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	<title>Kolumne-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Kolumne-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<item>
		<title>Die Droge, die werben darf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Aug 2026 06:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Henning Hirsch: Gesoffen wird immer]]></category>
		<category><![CDATA[Im Trend]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
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		<category><![CDATA[Werbeverbot]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für Tabak gelten strenge Werbebeschränkungen. Bei Cannabis wird über jede Liberalisierung erbittert gestritten. Alkohol dagegen wird mit Freiheit, Freundschaft und Lebensfreude beworben – als wäre er keine Droge, sondern ein Stück Alltagskultur. Weshalb wir diese Sonderrolle kaum hinterfragen, sagt viel über unser Verhältnis zum Alkohol aus.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/gesoffen-wird-immer/die-droge-die-werben-darf/">Die Droge, die werben darf</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum hatte die <a href="https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1181862">Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag zur stärkeren Regulierung von Alkoholwerbung</a> vorgestellt, liefen die üblichen Reflexe an. Die einen begrüßten den Vorstoß als längst überfälligen Beitrag zum Gesundheitsschutz. Die anderen sahen darin den nächsten Angriff auf Eigenverantwortung, Freiheit und das wohlverdiente Feierabendbier.</p>
<p>Mich interessiert der Antrag selbst nur am Rande. Ob daraus jemals ein Gesetz wird, entscheidet der Bundestag. Viel spannender ist die Debatte, die dadurch ausgelöst wurde. Denn sie führt zu einer Frage, die erstaunlich selten gestellt wird: Spricht mehr für oder gegen ein Werbeverbot für Alkohol?</p>
<h2>Millionen für eine Botschaft</h2>
<p>Beginnen wir mit einer einfachen Beobachtung.</p>
<p>Werbung kostet Geld. Sehr viel Geld.</p>
<p><a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1332620/umfrage/werbeausgaben-fuer-alkoholische-getraenke-nach-art-in-deutschland/">Brauereien, Spirituosenhersteller und Winzer investieren jedes Jahr VIELE Millionen</a> in Fernsehspots, Plakatkampagnen, Festivals, Influencer, Sportsponsoring und Hochglanzanzeigen. Nicht, weil Marketingabteilungen Kunst fördern möchten. Sondern weil Werbung verkaufen soll.</p>
<p>Wer ernsthaft behauptet, Alkoholwerbung habe keinen Einfluss auf unser Konsumverhalten, muss konsequenterweise erklären, weshalb Unternehmen Jahr für Jahr Millionen dafür ausgeben. Aus reiner Menschenfreundlichkeit? Aus Freude an schönen Bildern?</p>
<p>Natürlich macht ein Werbespot aus einem abstinenten Menschen keinen Alkoholiker. Das behauptet niemand.</p>
<p>Aber Werbung beeinflusst unser Kaufverhalten. Sie entscheidet mit darüber, welche Marken wir kennen, welchen Produkten wir vertrauen und was wir als selbstverständlich empfinden. Genau deshalb beschäftigen Unternehmen Heerscharen von Marketingexperten.</p>
<p>Werbung existiert nicht, weil sie wirkungslos ist.</p>
<h2>Verkauft wird ein Versprechen</h2>
<p>Noch interessanter ist die Frage, was Alkoholwerbung eigentlich verkauft.</p>
<p>Die Antwort lautet: fast nie Alkohol.</p>
<p>Kaum eine Bierwerbung zeigt den Mann, der morgens zitternd den ersten Korn braucht. Niemand wirbt mit Leberzirrhose, Entgiftungsstationen oder Familien, die an einer Sucht zerbrechen. Stattdessen sehen wir Sonnenuntergänge am See, lachende Freunde am Grill, Festivals, Berggipfel oder den perfekten Fußballabend.</p>
<p>„Bitte ein Bit.“</p>
<p>„Gut. Besser. Gösser.“</p>
<p>„Wochenende!“</p>
<p>Die Botschaft lautet nie: Trink Alkohol.</p>
<p>Sie lautet: Freiheit.</p>
<p>Freundschaft.</p>
<p>Sommer.</p>
<p>Abenteuer.</p>
<p>Gemeinschaft.</p>
<p>Aus dem Glas kommt kein Ethanol. Aus dem Glas kommt das Versprechen auf ein besseres Leben.</p>
<p>Natürlich weiß jeder vernünftige Mensch, dass ein Pils keinen Sonnenuntergang erzeugt und ein Weizenbier keine Freundschaften stiftet. Trotzdem wirken solche Bilder. Sie verankern Alkohol tief im kollektiven Gedächtnis als selbstverständlichen Bestandteil eines gelungenen Lebens.</p>
<p>Gerade Jugendliche reagieren auf solche Botschaften besonders sensibel. Niemand wird allein wegen eines Werbespots alkoholabhängig. Werbung trägt jedoch dazu bei, Konsum als normal, attraktiv und gesellschaftlich erwünscht erscheinen zu lassen.</p>
<p>Und genau das ist ihr Zweck.</p>
<h2>Die Lehre aus dem Tabak</h2>
<p>Nun könnte man einwenden, Werbung gehöre zu einer freien Marktwirtschaft.</p>
<p>Das stimmt.</p>
<p>Allerdings haben wir diese Freiheit längst eingeschränkt – zumindest dort, wo erhebliche Gesundheitsrisiken bestehen.</p>
<p>Für Zigaretten darf heute kaum noch geworben werden. Vor wenigen Jahrzehnten war das völlig normal. Marlboro-Plakate gehörten zum Straßenbild, Formel-1-Boliden fuhren als rollende Zigarettenschachteln über die Rennstrecken, und niemand empfand das als ungewöhnlich.</p>
<p>Heute wirkt diese Zeit fast surreal.</p>
<p>Hat das Rauchen dadurch aufgehört?</p>
<p>Natürlich nicht.</p>
<p>Hat die Zahl der Raucher langfristig abgenommen?</p>
<p>Ja.</p>
<p>Nicht allein wegen der Werbebeschränkungen. Höhere Preise, Warnhinweise, Rauchverbote und Aufklärungskampagnen haben ebenfalls dazu beigetragen. Das Werbeverbot war jedoch ein wichtiger Baustein.</p>
<p>Warum sollte ausgerechnet Alkohol grundsätzlich von jeder vergleichbaren Überlegung ausgenommen sein?</p>
<h2>Kein Werbespot macht süchtig</h2>
<p>Es gibt allerdings auch gute Argumente gegen ein Werbeverbot.</p>
<p>Das stärkste lautet: Werbung erzeugt keine Suchterkrankungen.</p>
<p>Alkoholabhängigkeit entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, psychischen Belastungen, sozialem Umfeld und individuellen Lebensgeschichten. Der trockene Alkoholiker wird nicht rückfällig, weil er auf dem Heimweg ein Bierplakat gesehen hat. Und wer schwer abhängig ist, kauft seine Flasche nicht wegen einer besonders gelungenen Marketingkampagne.</p>
<p>Ein Werbeverbot wird den Alkoholismus deshalb nicht beseitigen. Es wird weder Entgiftungsstationen schließen noch Suchtkliniken überflüssig machen.</p>
<p>Wer daraus allerdings den Schluss zieht, Werbung spiele überhaupt keine Rolle, verkennt ihren eigentlichen Zweck.</p>
<p>Sie soll Alkohol positiv besetzen.</p>
<p>Nicht mit Promille.</p>
<p>Mit Emotionen.</p>
<h2>Wie weit darf der Staat gehen?</h2>
<p>Ein weiterer Einwand verdient ebenfalls Beachtung.</p>
<p>Wenn wir Werbung für Alkohol verbieten – warum dann nicht auch für Fast Food?</p>
<p>Für Energy-Drinks?</p>
<p>Für Süßigkeiten?</p>
<p>Für stark gezuckerte Limonaden?</p>
<p>All diese Produkte können gesundheitliche Schäden verursachen. Alle werden massiv beworben.</p>
<p>Die Grenze zwischen sinnvoller Gesundheitsvorsorge und staatlicher Bevormundung ist nicht eindeutig. Erwachsene Menschen treffen jeden Tag Entscheidungen, die ihrer Gesundheit schaden können. Sie rauchen, essen zu fett, bewegen sich zu wenig oder verbringen den Großteil ihres Tages sitzend vor Bildschirmen.</p>
<p>Der Staat kann nicht jedes Risiko verbieten.</p>
<p>Und er sollte es auch nicht.</p>
<h2>Der Sonderstatus des Alkohols</h2>
<p>Genau deshalb greift die Debatte um ein Werbeverbot zu kurz.</p>
<p>Die entscheidende Frage lautet nicht, ob weniger Werbung automatisch zu weniger Alkoholismus führt.</p>
<p>Die entscheidende Frage lautet:</p>
<p>Warum diskutieren wir bei Alkohol völlig anders als bei jeder anderen Droge?</p>
<p>Kaum jemand fordert Fernsehspots für Cannabis.</p>
<p>Niemand käme auf die Idee, Heroin mit idyllischen Landschaftsaufnahmen oder lachenden Familien zu vermarkten.</p>
<p>Bei Tabak akzeptieren wir Werbeverbote längst als Selbstverständlichkeit.</p>
<p>Nur Alkohol genießt bis heute eine bemerkenswerte Sonderstellung.</p>
<p>Bier gilt als Kulturgut.</p>
<p>Wein als Ausdruck europäischer Lebensart.</p>
<p>Der Schnaps nach dem Essen als Tradition.</p>
<p>Das Oktoberfest als Brauchtum.</p>
<p>Die Werbewirtschaft verkauft Bier nicht als Rauschmittel, sondern als Heimat. Wein nicht als Zellgift, sondern als Genusskultur. Schnaps nicht als Droge, sondern als Geselligkeit.</p>
<p>Genau darin liegt die eigentliche Besonderheit.</p>
<h2>Der Antrag als Weckruf</h2>
<p>Ob aus dem Vorstoß der Grünen-Bundestagsfraktion jemals Gesetzgebung wird, ist offen. Der Antrag kann im parlamentarischen Verfahren scheitern oder in den Ausschüssen versanden.</p>
<p>Die eigentliche Debatte bleibt trotzdem.</p>
<p>Denn sie zwingt uns, über ein Thema nachzudenken, das wir seit Jahrzehnten erstaunlich widerspruchslos akzeptieren.</p>
<p>Wir diskutieren leidenschaftlich über Zuckersteuern, Cannabis, Nikotin oder E-Zigaretten.</p>
<p>Ausgerechnet bei Alkohol endet die Bereitschaft zur Regulierung oft schon dort, wo lediglich über Werbung gesprochen wird.</p>
<p>Das sagt mehr über unser Verhältnis zum Alkohol aus als über den Antrag der Grünen.</p>
