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	<title>Kommerz-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Kommerz-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>China goes Deutsch-Südwest</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Jun 2017 08:24:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine chinesische Jugendnationalmannschaft in der deutschen Regionalliga Südwest? Keine Fake News, kein Aprilscherz, sondern offenbar ein weitgehend ausverhandelter Plan. Zwar soll einiges an Geld aus dem Reich der Mitte in den hiesigen Fußball fließen. Dennoch regt sich Widerstand. Und das ist auch gut so!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/sport/china-goes-deutsch-suedwest/">China goes Deutsch-Südwest</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Regionalliga kommt von Region. Und in der Regionalliga Südwest spielten bisher auch Teams aus der Region. Mannschaften mit klangvollen Namen &#8211; wie beispielsweise Kickers Offenbach, der SV Waldhof Mannheim (SVW) oder der 1. FC Saarbrücken &#8211; ebenso wie solche, bei denen die Provinz bereits im Namen steckt. So wie beim FC-Astoria Walldorf, dem TSV Steinbach oder dem SV Elversberg. In den Reigen dieser Vereine soll sich künftig auch die U 20-Nationalmannschaft aus der Volksrepublik China einreihen. So zumindest stand es im &#8222;Kicker&#8220; sowie in mehreren, an sich seriösen Tageszeitungen &#8211; und nicht in der &#8222;Titanic&#8220; oder im &#8222;Postillion&#8220;.</p>
<p>Ein chinesisches Team in der deutschen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Regionalliga_S%C3%BCdwest_2017/18">Regionalliga Südwest</a>, zwar außer Konkurrenz antretend, aber irgendwie doch in den Spielplan integriert? Wenn man da nicht im Erdkundeunterricht etwas komplett falsch verstanden hat oder China künftig Deutsch-Südwest heißen sollte, dann muss die Kommerzialisierung des Sports bereits so weit fortgeschritten sein, dass selbst die Gesetze der Geographie keine Bedeutung mehr zu haben scheinen. In den Reihen des Deutschen Fußball Bundes (DFB), so dünkt es, hat manch einer das Maß für das vernünftig Machbare und den letzten Hauch von Respekt vor Fans und Traditionen fahren lassen.</p>
<h2>Jedes Team soll 15.000 Euro erhalten</h2>
<p>Natürlich kann man die Geschäftsführer der oft klammen Regionalligaklubs verstehen, wenn sie einwilligen, für 15.000 Euro Prämie zwei Spiele pro Saison gegen eine Elf aus Asien auszutragen. Und es entbehrt nicht einer gewissen Logik, wenn die Verantwortlichen darauf hinweisen, dass bei einer Liga mit 19 Teams jede Woche eine Mannschaft spielfrei hat. Diese freien Tage würden sich optimal anbieten, um mit den Partien gegen die Chinesen die Kassen aufzubessern und zugleich fußballerische Entwicklungshilfe zu leisten.</p>
<p>Dennoch tun sich Fragen auf. Aufgrund eines nicht ganz unkomplizierten Modus stiegen in diesem Jahr insgesamt sechs Teams aus der Regionalliga Südwest ab. Die Regularien genau zu erläutern, dürfte beinahe genauso viel Zeit in Anspruch nehmen wie eine Einführung in die Quantenphysik. Holzschnittartig lässt sich aber sagen: Die Zahl der Teams in der Liga hängt von der genauen Zahl der Absteiger aus der höherrangigen Dritten Liga und den Resultaten der Aufstiegsspiele gegen die besten Teams der anderen Regionalligen ab.</p>
<p>Besonders hart traf es aktuell den <a href="http://www.sport1.de/fussball/regionalliga/2017/06/fk-pirmasens-darf-nicht-in-der-regionalliga-suedwest-antreten">FK Pirmasens</a>, der die Spielrunde immerhin als vierzehntes von insgesamt 19 Teams abgeschlossen hatte. Eine Platzierung, bei der man normalerweise mit nichts mit einem Abstieg zu tun hat. Da dieses Mal aber zwei Südwestteams aus der Dritten Liga absteigen mussten und keine Mannschaft den Aufstieg gepackt hat, hieß es für die Pirmasenser: Dumm gelaufen!</p>
<h2>Waldhof Mannheim kündigt Boykott an</h2>
<p>Nun ist man in Pirmasens ob der bevorstehenden Regionalligaspiele gegen die chinesische Mannschaft alles andere als amüsiert. <a href="https://www.11freunde.de/interview/warum-sich-der-fk-pirmasens-vom-dfb-verschaukelt-fuehlt">FKP-Präsident Karsten Volberg </a>hielt die Idee, wie er der Fachzeitschrift &#8222;11Freunde&#8220; sagte, zunächst sogar für einen Scherz. Dazu muss man wissen: Die Südwestpfälzer hatten einen Antrag gestellt, die Regionalliga auf 20 Vereine aufzustocken. Dieser wurde jedoch von der Gesellschafterversammlung der Regionalliga abgelehnt. Nun sollen offenbar Chinesen die Lücke an den spielfreien Wochen füllen.</p>
<p>Es sind aber nicht nur die direkt betroffenen Pirmasenser, die den Stachel gegen das China-Abenteuer löcken. Kritik kommt auch vom Regionalliga-Team aus Mannheim. <a href="https://www.facebook.com/sv.waldhof.mannheim/?ref=nf&amp;hc_ref=NEWSFEED">Auf seiner Facebook-Seite</a> teilte der frühere Bundesligist mit: &#8222;Waldhof Mannheim hat einer Teilnahme an den beiden Partien gegen die Asiaten nicht zugestimmt und wird nach interner Absprache auch an keinem Spiel teilnehmen.&#8220; SVW-Geschäftsführer Markus Kompp erklärte gegenüber Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass sein Klub lieber ein Freundschaftsspiel gegen Pirmasens austragen wolle.</p>
<h2>Essener machen sich über DFB lustig</h2>
<p>Noch heftiger fielen die Reaktionen aus den Reihen von Rot-Weiß Essen (RWE) aus, obwohl dieser Klub aus der Regionalliga West nicht einmal direkt von den China-Plänen betroffen ist. Auf <a href="https://www.facebook.com/Rot.Weiss.Essen1907/">ihrer Facebook-Seite wiederum veröffentlichten die Essener </a>eine Art offenen Brief an den DFB. Darin heißt es: &#8222;Hiermit würden wir uns gerne schon für die Bundesligasaison 2018/2019 anmelden &#8211; wenn es sein muss auch außer Konkurrenz. Wir würden dafür in der nächsten Saison unter der Woche auch jeden Mittwoch gegen die chinesische Altherren-Nationalmannschaft antreten. Alternativ könnten wir uns für die neue Spielzeit auch eine 40er Liga mit verschiedenen Nationen aus aller Welt vorstellen. Aufgrund der Auswärtsspiele gerne mit Teilnehmern aus der Karibikregion<span class="text_exposed_show">.&#8220;</span></p>
