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	<title>Serien-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Serien-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Die Twist-Maschine von Netflix</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Aug 2026 06:18:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Empfohlen]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Henning Hirsch: Neues vom Serien-Junkie]]></category>
		<category><![CDATA[Binge-Watching]]></category>
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		<category><![CDATA[Harlan Coben]]></category>
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		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manchmal ist eine Geschichte hanebüchen – und trotzdem schaut man weiter. Harlan Coben beherrscht diese Kunst wie kaum ein anderer. Gemeinsam mit Netflix hat er daraus ein erstaunlich erfolgreiches Serienmodell gemacht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/neues-vom-serien-junkie/die-twist-maschine-von-netflix/">Die Twist-Maschine von Netflix</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>13 Serien in sechs Ländern, hunderte Millionen Views und ein Autor, dessen Geschichten immer noch eine Wendung mehr zu bieten haben: Harlan Coben und Netflix sind eine erstaunlich erfolgreiche Partnerschaft eingegangen. Was macht seine Thriller so binge-tauglich – und warum ist Plausibilität dabei nicht immer das Wichtigste?</p>
<h2>Eine Partnerschaft, die sich für beide Seiten auszahlt</h2>
<p>Als Netflix im August 2018 seine exklusive mehrjährige Zusammenarbeit mit Harlan Coben bekanntgab, war der amerikanische Thrillerautor längst ein Bestseller-Garant. Netflix verpflichtete sich, zunächst 14 bestehende und künftige Stoffe Cobens für Serien und Filme zu entwickeln – auf Englisch und in anderen Sprachen. Coben sollte als Executive Producer an allen Projekten beteiligt sein.</p>
<p>Heute weiß man, was aus diesem Deal geworden ist: Netflix spricht inzwischen vom <a href="https://www.netflix.com/de/browse/genre/81180221">Harlan Coben Universe</a>, das aktuell 13 Adaptionen in sechs Ländern umfasst. Großbritannien, Frankreich, Polen, Spanien, Argentinien und die USA gehören dazu. Seit dem Start der Netflix-Top-10 im Jahr 2021 tauchten Cobens Serien 41-mal in der globalen Wochen-Top-10 auf. Seit 2023 kommen sie zusammen auf mehr als 450 Millionen Views.</p>
<p>Das ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte – gerade weil man als deutscher Netflix-Zuschauer kaum das Gefühl bekommt, hier einer großen, zusammenhängenden Marke zu begegnen. Bei Marvel, Star Wars oder Star Trek weiß jeder, dass er ein Universum betritt. Bei Coben klickt man dagegen auf „Safe“, „Ich schweige für dich“, „Kein Friede den Toten“, „Das Grab im Wald“ oder „Nur für dein Leben“ und muss nicht einmal wissen, dass hinter all diesen Serien derselbe Autor steckt.</p>
<p>Netflix hat aus Coben deshalb kein klassisches Serienuniversum gemacht. Es hat vielmehr ein internationales Produktionsmodell geschaffen. Dieselbe Thriller-DNA wird in unterschiedliche Länder verpflanzt und mit lokalen Schauspielern und Produktionsteams umgesetzt. Der amerikanische Autor bleibt die Konstante, während sich Schauplätze, Sprachen und Gesichter verändern.</p>
<p>Und das funktioniert offenbar prächtig.</p>
<p>Die aktuellste Serie, <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt34771210/">Nur für dein Leben (I Will Find You)</a>, ist dafür ein ziemlich eindrucksvolles Beispiel. Seit ihrer Premiere am 18. Juni 2026 hat sie laut Netflix 101,8 Millionen Streams erreicht, war in 81 Ländern auf Platz eins und schaffte es auf Platz zehn der meistgesehenen englischsprachigen Netflix-Serien überhaupt.</p>
<p>Das Bemerkenswerte daran: Die Kritiker waren längst nicht so begeistert.<br />
Das Publikum hingegen schon.<br />
Genau darin das Erfolgsrezept dieser Partnerschaft.</p>
<h2>Der Mann, der seine Leser nicht loslässt</h2>
<p>Harlan Coben wurde 1962 in Newark, New Jersey, geboren und wuchs in Livingston (Großraum New York) auf. Er studierte Politikwissenschaft am Amherst College und arbeitete anschließend zunächst im Reisegeschäft seines Großvaters. Seine erste Geschichte „Play Dead“ erschien 1990. Coben war damals 28 Jahre alt.</p>