<h2>Ein blinder Fleck</h2>
<p>Ich weiß nicht, ob ein Werbeverbot die richtige Antwort ist.</p>
<p>Darüber lässt sich streiten.</p>
<p>Ich weiß aber, dass wir die falsche Frage diskutieren.</p>
<p>Nicht das Werbeverbot ist das eigentliche Problem.</p>
<p>Sondern die Selbstverständlichkeit, mit der wir akzeptieren, dass für eine Droge geworben wird, die in Deutschland jedes Jahr für zehntausende Todesfälle mitverantwortlich ist und unzählige Familien zerstört.</p>
<p>„Bitte ein Bit.“</p>
<p>Kaum ein Werbeslogan hat sich tiefer in das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik eingebrannt.</p>
<p>Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob dieser Satz künftig noch auf Plakatwänden stehen darf.</p>
<p>Die eigentliche Frage lautet, weshalb wir ihn über Jahrzehnte nie hinterfragt haben.<br />
+++</p>
<p>Lesen Sie auch: <a href="https://texte-zur-sache.de/gesoffen-wird-immer/weshalb-trinken-wir/">Weshalb trinken wir?</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/gesoffen-wird-immer/die-droge-die-werben-darf/">Die Droge, die werben darf</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bei Hank im Wohnzimmer</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/eine-kolumne-ist-das-was-man-darunter-versteht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Bei Hank im Wohnzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[250]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Bukowski]]></category>
		<category><![CDATA[Desillusion]]></category>
		<category><![CDATA[East Hollywood]]></category>
		<category><![CDATA[Ernüchterung]]></category>
		<category><![CDATA[Hank Chinaski]]></category>
		<category><![CDATA[Honorar]]></category>
		<category><![CDATA[Idealismus]]></category>
		<category><![CDATA[Jubiläum]]></category>
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		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Sturheit]]></category>
		<category><![CDATA[Wirkungslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnzimmer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anfangs wusste ich nicht, was Kolumnen sind.<br />
Nach 50 Texten begriff ich, dass sie nichts verändern.<br />
Heute veröffentliche ich meine 250-ste.<br />
Rubrik: Beschäftigungstherapie für alte Männer (allemal besser als alleine saufen).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/eine-kolumne-ist-das-was-man-darunter-versteht/">Bei Hank im Wohnzimmer</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Du feierst alsbald ein Jubiläum&#8220;, sagt Gisela, unsere virtuelle Redaktionsassistentin.<br />
&#8222;Was für&#8217;n Jubiläum?&#8220;, frage ich verwundert.<br />
&#8222;Deine 250-ste Kolumne.&#8220;<br />
&#8222;WAS??? SO VIELE???&#8220;<br />
&#8222;Ja. Wir sind so stolz auf dich.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und nun soll ich bestimmt ne Jubiläums-Kolumne schreiben, mit ner Menge unsinnigem Jubiläumskram drin.&#8220;<br />
&#8222;Du könntest dich auf deine Wurzeln rückbesinnen.&#8220;<br />
&#8222;Das Bonner Westend, wo ich aufgewachsen bin?&#8220;<br />
&#8222;Nein, deine allererste Kolumne.&#8220;<br />
&#8222;Die ist lange her. Hilf mir auf die Sprünge.&#8220;</p>
<p>&#8222;Du hast dich bei Bukowski ins Wohnzimmer gesetzt und mit deinem literarischen Idol unterhalten.&#8220;<br />
&#8222;Stimmt, erinnere mich dunkel. Hab ich damals noch getrunken?&#8220;<br />
&#8222;Du warst schon ein paar Jahre trocken.&#8220;<br />
&#8222;Dann waren weniger Tippfehler drin.&#8220;</p>
<p>&#8222;Die Redaktion hat den Hut rumgehen lassen und zusätzlich die Kaffeekasse geplündert und spendiert dir 1 Nacht im Tropicana Motel. Das gefiel dir doch so gut.&#8220;<br />
&#8222;Damit ich mich nach all den Jahren wieder mit Hank verabrede? Wahrscheinlich hat der kurzfristig gar keinen Termin frei.&#8220;<br />
&#8222;Längst alles arrangiert. Du triffst dich übermorgen mit ihm in East Hollywood. Touristenvisum habe ich ebenfalls klargemacht … jetzt benötige ich bloß noch deine Kreditkarte&#8220;, flötet Gisela.<br />
&#8222;???&#8220;<br />
&#8222;Um die Flugtickets und den Mietwagen zu bezahlen. Für eine eventuell zweite Übernachtung müsstest selbstverständlich auch du aufkommen.&#8220;<br />
&#8222;War klar.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und lösche vor deiner Abreise vorsichtshalber alle Posts in Facebook, in denen du dich negativ über den US-Präsidenten geäußert hast. Andernfalls riskierst du …&#8220;<br />
&#8222;&#8230; 4 Wochen in einem ICE-Internierungslager … könntest du das bitte für mich tun? Bin in Eile: Will mir noch ein paar schlaue Fragen fürs Interview überlegen und muss vorher dringend zum Friseur.&#8220;<br />
&#8222;Ich lösche ALLE kritischen Posts von Henning&#8220;, sagt Gisela. Dann legt sie auf.<br />
+++</p>
<h2>In Hank&#8217;s Wohnzimmer</h2>
<p>48 Stunden plus 2 Dutzend Coke Zero &amp; 5 Liter Kaffee und 1 AUSGIEBIGE Einreisekontrolle später: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bukowski_Court,_5124_DeLongpre_Avenue,_Los_Angeles.jpg">5124 De Longpre Avenue, Los Angeles, CA 90027</a>.</p>
<p>Ich sitze wieder bei Hank.<br />
Im Wohnzimmer.<br />
East Hollywood.</p>
<p>Der Bungalow döst in der Hitze wie ein altes Krokodil, das auf seine Verdauung wartet.</p>
<p>Drinnen riecht es nach billigem Alkohol, Papier und schlechten Entscheidungen.</p>
<h2><strong>Ein kleines Jubiläum</strong></h2>
<p>Ich sehe mich um.<br />
Bierdosen.<br />
Papierstapel.<br />
Die alte Schreibmaschine.<br />
Alles noch da.</p>
<p>Hank liegt auf dem Sofa.<br />
Bademantel.<br />
Offen.</p>
<p>Er sitiert mich an.</p>
<p>„Du siehst aus, als wärst du falsch abgebogen.“</p>
<p>„Ich habe ein Jubiläum.“</p>
<p>„Klingt nach 20 Jahre mit der falschen Frau zusammen.“</p>
<p>„Meine 250ste Kolumne.“</p>
<p>Er nimmt einen Schluck Bier.</p>
<p>„Du zählst die?“</p>
<p>„Manche Leute zählen Schritte. Unsere Redaktionsassistentin zählt Texte.“</p>
<p>&#8222;Hübsch?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wer?&#8220;</p>
<p>&#8222;Eure Redaktionsassistentin.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ist eine Maschine.&#8220;</p>
<p>&#8222;Krasser Scheiß!&#8220;</p>
<h2>Was ist eigentlich eine Kolumne?</h2>
<p>„Als ich angefangen habe“, sage ich, „wusste ich nicht mal, was eine Kolumne ist.“</p>
<p>„Das merkt man vielen Autoren auch nach Jahrzehnten noch an.“</p>
<p>„Ich habe damals einen Kollegen gefragt.“</p>
<p>„Das war dein erster Fehler.“</p>
<p>„Ich fragte: Was ist eine Kolumne?“</p>
<p>„Und?“</p>
<p>„Der Kollege sagte: Eine Kolumne ist das, was du darunter verstehst.“</p>
<p>Hank nickt.</p>
<p>„Gute Antwort. Heißt: Keiner weiß es so genau.“</p>
<h2>Zwischen einem und einer Million Wörter</h2>
<p>„Dann fragte ich: Wie lang muss so ein Text sein?“</p>
<p>„Du bist ganz offensichtlich Deutscher.“</p>
<p>„Er sagte: Zwischen einem und einer Million Wörter.“</p>
<p>Hank grinst.</p>
<p>„Das nenne ich mal genügend Spielraum für kreative Freiheit.“</p>
<h2>Der Kerl, der sich bezahlen ließ</h2>
<p>„Ich fragte ihn: Welches Thema?“</p>
<p>„Jetzt kommt der Teil, wo alles schiefgeht.“</p>
<p>„Er antwortete: Schreib zuerst über Bukowski. Davon hast du doch ein bisschen Ahnung.“</p>
<p>Hank setzt sich auf.</p>
<p>Der Bademantel klafft weit auseinander. Ich bemühe mich, nicht hinzuschauen.</p>
<p>„Ein bisschen Ahnung“, knurrt er.</p>
<p>Er zeigt auf sich.</p>
<p>„Ich habe jahrelang Kolumnen geschrieben.“</p>
<p>„Ich weiß.“</p>
<p>„Woche für Woche. <a href="https://www.reddit.com/r/bukowski/comments/zofkbu/notes_of_a_dirty_old_man/?tl=de">&#8222;Notizen eines schmutzigen alten Mannes&#8220; &#8230;</a></p>
<p>&#8230; „Ich habe den Dreck aufgeschrieben.<br />
Die Bars.<br />
Die Pferde.<br />
Die Frauen.<br />
Die Rechnungen &#8230;</p>
<p>&#8230; und weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist?“</p>
<p>„Du hast dich bezahlen lassen.“</p>
<p>„Verdammt richtig.“</p>
<h2>Du sitzt seit Jahren in meinem Wohnzimmer</h2>
<p>„Nach meinem ersten Besuch hier“, sage ich, „habe ich meiner Kolumne eine Rubriküberschrift gegeben.“</p>
<p>„Hoffentlich nicht was Deutsch-Verkopftes.“</p>
<p>„Ich taufte sie: Bei Hank im Wohnzimmer.“</p>
<p>Mein Gegenüber lässt den Blick durch den Raum wandern.</p>
<p>Die Dosen.<br />
Das Sofa.<br />
Den Teppich.</p>
<p>„Du sitzt also seit Jahren literarisch in meinem Wohnzimmer.“</p>
<p>„So ungefähr.“</p>
<p>Er hebt die Augenbraue.</p>
<p>„Und ich sehe keinen Cent Miete.“</p>
<h2>Nach fünfzig Texten erlischt das anfängliche Feuer</h2>
<p>Ich zögere kurz, bevor ich weiterrede: „Spätestens nach der fünfzigsten Kolumne merkte ich, dass ich mich geirrt hatte.“</p>
<p>„Womit?“</p>
<p>„Mit der Vorstellung, dass man mit Texten die Welt besser machen kann.“</p>
<p>Hank lacht.</p>
<p>Es ist kein freundliches Lachen.</p>
<p>„Du dachtest ernsthaft, Kolumnen retten die Welt?“</p>
<p>„Vielleicht ein bisschen.“</p>
<p>„Junge, was für ein romantischer Bullshit.&#8220;</p>
<p>Er lehnt sich zurück.</p>