<p><span class="text_exposed_show"> <a href="http://sportbild.bild.de/fussball/2017/fussball/rwe-boss-welling-interview-china-u20-dfb-plaene-regionalliga-52293920.sport.html">Vereinspräsident Michael Wellig legte gegenüber &#8222;Sportbild&#8220; nach</a>: &#8222;In der Regionalliga gibt es dringendere Probleme als die Ausbildung chinesischer Jungnationalspieler. Wir haben das Gefühl, dass der DFB nicht mehr erkennt, wo die Grenze der Kommerzialisierung liegt.&#8220; Weiter merkte er an: &#8222;Wollen wir für 30.000 Euro wirklich die Seele des Fußballs verkaufen? Ich nicht!&#8220;. Vor dem Hintergrund einer verweigerten Lizenz für Westfalia Rhynern lästerte der RWE-Boss: &#8222;Macht den Platz doch für die Inder frei.&#8220; </span></p>
<h2>Fundamente des Fußballs in Gefahr</h2>
<p>Natürlich hatte der römische Kaiser Vespasian recht, als er für die Nutzung öffentlicher Kloaken Geld verlangte und dies lakonisch mit &#8222;Pecunian non olet &#8211; Geld stinkt nicht&#8220; kommentierte. Und ich wäre der Letzte, der in Frage stellen würde, dass der Anreiz, eine Rendite zu erwirtschaften, der Motor von Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand ist und dies auch künftig bleiben muss. Aber beim Sport gelten nicht ausschließlich die Gesetze des Marktes. Emotionen, Leidenschaft und Fankultur sind mindestens genauso wichtig. Sie haben dafür gesorgt, dass Fußball nicht nur hierzulande zur größten aller Sportarten überhaupt geworden ist, die Millionen von Menschen auf dem Globus bewegt und fasziniert. Dieser Status scheint derzeit akut in Gefahr zu raten. Und das wäre eine Gefahr für das große Ganze.</p>
<p>Dinge, die man auf einem Markt erwerben kann, kauft man ja in der Regel nicht, weil man Anhänger eines Herstellers ist oder eine Firma glühend verehrt, sondern weil ein Produkt entweder gut oder günstig ist. Oder am besten beides zusammen. Werden Fußballligen künftig zu einem großen kommerziellen Markt, dann dürfte sich das Fanverhalten ändern. Aus Anhängern, die mit ihrer Mannschaft durch dick und dünn gehen, werden Kunden, die nur kommen, wenn die Erfolge stimmen und die Sonne scheint.</p>
<p>Schon beim <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/06/01/das-ist-nicht-amerika/">DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt </a>hat der DFB angedeutet, dass er momentan dabei ist, zu überdrehen und aus dem Volkssport Fußball kommerzlastiges Entertainment ähnlich dem US-Sport zu machen. Inzwischen scheint er noch weiter gehen zu wollen. Voller Bange muss man sich als Fan fragen: Welcher absurde Plan soll als nächstes kommen? Eine Verkleinerung der Bundesliga auf 17 Teams oder eine Vergrößerung auf 19 Mannschafen, damit an den freien Wochenenden lukrative Partien gegen Klubs aus Ostasien oder den zahlungskräftigen Golf-Staaten ausgetragen werden können. Vielleicht könnte man ja auch Spiele im Internet meistbietend versteigern, etwa an milliardenschwere Unternehmen wie den Mobiltelefonhersteller mit dem Apfel oder einen koreanischen Automobilbauer. Die hätten schon Geld, nicht nur um viel Lizenzgebühren an den DFB zu zahlen, sondern auch, um sich schöne Teams mit großartigen Kickern aus aller Welt zusammenzukaufen. Sozusagen irgendwelche Harlem Globetrotters des Fußballs. Das Ganze würde zwar die Kassen klingeln lassen, dürfte aber mitunter so schal und so wenig fesselnd sein wie ein Kick der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft gegen eine gemischte Auswahl von Obergiesing und Untergiesing.</p>
<h2>Spiele im Internet versteigern?</h2>
<p>Auf dem nordamerikanischen Kontinent mag man an solchen Kommerzsport gewöhnt sein und sich nicht an inhaltsloser Show stören. In Europa indes dürfte dies kein Erfolgsrezept werden. Der SV Waldhof Mannheim hat daher mit seiner Ankündigung, die Spiele gegen die chinesische U20-Mannschaft zu boykottieren ein richtiges und wichtiges Signal gesetzt. Mehr Vereine sollten sich dem anschließen. Auch die Fans können ihr Urteil fällen und mit ihren Füßen mit gegen die China-Pläne der DFB-Verantwortlichen abstimmen. Sie müssen, wenn die Partien anstehen, einfach nur zu Hause bleiben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/sport/china-goes-deutsch-suedwest/">China goes Deutsch-Südwest</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Das ist nicht Amerika</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jun 2017 05:30:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<category><![CDATA[Helene Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Kommerz]]></category>
		<category><![CDATA[Pokalfinale]]></category>
		<category><![CDATA[Super Bowl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Auftritt von Helene Fischer beim DFB-Pokalfinale ging am vergangenen Samstag in einem Pfeifkonzert unter. Den Fans aus Dortmund und Frankfurt ging es aber weniger um die Sängerin selbst als um die zunehmende Eventisierung des Sports. Man mag die Pfiffe für unangemessen halten, der Deutsche Fußball Bund sollte die Kritik dennoch ernst nehmen. Denn eine Eventkultur wie in den USA ist nicht 1:1 auf Europa übertragbar. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/sport/das-ist-nicht-amerika/">Das ist nicht Amerika</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>1994 war ich das erste Mal in Kanada. Neben unzähligen positiven Erinnerungen blieb auch ein Ereignis negativ an mir haften: Der Besuch eines Baseball-Spiels. Nicht dass mich dieser Sport irgendwie interessiert hätte, der Ausflug ins Stadion stand nun einmal im Programm meiner damaligen Sprachschule. Man sollte einen Einblick in Land, Gesellschaft und wohl auch in die sportlichen Gepflogenheiten erhalten. Das eigentlich Spannende &#8211; oder sagen wir: Bedrückende &#8211; war: Auch viele Einheimische zeigten ein kaum stärkeres Interesse am Spielgeschehen als ich. Dabei hätten sich die Kanadier doch sehr viel mehr für den Sport und ihre <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Montreal_Expos">Montreal Expos</a> begeistern müssen als ein Gast aus Mitteleuropa. Man unterhielt sich, ging ständig in den für damalige Verhältnisse üppig aufgestellten Gastronomiebereich oder suchte sonst irgendwie Zerstreuung. Die Partie indes wurde immer wieder unterbrochen für Showeinlagen, Tanzvorführungen und &#8211; last but not least &#8211; Werbejingles. Die Atmosphäre erinnerte mehr an einen sonntäglichen Ausflug in den Stadtpark als an die Stimmung in einem x-beliebigen Stadion der Fußball-Bundesliga.</p>