<p>Inzwischen umfasst seine Bibliografie 35 Romane. Die Bücher sind in 46 Sprachen erschienen und haben weltweit mehr als 100 Millionen Exemplare erreicht. Zu den bekanntesten Figuren gehört Myron Bolitar, der seit 1995 in einer eigenen Romanreihe ermittelt. Coben wurde unter anderem mit dem Edgar, dem Shamus und dem Anthony Award ausgezeichnet.<br />
Er lebt bis heute in New Jersey – also ziemlich genau in jener amerikanischen Vorstadtwelt, die in seinen Geschichten so häufig zum Schauplatz wird.</p>
<p>Coben ist damit längst nicht mehr bloß ein erfolgreicher Thrillerautor. Er ist eine Art Ein-Mann-Marke für Suspense geworden. Seine größte Spezialität ist weniger eine bestimmte Figur oder ein bestimmtes Setting als eine bestimmte Art, Geschichten zu erzählen.</p>
<p>Man kann es auch so formulieren: Coben weiß ziemlich genau, wie man jemanden dazu bringt, weiterzulesen.</p>
<h2>Vom Pageturner zum Binge-Watcher</h2>
<p>Wer einen typischen Coben-Thriller liest, begreift das Spiel schnell. Am Anfang steht meist 1 Geheimnis. Etwas aus der Vergangenheit, das eigentlich abgeschlossen schien, taucht wieder auf. Ein Mensch verschwindet. Eine Leiche wird gefunden. Eine Ehe erweist sich als weniger glücklich als gedacht. Jemand erkennt auf einem Foto eine Person, die dort eigentlich gar nicht sein dürfte.</p>
<p>Dann kommt die erste Enthüllung.<br />
Und damit ist die Geschichte natürlich nicht gelöst.<br />
Sie hat gerade erst angefangen.</p>
<p>Denn die Antwort auf eine Frage erzeugt bei Coben zuverlässig die nächste Frage. Der Verdächtige ist nicht der Täter. Der Tote ist vielleicht gar nicht tot. Die Ehefrau hat etwas verschwiegen. Der Freund weiß mehr, als er zugibt. Eine Figur aus der Gegenwart hat eine Verbindung zu einem Ereignis, das Jahrzehnte zurückliegt.</p>
<p>Und wenn man glaubt, jetzt endlich verstanden zu haben, was passiert ist, kommt der nächste Twist.<br />
Das ist Cobens eigentliche Erzählmaschine.</p>
<p>Die Geschichten funktionieren weniger wie ein gerader Weg zur Lösung als wie eine Treppe, bei der jede Stufe eine weitere Tür öffnet. Man steigt hinauf und denkt: Jetzt bin ich fast oben. Dann steht man plötzlich vor der nächsten Tür. Das hat natürlich einen Preis. Je mehr Wendungen eine Geschichte braucht, desto größer wird die Gefahr, dass die Konstruktion irgendwann sichtbar wird. Der Autor muss im Akkord noch einen weiteren Verdacht, ein neues Geheimnis, noch eine falsche Fährte und am Ende natürlich die große Auflösung liefern.</p>
<p>Spätestens im letzten Drittel ploppt deshalb beim Zuschauer der Gedanke auf: Das ist jetzt aber ziemlich weit hergeholt.<br />
Bei „Nur für dein Leben“ ging mir das schon zur Halbzeit so. Die Serie ist über weite Strecken ausgesprochen binge-tauglich. Man möchte wissen, ob David Burroughs seinen Sohn tatsächlich wiederfindet und was hinter dessen vermeintlichem Tod steckt. Aber irgendwann wird aus der zwanzigsten überraschenden Wendung die eine Wendung zu viel. Die Auflösung wirkt nicht mehr wie die logische Konsequenz dessen, was man gesehen hat, sondern wie die nächste Kugel aus der Twist-Kanone.</p>
<p>Trotzdem schaut man gespannt/gebannt weiter.<br />
Das ist der entscheidende Punkt.<br />
Denn Coben will nicht unbedingt erreichen, dass wir jede Wendung für wahrscheinlich halten. Er möchte bloß erreichen, dass wir wissen wollen, was hinter der nächsten steckt.</p>
<p>Im Buch heißt das:<br />
Nur noch ein Kapitel.<br />
Bei Netflix heißt es:<br />
Nur noch eine Folge.</p>
<p>Der entscheidende Unterschied zwischen Roman und Serie ist deshalb kleiner, als man zunächst denken könnte. Netflix hat Coben nicht zum Cliffhanger-Autor gemacht. Coben war bereits ein Pageturner-Spezialist. Netflix hat lediglich ein Medium gefunden, das seine Methode geradezu ideal weiterführt.</p>
<p>Aus dem Umblättern wird der Klick auf „Nächste Folge“.<br />
Aus dem Kapitel-Cliffhanger wird der Episoden-Cliffhanger.<br />
Aus dem „Ich lese nur noch zehn Seiten“ wird: „Eine Folge geht noch.“<br />
Genau deshalb passt Coben zu Netflix wie die Tüte Chips zum Serienmarathon.</p>
<p>Der Streamingdienst muss nicht zwingend die plausibelste Geschichte der Welt anbieten. Er muss vor allem dafür sorgen, dass der Zuschauer dranbleibt. Dass er nicht nach einer Folge ausschaltet, sondern die nächste startet.</p>