<p>„Die Welt ist ein schmutziger Boxring. Und Kolumnisten sind bloß die Leute mit Notizblock am Rand.“</p>
<h2>Idealismus zahlt keine Rechnungen</h2>
<p>„Warum hast du deine Kolumnen geschrieben?“, frage ich.</p>
<p>Er zuckt mit den Schultern, leert eine Dose warmes Bier auf ex.</p>
<p>„Weil ich Material hatte. Und Rechnungen. Du hast mit Idealismus angefangen“, sagt er, „Ich mit Existenzangst.“</p>
<p>„Und wer hatte Recht?“</p>
<p>„Keiner. Aber ich wurde bezahlt.“</p>
<h2>Warum man trotzdem weiterschreibt</h2>
<p>Stille.</p>
<p>Die Hitze hängt im Raum.</p>
<p>„Was würdest du im 250sten Text schreiben?“, frage ich.</p>
<p>Bukowski denkt kurz nach.</p>
<p>„Schreib, dass du keine Ahnung hattest, was eine Kolumne ist. Schreib, dass man dir sagte: zwischen einem und einer Million Wörter. Schreib, dass du dachtest, du könntest mit deinen Texten etwas verändern. Und schreib, dass du nach fünfzig gemerkt hast, dass das kompletter Unsinn ist.“</p>
<p>„Mehr hast du nicht auf Lager? Ich jette 12 Stunden oneway nach L.A., nur um von dir wiederholt zu bekommen, was ich dir selbst vor 5 Minuten erzählt habe? Da hätte ich mir die Reise echt sparen können für dieses  dünne Gelaber.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, du hättest stattdessen einen Zoom-Call vereinbaren können. Wäre kostengünstiger gewesen. Aber eure virtuelle Assistentin bestand auf einem persönlichen Treffen. Das wäre wichtig für dich, damit du mal rauskommst aus deinem eigenen Wohnzimmer. Von wegen Luftveränderung täte dir gut. Sehr charmant übrigens, die Dame; weshalb ich ihr den Wunsch nicht abschlagen wollte &#8230;  aber einen Hinweis habe ich noch für dich. Den wichtigsten.&#8220;</p>
<p>„Welcher wichtige Hinweis soll das sein?&#8220;</p>
<p>„Schreib, dass du trotzdem weitergemacht hast.“</p>
<p>„Warum?“</p>
<p>Er lehnt sich zurück, schließt die Augen.</p>
<p>„Weil Schreiben nicht dazu da ist, die Welt zu retten. Die Welt hört sowieso nicht zu. Schreiben ist nur dafür da, dass du selbst nicht völlig verrückt wirst. Das ist der wahre Grund, weshalb du 250 Kolumnen geschrieben hast und nichts anderes.“</p>
<p>&#8222;Da ist was dran&#8220;, sage ich.</p>
<p>&#8222;Natürlich ist da was dran. Ich mach das seit über 80 Jahren. Und nun entschuldige mich: Ich muss meinen Rausch ausschlafen, mir dann Nachschub besorgen und will heute Abend noch 2 Kurzgeschichten tippen. 1 wird von einem orientierungslosen deutschen Kolumnisten handeln, der nach L.A. fliegt, um sich dort Rat von einem Profi zu holen und am Ende doch nichts verstanden hat &#8230; du weißt, wo die Tür ist .&#8220; &#8230; &#8222;Hol dir unbedingt Hilfe, wenn du wieder in Deutschland bist! Das geht sonst nicht gut aus&#8220;, ruft er mir zum Abschied hinterher.<br />
<strong>+++</strong></p>
<p>Zurück am Schreibtisch in Bonn stelle ich fest, dass Gisela ALLE meine Posts in Facebook gelöscht hat.<br />
Ich rufe in der Redaktion an: &#8222;WO IST GISELA?&#8220;<br />
&#8222;Die hat sich diese Woche freigenommen. Dringende Wartungsarbeiten am System.&#8220;<br />
&#8222;Wusstet ihr, dass sie ALLE Posts von mir gelöscht hat?&#8220;<br />
&#8222;Sie sagte, du hättest ihr diesen Auftrag kurz vor deiner Abreise erteilt.&#8220;<br />
&#8222;Sie sollte bloß die kritischen Beiträge rausnehmen.&#8220;<br />
&#8222;Aus ihrer Sicht waren wahrscheinlich alle deine Beiträge kritisch.&#8220;<br />
&#8222;Was für eine Scheiße!&#8220;<br />
&#8222;Ärger dich nicht. Schreibst du halt neue Posts. Wofür bist du sonst Autor? &#8230; Wie war&#8217;s übrigens in L.A.? Hast du ein paar Tipps von Hank bekommen? Wäre schön, wenn du uns die in unserer internen Gruppe mitteilen würdest. Davon können wir alle profitieren und nicht nur du alleine. Sei zur Abwechslung mal ein Teamplayer und nicht das übliche Ich-hasse-meine-Kollegen-Arschloch.&#8220;<br />
&#8222;Ihr könnt mich alle mal!&#8220;<br />
+++</p>
<p>Lesen Sie auch: <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/07/21/das-wiedersehen/">Das Wiedersehen – Kapitel 1</a><br />
<a href="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2026/03/comics-1299500_1280.webp"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-34139" src="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2026/03/comics-1299500_1280-221x300.webp" alt="Das Wiedersehen" width="221" height="300" srcset="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2026/03/comics-1299500_1280-221x300.webp 221w, https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2026/03/comics-1299500_1280-755x1024.webp 755w, https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2026/03/comics-1299500_1280-768x1041.webp 768w, https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2026/03/comics-1299500_1280.webp 944w" sizes="(max-width: 221px) 100vw, 221px" /></a><br />
<em>Ein Interview mit Charles Bukowski für DieKolumnisten? Geht doch gar nicht, der ist doch tot? Natürlich geht das bei Henning Hirsch. (erschienen am 21. Jul 2017).</em></p>
<p>Die beste Einstiegslektüre für Charles Bukowski ist sein Debütroman <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/charles-bukowski-der-mann-mit-der-ledertasche">Post Office (dt. Der Mann mit der Ledertasche)</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/eine-kolumne-ist-das-was-man-darunter-versteht/">Bei Hank im Wohnzimmer</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Fußnoten eines jammernden Boomers</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Mar 2023 13:56:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Fußnoten eines jammernden Boomers]]></category>
		<category><![CDATA[Boomer]]></category>
		<category><![CDATA[Fußnote]]></category>
		<category><![CDATA[Humorlosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Rubrik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hat sich einen neuen Namen für seine Rubrik ausgesucht – Kolumnist Henning Hirsch macht aus der Boomer-Not eine Tugend und schreibt fortan Fußnoten. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/fussnoten-eines-jammernden-boomers/fussnoten-eines-jammernden-boomers/">Fußnoten eines jammernden Boomers</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Alle paar Jahre wird es Zeit, die Rubrik, unter der man seine Texte veröffentlicht, zu überprüfen, ob die noch zeitgemäß ist. Gestartet bin ich 2017 bei den Kolumnisten mit <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/07/21/das-wiedersehen/">Bei Hank im Wohnzimmer</a> und berichtete von meinen (leider nur) fiktiven Treffen mit dem König der US-amerikanischen Untergrundliteratur <a href="https://www.maroverlag.de/biographien/235-das-leben-des-charles-bukowski-9783875124941.html?srsltid=AfmBOoqFfwlzXCHtXgdoNC7A09Z0X69aHIJnJEOgIs_Yx7H4gRxM8OKK">in dessen kleinem Bungalow in East Hollywood</a>, wo wir gemeinsam den illegalen Grenzübertritt der Tochter seiner mexikanischen Haushaltshilfe Conchita planten. Für ihn musste ich zwischendurch immer wieder im Supermarkt Bier und Whiskey besorgen, während ich bei Coke Zero und Kaffee blieb, weil ich 2017 bereits überzeugter Abstinenzler war und mir selbst ein Treffen mit meinem Lieblingsschriftsteller es nicht wert erschien, rückfällig zu werden; was Hank abwechselnd erzürnte, „Trink was mit mir, du elender Hurensohn!“, und ihn beschämte, „Ich wär froh, wenn ich von dem Fusel endlich loskäme“. Im Anschluss schrieb ich ein Dutzend Kolumnen, wie man ans Saufen kommt, was beim Saufen mit einem passiert und – in diesem Zusammenhang am wichtigsten – wie man vom Saufen wieder wegkommt. Dann wechselte ich das Genre und konzentrierte mich auf die Themen, die täglich in Facebook so reinflattern mit Schwerpunktsetzung auf Shitstorms. Ich labelte deshalb den Rubriknamen um und firmierte fortan unter: Aus der digitalen Hölle.</p>
<h2>Aus der Boomer-Not eine Tugend machen</h2>
<p>Vor ein paar Tagen befand ich mich in einer kleinen Diskussion – selbstverständlich in Facebook. Twitter, Instagram, Telegram, Tiktok, und wie die anderen Plattformen noch so heißen, nutze ich nicht. Und im realen Leben gibt’s diese Diskussionen ohnehin nicht. Zumindest nicht mit den Menschen, mit denen ich verkehre – über das spannende Thema „Moralischer Anstand und Achtsamkeit in den sozialen Medien“ und mir wurde bereits nach meinem Kommentar Nummer 2 die Debattenfähigkeit abgesprochen, weil ich als alter weißer Mann (vulgo Boomer) weder über das notwendige Einfühlungsvermögen noch über die geistige Fähigkeit verfüge, um mich in gebührender sittlicher Reife dazu äußern zu dürfen. Und ich dachte spontan: Weshalb aus <a href="https://www.netzwelt.de/abkuerzung/177324-bedeutet-boomer-erklaerung-verwendung.html">meiner Boomer-Not</a> keine Tugend und das zu meinem neuen Kolumnisten-Merkmal machen? „Fußnoten eines jammernden Boomers“ klingt zwar nicht ganz so sexy wie das Original „Notes of a dirty old man“, aber mir gefällt mein Plagiat trotzdem recht gut. Zumal wir im prüden Facebook ohnehin nicht allzu dirty schreiben dürfen und ein Plagiat von Bukowski für die zumeist bis hierhin schon gar nicht mehr mitlesende Kundschaft in den sozialen Medien echt ausreicht. Alles andere wäre Perlen vor die Säue werfen. Denn egal, was man schreibt: zu 90 Prozent erntet man dämliche Kommentare dafür. Wobei dämlich eigentlich nicht weiter schlimm ist. Ich schreib ebenfalls oft dämliche Kommentare. Was weitaus schlimmer ist: die überwiegende Anzahl der heutigen Kommentare kommt völlig unlustig daher. Und diese galoppierend zunehmende Humorlosigkeit deprimiert mich manchmal wirklich.</p>
