams. Dem Regisseur und Produzenten ist es gelungen, mit <a title="Ein voller Erfolg: Star Wars VII" href="http://diekolumnisten.de/2015/12/14/mythos-macht-moneten/" target="_blank">&#8222;Star Wars &#8211; das Erwachen der Macht&#8220; </a>den erfolgreichsten Start der Kinogeschichte hinzulegen. Sicher, irgendwie ist es ein Selbstläufer, wenn der omnipotente Disney-Konzern die größte Kino-Franchise überhaupt wieder zum Laufen bringt. Allerdings ist der Film nicht nur handwerklich perfekt gemacht. Alte Stars wie Carrie Fisher oder Harrison Ford lassen auch langjährigen Fans schnell warm ums Herz werden; frische, unverbrauchte Schauspieler wie Daisy Ridley oder John Boyega führen mit ihrem Talent wiederum eindringlich vor Augen, warum das amerikanische oder britische Kino auch künftig Lichtjahre vor dem hiesigen liegen wird. Einen Til Schweiger könnte man sich nicht einmal in der Rolle von Jar-Jar Binks ernsthaft vorstellen&#8230;</p>
<h2>Abrams hat Mythos Star Wars neu belebt</h2>
<p>Abrams und sein Team haben nicht nur ein perfektes Ensemble aus jung und alt zusammengestellt. Es ist ihnen vor allem gelungen, einen Mythos aufleben zu lassen, ohne ihn konservieren zu wollen.</p>
<p>Gewiss, das &#8222;Erwachen der Macht&#8220; wirkt in weiten Teilen wie eine Hommage an die Anfänge des Star-Wars-Kults. Aber das dürfte Absicht gewesen sein. Wenn es Abrams nun schafft, im nächsten &#8211; bereits angekündigten &#8211; Stars Wars Streifen ganz neue Akzente zu setzen, dann ist ihm endgültig ein Platz im Hollywood-Olymp sicher.</p>
<p>Wo es Gewinner gibt, muss es auch Verlierer geben. Aber hier wollen wir zum Jahresende gnädig sein &#8211; und die meisten Unzulänglichkeiten mit dem Mantel des Schweigens bedecken. Kandidaten für die Loser-Kür hätte es aber auch in der &#8222;bunten Welt&#8220; im Überfluss gegeben: Den schon erwähnten Herrn Blatter ebenso wie seinen Gegenspieler Michel Platini. Diverse Herren beim Deutschen Fußball Bund nicht zu vergessen. Kurz und schmerzlos präsentieren wir allerdings die ARD &#8211; oder besser gesagt, die für den Eurovision Song Contest verantwortliche Redaktion &#8211; auf Rang 1.</p>
<h2>ARD erlitt mit Naidoo Schiffbruch</h2>
<p>Den tiefen Sturz einer nichtssagenden Ersatzkandidatin auf den letzten Platz &#8211; weit hinter so profilierten Schlagernationen wie Albanien oder Aserbaidschan &#8211; sollte <a title="ARD blamiert sich mit Naidoo-Kür" href="http://www.klatsch-tratsch.de/2015/12/27/posse-um-naidoo-nominierung-als-peinlichkeit-des-jahres-gekuert/262797" target="_blank">Xavier Naidoo </a>im neuen Jahr wettmachen. Per Fingerzeig wurde der Sohn Mannheims in aller Eile &#8211; an den Fans vorbei &#8211; ausgewählt. Die Gebührenfunker vergaßen indes das zu tun, was jeder anständige Personalchef vor einer X-beliebigen Neueinstellung macht: Sich über den Kandidaten zu informieren.</p>
<p>Der badische Barde ist gesellschaftspolitisch ja kein Unbekannter, sondern immer wieder mit seiner Meinung als Borderliner aufgefallen. Mannheim nannte er einmal das &#8222;neue Jerusalem&#8220; &#8211; obwohl man dort Ölberg und Garten Gethsemane vergeblich suchen muss. Auch wurden Naidoos Auftritte bei rechtsverschwörerischen Gruppen in den Medien bereits umfänglich kommentiert. What you get, is what you see!</p>
<h2>&#8222;Lebbe geht immer weiter&#8220;</h2>
<p>Überraschend hätte das Echo in den Medien und den sozialen Netzwerken für das öffentlich-rechtliche Fernsehen in keinem Fall kommen dürfen. Die Damen und Herren Redakteure hätten zur Not einfach mal googlen müssen, bevor man Xavier für Deutschland singen lässt. So gebührt der ARD neben dem Schaden verdientermaßen auch der Spott. Naidoos Image dürfte ebenso Kollateralschäden abbekommen haben, obwohl der wirklich nichts für die Pleite konnte.</p>
<p>Wie dem auch sei: Für Verlierer wie für Gewinner gilt auch im neuen Jahr die Weisheit des hessisch-serbischen Volksphilosophen Dragoslav Stepanovic: Lebbe geht immer weiter&#8230;</p>