<p>Das bedeutet nicht, dass Cobens Serien schlecht sind. Im Gegenteil: Manche funktionieren hervorragend. „Kein Friede den Toten“ ist ein gutes Beispiel für einen Thriller, dessen Konstruktion man durchaus kritisch betrachten kann und der trotzdem einen erheblichen Sog entwickelt. „Das Grab im Wald“ wiederum zeigt, dass Coben nicht zwingend alle zehn Minuten einen neuen Twist braucht: Die Serie lässt sich in ihren ersten Folgen deutlich mehr Zeit und erzeugt Spannung eher über Atmosphäre, Vergangenheit und die Frage, was vor 25 Jahren, als sich die Mordserie ereignete, tatsächlich geschehen ist.</p>
<p>Ein durchaus ambivalenter Autor: Coben kann einerseits Spannung erzeugen, ohne ständig die Handlung um 180 Grad zu drehen. Andererseits bleibt sein Markenzeichen die Lust am Dauertwist.</p>
<p>Coben ist weniger der Meister der plausibelsten Geschichte als der Meister des nächsten Kapitels. Er liefert eine Antwort – und stellt dem Leser im selben Moment eine neue Frage. Netflix hat dafür das perfekte Publikum. Wenn die Rechnung aufgeht, interessiert den Zuschauer am Ende einer Folge nicht mehr, ob das alles wirklich hätte passieren können. Er will nur noch wissen: Was kommt jetzt?</p>
<p>Darin liegt das Erfolgsgeheimnis von Harlan Coben: Thriller-Junkfood eben. Nicht unbedingt Haute Cuisine – aber verdammt schwer, nach einer Portion mit dem Konsum zu stoppen.<br />
+++</p>
<p>Lesen Sie auch: <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/the-housemaid-rezension/">Die neue Lust am Psycho-Pulp</a><br />
<em>Wie der BookTok-Hit ‚The Housemaid‘ zum überraschend intelligenten Edeltrash-Kino wird (2. Juni 2026)</em></p>
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		<title>Das große Gähnen</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/das-grosse-gaehnen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Mar 2023 10:44:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Henning Hirsch: Neues vom Serien-Junkie]]></category>
		<category><![CDATA[Der Schwarm]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Schätzing]]></category>
		<category><![CDATA[Serien]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Selten wurde eine an und für sich spannende Geschichte derart langweilig in Szene gesetzt wie Schätzings „Der Schwarm“ in der gleichnamigen ZDF-Miniserie, sagt Kolumnist Henning Hirsch.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/das-grosse-gaehnen/">Das große Gähnen</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bevor ich loslege, gibt&#8217;s:</p>
<h2>3 einschränkende Bedingungen</h2>
<p>3 Sachen muss ich voranschicken:<br />
(1) ich bin etwas spät dran mit meiner Kritik<br />
(2) Serien schaue ich eigentlich nicht so gerne<br />
(3) den Roman von Schätzing habe ich nie gelesen.</p>
<p>Zu meiner Verteidigung: Der Vorteil des Hobby-Kolumnist-Seins besteht darin, dass es für uns keine Deadlines gibt. Wir können unsere Texte dann abgeben, wann immer uns der Sinn danach steht. So halt auch eine etwas verspätete Rezension. (ja ja, es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Ist mir bekannt dieses Valentin-Zitat. Ich mach&#8217;s aber trotzdem: also ne weitere Rezi tippen. Einfach aus dem Grund heraus, weil ich gerade Lust und Zeit dafür habe). Und wenn man <a href="https://www.perlentaucher.de/buch/frank-schaetzing/der-schwarm.html">den zugrundeliegenden Roman</a> gelesen hat – ich hab den, ehrlich gesagt, wegen der enormen Seitenzahl bisher nicht angefasst –, ist das zwar kein Nachteil, man kann den Unterhaltungswert eines Films aber auch ganz gut ohne diese Kenntnis beurteilen. Zumindest einer wie ich, der VIELE Filme anschaut, kann das. Ach so, bevor ich es vergesse: Serien haben immer die Tendenz zur Langatmigkeit, weshalb ich 90- oder 120-Minuten-Produktionen eindeutig bevorzuge.</p>
<p>Und damit wollen wir uns von den langweiligen einschränkenden Bedingungen ab- und dem Schwarm zuwenden.</p>
<h2>An und für sich ne spannende Geschichte</h2>
<p>Der Plot ist schnell erzählt: In der arktischen Tiefsee leben seit Jahrmillionen Einzeller, die in der Lage sind, sich miteinander zu vernetzen und mittels dieser Agglomeration (als Schwarm) sowohl Intelligenz als auch enorme Kraft zu entwickeln. Diese, von den Wissenschaftlern, die sie aufgespürt haben, YRR getaufte, Lebensform hat erkannt, dass es für unseren Planeten mittlerweile 1 Minute vor Mitternacht ist, und beginnt plötzlich damit, sich gegen den größten Ressourcenkiller des Universums, den Menschen, zu wehren. Die Folge sind Plagen biblischen Ausmaßes: Hummer, die tödliches Gift verspritzen, das in die Kanalisation und von dort in den menschlichen Magen gespült wird, Krebse, die unsere Küsten fluten und jeden auffressen, dem nicht rechtzeitig die Flucht gelingt. Aggressive Wale greifen Touristen an. Tsunamis zerstören die am Meer gelegenen Städte. Der Schwarm kann sogar hochmoderne Schiffe zum Kentern bringen. Das oben genannte Wissenschaftlerteam versucht nun verzweifelt, Kontakt mit YRR aufzunehmen, um mit dieser, uns überlegen erscheinenden, Spezies auf dem Verhandlungsweg zu einer friedlichen Koexistenz zu gelangen, bevor die gesamte Menschheit ausgerottet wird. Mehr soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden.</p>