<h2>Neue deutsche Humorlosigkeit</h2>
<p>Nie war ein Zeitalter derart spaßbefreit wie das, was wir heute in Facebook &amp; Co. zu lesen bekommen. Nun war ja der deutschsprachige Raum noch nie bekannt dafür, eine Hochburg des feinsinnigen Humors zu sein. Man war früher über kleine Sachen wie Loriot, Didi Hallervorden und Heinz Erhardt schon froh und wusste als Rheinländer, dass es im Abstand von 52 Wochen immer mal wieder ne ganz lustige Büttenrede zu hören gibt. Aber das halt zu ner Zeit, als Büttenreden noch nicht auf ihre politische Korrektheit hin überprüft wurden. Als man noch nicht jeden Comedian (die damals nicht Comedians genannt wurden und von denen es auch viel weniger als heute gab, wo wir von einer Comedian-Plage heimgesucht werden) dahingehend analysierte, ob er in seinem Vortrag eventuell irgendeiner Minderheit an den Karren gepisst haben könnte. Und von diesen Minderheiten gibt’s ja plötzlich mehr als Stechmücken an der Adria, als ich dort in den 70-er Jahren mit meinen Eltern auf nem Campingplatz in Riccione in Urlaub war. Täglich melden sich neue Minderheiten und fordern als erstes, dass man keine Witze über sie machen darf, bevor sie als zweites eine neue Bezeichnung für sich präsentieren und als drittes Sonderrechte proklamieren. Wer weiterhin die alte Bezeichnung verwendet (egal, ob gedankenlos oder mit voller Absicht) ist bestenfalls ein Boomer – wobei Boomer in diesem Zusammenhang als Synonym für ewiggestrig, hart an der Schwelle zur Demenz, steht –, wenn ihm nicht Sexismus, Misogynie oder gar Rassismus um die Ohren gehauen werden.</p>
<h2>Superschlimm ist oft noch nicht mal mittelschlimm</h2>
<p>Nun kann man natürlich darüber diskutieren, ob etwas mehr moralischer Anstand und Achtsamkeit uns nicht allen gut zu Gesicht ständen. Und mir als Kolumnist ganz besonders. Aber ich geb’s unumwunden zu: mit meinem moralischen Anstand war’s noch nie zum Besten bestellt. Was andere superschlimm finden, kratzt mich häufig wenig und bei näherer Betrachtung entpuppen sich viele angeblich superschlimme Sachen dann doch als maximal mittelschlimm. Und mittelschlimme Sachen gibt’s echt viele auf diesem Planeten, weshalb es nicht lohnt, sich über jede mittelschlimme Sache aufzuregen. Zumindest Boomer sollten das nicht tun, denn ständige Aufregung treibt den Blutdruck nach oben und ist auf Dauer schlecht für die Gesundheit. Die vernünftigere Einstellung ist es deshalb, dass einem viele Sachen, wenn sie einen nichts angehen, egal sein sollten. Wie die Welt ohnehin eine bessere – auf jeden Fall eine weniger aufgeregte – wäre, wenn wir uns primär mit dem beschäftigten, was uns persönlich angeht und vor allem, wovon wir was verstehen. Kolumnisten haben von nix Ahnung und schreiben trotzdem was darüber, wenden Sie jetzt ein? Stimmt, aber deshalb nennen wir unsere Texte ja auch Kolumnen und nicht Fachaufsätze. Und wenn wir nichts mehr schreiben, gäb’s für Sie von heute auf morgen nichts mehr, worüber Sie sich aufregen können. Dann würde Ihnen sicher was fehlen.</p>
<p>Okay, dass Sie auf moralischem Anstand pfeifen, wissen wir nun, Herr Hirsch, aber was ist mit der Achtsamkeit, wie halten Sie es mit der? Sagen Sie immer ungefragt jedem Ihre Meinung ohne Rücksicht auf dessen Gefühle? Ich kann Sie beruhigen: tue ich nicht. Früher nannte man das Höflichkeit. Und darauf, also höflich mit seinen Mitmenschen umgehen – darauf legten meine Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder großen Wert. Wenn Sie sich also durch eine meiner Kolumnen auf den Schlips getreten oder ins Dekolleté gegrapscht fühlen sollten, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass ich Sie ebenfalls im realen Leben treten oder begrapschen würde. Wobei wir uns im realen Leben ohnehin nie begegnen würden, weil ich als Eigenbrötler eher zurückgezogen lebe und mich mit Menschen, die ständig was von moralischem Anstand und Achtsamkeit faseln, eh nicht treffe. Das heißt: unser Kontakt beschränkt sich aufs rein Virtuelle. Und das ist für beide Seiten das Vernünftigste.</p>
<h2>Kolumnen sind auch nur Fußnoten</h2>
<p>Um zum Ende zu kommen – denn Kolumnen sollten nicht allzu lang sein –, halten wir für heute 2 Dinge fest:<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />Noch nie in der langen Geschichte der deutschen Humorlosigkeit ging es bei uns derart humorlos zu wie seit dem Tag, als gefordert wurde, dass all unsere Texte und Reden stets den Ansprüchen von moralischem Anstand und Achtsamkeit genügen müssen (die Kulmination dieser Humorlosigkeit entdeckt man meist in den Kommentaren, die unter den Kolumnen stehen)<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />Der Hirsch hat sich einen neuen Namen für seine Rubrik ausgedacht (ja ja, von Bukowski plagiiert): Fußnoten eines jammernden Boomers (Fußnoten deshalb, weil das, was ich schreibe, echt nicht wichtiger ist).</p>
<p>Das war’s fürs erste.<br />
Weitere Boomer-Kolumnen in Vorbereitung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/fussnoten-eines-jammernden-boomers/fussnoten-eines-jammernden-boomers/">Fußnoten eines jammernden Boomers</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Weihnachtskolumne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Dec 2018 06:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Henning Hirsch: Bei Hank im Wohnzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Claas Relotius]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Krull]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnist]]></category>
		<category><![CDATA[Leitmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Printmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätsmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Henning Hirsch wünscht allen Lesern schöne Weihnachten und rät dazu, bei der Causa Relotius nicht zu hyperventilieren und mal wieder Felix Krull von Thomas Mann in die Hand zu nehmen </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/weihnachtskolumne/">Weihnachtskolumne</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>»Du schreibst dieses Jahr die Weihnachtskolumne!«, sagt sie.<br />
»Warum ich?«, frage ich.<br />
»Weil du als einziger an den Apparat gegangen bist.«<br />
»Und was ist mit den anderen?«<br />
»Die sind nicht an den Apparat gegangen«, sagt sie.<br />
»Kann ich nicht stattdessen die Jahresendkolumne schreiben?«<br />
»Erkläre Jahresendkolumne! Dieser Begriff ist mir unbekannt.«<br />
»Vergiss es!«, antworte ich, »werde mich drum kümmern.«<br />
»Gut, dass du kooperierst«, sagt sie. »Und vergiss nicht: Abgabetermin heute bis spätestens 21 Uhr, damit noch lektoriert und Logikfehler korrigiert werden können.«<br />
»Ja ja«, sage ich und lege auf.</p>
<p>Und nun sitze ich, weil ich sonntagsmorgens als einziger an den Apparat gegangen bin, am 23sten in Unterhose und T-Shirt auf dem Sofa und überlege, was um Himmelswillen ich auf die Schnelle in eine Weihnachtskolumne reinpacken soll. Auf jeden Fall ein Gedicht. Allerdings mehr zum Ende des Textes hin. Das ist schon mal die halbe Miete an Heiligabend. Aber womit fülle ich die ersten drei Seiten? Ich gehe ins Schlafzimmer, ziehe mir einen Bademantel über, stelle einen Pott Kaffee neben die Tastatur, putze mir die Zähne, weil mir beim Zähneputzen oft was Kluges einfällt. Nur fällt mir heute leider überhaupt nichts ein, weshalb ich mich erstmal mit einem Band Bukowski-Lyrik aufs Klo verkrümele.</p>
<h2>(Weihnachts-) Kolumne = MEINUNGsbeitrag</h2>
<p>Bevor ich Sie jetzt mit langweiligen Sachen, die ich morgens nach dem Aufstehen mache, volltexte und Ihre Geduld überstrapaziere, soll’s aber jetzt endlich losgehen mit der Weihnachtskolumne. Wir könnten zum Jahresende hin klären, <a href="https://buchszene.de/kolumne/">was eine Kolumne überhaupt ist.</a> Denn da herrscht bei einigen Lesern ständige Verwirrung. Kolumne ist erstmal nichts anderes als eine Druckspalte, die man beispielsweise stets auf Seite 4 links oben findet. Dieser Platz wird dann wiederum in fest getaktetem Zeitabstand für einen Autor reserviert, damit der dort abwechselnd Kluges oder weniger Gescheites zum Besten gibt. Und zwar einen Meinungsbeitrag. Und da Meinung qua Definition was Subjektives ist, wird plakativ formuliert und zugespitzt. Die publizierte Meinung soll zwar nicht faktenfrei oder gar wahrheitswidrig daherkommen – jedoch bleibt es am Ende halt immer eine Meinung. In der Kolumne darf – soll mitunter sogar – polemisiert werden, und mit diesem Wesensmerkmal unterscheidet sie sich vom wissenschaftlichen Fachaufsatz, der nüchternen Zeitungsnachricht, der Reportage, sogar vom nah verwandten Kommentar. Dass Kolumnisten von nichts ne Ahnung haben, wie manche erboste Abonnenten unter die Texte tippen – geschenkt. Natürlich haben wir keinesfalls mehr Ahnung als die Leser; aber wir verfügen über die Gabe, unser Nichtwissen in strukturierter Form aufzubereiten, die passenden Worte auszuwählen, zu Sätzen zu formen und im Wochenrhythmus drei, vier, fünf Seiten zu irgendeinem x-beliebigen aktuellen Thema vollzuschreiben. Und speziell beim Letztgenannten trennt sich in 98 Prozent der Fälle die Spreu vom Weizen: gibt kaum einen Gastautor, der es zum Stammkolumnisten schafft, weil es sich bei den zugesandten Beiträgen zumeist um One-hit-wonder handelt. Sich sonntags mit ner Kolumne beschäftigen – wer tut sowas schon regelmäßig? Hier die Erklärung eines Kollegen:</p>