<h2>Stimmung wie beim Sonntagsausflug</h2>
<p>Der Eindruck, dass der sportliche Wettkampf in Nordamerika Beilagecharakter hat, verstärkt sich dadurch, dass die Bedeutung eines Vorrundenmatchs in der Tat begrenzt ist. Die besten Teams ihrer Gruppe ziehen anschließend in eine Zwischenrunde ein, bevor es später in den Play-Offs wirklich ernst wird. Einen Abstieg, wie er im europäischen Sport gang und gäbe ist, kennt die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Major_League_Baseball">nordamerikanische Baseball-Liga </a>nicht. Dafür kann es sein, dass ein Team in eine andere Stadt umgesiedelt wird, falls der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt. Genauso erging es den Montreal Expos. Die Liga gab 2004 bekannt, das Franchise aus dem wenig profitablen kanadischen Markt in die US-amerikanische Hauptstadt Washington zu verlegen, wo zuvor mehr als 30 Jahren lang kein Profi-Baseball mehr gespielt wurde.</p>
<p>Mit der Gewissheit, dass ein derart vom Businessgedanken durchorchestrierter Sport nicht mit den europäischen Gepflogenheiten kompatibel ist, kehrte ich in meine hessische Heimat zurück, um mich Samstag für Samstag an den Partien der Frankfurter Eintracht, zugigen Stehplätzen, alkoholfreiem Bier und Laugenbrezeln zu erfreuen. Der Komfort mag im Frankfurter Waldstadion, wie es damals noch hieß, kleiner geschrieben worden sein als im überdachten Olympiastadion von Montreal, die Stimmung und der sportliche Nährwert waren dagegen um Dimensionen besser.</p>
<h2>Europa hat andere Fankultur als USA</h2>
<p>Nun sind seit meinem Montreal-Erlebnis über 20 Jahre vergangen. Sportpuristen mussten inzwischen hinnehmen, dass es Franchises nicht bloß in den nordamerikanischen Ligen gibt. Mit <a href="https://texte-zur-sache.de/2016/08/15/ich-wuerde-nie-zu-rb-leipzig-gehen/">RB Leipzig </a>ist ein ganz ähnliches Konstrukt in der obersten deutschen Fußballspielklasse angekommen. Und während einst ruhmreiche Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder der Nürnberger Club sich immer schwerer tun, überhaupt am Leben zu bleiben, mischt neben den Leipzigern auch der von einem Mäzen gepäppelte &#8222;Dorfklub&#8220; FC Hoffenheim die Liga auf. Die im Orbit von Großkonzernen wie Bayer und Volkswagen aktiven &#8222;Werksteams&#8220; aus Leverkusen und Wolfsburg haben sich zwar dieses Jahr eine Erfolgspause gegönnt. Sie sind finanziell dennoch derart im Vorteil, dass sie nächstes Jahr wieder Traditionsvereine wie den 1. FC Köln oder Werder Bremen übertrumpfen könnten.</p>
<p>Der Deutsche Fußball Bund (DFB) selbst ist in Sachen Kommerzialisierung längst schon weiter als die Bundesliga. Dem Nationalteam wurde der international vermarktbare Name &#8222;Die Mannschaft&#8220; verpasst und bei Länderspielen ähneln Show- und Rahmenprogramm immer mehr den Gepflogenheiten, die man aus Übersee kennt. Eine Helene Fischer in der Halbzeitpause eines Freundschaftsspiels des DFB-Teams wäre keineswegs ungewöhnlich gewesen. Vielleicht hätte es dem Event- und Familienpublikum des DFB sogar gefallen. Die Schlagerdiva aber ausgerechnet beim Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt, zwei ausgeprägten Traditionsteams mit entsprechendem Selbstverständnis, singen zu lassen, war dagegen keine kluge Idee. Jeder, der sich in die Stimmung beider Fanlager hineinversetzt hätte, hätte das Pfeifkonzert vorhersehen können. Eine Amerikanisierung und Eventisierung des Fußballs ist Westfalen wie Hessen ein rotes Tuch. Bei einem Endspiel zwischen Leipzig und Hoffenheim wäre die Sache wohl anders gelaufen. Sogar YouTuberin <a href="http://meedia.de/2017/05/05/meist-gehasst-und-viel-gesehen-youtube-star-bibi-singt-und-spaltet-mit-217-sekunden-das-netz/">&#8222;Bibi&#8220; </a>hätte da eventuell Applaus bekommen.</p>
<h2>Furcht vor Kommerzialisierung</h2>
<p>Nicht ohne Berechtigung meinen manche, dass man Madame Fischer nicht derart hätte auspfeiffen dürfen. Eine Abstimmung mit den Füßen, hin zum Bierstand oder zum Urinal, hätte es auch getan. Wäre ich im Stadion gewesen, dann hätte ich es auch so gehalten. Nur bin ich gewiss kein Fan der Schlagerfrau, bei den Dire Straits, Oasis oder auch Ed Sheeran wäre ich schon im Stadion geblieben und hätte mir deren Show angesehen. Dann allerdings hätte ich Nahrungsaufnahme und Harnentleerung notfalls in die reguläre Spielzeit verschieben müssen. Im Gegensatz zu den amerikanischen Fans haben hiesige Sportenthusiasten aber ein echtes Interesse an dem, was da auf dem Platz passiert. Darauf wollen und können sie schwer verzichten. Showeinlagen sollten Nebensache sein und kein Event &#8211; wie etwa beim Super Bowl in den USA.</p>
<p>Und mit Verlaub: Zehn bis 15 Minuten Musik in der Halbzeitpause, was soll so ein Appetizer bringen? Im originären Interesse der Fans ist das nicht, ansonsten fände so etwas in längerer Form vor oder nach dem Spiel statt. Nicht nur die Ultras aus den Fankurven von Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt dürften da vermuten, dass es zuallererst um die wirtschaftlichen Interessen des Veranstalters geht. Und sie dürften die Nachtigall trapsen hören, dass Sportveranstaltungen künftig &#8211; eben wie in den USA &#8211; häufiger unterbrochen werden, eben für Werbung und dieser förderlicher Showeinlagen.</p>
<h2>Wer in die Küche geht, muss die Hitze vertragen</h2>
<p>Nun bin ich beileibe nicht derjenige, der von vorneherein alles verteufelt, was da aus Nordamerika herüber kommt. Beispielsweise sehe ich mir gerne Hollywoodstreifen im Kino an. Sie sind meist besser und oft auch intelligenter gemacht als alles, was hierzulande so zusammenproduziert wird. Ab und an trinke ich auch im Ketten-Coffeeshop einen Espresso. Der schmeckt nicht schlecht und es gibt stabil funktionierendes WLAN. Ich habe noch nicht mal Lust, als Zweihunderttausendster täglich, den gegenwärtigen US-Präsidenten öffentlich zu bashen. Das machen genug andere und bei vielen fehlt mir inzwischen einfach die Originalität.</p>