<p>Geschichte, auch wenn sie mir nicht völlig neu vorkommt, ist schon intelligent und könnte durchaus spannend erzählt werden. Ob man dafür allerdings ne Serie benötigt, oder das nicht auch auf der Wegstrecke von 120 Minuten bewerkstelligen kann – daran scheiden sich die cineastischen Geschmäcker.</p>
<h2>Der Daseinszweck von Serien</h2>
<p><a href="https://texte-zur-sache.de/2023/11/12/ist-frank-g-der-wiedergeborene-hank-c/">„Ich schaue deshalb gerne Serien, weil in denen – im Gegensatz zum 90-Minuten-Film – die Charaktere langsamer entwickelt werden und so mehr Tiefe erhalten“</a>, erklärte mir noch vor kurzem eine befreundete Autorin. Das mag durchaus so sein und mag auch für manche Serien gelten – für „Der Schwarm“ trifft es hingegen Nullkommanull zu. Selten habe ich so lieblos, jederzeit austauschbare, Figuren gesehen wie in dieser Produktion. Zu keinem Akteur baute ich als Zuschauer eine engere Bindung auf, ob 2 Darsteller – wegen eines Ruckzuck-Tsunamis – mittendrin plötzlich weg waren – wen juckte das? Die Liebesbeziehungen („das Pilchern“ wie Frank Schätzing das bezeichnete) bar jeglichen Tiefgangs, völlig belanglos, einfach nur ins Drehbuch reingefummelt, weil’s in Serien hin und wieder halt auch zwischenmenschlich ein bisschen knistern muss. Da steckt in jeder Kölner Süßwasserpfütze mehr YRR-Erotik drin als in den im Schwarm gezeigten Diversity-Romanzen.</p>
<p><strong>Zwischenfazit</strong> <strong>&#8222;weshalb ne Serie?&#8220;</strong>: aus dem Roman hat man v.a. deshalb 8 Folgen gemacht, weil so mehr Sendezeit generiert wird. Mit Spannungsbogen und Figurenentwicklung hatte das nichts zu tun.</p>
<h2>Kartoffel-ernste Dialoge</h2>
<p>Niemand, der seine 5 cineastischen Sinne beisammen hat, verlangt von einem adaptierten Drehbuch, dass darin die Romanvorlage 1 zu 1 umgesetzt wird. Man kann stundenlang (und oft ergebnislos) darüber diskutieren, wie viel Original in einer Verfilmung drinstecken soll. Ob es evtl Sinn ergibt, die Handlung etwas umzustricken, Figuren komplett rausfallen zu lassen u andere Charaktere umzumodellieren. Auch muss der Erzählstrang nicht immer sklavisch der Vorlage folgen. Zelluloid ist nun mal ein anderes Medium als bedrucktes Papier. Das ändert aber mMn nichts an der grundlegenden Bedingung, dass ein Autor sein Werk in der Verfilmung nach wie vor erkennen sollte. Und das scheint, wenn man Frank Schätzings Kritik Glauben schenkt, die er in diversen Medien geäußert hat, streckenweise nicht der Fall gewesen zu sein. Ich kann das jedoch – siehe oben einschränkende Bedingung (3) – nicht abschließend beurteilen.</p>
<p>Was ich jedoch beurteilen kann: selten habe ich derart langweilig-belehrende Dialoge – und die werden ja vom Drehbuchautor geschrieben – gehört wie in „Der Schwarm“. Noch nie habe ich Fiktion gesehen, bei der jeglicher, auch nur winzigkleine, Anflug von Humor komplett aus den Unterhaltungen gestrichen wurde. Mitunter fühlte ich mich am Bildschirm in Homeoffice-Universitätsseminare versetzt. Und ich tue dabei vielen Universitätsseminaren Unrecht, denn in denen werden mitunter Witze gerissen und darf zwischendurch auch mal gelacht werden.</p>
<p>Gibt’s beim ZDF keine Qualitätskontrolle für Drehbücher?</p>
<p><strong>Zwischenfazit Drehbuch</strong>: von allen kartoffel-ernsten Produktionen, die ich kenne, ist „Der Schwarm“ eine der kartoffeligsten.</p>
<h2>3 Gesichtsausdrücke</h2>
<blockquote><p>Deutsche Schauspieler (m/w/d, Hautfarbe egal) beherrschen 3 Gesichtsausdrücke:<br />
 sehr ernst<br />
 mittelernst<br />
 nicht ganz so ernst, aber immer noch ernst genug</p></blockquote>
<p>… schrieb ich in einem Facebook-Post nach Ansehen der Folgen 1 &amp; 2, um mich am Ende der Serie zu korrigieren:</p>
<blockquote><p>Es waren Akteure dabei, die exakt 1 Miene draufhatten (u zwar über die Wegstrecke von 8 Folgen). Bei einigen vermute ich sogar eine temporäre Gesichtslähmung.</p></blockquote>