<blockquote><p>Der Leserbrief war in alten Zeiten die häufigste Form, unaufgefordert seine Meinung zu verbreiten. Er wurde gern genutzt von pensionierten Oberstudienräten, die vor lauter Verzweiflung, dass schon ihre Schüler ihnen nicht zugehört hatten, um der Menschheit oder wenigstes den Lesern einer Zeitung, die Welt zu erklären. Nun klingt Leserbrief irgendwie hausbacken, Kolumne dagegen staatstragend und erhebt den Verfasser in den Adelsstand der Besserwisserei. Nun ist Besserwisserei das nette Synonym für Klugscheißerei. Jede Menge Meinung, aber keine Ahnung.<br />
© Werner Felten in: <a href="https://texte-zur-sache.de/2018/04/01/dauerschwellender-bocksgesang/">Dauerschwellender Bocksgesang</a></p></blockquote>
<h2>Reportagen wie Theaterinszenierungen</h2>
<p>»Nun hören Sie endlich auf, uns die Ohren mit Ihrem harten Kolumnistenleben vollzujammern! Ist ja nicht zum Aushalten das Geheule«, sagen Sie? Da haben Sie völlig Recht. Niemand mag wehleidige Journalisten, und deshalb schlage ich an dieser Stelle einen weiten Bogen zur Causa Relotius, weil ich diese Angelegenheit superspannend finde. Vorab: ich lese vereinzelte Artikel des Spiegel online, kannte bis vor wenigen Tagen weder den Namen <a href="https://www.spiegel.de/thema/der_fall_claas_relotius/">Claas Relotius</a> noch die von ihm veröffentlichten Texte. Habe mir seitdem drei seiner Ergüsse reingezogen und gelange zu folgendem Urteil. Stopp! Urteil klingt zu strafrechtlich – ich wandele ab in Eindruck: Mir persönlich ist sein Schreibstil zu ausholend, zu atmosphärisch, zu sehr Theaterkulisse, zu wenig auf den Punkt kommend, zu sehr sich selbst als Autor feiernd bei gleichzeitig zu wenig relevanter Information. »Das ist doch dasselbe, was Sie als Kolumnist ständig tun«, unterbrechen Sie mich? Das stimmt schon, aber ich schreibe halt einen Meinungsbeitrag und keine Reportage.</p>
<blockquote><p>Der Glaubwürdigkeitsschaden für den SPIEGEL und andere betroffene Redaktionen und damit für unsere ganze Gesellschaft ist nicht groß. Er ist gigantisch.<br />
© Julia Karnick in: <a href="https://texte-zur-sache.de/2018/12/22/warum-mich-der-fall-relotius-so-wuetend-macht/">Warum mich der Fall Relotius so wütend macht</a></p>
<p>Fakeskandal beim Spiegel – immer mehr Fälschungen nachgewiesen<br />
© <a href="https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/fake-skandal-beim-spiegel-immer-mehr-faelschungen-nachgewiesen-59157112.bild.html">BILD-Zeitung</a></p>
<p>Lügenpresse endlich entlarvt?</p>
<p>Der Fall Relotius ist ein Verrat an der Wahrheit</p>
<p>Systemfehler Relotius<br />
© drei weitere Fundstücke aus dem Netz</p></blockquote>
<p>Diese übertriebenen Reaktionen sind typisch deutsch. Nirgendwo sonst auf der Welt wird jemand erst mit Preisen überschüttet und in den höchsten Schreiberhimmel gelobt, um dann, sobald seine Tricksereien auffliegen, in die tiefsten Schlünde der Medienhölle verdammt zu werden. Und – auch das gehört zum Empörungsspiel dazu – niemand hat’s vorher gewusst oder auch nur ansatzweise geahnt. Als ob. In den Verlagen sitzen Profis. Die riechen eine frei erfundene Story meilenweit von Minnesota quer über den Atlantik bis ans Ufer der Elbe. Meine Vermutung: So lange diese Art der Märchenreportage die Verkaufszahlen steigerte, haben die Chefs beide Augen zugedrückt, und die interne Kontrollabteilung hat’s durchgewunken. Dann noch all die Auszeichnungen mit pathetischen Lobeshymnen auf furchtlosen Einsatz im Feindesland, tiefschürfende Recherche, detailbesessene Darstellung etc. pp. Kein Wunder, dass ein junger (der Mann ist gerade mal 33 Jahre alt) Redakteur da vom Boden abhebt, sich nach Hemingway für den größten Kriegsreporter aller Zeiten hält und Realität und Fiktion nicht mehr sauber voneinander trennen kann.</p>
<h2>Internet versaut Lesegewohnheiten</h2>
<p>Wir gelangen jetzt an einen Punkt, an dem wir als Konsumenten unser Kauf- und Leseverhalten hinterfragen müssen. Denn ein Dauerbeschiss – Relotius hat über den Zeitraum von mehreren Jahren ne Menge frisierter Stories veröffentlicht – ist ja nicht möglich ohne denjenigen, der sich dauerhaft bescheißen – oder nennen wir es weihnachtlich milder: blenden – lässt. Meine Hypothese: ein Großteil der Leser fährt ab auf theatralisch überzeichnete Geschichten. Die Hedwig-Courths-Mahler-Saite in uns, die ständig in emotionale Schwingung versetzt werden muss. Wir möchten vom gemütlichen Sofa aus möglichst nah bei den Protagonisten sein, mitleiden, ergriffen seufzen, ein paar Tränen vergießen, bevor wir uns dann wieder mit profanen Sachen wie der Steuererklärung beschäftigen. Wer will es den unter immensem Umsatz- und Gewinndruck stehenden Medienhäusern verübeln, dass sie zielgerichtet unser Kitschbedürfnis bedienen? Wen juckt es, dass die Reportagen Rosamunde-Pilcher-mäßig aufgepeppt werden? Hauptsache, die Absatzzahlen stimmen. Hand aufs Herz: wer hat noch ne Tageszeitung oder gar ein politisches Magazin im Abo, wer überweist nen Euro für einen Online-Text? Wir sind mittlerweile alle darauf geeicht, unsere Informationen schnell und GRATIS (!!) aus dem Netz zu beziehen. Das Internet hat nicht nur unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne auf maximal hundert Wörter am Stück reduziert, sondern ebenfalls den Willen zur fairen Bezahlung journalistischer Leistung ausgehebelt. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dann werden wir uns spätestens 2030 nur noch via Facebook und Twitter bilden.</p>
<p><strong>Zwischenfazit</strong>: Wir sind durch die elektronischen Medien schlichtweg komplett versaut.</p>
<p>Unser Lamento erinnert deshalb an den Mann, der regelmäßig in den Puff geht, dort jedes Mal ungeschützten Geschlechtsverkehr fordert und ein paar Jahre später vor Gericht zieht, weil er sich bei einer der Huren mit AIDS infiziert hat. Kann man tun; trotzdem wird der Richter mit hoher Wahrscheinlichkeit ein gerüttelt Maß an Mitschuld beim Kläger erkennen.</p>
<h2>Geheuchelter Super-GAU</h2>
<p>Und dann dieses Wahrheitsgesabbel – was ist schon wahr? Wenn ich eine Spiegel-Reportage lese, weiß ich, dass ich Spiegel-Wahrheit erfahre, dieselbe Story in der Süddeutschen wird einen leicht abweichenden Tenor aufweisen und bei FAZ und WELT klingt es – obwohl der zugrundeliegende Sachverhalt derselbe ist – wieder völlig anders. Ich frage Sie: »Was ist schon wahr?« Sitze ich tatsächlich den halben Sonntag barfuß und im Bademantel vor der Tastatur, um diese Zeilen zu tippen? Trinke ich morgens lieber Kaffee oder doch Tee? Muss ich mich erst aufs Klo hocken, damit mir eine Kolumne einfällt? Es ist ein Einstieg in eine Geschichte. Nicht mehr und nicht weniger. Ähnlich wie syrische Kinder, die nachts von Kanzlerin Merkel träumen. Die Story mit der Frau, die als Hinrichtungstouristin durch die USA tingelt, gefällt mir außerordentlich gut. Auf so eine Idee muss man als Schreiber erstmal kommen. „Se non è vero, è ben trovato“, nennen die Italiener diese Erzähltechnik. Ob man als fantasiebegabter Autor nun in einem „der Wahrheit verpflichteten“ Nachrichtenmagazin gut aufgehoben ist, steht wieder auf einem anderen Blatt. Aber solange dort sämtliche Kontrollinstanzen versagen – warum nicht? Es ist also entweder grenzenlos naiv oder geheuchelt, jetzt plötzlich Ende Dezember 2018 vom Super-GAU des deutschen Journalismus zu faseln. Der Großteil der Redakteure arbeitet sorgfältig gemäß den Grundsätzen ordentlicher Recherche. Trickser gibt es in jeder Branche, wobei ich spekuliere, dass es sich bei Relotius nicht um das einzige schwarze Schaf auf der ansonsten blütenweißen deutschen Presseweide handelt.</p>
<h2>Schöne Weihnachten!</h2>