<p>In diesem Sinne: Ein gesundes und erfolgreiches 2016</p>
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		<title>Mythos, Macht, Moneten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2015 06:00:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Am 17. Dezember kommt "The force awakens", der neuste Streifen aus der Star Wars-Reihe in die Kinos. Während Fans auf die Forstsetzung des Kults warten, verteufeln Skeptiker den Kommerz. Dabei vergessen die Kritiker: Star Wars mag Kommerz sein, aber perfekt gemachter. Zudem hat Regisseur Abrams bewiesen, Mythen pflegen und weiterentwickeln zu können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/la-vida-tombola/mythos-macht-moneten/">Mythos, Macht, Moneten</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für viele Filmexperten hat J. J. Abrams den schwersten Job der Welt. Entweder rückt er in den Olymp der Hollywood-Götter auf &#8211; oder er wird zur Hassfigur für Millionen Science Fiction Fans. Entschieden wird sein Schicksal an den Kinokassen und in den Feuilltons der großen Zeitungen und Filmzeitschriften. Nicht nur dort erwartet man mit Spannung &#8222;Das Erwachen der Macht&#8220; am 17. Dezember (im englischen Original: &#8222;The force awakens&#8220;). Nicht nur bei eingefleischten Freunden der Reihe heißt es: Die siebte Verfilmung von Star Wars ist der meist herbei gesehnte Blockbuster des 21. Jahrhunderts. Eine Nummer kleiner geht wohl nicht.</p>
<p>Nach dem sich Star Wars-Erfinder George Lucas aus dem Sternenkriegsgeschäft zurückgezogen hat und sein Filmimperium 2012 an den Disney-Konzern versilbern konnte, zeichnet nun erstmals Abrams für den Space-Kult verantwortlich.</p>
<h2>Abrams hat schon Star Trek erfolgreich verjüngt</h2>
<p>Einen besseren Thronerben als den New Yorker hätte sich Lucas kaum wünschen können. Als Produzent und Drehbuchautor hatte der Serien wie &#8222;Lost&#8220; oder &#8222;Fringe&#8220; erfunden, von deren Genialität die meisten seiner mediokren deutschen Kollegen nicht mal zu träumen im Stande sind. Als Regisseur belebte er dann die als Tom-Cruise-One-Man-Show belächelte Mission-Impossible-Reihe wieder. Vor allem aber gab er &#8222;Star Trek&#8220; (hierzulande auch als &#8222;Raumschiff Enterprise&#8220; bekannt) ein neues junges Gesicht. Wenn man jemandem zutrauen kann, den dicksten Brocken der Sci-Fi-Welt zu stemmen, dann sicher Abrams.</p>
<p>Allerdings ist Star Wars nicht nur Film, sondern Kult der extremsten Form. Für Hardcore-Fans sogar eine Art Religion &#8211; mit Meister Yoda als Ersatzgott für filmaffine Atheisten. Misslingt Abrams sein Remake, dann ist das für diese nicht einfach schlechte Kunst, sondern Blasphemie.</p>
<h2>Mythische Figuren und einzigartige Effekte</h2>
<p>Bei stärker in der realen Welt verorteten Zeitgenossen löst Star Wars zumindest nostalgische Gefühle aus. Wer in den 70er Jahren seine Kinoinitalisierung erlebte, für den waren die Abenteuer von Luke Skywalker &amp; Co. ein Erweckungserlebnis, ein Quantensprung in fremde Galaxien. Nie zuvor gesehene Actionszenen, halbwegs realistische Schlachten von Raumkreuzern im Weltall, Laserschwert-Gefechte zwischen Jedi und Sith. Lucas ließ Phantasie scheinbar Wirklichkeit werden. Dazu mythische Figuren wie der maskierte Bösewicht Darth Vader oder Weltraumsamurai Yoda. Bildzauber und Märchenkunst zugleich!</p>
<p>Nie zu vor hat ein Film das moderne Blockbuster-Kino derart revolutioniert, wie der 1977 gestartete erste Streifen &#8222;Eine neue Hoffnung&#8220;. Nur drei Jahre später setzte Lucas mit &#8222;Das Imperium schlägt zurück&#8220; noch einen drauf. Die Zweitauflage wurde von der Zeitschrift <i>Empire</i> zum besten Film aller Zeiten gewählt. Ein Urteil, das nicht nur Fans teilen.</p>
<h2>&#8222;Dunkle Bedrohung&#8220; ist unterbewertet</h2>