<p>Dass ich von Diversität auf Teufel komm raus bei den Rollenbesetzungen wenig halte, will ich hier nicht weiter ausführen. Das ist ein Thema für sich und hat mit meiner Einschätzung der Spannung/Suspense – einzig um die geht es in dieser Kolumne – nichts zu tun. Ganz unerwähnt wollte ich es jedoch auch nicht lassen.</p>
<p><strong>Zwischenfazit Darsteller</strong>: ob ich mir den Bergdoktor, die Rosenheim Cops oder Der Schwarm ansehe – die schauspielerische Leistung ist immer dieselbe.</p>
<h2>Das große Gähnen</h2>
<p>Dass Frank Schätzing unzufrieden mit der filmischen Umsetzung seines Romans ist, kann ich gut nachvollziehen. Selten (nie?) wurde eine spannende Geschichte derart ideenlos in Szene gesetzt wie in der ZDF-Produktion „Der Schwarm“. Da waren ja manche Weihnachts-Vierteiler der 70-er und 80-er Jahre direkt cineastische Highlights im Vergleich. Mir völlig unbegreiflich, weshalb die Regie nicht mehr auf Bildersprache setzte (was sich bei Bedrohung aus der Tiefsee und biblischen Plagen ja geradezu anbietet), sondern ständig alles von den Wissenschaftlern in sterbenslangweiligen Dialogen und Vorträgen erklären lässt. „Show, don’t tell!“ – kennt man diese goldene Erzähl-Regel nicht in deutschen Produktionsfirmen?</p>
<p>Der Schwarm als TV-Serie mutet an wie die Inszenierung einer Schauspielgruppe aus der Mittelstufe, bei der auch die Eltern mitwirken dürfen: oberflächliche Handlung mit weichgespülten Charakteren jeglicher Hautfarbe und sexueller Orientierung, bar jeder Boshaftigkeit oder bloß menschlichen Kanten, deren einziges Anliegen darin besteht, 24/7 die Welt zu retten. Garniert mit kartoffel-ernsten Dialogen bis zum Erbrechen, die aber jederzeit 1 zu 1 in Fachaufsätzen zum Thema „politisch korrektes Reden“ als Zitate abgedruckt werden können. Wär’s ne Doku gewesen, dann okay. Bei Fiktion denke ich hingegen: oh weh! Dieses mediokre Zeug wird allen Ernstes als Highend-Produktion gelabelt? Da waren die meisten Folgen von Monaco Franze high-endiger als der dröge Schmarrn (pardon: Schwarm).</p>
<p><strong>Finales Fazit</strong>: Das große Gähnen oder: wie ich es schaffe, 40 Millionen Euro im Polarmeer völlig uninspiriert zu verbrennen (bzw. den Nordatlantik runterzuspülen).</p>
<p><strong>Bewertung</strong>: 5 (von 10) Punkten. Aber nur, weil es die zugrundeliegende Geschichte tatsächlich wert ist, erzählt/gezeigt zu werden.</p>
<p><strong>PS.</strong> die Folgen 1 bis 8 stehen in der <a href="https://www.zdf.de/">ZDF-Mediathek</a> zum Abruf bereit.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/das-grosse-gaehnen/">Das große Gähnen</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das langsame Sterben der &#8222;Walking Dead&#8220;</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/das-langsame-sterben-der-walking-dead/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Mar 2018 08:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[AMC]]></category>
		<category><![CDATA[Carl Grimes]]></category>
		<category><![CDATA[Negan]]></category>
		<category><![CDATA[Rick Grimes]]></category>
		<category><![CDATA[Serien]]></category>
		<category><![CDATA[The Walking Dead]]></category>
		<category><![CDATA[Zombie-Apokalypse]]></category>
		<category><![CDATA[Zuschauerquote]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einst feierten Fans und Feuilleton "The Walking Dead" als "beste Fernsehserie der Welt". Auch die Quoten kannten nur eine Richtung: nach oben. Inzwischen sieht das anders aus: Die Quoten sinken und Fans mäkeln an den neuen Folgen herum. Schuld daran haben auch die Drehbuchautoren, die den Zombies inzwischen eine Nebenrolle zugewiesen haben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/das-langsame-sterben-der-walking-dead/">Das langsame Sterben der &#8222;Walking Dead&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass der Himmel nicht die Grenze ist, erfahren die Macher von &#8222;The Walking Dead&#8220; (TWD) gerade Woche für Woche. Während die fünfte Staffel der Zombie-Apokalypse noch fast 15 Millionen hatte, schafft die aktuelle Staffel 8 gerade mal etwas mehr als acht Millionen. Irgendetwas muss mit dem früheren Sheriff Rick Grimes und seiner Gemeinschaft passiert sein, damit das einst als <a href="http://www.quotenmeter.de/n/69913/the-walking-dead-laeuft-ausser-konkurrenz">&#8222;beste Serie der Welt&#8220;</a> gefeierte Programm derart an Zuspruch verlieren konnte.</p>