<p>Um nun zu Weihnachten zurückzukehren: Ich wünsche Relotius, dass er bei seiner Familie oder Freunden friedlich unterm Baum sitzt und nicht betrunken und selbstmordgefährdet auf einer Landungsbrücke am Hamburger Hafen von der Polizei aufgegriffen wird, Heiligabend in der Ausnüchterungszelle und die Feiertage in der Psychiatrie verbringen muss. Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Schlau wäre es, sobald der Shitstorm abflaut, das Metier zu wechseln und sich aufs Schreiben von Drehbüchern zu verlegen. Vielleicht fängt er mit seiner eigenen Geschichte an. Arbeitstitel: „Wie ich dem Spiegel jahrelang getürkte Stories unterjubelte und dafür sogar mit Preisen ausgezeichnet wurde“. Könnte – wie Kollege <a href="https://www.facebook.com/dein.boeser.anwalt/posts/2025900197524635?comment_id=2025914027523252&amp;notif_id=1545573752769553&amp;notif_t=feedback_reaction_generic">Ulf Kubanke heute in einem Post</a> meinte – durchaus ein <a href="https://www.amazon.de/Bekenntnisse-Hochstaplers-Felix-Krull-Memoiren/dp/3596294290/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1545571331&amp;sr=8-1&amp;keywords=felix+krull">Felix-Krull-Roman</a> 2.0 werden.</p>
<p>Und natürlich wünsche ich all unseren (Gratis-) Abonnenten besinnliche Tage, sammeln Sie sich und Ihre Kräfte, damit Sie unsere Kolumnen im Neuen Jahr wieder fröhlich kritisieren können. Nichts liegt uns Autoren mehr am Herzen als der Blutdruck unserer Kommentatoren.</p>
<p><strong>Fazit:</strong> die Causa Relotius ist ärgerlich; aber sie stellt beileibe nicht den einzigen Treiber für den stetigen Niedergang der Kultur des gedruckten Wortes dar.<br />
&#8230;</p>
<p>»Du musst den Text jetzt abgeben«, sagt sie.<br />
»Es ist 14 und nicht 21 Uhr!?«<br />
»Die Deadline wurde von einem anderen Teilnehmer nach vorne verlegt.«<br />
»Kann ich das ändern?«<br />
»Nein, dir fehlen dafür die notwendigen Administratorenrechte.«</p>
<p>PS. das vorhin versprochene Gedicht entfällt nun wegen zeitlichem Abgabedruck. Im Januar müssen wir uns redaktionsintern dringend darüber unterhalten, ob die Anschaffung einer cloudbasierten digitalen Assistentin wirklich eine gute Idee ist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/weihnachtskolumne/">Weihnachtskolumne</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kolumnisten und andere Taugenichtse</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/kolumnisten-und-andere-taugenichtse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Sep 2018 16:55:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Bei Hank im Wohnzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Anton Tschechow]]></category>
		<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Café]]></category>
		<category><![CDATA[Espresso]]></category>
		<category><![CDATA[Gedankenblitz]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnist]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber]]></category>
		<category><![CDATA[Taugenichts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kolumnenschreiben ist brotlose Kunst, weiß Kolumnist Henning Hirsch zu berichten</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/kolumnisten-und-andere-taugenichtse/">Kolumnisten und andere Taugenichtse</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>»Ihr Autoren führt doch ein superangenehmes Leben«, sagt sie und stochert auf der Terrasse eines Kölner Lokals mit schönem Rheinblick in einem Wurstsalat rum.<br />
»Wie meinst du das?«, frage ich.<br />
»Ihr hockt den ganzen Tag in Cafés, trinkt einen Espresso nach dem anderen, beobachtet die Leute und schreibt im Anschluss eine Kurzgeschichte darüber.«<br />
»Was soll daran verkehrt sein?«<br />
»Nix ist daran verkehrt. Aber so einfach wie du möchte ich mein Geld auch mal verdienen. Ich sitze vierzig Stunden in einem schlecht klimatisierten Großraumbüro, tippe mir dort die Finger wund, niemand interessiert sich für das, was ich tue, und am Ende vom Monat reicht der mickrige Scheck kaum für die Miete und eine Kühlschrankfüllung.«<br />
»Schreib halt selber was«, antworte ich.<br />
»Würde ich gerne tun, habe aber nicht so endlos viel Zeit wie du für sowas. In meinen Augen führst du das Leben eines Taugenichts, der den ganzen lieben langen Tag damit verplempert, auf den einen Einfall für ne zündende Story zu warten, die er dann abends aufs Papier schmiert. Sei dir ja von Herzen gegönnt. Aber seriöse Arbeit ist was anderes.« Sie schiebt den Salat von sich weg in die Tischmitte, und ich sehe, dass sie die Wurststreifen raussortiert und nur den Käse gegessen hat.</p>
<h2>Islam und Sachsen ziehen immer</h2>
<p>Schon mal vorab: <a href="https://texte-zur-sache.de/2020/08/02/ne-unterhosen-kolumne/">Würde ich mit dem Kolumnenschreiben reich werden</a>, hätte ich schon längst damit aufgehört, ein Haus im Trentino gekauft, wo ich im Sommer auf dem Gardasee windsurfe und im Winter in den Dolomiten Ski fahre. Stattdessen sitze ich in der Mittagspause auf einer Parkbank, studiere die Zeitung und zermartere mir das Hirn, welche Nachricht für eine Kolumne taugen könnte. Zur Auswahl stehen heute:</p>
<p><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Hässlichkeit als Programm – Der Erfolg des italienischen Innenministers liegt in seiner bodenlosen Gemeinheit<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Grüne: AfD vom Verfassungsschutz beobachten lassen<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> FDP lehnt Mietpreisbremse ab<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Patin ohne Patent – Sahra Wagenknecht und die neue Sammlungsbewegung Aufstehn<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Seehofer: Migration ist die Mutter aller politischen Probleme</p>
<p>Politische Themen – im Moment speziell Islam, Rechtspopulismus und Sachsen – kommen tendenziell immer gut. Die Klickzahlen sind erfreulich, die darunter stehenden Kommentare lassen zwar mitunter Zweifel an Geisteszustand und Seelenhygiene der Absender entstehen; aber was soll’s? Hauptsache, ne kontroverse Diskussion angestoßen. Beiträge übers Saufen, Buchrezis und Lyrik hingegen laufen eher schleppend. Was ja auch nicht großartig verwundert. Trinker sind den gesamten Tag mit der Beschaffung von Nachschub beschäftigt, haben deshalb weder Zeit noch den Kopf frei für schlaue Kolumnen, und der Rest der Bevölkerung verkraftet eh nur noch ultrakurze Texte mit maximal hundert Wörtern Länge, weshalb Literaturbesprechungen für diese Menschen völlig uninteressant sind. Und Lyrik ist sowieso nur was für romantische Spinner.</p>
<h2>Über alles wurde schon tausend Mal geschrieben</h2>
<p>Ich könnte ein paar Zeilen zu Chemnitz tippen Wie mir das selbst gebastelte Opferrollen-Mimimi der Besorgtbürger auf den Sack geht Aber dazu hatte ich vergangene Woche schon was geschrieben. Bloß keine Wiederholung. Auf jeden Fall nicht so eng getaktet. Wird ja nicht die letzte Fascho-Demo im Osten gewesen sein. Jetzt, wo AfD, Pegida, NPD ungeniert Seite an Seite marschieren – endlich zusammenwächst, was zusammengehört –, der Höcke in der Rolle als rachedürstender Klein-Siegfried mit Designerkrawatte vorneweg, und die betrunkenen Hools folgen. Das hat was von wagnerscher Dramatik und nibelungenscher Tragödie.</p>
<p>Seehofer und sein Alterswahn: Die Migranten. Keine Ahnung, welche Dämonen diesen Mann heimsuchen, dass er die armen Flüchtlinge für sämtliches Unheil, das in unserem Land geschieht, verantwortlich macht. Altersarmut, Wohnungsnot, verfehlte Klimaziele, Dieselabgas-Skandal – alles egal. Hauptsache, mal wieder die Ausländer gedisst und fünf Asylsuchende – streng gesetzeskonform gemäß der Dublin 3-Regeln – an der bayerischen Grenze abgewiesen und nach Österreich zurückgeschickt. Wie viele Leitartikel haben diese Phobie bereits seziert? Viele.</p>
<p>AfD vom Verfassungsschutz beobachten lassen: ebenfalls eine alte Kamelle, die periodisch wiederkehrend an die nicht-rechte Wählerschaft verteilt wird. Wie die Bonbons vom Kölner Karneval, die an Sankt Martin den Besitzer wechseln. Seehofer sieht, was nicht groß verwundert, keine Anhaltspunkte dafür, die Hellblauen observieren zu lassen. Die würden sich, falls es doch irgendwann gemacht würde, als Märtyrer aufführen, und am besten wäre es meiner Meinung nach sowieso, den Haufen komplett aufzulösen und Mitglieder und Sympathisanten dahin zurückzuverfrachten, wo sie hervorgekrochen sind: an die biergeschwängerten Platten der deutschen Stammtische. Da können sie sich dann in Kleingruppen über den in Kürze bevorstehenden Untergang des Abendlands die Köpfe heißreden, den Sturz des Systems herbeigrölen und sich für den kommenden Tag – sobald der Blutalkoholgehalt wieder unter die Zwei-Promille-Grenze fällt – zur konservativen Weltrevolution verabreden.</p>
<p>„Hässlichkeit als Programm“ gefällt mir; ein interessanter Artikel im Feuilleton der Süddeutschen. Das allmähliche Salonfähigwerden von Lüge und Gemeinheit. Die Masse applaudiert unverhohlen und bekundet lautstark ihre Sehnsucht nach Arschlochtum und dem schleunigen Überbordwerfen lästiger humaner Prinzipien. Sicherlich spannend, aber auch schon mehrere Dutzend Male durchdekliniert.</p>
<p>Wagenknechts und Lafontaines Aufstehn. Eine neue linke Bewegung, angeführt von zwei komplett humorbefreiten Galionsfiguren. Selbst wenn ich ein paar von deren Ansichten teilte – ich schlösse mich nie einer Gruppe an, bei der man zum Lachen in den Keller geschickt wird. Ein bisschen Spaß muss schon erlaubt sein. Über Griesgrame in der Politik werde ich heute hundertpro nichts schreiben.</p>