<p>Europa hat aber definitiv eine andere Fankultur als die USA oder Kanada. Oder um es mit David Bowie zu sagen: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=cUliUWMrMZA">&#8222;This is not America&#8220; (deutsch: &#8222;Das ist nicht Amerika&#8220;). </a>Deshalb halte ich es ebenso für legal wie für legitim, dass Zuschauer eine Sängerin auspfeifen, weil sie ein Zeichen gegen eine &#8211; wenn auch vielleicht nur vermutete &#8211; Eventisierung des Sports setzen wollen. Auch das ist Meinungsfreiheit und die gehört zu einer Demokratie nun einmal essentiell dazu. Für den DFB wie für Helene Fischer gilt dagegen: Wer in die Küche geht, der muss die Hitze vertragen können. Und wer mit Show ins Stadion geht, die Reaktionen der Fans. Die Anhänger aus Dortmund und Frankfurt hinterher zu diffamieren, war dagegen das Falscheste was Verbandspräsident Grindel tun konnte. Die &#8222;Der-Fußball-das-sind-wir-Attitüde&#8220; dürfte sich der DFB spätestens seit den <a href="https://texte-zur-sache.de/2015/11/09/gomorrha/">Skandalen um die WM 2006 </a>eigentlich nicht mehr leisten können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/sport/das-ist-nicht-amerika/">Das ist nicht Amerika</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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		<title>Good Will kicking</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Oct 2016 05:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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		<category><![CDATA[RB Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Wigan Athletic]]></category>
		<category><![CDATA[Will Grigg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Beim Länderspiel in Hannover feiern Fans beider Lager den abwesenden Nordiren Will Grigg. Einen Zweitligakicker, der lieber bei seiner Familie sein will, als im Pflichtspiel gegen den Weltmeister auf dem Platz zu stehen. Gerade weil Grigg nicht alles dem Profitum unterordnet, tut er dem immer mehr vom Kommerz beherrschten Sport gut. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/sport/good-will-kicking/">Good Will kicking</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich hatte ich mir von dem Spiel zwischen der DFB-Elf und der nordirischen Nationalelf nichts erwartet. Zu groß ist das Potenzial der Deutschen. Und da die Nordiren nicht bekannt dafür sind, gegen übermächtige Gegner den offenen Schlagabtausch zu suchen, war auch kein Schützenfest zu erwarten. In der Defensive sind die Jungs von der grünen Insel solide. Mauern können sie immerhin so gut, dass sie den DFB-Kickern bei der Europameisterschaft in einem einsteigen Match nur 0:1 unterlagen. Auch jetzt haben die grün-weißen Defensivexperten reale Chancen, als Gruppenzweiter die Play-Off-Spiele für Weltmeisterschaft 2018 in Russland zu erreichen.</p>
<h2>Ein Abwesender wird gefeiert</h2>
<p>Und so verlief der Kick am vergangenen Dienstag in Hannover vorhersehbar. Schnell führte die „Mannschaft“, wie sich das deutsche Team inzwischen aus Marketinggründen nennt, 2:0. Danach hatten die nordirischen Verteidiger die Nummer zumindest so gut im Griff, dass kein weiteres Gegentor mehr fiel. Also in der Tat eine Partie, die man nicht gesehen haben muss.</p>
<p style="text-align: left;">Bis die nordirischen Fans 15 Minuten vor Spielende anfingen, ihren Kultsong zum Besten zu geben und unzählige deutsche Fans einstimmten: ,<a href="https://youtu.be/vUlSmCGj1r8">Will Grigg&#8217;s on fire&#8216;.</a> Aus einer grundlangweilige Partei heraus erwuchs ein Moment, der daran erinnerte, was Fußball als Sportart großgemacht hat: Leidenschaft, Begeisterung und die Identifikation mit Spielern, die ehrlich Fußball arbeiten anstatt mit Millionen zu jonglieren – oder die für ein paar Millionen mehr an unwirtliche Orte in der russischen oder ukrainischen Provinz wechseln, wo man im Normalfall nicht einmal ein Bild von sich haben möchte (so hätte ich es verstanden, wenn mein langjähriger Lieblingsspieler bei Eintracht Frankfurt, <a href="http://m.sport1.de/transfermarkt/2016/07/carlos-zambrano-wechselt-von-eintracht-frankfurt-zu-rubin-kasan">Carlos Zambrano,</a> nach Valencia, Turin oder meinetwegen Swansea gewechselt wäre. Aber Kasan, was zum Teufel will man da?). Selbst der <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/rb-leipzig-in-der-bundesliga-nur-ein-zwischenziel-erreicht-a-1091378.html">böse Rote-Bullen-Geist</a>, der inzwischen die Bundesliga heimsucht und sich Leipzig niedergelassen hat, war für einen Moment aus meinem Hinterkopf verschwunden. Dank einer Ode an einen Zweitliga-Kicker, der in Hannover nicht einmal selbst auf dem Platz stand<span style="color: #000000; font-family: Calibri; font-size: medium;">.</span></p>
<h2>Will Grigg lebt den Fußball</h2>
<p>Schon bei der Europameisterschaft zählten die Nordiren mit ihrem Lied zu den „Gewinnern der Herzen“, obwohl Will Grigg auch bei diesem Turnier keine Minute auf dem Feld war und der Song eine Cover-Version eines flachen Eurodance-Nümmerchens aus den 90ern ist. Dafür leben das nordirische Team und Idol Grigg Fußball wie kaum jemand sonst im modernen Profi-Fußball. Es sind keine hochgezüchteten Profis von Millionen schweren Champions League Clubs und keine Jet-Setter mit Life Style-Geschichten in irgendwelchen Glamourmagazinen. Stattdessen haben Grigg &amp; Co. Kampf und Begeisterung im Portfolio &#8211; und Sport, der nach Schweiß riecht &#8211; und nicht nach den neusten Duftkreationen von Lagerfeld oder Boss. Damit sind die Nordiren so wunderbar normal, wie das hierzulande wohl nur Darmstadt 98 schafft. Und der technisch limitierte Grigg erfährt als personifiziertes Symbol für Bodenständigkeit und Leidenschaft besondere Verehrung. Er ist eben „on fire&#8220;, er brennt für seinen Sport.</p>
<p style="text-align: left;">Den englischen Drittligisten <a href="https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wigan_Athletic">Wigan Athletic</a> schoss der Stürmer vergangene Saison mit 25 Toren quasi im Alleingang in Liga Zwei. In der erst seit August laufenden Zweitligasaison traf Grigg bereits fünfmal. In Deutschland oder Spanien könnte ein unterklassiger Kicker seines Kalibers dennoch nicht an eine Berufung zur Nationalelf denken. In Nordirland indes gibt es keinen Offensiv-Spieler mit einer besseren Leistungsbilanz. Folgerichtig hätte eine so herausgehobene Figur, die noch dazu von den Anhängern kultisch verehrt wird, bei der Europameisterschaft auflaufen müssen. Trainer Michael O`Neill, der den Außenseiter Nordirland überhaupt zum ersten Mal zu einer EM führte, wies ihm dagegen einen Stammplatz auf der Ersatzbank zu. Andere Profis hätten rebelliert und in Interviews ihren Einsatz gefordert. Grigg dagegen blieb cool und sprach fast überhaupt nicht mit der Presse. Und wenn er sich äußerte, dann freundlich bis unverfänglich. Auch hier blieb der Inselkicker Vorbild.</p>