<p>Dass ein Mythos ein gewaltiger Rucksack sein kann, musste Lucas selbst erfahren, als er den Kult 1999 &#8211; nach 16 Jahren Pause &#8211; wiederbelebte. Zwar spielte das Prequel &#8222;Die dunkle Bedrohung&#8220; weltweit rund 924 Millionen Dollar ein, ohne Inflationsbereinigung war er finanziell &#8211; man höre und staune &#8211; der erfolgreichste Film der bisher gezeigten Star Wars-Folgen. Fans und Kritiker waren allerdings geteilter Meinung.</p>
<p>Roger Ebert lieferte in der Chicago Sun Times vielleicht die realisitischste Einschätzung zum 1999er Remake: <i>„Wenn es sich um den ersten Star-Wars-Film handeln würde, so würde man</i> ,Die dunkle Bedrohung&#8216; <i>als visionären Durchbruch feiern“</i>, so der Kritiker. Weiterhin fügte er hinzu: <i>„Wie schnell wir uns doch an Wunder gewöhnen!“ Und Wunder, das weiß Abrams, kann auch er jetzt eher nicht vollbringen.</i></p>
<h2>Disney setzt auf Marketing pur</h2>
<p>Aber es ist nicht nur die Last des Kults, die der aktuellen Fortsetzung zu schaffen macht. Schwerer noch dürfte die Last des Kommerz wiegen. Der neue Rechteinhaber der erfolgreichsten Filmfranchise aller Zeiten, das Disney-Imperium, gibt dem Marketing-Affen so richtig Zucker. Tassen, Sammelbilder, Kleidung, Spielfiguren &#8211; es gibt nichts, worauf der Micky-Mouse-Konzern nicht die Konterfeis von Darth Vader, Han Solo oder dem neuen Superschurken Kylo Ren drucken lässt. Und billig, das versteht sich von selbst, ist das Weltall-Merchandising auf keinen Fall. Sci-Fi freundliche Eltern können da vor Weihnachten ganz schön für ihre Sprösslinge in die Tasche greifen &#8211; und sich dann selbst am meisten über das Weltraum-Spielzeug freuen.</p>
<p>Von den Lichtspielhäusern verlangt der Unterhaltungsriese aus Florida statt dem bislang üblichen Anteil von 47,7 Prozent vom Umsatz sage und schreibe 53 Prozent der Einnahmen. Es gibt kleine Kinos, dieser ob dieser Zahlen auf eine Star Wars Aufführung verzichten. Geht bei soviel Mammon der Zauber nicht völlig verloren?</p>
<h2>Mindestens solider Blockbuster</h2>
<p>Ohne den Film zu kennen, extreme Geheimniskrämerei ist Teil von Disneys` Strategie, kann man an dieser Stelle schon Entwarnung geben. Ehrgeiz, Kreativität und Referenzen von Abrams sprechen, ebenso wie die Fragemente, die man aus Foren und Trailern aufschnappen konnte, zumindest dafür, dasss &#8222;The force awakens&#8220; mindestens sehr solides Action-Kino bietet. In der Liga von aktuellen Blockbustern wie &#8222;Die Tribute von Panem&#8220;, &#8222;Divergent&#8220; oder dem neusten Bond-Streifen kann Star Wars VII auf jeden Fall mitspielen.</p>
<p>Mit Auftritten von Heroen aus den Anfängen von Star Wars, wie etwa &#8222;Han Solo&#8220; Harrison Ford, Zottelwesen Chewbacca oder Carrie Fisher aka Prinzessin Leia, will Abrams zudem für Herzerwärmen bei Anhängern der ersten Stunden sorgen. Dazu könnten junge, interessante Schauspieler wie die Britin Daisy Ridley einen ähnlichen Durchbruch feiern, wie einst eben Ford in seiner Paraderolle. Auch fehlt ein &#8222;Abtörner&#8220; wie der glupschaugige Jar Jar Binks, der in &#8222;Die dunkle Bedrohung&#8220; ganz allein einen Großteil der Fans gegen den Film aufbrachte.</p>
<p>Kommerz-Kritik ist besonders dann nicht ernst zu nehmen, wenn sie von hiesigen Sauertöpfen, die ansonsten dem hohlen Götzen deutscher Fernsehunterhaltung, dem Tatort, huldigen, kommt. Selten wurde ein Pferd dermaßen zu Tode geritten, wie die in gefühlt hundert Ermittlerteams ausfransende Kriminalreihe mit dem angeblich so hohen Anspruch.  Dagegen sind Lucas &amp; Co. mit Star Wars beinahe schon homöopathisch sparsam umgegangen.</p>
<h2>Pferd nicht zu Tode reiten</h2>
<p>Die Macht sollte also mit Abrams und seinem Sternenkrieg-Sequel sein. Wenn man aber hört, dass Disney nun noch weitere Ableger und Spin-Offs von Star Wars plant, dürften die Fans aber doch stutzig werden. Das wäre wirklich eine ,Tatortisierung&#8216;. Irgendwann kann man aber selbst das gesundeste Pferd zu Tode reiten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/la-vida-tombola/mythos-macht-moneten/">Mythos, Macht, Moneten</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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