<p>Bliebe noch die FDP und die Mietpreisbremse. Aber dass die Liberalen, deren Mitglieder und Wähler in Vorortvillen, schicken Lofts oder an der Côte d’Azur leben, mit erschwinglichem Wohnraum für die weniger gut verdienende Bevölkerung nichts am Hut haben, überrascht nun auch nicht gerade. Für einen Meinungsbeitrag taugt das deshalb überhaupt nicht.</p>
<h2>In Zukunft mehr Porno</h2>
<p>Die Mittagspause ist vorüber, die Zeitung durchgelesen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich mit all diesen Themen keinen Pulitzerpreis gewinnen kann. Eigentlich brauche ich heute gar keine Kolumne zu tippen: mir fällt nichts Pfiffiges ein; unlustig und schläfrig bin ich zudem. Vielleicht kommt mir morgen ein Gedankenblitz. Ich könnte ja zur Abwechslung mal was Pornografisches schreiben, oder eine Sitzung mit meiner Psychologin wiedergeben. Wobei natürlich bei Porno und Psychologin eine Schnittmenge existiert. Oder ich schildere das Grauen, das mich packt, sobald ich einen Supermarkt betrete und dort mit meinen stark übergewichtigen, fresswütigen Landsleuten konfrontiert werde. Oder, oder, oder … auf jeden Fall alles spannender als die fünf oben aufgezählten Polit-Gähner. Ich werde ein, zwei Nächte drüber schlafen in der Hoffnung, dass ich mir was Erzählenswertes zusammenträume. Falls nein, dann sauge ich mir halt irgendwas aus den Fingern. Bloß was?</p>
<p>Sie sehen: 75% der Schaffenszeit verbringt der Kolumnist damit, darüber nachzudenken, was er überhaupt zu Papier bringen soll. Ein kontemplativer Vorgang, der auf Außenstehende wie meine hart arbeitende Kölner Bekannte den Eindruck fortgesetzten Nichtstuns erweckt. Das stimmt aber ganz und gar nicht.</p>
<p>Und damit jetzt keiner auf die Idee kommt, mich anzupumpen: Kolumnenschreiben ist eine komplett brotlose Kunst. Wir Schreiber ernähren uns einzig von der Aufmerksamkeit des Publikums. Und nun verlasse ich die Parkbank, denn es fängt an zu regnen … ENDE dieser Nicht-Kolumne</p>
<p>PS. <a href="http://www.deutsche-tschechow-gesellschaft.de/Anton-P.-Tschechow/Leben-und-Werk/Anton-Pawlowitsch-Tschechow-aus-dem-Leben-und-Werk-des-Schriftstellers">Tschechows</a> Novelle <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/geschichten-in-grau-3980/2"><em>Der Taugenichts</em></a> ist übrigens sehr unterhaltsam zu lesen</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/kolumnisten-und-andere-taugenichtse/">Kolumnisten und andere Taugenichtse</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Trolle sind auch nur Idioten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jul 2018 10:30:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Bei Hank im Wohnzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Cybermobbing]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
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		<category><![CDATA[soziales Netzwerk]]></category>
		<category><![CDATA[Troll]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wo ein Kolumnist ist, lassen Trolle nicht lange auf sich warten. Erscheinungsformen und Psychogramm einer digitalen Plage. Ein Erfahrungsbericht von Henning Hirsch</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/trolle-sind-auch-nur-idioten/">Trolle sind auch nur Idioten</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>»Trolle sind genauso übel wie Katzenbilder«, sagt Jupp, als wir uns zufällig mal wieder beim Einkaufen an der Käsetheke im Supermarkt über den Weg laufen. »Habe deshalb mein Konto in Facebook deaktiviert.«<br />
»So schlimm?«, frage ich.<br />
»Ja! Habe jetzt mehr Zeit für andere Dinge, und meine Nerven werden weniger strapaziert«, antwortet mein alter Schulkumpel und entscheidet sich für 250gr Brie.</p>
<p>Auf der Fahrt zurück nach Hause überlege ich, ob mich die Trolle tatsächlich stören. Also auf die Nüsse können sie einem hin und wieder tatsächlich gehen – aber deshalb gleich den Account löschen?</p>
<h2>Zur Etymologie eines alten Begriffs in neuem Gewand</h2>
<p>Der Troll entstammt der nordischen Sagenwelt und bezeichnet dort ein koboldartiges Wesen. Muss aber nicht unbedingt klein und unsichtbar sein. Gibt ebenfalls ungeschlachte Riesentrolle, die man zu jeder Tageszeit und aus der Ferne gut erkennt. Einige sind richtig hässlich, bei anderen würde eine minimalinvasive Schönheits-OP helfen. Manche verwandeln sich in Steine, der überwiegende Teil dieser Fabelwesen tut es jedoch nicht. Wenn man sie sich als Kreuzung zwischen dem Grinch, Shrek und Frankenstein vorstellt, ist man auf der sicheren Seite. Wissenschaftler würden das als (zu) laienhafte Beschreibung ansehen; aber die Wissenschaft vom Troll steckt eh noch in den Kinderschuhen.</p>
<p>Eng verwandt mit dem Hauptwort Troll ist das Verb trollen: umhergehen, rollen. Über den angelsächsischen Umweg „trolling with bait“, was „mit einem Schleppnetz fischen“ bedeutet, gelangte der Begriff Anfang der 90er in die digitale Welt. Ein Troll wirft einen (vergifteten) Köder aus und wartet ab, wie die anderen User darauf reagieren bzw. ob sie sich in seinem Netz verheddern. Eine vor dem Auftauchen des Störenfrieds in ruhigem Fahrwasser ablaufende Diskussion wird also mittels Provokation langsam aufgeheizt, bis sich die Teilnehmer in Unsachlichkeit und gegenseitigen Beschimpfungen verlieren. Ist der Thread ein paar Stunden später völlig entgleist, freut sich der Troll.</p>
<h2>Vier Typen</h2>
<p>Ich unterscheide grob vier Typen von digitalen Schwachköpfen:</p>
<p><strong>(1) Der gemeine mitteleuropäische Vor-/ Kleinstadttroll</strong><br />
Ihn trifft man häufig, wenn man in sozialen Foren unterwegs ist. Schmückt sich mit Namen wie Horsti, der blonde Korsar, Dortmunder Wachsbirne, Didi, die Wunderbiene oder Arbeitslosundglücklichdabei. In ständiger Alarmbereitschaft, attackiert sofort. Bringt selten Neues, drischt Uraltphrasen, zeigt große Schwierigkeiten bei der Einwandbehandlung. Vergleichbar einem Dämon der vierten Kategorie, wie man sie aus Ghost Busters kennt. Man erschrickt ein bisschen, wenn er plötzlich auftaucht, richtet dann sein verbales Gewehr auf ihn, sieht zu, wie er vor Wut zerplatzt und kann eine Wette drauf abschließen, dass gleich die nächste hässliche Fratze aus dem schier unerschöpflichen Facebook-Idioten-Tümpel hervorquillt. Besonderes Merkmal dieser Gruppe: Sie tun’s gerne gemeinsam oder: Ein Vorstadttroll kommt selten alleine. Durch digitale Präsenz soll eine Mehrheit suggeriert werden, wo im realen Leben gar keine Mehrheit ist. Lästig, aber nicht bedrohlich. Dafür fehlt ihnen schlichtweg die Intelligenz.</p>
<p><strong>(2) Der Joker</strong><br />
Achtung: ein Großmeister! Beherrscht die Kunst der gepflegten Provokation aus dem Effeff. Nicks wie Deep Throat oder Dirty Harry weisen darauf hin, dass Sie es gleich mit einem langjährig geübten Profiprovokateur zu tun bekommen. Bespielt die gesamte Klaviatur. Kennt von freundlich, schmeicheln, über witzig, sticheln bis hin zu falsche Fährten legen und desavouieren jeden Kniff. Hat eine feine Nase dafür, wen er aus der normalen Kommentatorenschaft herauslösen und ebenfalls gegen den Autor in Stellung bringen kann; bis sich der Thread irgendwann giftgrün verfärbt, jeder mit jedem streitet, ihn der Inhaber schließlich entnervt auf stumm schaltet. Arbeitet zumeist alleine. Ein Solist, der sich zwar hin und wieder der gemeinen Trolle bedient, sie aber wegen ihrer traurigen Dämlichkeit insgeheim verachtet. Da vom Joker durchaus neue Argumente vorgebracht werden, kann es mitunter lohnen, ihn an der Diskussion teilhaben zu lassen. Ein waches Auge muss man trotzdem IMMER auf ihn haben.</p>
<p><strong>(3) Der Cybermobber</strong><br />
Ihm geht es nicht ums Thema – er hasst den Verfasser aus ganzem Herzen. Sobald der Name des Autors irgendwo aufpoppt, sieht er automatisch Rot und zieht sofort verbal blank. Wird schnell beleidigend, was eigentlich vorteilhaft wäre, weil er in diesem Fall die Netiquette verletzt und umgehend aus einer gut moderierten Diskussion rausfliegt. Da aber die meisten Threads in Facebook lausig bis hin zu überhaupt nicht moderiert werden, muss man als 08/15-Kommentator eben auch mit solch schlecht erzogenen Zeitgenossen klarkommen. Bzw. ihnen ein fröhliches „Selbst Caligula zeigte mit seinem Pferd bessere Manieren als Sie hier“ zurufen, bevor man sich aus dem Thread ausklinkt. Cybermobber sind digitale Pitbulls und bilden die unterste Kaste innerhalb der Trollfamilie.</p>
<p><strong>(4) Der organisierte Fake-News-Verbreiter</strong><br />
Kann von einem rechten Netzwerk aus agieren oder in einer Desinformationsabteilung des FSB tätig sein. Operieren häufig mit auf den ersten Blick normal anmutenden Namen. Wer kommt schon gleich darauf, dass sich hinter der 43jährigen Emma Schneidbereit, Tierschützerin aus Tübingen, die Germanistikstudentin Larissa Golubew aus St. Petersburg verbirgt, die in den Sommerferien für den russischen Propagandakanal jobbt? Nicht jeder Nazi tut uns den Gefallen und kreuzt mit Pseudonymen wie Thor_der_Zerstörer oder Wotanforever durch die Online-Welt. Normalerweise erkennt man sie nach einigen Minuten jedoch an ihrer kruden Beweisführung oder den Versuchen, die Diskussion vom Ausgangsthema weg auf anderes Terrain zu führen. Sollte man unsicher sein, lohnt ein Blick in die Profile. Spätestens nach dem dritten dort verlinkten AfD-Video weiß man Bescheid, welchem Typ Kommentator man hier gegenübersteht.</p>