<h2>Familie statt WM-Qualifikation</h2>
<p>Für das Spiel gegen die DFB-Elf hatte O`Neill seiner Kultfigur einen Einsatz zugesagt. Doch diesmal war es Grigg, der verzichtete. Der Zweitliga-Profi zog es vor, bei der Familie und dem kürzlich geborenen Nachwuchs zu bleiben. Genau wie er sich nach der Europameisterschaft entschloss, weiter für Wigan zu kicken und sich nicht einem ,höherklassigen&#8216; Verein anzuschließen. Ein Idol eben, das nicht in gängige Profi-Schemata passt.</p>
<p>Es täte dem modernen Fußball gut, wenn es nicht nur einen Will Grigg gäbe, sondern mehrere. Leider steht zu befürchten, dass die Zukunft doch eher dem Geschäftsmodell von Sportkonzernen wie Red Bull gehören könnte. Das Brauseunternehmen hält sich bekanntlich Vereine in mehreren Ländern, die von der Zentrale in Österreich hochprofessionell, aber kühl kalkulierend gesteuert werden. Es kann vorkommen, dass Spieler vom einen Konzernteam zum anderen umgesetzt werden, ganz nach Interessen und Strategie der Leitung. Das ist mir im Zweifel unsympathischer, als ein russischer Oligarch oder ein arabischer Potentat, der aus Spaß an der Freude oder Imagegründen seine Millionen in einen Verein pumpt. Immerhin dürfte hier noch so etwas wie Leidenschaft mit im Spiel sein. Trotzdem werden die Fans des FC Chelsea wohl niemals „<a href="http://www.n-tv.de/sport/fussball/Chelsea-will-angeblich-Messi-Deal-stemmen-article18144576.html">Roman Abramowitsch`s on fire“ singen.</a></p>
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		<title>Ich würde nie zu RB Leipzig gehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Aug 2016 08:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesliga]]></category>
		<category><![CDATA[Die Toten Hosen]]></category>
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		<category><![CDATA[Ralf Rangnick]]></category>
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		<category><![CDATA[Red Bull]]></category>
		<category><![CDATA[Traditionsvereine]]></category>
		<category><![CDATA[Uli Hoeneß]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In zwei Wochen beginnt wieder die Bundesliga. Dann erstmals mit dabei: RB Leipzig. Für viele Fans sind "Roten Bullen" aber ein rotes Tuch. De facto beherrscht wird der Verein vom Brausehersteller Red Bull, der mit dem Klub natürlich auch Geld verdienen will.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Was für Eltern muss man haben, um so verdorben zu sein, einen Vertrag zu unterschreiben bei diesem Sch&#8230;Verein. Wir würden nie zum FC Bayern München gehen.&#8220; So lautet der Refrain eines bekannten Liedes der &#8222;Toten Hosen&#8220;. Als der Song 1999 veröffentlicht wurde, fielen meine inneren Reaktionen ähnlich scharf aus wie die öffentlichen Äußerungen des damaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß: Oh Gott, was für ein Mist.</p>
<p>Auch andere müssen Anstoß an dem Spottlied genommen haben. Denn, wie &#8222;Hosen&#8220;-Frotmann Campino später zugab, verkauften sich die Songs der Band in Süddeutschland fortan schlechter. Dabei berührte mich das Lied &#8211; als Hesse und Fan von Eintracht Frankfurt &#8211; weder emotional noch regional, ich fand es nur in der Sache völlig daneben. Denn der FC Bayern München ist alles andere als ein großkotziger, asozialer Klub, der sein Geld einem Großmogul verdankt.</p>
<h2>Bayern München: Erfolg aus eigener Kraft</h2>
<p>Anders herum wird eher ein Schuh draus: Dank einer professionellen Vereinsführung, einem Auge für Talente und vor allem Management-Genies wie Robert Schwan und eben Uli Hoeneß arbeiteten sich die Bayern von der Nummer 2 in München zur unumstrittenen Nummer 1 in Fußball-Deutschland und zur festen Größe in Europas Spitzensport hoch. Anders als die Top-Teams in England, Spanien oder Italien brauchen die Münchner für ihre Erfolge auch keinen russischen Oligarchen (FC Chelsea), keinen US-Tycoon (Manchester United), keinen gnädigen Fiskus (Real Madrid) und keinen Großkonzern im Rücken (Juventus Turin).</p>
<p>Die Bayern sind ein &#8222;Selfmade-Klub&#8220; und stolz darauf, bei ihrer Hausbank Stammgast der Anlageberatung und nicht der Kreditabteilung zu sein. Zudem galten die Bayern &#8211; zumindest bis zum Gastspiel von Pep Guardiola &#8211; als sozial orientierter Verein, der einen vorbildlichen Umgang mit seinen Spielern pflegte. Dafür sprachen Fälle wie der des schwer erkrankten Ex-Profis <a href="http://www.blick.ch/news/ausland/fuer-den-ehemaligen-fussballspieler-lars-lunde-bleibt-hoeness-trotz-verurteilung-ein-held-uli-tat-alles-damit-ich-wieder-auf-kurs-komme-id2734630.html">Lars Lunde</a>. Persönlich wachte Hoeneß über die Genesung des Dänen. Und den alkoholsüchtig gewordenen Ex-Weltmeister <a href="http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article147330846/Wem-die-Bayern-neben-Gerd-Mueller-noch-alles-halfen.html">Gerd Müller </a>holte der Bayern-Patriarch aus den USA zurück und gab ihm eine Anstellung im Trainerstab. Man kann den FC Bayern ob seiner Dominanz mögen oder ablehnen &#8211; aber eine Schmähung wie im Lied der &#8222;Toten Hosen&#8220;, das hat dieser extrem professionell und menschlich geführte Verein nicht verdient.</p>
<h2>RB ähnelt Fußball-Franchise fast wie in USA</h2>
<p>Nun, da in zwei Wochen die neue Bundesliga-Saison beginnt und erstmals auch RB Leipzig mitspielen darf, fiel mir das Lied der &#8222;Hosen&#8220; wieder ein. Und ich fand, dass ich mich zumindest mit Teilen des Songs arrangieren könnte, wenn man darin ein paar Buchstaben austauscht: &#8222;Wir würden nie zu RB Leipzig gehen.&#8220;</p>