<p>Am plötzlichen und unerwarteten Sterben vieler Hauptfiguren kann es nicht liegen. Zum einen gehört der Tod beliebter Charaktere von Anfang an zur Grundstruktur des Endzeitepos. Ricks Ehefrau Lori, Sheriff-Kumpel Shane und Tierarzt Hershel sind nur die bekanntesten Personen, die es nicht einmal bis in die gefeierte Staffel Fünf geschafft haben. Außerdem funktioniert auch eine Serie wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Game_of_Thrones">&#8222;Game of Thrones&#8220;</a> trotz oder gerade wegen ihres noch höheren Verschleißes an Helden nach wie vor prächtig.</p>
<h2>Zenit ist Überschritten</h2>
<p>Wie Politiker laufen auch Serien Gefahr, mit zunehmender &#8222;Dienstzeit&#8220; an Glanz und Strahlkraft zu verlieren. Selbst an der Handlung von &#8222;Game of Thrones&#8220; mäkeln ja inzwischen einige herum. Dabei ist dieses Format &#8222;erst&#8220; in Staffel 7 angekommen und liegt damit eine Runde hinter den &#8222;Walking Dead&#8220; zurück. Anderen Programmen ging schon früher die Luft aus. Und deutsche Endlosproduktionen wie &#8222;Tatort&#8220; oder &#8222;Der Alte&#8220; wirken mit ihrer kultivierten Langeweile ohnehin wie die wahren lebendigen Toten. Wen wundert da, dass ein Plot, der auf die ewige Konfrontation einiger Überlebender der Apokalypse mit den Heeren von Untoten setzt, irgendwann auserzählt erscheint.</p>
<p>Vermutlich haben die Serienmacher diese Gefahr erkannt und deshalb früh die Perspektive gewechselt. Bereits von der dritten Staffel an ließen sie Ricks Gefolgschaft nicht bloß gegen Zombies kämpfen, sondern immer öfter auch gegen feindlich gesinnte Menschen. Am Anfang hat sich dieser Twist ausgezahlt. Durchaus eindringlich wurde vorgeführt, wie menschliche Wesen im Kampf ums nackte Überleben ihre, über Jahrhunderte hinweg antrainierten Konventionen vergessen und &#8211; angesichts des Fehlens jeder staatlichen oder religiösen Ordnung &#8211; wieder bei der ewig gültigen Botschaft ankommen, die Thomas Hobbes auf den Punkt gebracht hat: „Homo homini lupus“ („Der Mensch ist dem Menschen Wolf“).</p>
<h2>Zombies sind nur noch Staffage</h2>
<p>Was die TWD-Produzenten offenbar nicht bedacht haben: Je übler die Menschen werden, desto mehr verkommen die Zombies zur Staffage. Dabei waren sie einst als tragendes Element und Namensgeber der Serie angelegt. Im Krieg des Rick-Lagers gegen die Truppen des aktuellen Superschurken Negan werden die Untoten nur noch als Waffen eingesetzt. Die Menschen fürchten die Zombies nicht mehr, weil sie die meiste Zeit damit beschäftigt sind, sich vor ihres Gleichen zu fürchten. Im Spruch eines Twitter-Nutzers: Negan hat &#8222;The Walking Dead&#8220; getötet, steckt deshalb mehr als nur ein Körnchen Wahrheit.</p>
<p>Tatsächlich begannen die Einschaltquoten, irgendwann um Negans ersten Auftritt herum, deutlich zu sinken. Was aber nicht an der Figur per se liegt, sondern an der endgültigen Abkehr von den Ursprüngen der Serie. Ricks Gruppe strebt nun nicht mehr danach, einen Ausweg aus ihrer postapokalyptischen Welt zu finden, also ein Art &#8222;Dryland&#8220; wie in Kevin Kostners wesensgleichem Film <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Waterworld">&#8222;Waterworld&#8220;</a>. Ihnen geht es nur noch darum, ihr kleines, Alexandria genanntes Refugium gegen aggressive menschliche Feinde zu verteidigen. In den Vordergrund sind Kampfszenen gerückt, wie man sie aus tausenden Action- oder Kriegsfilmen zur Genüge kennt. Hinzu kommen ausgiebige Charakterstudien der beiden Antipoden Negan und Rick. Beinahe die halbe siebte Staffel hindurch wurde gezeigt, wie sich die Persönlichkeit des Ex-Sheriffs angesichts der zahlreichen Demütigungen durch Negan verändert. Was Freunden des Cine Arte unter anderem Umständen ein Fest wäre, kommt vielen Stammkunden von &#8222;The Walking Dead&#8220; dagegen höchst gewöhnungsbedürftig vor.</p>
<h2>Hat Negan &#8222;The Walking Dead&#8220; getötet?</h2>
<p>Vielleicht hat Oberschuft Negan mittlerweile auch zu viele und zu beliebte Hauptfiguren getötet. Eines seiner ersten Opfer, Glen Rhee, war vom Serienstart an dabei und neben Rick sowie Motorradfan Daryl Dixon vielleicht einer der größten Sympathieträger überhaupt. Dass dann noch Ricks Sohn Carl nach einem Zombiebiss sterben musste, ließ den Fanfrust endgültig anschwellen. Viele treue Zuschauer sahen in dem Sheriffsprössling nicht nur den künftigen Anführer, sondern beinahe schon eine Art Messias für eine Welt im Endzeit-Modus. Selbst Negan war vom Jungen seines Erzfeindes so begeistert, dass er ihn vom Stand weg zu seinem Schüler machen wollte. Vielleicht hätte sich daraus sogar eine Art Anakin/Darth Vader-Metamorphose entwickeln können. Es wäre mit Sicherheit nicht die schlechteste Idee in der jüngeren Geschichte von &#8222;The Walking Dead&#8220; gewesen.</p>