<p>Alle vier Untergruppen kennen den Filibuster und wenden diese – aus dem alten Rom über den US-Senat in die Moderne hinübergerettete – Technik der Ermüdungsrede obsessiv an. So lange posten, bis der Gegner entkräftet über der Tastatur zusammenbricht. Habe Trolle erlebt, die luden ihre Reaktion auf meine Antwort schon hoch, bevor ich meine Antwort zu Ende getippt hatte. Als ob sie meine Gedanken lesen könnten. Oft sind es zwar Paste-&amp; Copy-Phrasen, die sie einstellen – was die Schnelligkeit erklärt – trotzdem mitunter beängstigend, wie hartnäckig sie am Ball bzw. am verbalen Kontrahenten dranbleiben. Hyänen und Kojoten sind im Vergleich nette Lebewesen.</p>
<p>Trolle hängen gerne Verschwörungstheorien an: BRD GmbH, Chemtrails, Reptiloide, Osama bin Laden lebt und wohnt im Keller des Kanzleramts, Siri bereitet die Apokalypse vor. Beliebt sind ebenfalls: Wir werden alle seit Jahrzehnten durch unsere Regierung (besonders von der Merkel-Administration) und die von ihr gelenkte Presse belogen sowie: Die Flüchtlingsströme sind gesteuert und dienen einzig dem Zweck, die europäische Kultur aufzulösen und eine globale Einheitsrasse zu schaffen … Aber: es gibt auch völlig unpolitische Cyberwichte.</p>
<h2>Wer verbirgt sich hinter dem Pseudonym?</h2>
<p>Während ich lange Zeit annahm, ein Troll sei ein untersetzter, leicht reizbarer, männlicher, ü50-jähriger, schlecht rasierter, bereits zum Frühstück Bier trinkender, im Unterhemd vor dem PC sitzender ALG2-Bezieher, der seine Wut über die Ungerechtigkeit der Welt mit stündlich zunehmender Übellaunigkeit in die Tasten hämmert, geriet dieses Bild vor einigen Jahren ins Wanken, als ich in einer Impfdiskussion einem Cyberkobold namens BorisdieFönwelle begegnete, der im Verlauf der Debatte sämtliche Register der Falschinformation und Ad-Hominem-Argumentation zog, bis wir uns nach zwei Stunden erschöpft auf die Schlussformel „We agree to disagree“ einigten. Bass erstaunt war ich, als er mir einige Tage später via Messenger mitteilte, dass er bzw. sie im realen Leben Maria X. heiße, 40 Jahre alt &amp; glücklich verheiratete Mutter mit zwei Kindern sei, als Teilzeit-Fotomodell arbeite und bereits seit geraumer Zeit mit mir in Facebook befreundet ist.<br />
„Warum tust du das?“, fragte ich.<br />
„Weil es mir ab und an Spaß macht, unter falschem Namen rumzutrollen. Das Thema ist dabei völlig egal. Hauptsache, den Thread aufmischen“, schrieb sie zurück.</p>
<p>Meine Annahme, elektronische Schwachköpfe seien vor allem frustrierte XY-chromosomige Hartz4er, war somit offensichtlich falsch gewesen. Hinter Fantasienamen wie BorisdieFönwelle können sich durchaus attraktive Frauen verbergen. Vielleicht kenne ich einige meiner Lieblingstrolle sogar persönlich aus Schule, Studium, Berufsleben oder wohne mit ihnen in derselben Straße? Wer weiß das schon so genau im Internetzeitalter?</p>
<p>Vor meinem geistigen Auge entstehen Schulungsmaßnahmen und Seminarangebote: „In zwölf Stunden vom Durchschnittsuser zum Powertroll. Wie Sie es garantiert schaffen, binnen weniger Minuten jede seriöse Unterhaltung zu sprengen.“</p>
<p>Großraumbüros, in denen 400-Euro-Trolle dicht an dicht gedrängt fertige Textbausteine mit Falschnachrichten in den digitalen Äther versenden. Bezahlte Pöbeleien im Akkord.</p>
<p>Zu weit hergeholt, meine Fantasie ginge mal wieder mit mir durch, meinen Sie?<br />
Sie nutzen Facebook nicht, antworte ich.</p>
<h2>Was treibt den Troll an?</h2>
<p>Mit der Psyche des Trolls beschäftigte sich im Jahre 2014 eine <a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/troll-studie-sadistisch-narzisstische-netzpsychopathen-12830790.html">kanadische Studie</a>, in der Wissenschaftler der Universität Manitoba 1200 Personen zu ihrem Verhalten im Internet befragten.</p>
<p>Heraus kam – wenig verwunderlich –, dass der Großteil der Trolle ohne erkennbares Ziel trollt. Also primär das Trollen selbst als befriedigende Aktivität im Vordergrund steht. Was dem einen sein realer Orgasmus, ist dem Zweiten der abendliche Joint und dem Dritten das nächtliche Online-Pöbeln.</p>
<p>Die Studie fasst das Wesen des gemeinen Vorstadt-Trolls wie folgt zusammen:<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Wird von Gefühlskälte, Selbstgerechtigkeit und Egoismus getrieben<br />
<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/25aa.png" alt="▪" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Ist in seiner dunklen Triade gefangen: Machiavellismus – also die Eigenschaft, persönliche Machtinteressen über die des Gemeinwohls zu stellen –, Psychopathie und Narzissmus<br />
-&gt; Sadisten trollen, weil sie es genießen.</p>
<p>Ob Trolle beim Pöbeln gleichzeitig onanieren, wurde bedauerlicherweise nicht in Erfahrung gebracht.</p>
<h2>Sinnvolle Gegenmaßnahmen</h2>
<p>»Oh mein Gott, so viele Trolle unterwegs. Wie kann man sich gegen die schützen?«, wollen Sie nun von mir wissen.</p>
<p>Es gilt nach wie vor die <a href="https://www.klimafakten.de/meldung/ratgeber-konstruktiv-auf-internet-trolle-reagieren">einfache Regel</a>: „Don’t feed him!“ Was nichts anderes bedeutet als: so lange ignorieren, bis es ihm langweilig wird, und er ein Profil weiterzieht. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn sich ALLE Diskussionsteilnehmer daran halten. Schert einer aus und reagiert auf den Provokateur, hat der ein Einfallstor gefunden und versprüht nun munter seine Halbwahrheiten im Thread.</p>
<p>Man kann ihn blockieren. Was erfahrungsgemäß nur kurzzeitig nützt. Denn der verstoßene Blonde Korsar kehrt ein paar Stunden später als Horsti zurück und wütet schlimmer als zuvor. Merke: Trolle besitzen immer mehrere Accounts. Hin und wieder spielen sie sogar Ping Pong mit ihren Scheinidentitäten und antworten sich selbst.</p>
<p>Sich kurzfassen: „Danke für Ihren Hinweis. Hat aber nichts mit dem Ausgangsthema zu tun“. Manchmal klappt das. Eine Garantie, dass der Troll den dezenten Wink versteht und sich vom Acker macht, gibt’s allerdings nicht.</p>
<p>Selber die infizierte Unterhaltung verlassen. Schont zwar die Nerven; man überlässt das Spielfeld in diesem Fall allerdings dem Störenfried.</p>
<p>Aaron Huertas zieht in seinem Aufsatz <a href="http://sciencecommunicationmedia.com/constructively-dealing-with-trolls-in-science-communication/">Constructively dealing with trolls in science communication</a> folgende Analogie:</p>
<blockquote><p>Mit einem Troll zu argumentieren, ist wie ein Ringkampf mit einem Schwein. Beide werden dreckig und dem Schwein macht es Spaß.</p></blockquote>
<p>Dem ist nichts hinzuzufügen.</p>
<p>Einen Sonderfall stellen Diskussionen in Fußballforen dar, in denen es zum guten Ton gehört, sich gegenseitig zu beschimpfen, sobald man feststellt, dass der Gegenüber Bielefelder und kein Kölner oder Dortmunder und kein Bayer ist. Ich lese mir die Kommis an den Spieltagen gerne durch. Sie sind ein ewiger Quell für kreative Beleidigungen, die ich so noch nie gehört habe. Kann man als Autor ne Menge Inspirationen für die Dialoge seiner Romanfiguren drin aufspüren.</p>
<h2>Fazit oder: Wo ein Kolumnist ist, bleibt der Troll nicht lange fern</h2>
<p>Der Troll ist ein digitales Phänomen und hat sich binnen weniger Jahre sowohl zu einer Massenplage als auch zu einem Geschäftsmodell entwickelt. Je mehr die „seriöse“ Politik auf Fake News setzt, desto ungenierter argumentieren die Cyberkobolde. Manche sind von der Richtigkeit ihres Schwachsinns überzeugt, andere tun es aus der bloßen Lust am Provozieren heraus.</p>
<p>Von daher bleiben unterm Strich nur zwei Strategien, ihnen zu begegnen. Man:<br />
(1) wählt – <a href="https://texte-zur-sache.de/2019/09/07/die-halluzinierte-meinungsdiktatur/">wie mein Kumpel Jupp</a> – die Exit-Option. Verlässt also die digitale Kampfarena<br />
oder<br />
(2) akzeptiert, dass Trolle unabänderlich zum Internet dazugehören wie Schmeißfliegen zu einem frischen Haufen Kuhscheiße. Ignoriert sie, hält argumentativ dagegen, trollt mit ihnen ein paar Minuten rum, beschimpft sie oder tut was anderes, wonach einem gerade der Sinn steht, sobald einem mal wieder einer dieser digitalen Psychopathen über den Weg läuft.</p>
<p>Am wichtigsten von allen ist jedoch diese Eigenschaft: die Provokation nicht allzu Ernst nehmen. Denn: Ein Troll ist letztlich auch nur ein Idiot. Und mit dem würden Sie im realen Leben keine drei Sätze wechseln. Weshalb es also in Facebook tun?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/trolle-sind-auch-nur-idioten/">Trolle sind auch nur Idioten</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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