<p>Anders als Bayern München ist RB Leipzig keine Traditionsmannschaft, die es aus eigener Kraft nach oben geschafft hat. Anders als Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg sind die &#8222;Roten Bullen&#8220; aber auch keine Werksmannschaft, in der sich zu früheren Zeiten die Fabrikarbeiter und deren Angehörige fit hielten. Am ehesten entsprechen die &#8222;Roten Bullen&#8220; einer Franchise, wie es sie im US-Sport gibt und die dort investiert, wo es einen kommerziell erfolgsversprechenden Markt gibt. Nur tarnt sich der Leipziger Ableger des österreichischen Red Bull-Konzerns als Verein, vor allem um die Statuten des Deutschen Fußballbundes DFB zu umgehen.</p>
<h2>Ostdeutsche Band wagt Affront gegen &#8222;Rote Bullen&#8220;</h2>
<p>Zwar ist die Freude groß in Leipzig und Umgebung über den neuen Bundesligisten und die Möglichkeit, nun regelmäßig Spitzenfußball vor der Haustür zu haben. Doch selbst im Rest von Ostdeutschland kommen die &#8222;Bullen&#8220; nicht überall an. Als die Leipziger im Mai ihren Aufstieg feierten, trat die Berliner Band <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/silly-huldigt-bei-rb-leipzig-feier-anderen-ostvereinen-a-1092580.html">&#8222;Silly&#8220; </a>in den Trikots ostdeutscher Traditionsmannschaften wie Dynamo Dresden oder Union Berlin auf. Eine gezielte Provokation, wie manche mutmaßen. Und seit Jahren kritisieren Verantwortliche anderer Vereine und Sportjournalisten, dass sich bei RB Leipzig Vereinspolitik mit den Marketinginteressen eines Unternehmens vermischt.</p>
<p>Schaut man sich einmal genau die Strukturen an, wie sie etwa auf der <a href="http://www.dierotenbullen.com/verein.html">Internet-Seite des Vereins </a>und dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/RB_Leipzig">Wikipedia-Eintrag über RB Leipzig</a> zu entnehmen sind, erhält man durchaus erhellende Eindrücke. Aufschlussreich sind auch<a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/das-magazin-11freunde-erklaert-wie-rb-leipzig-die-dfb-statuten-unterwandert-a-823996.html"> Berichte des &#8222;Spiegels&#8220; </a>und des Magazins &#8222;11Freunde&#8220;</p>
<h2>50+1-Regel in der Kritik</h2>
<p>Im Fokus steht die 50+1-Regelung. Nach dieser Vorschrift ist es Kapitalanlegern nicht möglich, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Erlaubt ist hingegen, dass sich die Mehrheit des Kapitals im Besitz privater Investoren befindet. So hält beispielsweise Borussia Dortmund an seiner eigenen Bundesligamannschaft, die als <a title="Börsennotierung" href="https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%B6rsennotierung">börsennotierte</a> <a title="GmbH &amp; Co. KGaA" href="https://de.wikipedia.org/wiki/GmbH_%26_Co._KGaA">Kommanditgesellschaft auf Aktien</a> ausgegliedert ist, nur 5,53 % des Kapitals.</p>
<p>Aber was nutzt eine solche Regelung wenn ein ganzer Verein faktisch nur ein Instrument in der Hand eines Brauseherstellers ist? RasenBallsport Leipzig e. V., wie der Klub offiziell heißt, wurde 2009 auf Initiative der Red Bull GmbH gegründet. In Leipzig und in der Liga spricht man aber meist nur von den &#8222;Bullen&#8220; oder den &#8222;Roten Bullen&#8220;. Manche sagen auch, in einem Anflug von Ehrlichkeit: Red Bull.</p>
<h2>RB hat kaum Mitglieder</h2>
<p>Der neue Verein übernahm zur Saison 2009/10 das Startrecht des SSV Markranstädt in der fünftklassigen Oberliga Nordost. Die Lizenzspielerabteilung ist seit dem Aufstieg der ersten Mannschaft in die 2. Bundesliga 2014 in die RasenBallsport Leipzig GmbH ausgegliedert, deren Gesellschafter zu 99 Prozent die Red Bull GmbH und zu einem Prozent der Verein sind. Da auch die Vereinsmitglieder in enger Beziehung zu Red Bull stehen, wird der Klub de facto von der Red Bull GmbH beherrscht. Damit sich das auch nicht ändert, wird die Zahl der Mitglieder mit Stimmrecht bewusst klein gehalten. Und wer ein solches Stimmrecht bekommt, dürfte mit Sicherheit &#8222;auf Linie&#8220; sein.</p>
<p>Im Rahmen der Lizenzvergabe für die <a title="2. Fußball-Bundesliga" href="https://de.wikipedia.org/wiki/2._Fu%C3%9Fball-Bundesliga">2. Fußball-Bundesliga</a> gab der Ligaverband dem Verein mehrere Auflagen vor, unter anderem die Klubführung neu zu strukturieren. Fortan eröffnete RB Leipzig erstmals die Möglichkeit, offizielles Fördermitglied zu werden. Der Jahresbeitrag liegt Berichten zufolge zwischen 70 und 1000 Euro und dient der Förderung des Nachwuchsbereichs. Ein Stimmrecht haben die Fördermitglieder Medienberichten zufolge jedoch nicht. Im März diesen Jahres schrieb die <a href="http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/RB-Leipzig-bestaetigt-Plaene-fuer-Stadion-Neubau-bei-Bundesliga-Aufstieg">&#8222;Leipziger Volkszeitung&#8220; </a>unter Berufung auf RB-Vorstand <a title="Oliver Mintzlaff" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Mintzlaff">Oliver Mintzlaff</a>, dass der Verein 17 stimmberechtigte Mitglieder habe. Ein Traditionsklub wie Schalke 04 dürfte in jedem durchschnittlichen Gelsenkirchener Wohnblock auf mehr kommen. Hinzu kämen bei RB Leipzig etwa weitere 300 Fördermitglieder. Die selbe Summe übertrifft Borussia Dortmund mit Sicherheit bereits in einem kleineren Stadtteil von Lüdenscheid.</p>
<h2>Ende von Elf-Freunde-Romantik</h2>
<p>Und so führt der Bundesliga-Einzug von RB Leipzig auch dem letzten Fußballfan vor Augen, wie sehr sich sein Lieblingssport von der Elf-Freunde-Romantik eines Sepp Herberger oder eines Fritz Walter entfernt hat. Neben den Sachsen tummeln sich ja mit Wolfsburg (Volkswagen), Leverkusen (Bayer AG), Hoffenheim (SAP) und Ingolstadt (Audi) bereits vier andere Quasi-Werksmannschaften in der höchsten Spielklasse, während Charakterklubs wie Kaiserslautern, Bochum, Braunschweig, St. Pauli, Düsseldorf, 1860 München und Karlsruhe fast schon zum Inventar des Unterhauses zählen. Dort sind zuletzt noch Größen wie der VfB Stuttgart und Hannover 96 eingezogen. Und Teams wie Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt, die noch in den 90er Jahren zu den deutschen Aushängeschildern der Bel-Etage zählten, mussten vergangene Saison bis Schluss um den Klassenerhalt zittern.</p>