<p>Wie gesagt: Auch bei &#8222;Game of Thrones&#8220; wird wie am Fließband gestorben, dennoch scheinen einige Figuren sogar <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_R._R._Martin">George R. R. Martin</a>, dem Erfinder dieser Serie mit dem Motto &#8222;Jeder Mensch muss sterben&#8220;, heilig zu sein. Dass den Machern von &#8222;Walking Dead&#8220; nichts heilig ist, passt zwar zu ihrem apokalyptischen Stoff. Fans brauchen aber Idole und Identifikationsfiguren. Sollte bald auch Rick, der im Laufe der jüngsten beiden Staffeln deutlich an Tatkraft und Führungsqualitäten eingebüßt hat, von Negan oder den Zombies ins Jenseits befördert werden, dürfte dies das endgültige Aus für TWD einläuten. Meiner Meinung nach kann eine solche Serie ohne ihre zentrale Ankerfigur auch nicht funktionieren. So wenig, wie &#8222;Dallas&#8220; ohne Bobby Ewing funktioniert hat. Deshalb ließen die Produzenten ihn wieder auferstehen, als der Quoteneinbruch zu schlimm wurde. In die alte Erfolgsspur gelangte die Öl-Seifenoper trotzdem nie wieder.</p>
<h2>Zurück zu den Anfängen</h2>
<p>Aber selbst wenn Rick in der neunten Staffel wieder mit von der Partie sein sollte, wären die &#8222;Walking Dead&#8220; längst nicht über dem Berg. Die Serie müsste erst zu ihren Wurzeln zurückfinden und trotzdem noch genug Neues bieten, was in etwa der Quadratur des Kreises gleichen dürfte. Das heißt: Falls der Krieg zwischen dem Sheriff und Negan irgendwann endet, darf nicht gleich ein neuer, noch üblerer Bandit zum Tanz bitten. Besser wäre es, den Faden, der mit der geplanten Reise von Ricks Gemeinschaft zu ehemaligen Regierungsstellen in Washington gelegt wurde, wieder aufzunehmen. Irgendwo muss es Hoffnung auf ein Ende der Zombie-Apokalypse geben. Rick &amp; Co sollten danach suchen und sich nicht weiter als Endzeit-Rambos verschleißen. Wenn auch das nichts hilft, müssen die Produzenten den Mut haben, das Kapitel &#8222;The Walking Dead&#8220; zu schließen. Es hat eben doch alles ein Ende, nur die Wurst hat zwei.</p>
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		<title>Der Messias von Westeros</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Apr 2016 09:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Das Lied von Feuer und Eis]]></category>
		<category><![CDATA[Game of Thrones]]></category>
		<category><![CDATA[George R. R. Martin]]></category>
		<category><![CDATA[Jon Snow]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtwache]]></category>
		<category><![CDATA[Serien]]></category>
		<category><![CDATA[Wiedergeburt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Sonntag startet die sechste Staffel von "Game of Thrones". Dann erhalten die Fans eine Antwort auf die Frage, ob Serienheld Jon Snow noch lebt oder wenigstens eine anständige Wiederauferstehung hinbekommt. Dabei wird eine andere Figur für den Fortgang immer wichtiger.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Leute, die sich dafür interessieren, ob Hillary Clinton oder Bernie Sanders, Donald Trump oder Ted Cruz um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen. Und es mag welche geben, die immer noch wissen wollen, ob der für 2012 avisierte Flughafen der deutschen Hauptstadt irgendwann in mittelferner Zukunft seiner Bestimmung übergeben wird. Für die meisten Menschen auf dieser Erde indes hat an diesem Wochenende eine andere Frage Priorität: Lebt Jon Snow?</p>
<p>Für alle, die weder Fans der Serie „Game of Thrones“ (GoT) sind, noch die Buchreihe „Das Lied von Feuer und Eis“ kennen, mag der Hype unvorstellbar sein. Echte „GoT“-Anhänger indes beschäftigt seit vergangenem Sommer kaum etwas so sehr, wie die Zukunft dieser Hauptfigur. Glaubte man Snow doch dazu berufen, einer ganzen Phantasiewelt die Erlösung von Krieg, Kabale und Intrigen zu bringen. Und so einer soll die Szenerie für immer verlassen? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, hofft ein Großteil der „GoT“-Gemeinde, dass ihr Liebling von den Toten aufersteht. Allerdings nicht nach der Schrift. Denn die Romanvorlage ist bereits zu einem vorläufigen Ende gekommen. Was sich Autor George R. R. Martin nun für die Serie ausdenkt, ist in der Tat Neuland.</p>