<p>Spätestens jetzt sollte der DFB seine 50+1-Regel auf den Prüfstand stellen. Diese wurde zwar eingeführt, um den Mitgliedervereinscharakter der Bundesliga zu erhalten. Aber was ist das für ein Schutz, der Traditionsvereinen Wettbewerbsfähigkeit nimmt und sie zu niederklassigen Schatten einstiger Größe werden lässt, während ein österreichischer Brausehersteller oder ein badisches Softwarehaus in der Provinz ihre Retortenklubs designen können. Das ist etwa so halbgewagt, wie das deutsche Ladenschlussgesetz, das Handelskonzerne in ihren Geschäftsmöglichkeiten beschneidet, Tankstellen aber gleichzeitig zu Supermärkten mit Zapfsäule mutieren lässt. Wenn Traditionswahrung, dann bitte richtig: ohne zweifelhafte Hybridmodelle wie RB.</p>
<h2>Gleiche Chancen für alle!</h2>
<p>Will man dagegen erfolgreichen Profi-Fußball &#8211; mit all seinen Konsequenzen -, dann darf man den Traditionsvereinen, die das Salz in der Liga-Suppe sind, nicht die finanzielle Weiterentwicklung verwehren. Sie müssten gleichberechtigte Zugangsmöglichkeiten zu Investorengeldern bekommen. Deshalb: Schluss jetzt mit Traditions-Heuchelei und Vorschriften, die nur noch die Fassade überkommener Vereinsseeligkeit wahren. Mit umfassenden, aber fairen und transparenten Regelungen für Sportinvestoren wäre es vielleicht auch den echten Leipziger Traditionsteams &#8211; wie Lok oder dem VfB  &#8211; gelungen, sich im Profi-Fußball zu etablieren. Vielleicht hätten dies auch andere ostdeutsche Klubs wie Dynamo Dresden oder Hansa Rostock geschafft, die sogar ohne Großsponsor schon einmal Bestandteil der Bundesliga waren. Niemand hätte da RB Leipzig gebraucht.</p>
<p>Zum Schluss noch eines: Ich habe nichts gegen Leipzig, nur gegen RB. Daher &#8211; in abgewandelter Form &#8211; noch einmal eine Passage aus dem Lied der &#8222;Toten Hosen&#8220;: &#8222;Ich will nur mal klarstellen, damit man mich richtig versteht. Ich habe nichts gegen Leipzig. Ich würde nur nie zu den Roten Bullen gehen&#8230;&#8220;</p>
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		<title>Ein Ego sagt servus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2016 06:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern München]]></category>
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		<category><![CDATA[FC Barcelona]]></category>
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		<category><![CDATA[Ich AG]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kommerz]]></category>
		<category><![CDATA[Pep Guardiola]]></category>
		<category><![CDATA[Tradition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neue Stadien und neue Restaurants will Pep Guardiola kennenlernen - mutmaßlich in Manchester. Dort lockt ein Ölscheich-Klub mit hohem Salär und der Aussicht auf teure Stars. Die Trennung von Bayern München läuft geschäftsmäßig ab - passend zum Stil des Katalanen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Liebesbeziehung war es nicht, die dreijährige Zusammenarbeit zwischen Bayern München und seinem katalanischen Projektmanager. Und, so ist zu vermuten, Tränen werden auch im Sommer &#8211; beim Abschied von Pep Guardiola &#8211; nicht fließen. Zu fremd sind sich Verein, Fans und Trainer geblieben. Zuwenig war der iberische Indivualist bereit, sich emotional auf den bayerischen Verein einzulassen &#8211; und wenigstens ab und an so etwas wie Leidenschaft oder Verbundenheit zu heucheln.</p>
<p>Entsprechend kühl fiel die Trennungsverlautbarung aus. Schriftlich per Pressemitteilung. Die Spieler, zu denen der Mann aus Barcelona ein, euphemistisch ausgedrückt, sachliches Verhältnis pflegt? Im Trainingslager sei Zeit, mit Ihnen zu sprechen, ließ Guardiola lakonisch verlauten &#8211; nachdem er sich zuvor erst mal in die katalanische Heimat aufgemacht hatte!</p>
<h2>Guardiola eher Manager als Sportsmann</h2>
<p>Später verkündete Guardiola ohne Umschweife, dass ihm drei Jahre FC Bayern genug seien. Er brauche eine neue Herausforderung, wolle <a title="Guardiola will neue Restaurants kennenlernen" href="http://www.bild.de/sport/fussball/josep-guardiola/will-neue-restaurants-kennenlernen-44033934.bild.html" target="_blank">neue Leute, neue Stadien und Restaurants kennenlernen</a>. Rums! So verabschieden sich Manager globalisierter Konzerne, wenn sie, sagen wir mal von General Motors zu Volkswagen wechseln, aber nicht Sportsmänner. In der Welt des Fußballs erwartet man, wenn es schon nicht anders geht, zumindest ein paar gespielte Gefühle.</p>
<p>Zumal beim FC Bayern, dem ,Familienverein&#8220; aus der selbsternannten &#8222;Weltstadt mit Herz&#8220;. Hatte nicht jahrelang der &#8222;pater familiae&#8220; Uli Hoeneß mit kalkulierter Charity, aber auch mit echter Fürsorge für gescheiterte ehemalige Spieler und Menschen in Not, hartnäckig daran gearbeitet, dem Rekordmeister trotz aller Titel und Millionen ein volkstümliches Image zu geben? Jedenfalls ein Besseres als dies Werksclubs wie Leverkusen oder Wolfsburg haben? Von internationalen Oligarchen/Ölscheich-Teams wie Chelsea, Manchester City oder Paris St. Germain ganz zu schweigen.</p>
<h2>Schweinsteiger aufs Abstellgleis manövriert</h2>
<p>Spätestens, so unken Experten, wenn die Überfigur Hoeneß wieder ins operative Geschäft eingestiegen wäre, hätte es einen Zusammenstoß gegeben. Guardiolas Alleinherrschaftsansprüche wären nicht mehr so einfach durchzusetzen gewesen. Eventuell hätte es der Wurstfabrikant auch für nötig befunden, etwas am heruntergekühlten Image sowie an der Hispanisierung des Mannschaftsumfeldes zu korrigieren.</p>
<p>Allein die Art und Weise, wie eiskalt Guardiola Bayern-Urgestein <a title="Schweinsteiger nach England" href="http://www.theeuropean.de/andreas-kern/10426-mit-dem-herzen-in-der-hand" target="_blank">Bastian Schweinsteiger aufs Abstellgleis manövriert </a>hat, kann man fast schon als schäbig bezeichnen. Nicht, dass der Transfer zu Manchester United ein Fehler wäre. Im Gegenteil, für Spieler und Trainer war der Wechsel eine klassische Win-Win-Situation. Aber eine solche Identifikationsfigur wie Schweinsteiger &#8211; Liebling der Fans, Weltmeister, Kapitän der Nationalmannschaft &#8211; verabschiedet man nicht kurz vor Saisoneröffnung quasi durch die Hintertür. So jemand braucht einen großen Bahnhof und echte Anerkennung. Etwas, wozu ein selbstverliebter Ichling wie Guardiola wohl nicht fähig ist.</p>
<h2>Der Mammon lockt</h2>
<p>Glaubt man den Sportjournalisten, denn werden der Katalane und sein Ex-Star bald Nachbarn in Manchester sein. Angeblich zieht es Guardiola zu Manchester City. Nicht gerade die erste Adresse für jemanden, der auszieht, um Abenteuer zu erleben oder neue Restaurants kennenzulernen.  Wer Nervenkitzel will, hätte eventuell einen Job als Nationaltrainer in Kamerun oder Honduras bevorzugt. Und wenn es dem smarten Pep wirklich aufs gute Essen ankäme, wären Kopenhagen (hochgelobte Lokale) oder <a title="Lima - kulinarischer Hot Spot" href="http://www.telegraph.co.uk/luxury/travel/3001/restaurants-in-lima-peru-five-of-the-best.html" target="_blank">Lima</a>, das als neuer Hotspot internationaler Cuisine gilt, heiße Tipps gewesen. Aber Manchester? Doch eher kulinarische Diaspora. Aber vielleicht hat Guardiola ja ungeahnte Vorlieben für Fish &amp; Chips oder Plumpudding.</p>
<p>Das schlagkräftigste Argument pro ManCity dürfte der schnöde Mammon sein. Gehört der Verein doch einem arabischen Scheich, der seinem leitenden Angestellten sicher ein phantastisches Salär sowie das notwendige Kleingeld für kostspielige Spielerkäufe spendieren wird. Pecunian non olet! Die wirtschaftlichen Motive seines Wechsels zuzugeben, so ehrlich war Guardiola bei aller sonstigen Direktheit dann doch nicht.</p>
<h2>Skepsis bei Hitzfeld</h2>
<p>So verwundert das verbale Kopfschütteln nicht, das Ottmar Hitzfeld, einer von Peps Vorgängern, in einem Interview zum Ausdruck brachte. Emotional liegen auch Welten zwischen Guardiola, der polyglotten Ich-AG und Hitzfeld, der sein Fußball-Handwerk in den noch 60er Jahren beim VfB Lörrach begann. Hier der stets kalkulierende, reservierte Analytiker, dort der Fußballenthusiast, der seine Erfolge neben taktischen Fähigkeiten stets auch einer feinen Menschenführung zu verdanken hatte.</p>
<p>Kaum ein Trainer des FC Bayern, mit Ausnahme vielleicht von Udo Lattek, kam selbst mit schwierigsten Stars derart gut zurecht. Aus dem ewigen Enfant Terrible Stefan Effenberg formte Hitzfeld einen Leader, der maßgeblichen Anteil am Gewinn der Champions League im Jahr 2001 hatte. Eine Trophäe, die Guardiola, aller Millionentransfers oder Ballbesitzstatisken zum Trotz, mit den Bayern nicht gewinnen konnte.</p>
<h2>Pep fehlt Champions League Titel</h2>
<p>Gewiss, einiges hat der Katalane in München schon erreicht. Deutscher Meister ist er geworden  und Pokalsieger. Aber mit Verlaub, das wurden fast alle Trainer des FC Bayern. Lattek und Hitzfeld sowieso, aber auch Heynckes, Magath, Trapattoni, van Gaal, Zebec und sogar ein Pal Csernai, der außerhalb von München nichts reißen konnte. Bei <a title="Pal Csernai und Eintracht Frankfurt" href="http://www.eintracht.de/news/artikel/eintracht-frankfurt-trauert-um-pal-csernai-42704/" target="_blank">Eintracht Frankfurt </a>beispielsweise wurde der Ungar nach ein paar Wochen vom Hof gejagt. Auch muss bedacht werden, dass Guardiola 2013 eine Mannschaft übernahm, die gerade das Triple gewonnen hatte und deren Stamm maßgeblich am Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 beteiligt war. Zudem durfte der Katalane das Team mit vielen teuren Stars weiter aufpep(p)en. Xabi Alonso, Thiago Alcantara, Robert Lewandowski, Arturo Vidal und Diego Costa sind nur die bekanntesten Namen.</p>
<p>Es ist nicht so, dass Fans und Führung der Bayern mit Guardiolas Art Fußball spielen zu lassen, unzufrieden waren. Im Gegenteil: Die Dominanz, die überraschenden Züge sowie die oft spektakulären Spieleröffnungen wurden allgemein gepriesen.</p>
<h2>Auch andere Teams spielen attraktiv</h2>
<p>Es wäre aber falsch zu glauben, dass erst Guardiola die Bibel des begeisternden Fußballs von Gott persönlich auf dem Berg Sinai überreicht bekam &#8211; und Prophet Pep danach dem bis dato tumben deutschen Kickertum die Schönheit lehren konnte. Mönchengladbach zauberte sich mit frischem Offensivfußball sowie Künstlern wie Netzer und Heynckes schon in den 70er Jahren die Herzen der Fans. Ende der 80er Jahre begeisterten die jungen Wilden vom Karlsruher Wildpark unter dem rustikalen Coach Winnie Schäfer das Publikum. Ich selbst kann mich nur allzu gut an die frühen 90er Jahre erinnern, als Jay-Jay Okocha, Uli Stein, Uwe Bein, Heinz Gründel und Anthony Yeboah jede zweite Woche wahre Spektakel im Frankfurter Waldstadion aufführten. Nicht nur die Eintracht-Fans sprachen damals von <a title="Zauberfußball bei Eintracht Frankfurt" href="http://www.11freunde.de/artikel/wie-eintracht-frankfurt-die-liga-verzueckte" target="_blank">,Fußball 2000&#8242;.</a> Allerdings brauchte es dafür keinen katalanischen Wundermann. Der eher bieder wirkende Leipziger Jörg Berger oder serbisch-hessische Schrat Dragoslav Stepanovic taten es auch.</p>
<p>Ob die Guardiola-Zeit als etwas Besonderes in die Analen des FC Bayern eingehen wird oder man sie doch ,unter ferner liefen&#8216; abhakt, entscheidet sich in der Champions League. Die Gefahr, dass Guardiola nach seinem vorzeitig verkündeten Abschied die Motivation fehlt, diesen Titel endlich an die Säbener Straße zu holen, dürfte gering sein. Dasselbe Ego, das Guardiola aus München wegtreibt, sollte ihn auch pushen, nach der Krone des europäischen Vereinsfußballs zu greifen.</p>
<h2>Trennung gut für Bayern München</h2>
<p>Klar ist jedoch: Die Trennung ist für beide &#8211; Verein und Trainer &#8211; die einzig richtige Entscheidung. Mancher Politiker würde von &#8222;alternativlos&#8220; sprechen. Um seinem Selbstbild sowie seinen Zielen als gefühlt weltbester Fußballlehrer gerecht zu werden, braucht Guardiola einen Scheich, der ihm nicht nur einen Götze oder Vidal kauft, sondern Weltstars der Kategorie Messi oder Neymar.</p>
<p>Der FC Bayern indes scheint dieses Mal eine richtige Trainerwahl getroffen zu haben. Taktisch steht Carlo Ancelotti dem Katalanen kaum nach. Und nach allem was man hört, ähnelt er in Sachen Menschführung eher Hitzfeld oder Heynckes. Mit dem derzeit wohl schwierigsten Charakter des Profifußballs, <a title="Ibrahimovic und Ancelotti" href="http://www.mopo.de/sport/grossmaul-anfall-wie-zlatan-ibrahimovic-fuer-ancelotti-zu-jesus-wurde-3351154" target="_blank">Zlatan Ibrahimovic</a>, kam &#8222;Carletto&#8220; in Paris ganz gut aus. Bisher hat der Italiener auch während all seiner Trainerstationen die jeweilige Vereinskultur respektiert.</p>
<p>Der FC Bayern und die Bundesliga dürfen sich auf Ancelotti freuen.</p>
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