<h2>Warten auf die Auferstehung</h2>
<p>Snow als Christus von Westeros, auferstanden von den Toten: Eine Nummer kleiner, so kann man denken, macht es Martin nicht. Die meisten Morde, die meiste Gewalt, die finstersten Schurken. Wer sich so um Superlative müht, braucht fürs Schlusskapitel einen echten Knalleffekt. Und was käme besser, als ein Messias. Um so einer zu werden, bräuchte Snow schon eine Auferstehung, das gehört zum guten Ton. Dann, und nur, dann würde der Filmtod für die Fans einen Sinn ergeben. Ein Kniff, den man angesichts der bisherigen Dramaturgie der Serie nicht ganz von der Hand weisen kann.</p>
<p>So muss man sich „Game of Thrones“ wie eine Mischung aus Mittelaltermärchen, Shakespeare`scher Tragödie und einer Seifen-Oper à la Dallas mit jeder Menge Familienränke vorstellen. Drachen, Magie und Geister kommen darin ebenso vor, wie Liebesschmerz, Neid und Inzucht. Der Unterschied zu den meisten anderen Filmepen: In Martins Kosmos gibt es kein Gut und kein Böse, kein Schwarz und kein Weiß. Nur allerlei Schattierungen von Grau. So vollbringt fast jede Hauptfigur ebenso Heldentaten wie Schurkereien. Ein Seitensprung gilt fast schon als lässliche Sünde. Bei Vater- oder Brudermord fängt das Strafregister eigentlich erst an zu zählen. Und wer wirklich zwei Folgen lang ohne Missetat durch den fiktiven Kontinent Westeros gewandelt ist, droht garantiert in einer der nächsten Szenen gemeuchelt zu werden. „Valar morghulis – jeder Mensch muss sterben“, lautet das aus der Kunstsprache Valyrisch übersetzte Motto der Serie.</p>
<h2>„Valar morghulis – jeder Mensch muss sterben“</h2>
<p>Jeder Mensch muss sterben – bis auf Jon Snow, konnte man lange Zeit entgegnen. Denn der uneheliche Sohn des Warlords Ned Stark, einem früh gekillten Helden der ersten Staffel, passte in kein Schema. Er schien irgendwie ohne Sünde zu sein und durfte dennoch leben, ganze fünf Staffeln sogar. Anstatt sich mit seinen Halbbrüdern in den Bürgerkriegen von Westeros zu balgen, zog es Snow vor, sich der Nachtwache zu verschreiben. Einer zölibatär lebenden Ritterkaste, die in einer entlegenen Bergfeste lebt und vor allem eine Aufgabe hat: Westeros vor in Wildnis lebenden Völkern von jenseits der Grenze zu schützen. Zyniker würden sagen, eine Art Frontex des Mittelalters. In dieser rauen Männergemeinschaft wirkte Snow wie der große Außenseiter. Er war gebildeter, weltläufiger und weniger grobschlächtig. Zwar verstand Snow zu kämpfen, dennoch blieben Redegewandtheit und Verstand seine stärksten Waffen. Und als ihm Stanis Baratheon, ein anderer Warlord, anbot, den Mord an seinem Vater zu rächen und gemeinsam die Heimat zurückzuerobern, lehnte Snow ab. Sein Reich schien wirklich nicht mehr von dieser Welt zu sein. Und messianische Feindesliebe und Barmherzigkeit hatte der Grenzritter auch drauf.</p>
<p>Schnell brachte es Snow vom Außenseiter zum Lordkommandanten der Nachtwache. In dieser Funktion traf er dann eine folgenschwere Entscheidung. Als die Stämme jenseits der Grenze vom immer härteren Winter und einer Geisterarmee bedroht wurden, öffnete der Fürstensohn die Grenzpforte. Rasch rief Snows moralischer Imperativ seine Gegner auf den Plan, die, man befindet sich irgendwie im Mittelalter, keine Rechtsgutachten in Auftrag gaben, sondern zu finsterer Tat schritten. In einem Hinterhalt metzelten sie ihren Herrn und Meister. So die vorläufig letzte Szene der Saga, die Fans und Beobachter bis heute verzweifeln oder spekulieren lässt. Zumal auch der Verrat durch Gefolgsleute eine Analogie zum biblischen Messias ist.</p>
<h2>Jon Snow ist tot. Aber wie lange?</h2>
<p>In der Nacht von Sonntag auf Montag können zumindest die Sky-Abonnenten den Fortgang mit eigenen Augen verfolgen. Alle anderen müssen sich gedulden, bis die sechste Staffel von „GoT“ im Free-TV gezeigt wird oder im Stream bzw. auf DVD erhältlich ist.</p>
<p>Wagen wir eine Prognose!</p>
<p>Mit Sicherheit hat Snow die Metzelei durch die Nachtwache nicht überlebt, ansonsten würde auch Autor Martin seinem „Valar Morghulis“-Grundsatz untreu. Zudem ist es gerade die Stärke von „GoT“, dass die Serie mit allen heile Welt und Happy End-Konventionen bricht. In einem Martin-Plot kann Jon Snow nicht wie Aragorn in „Herr der Ringe“ am Ende als König mit hübscher Braut auf dem Eisernen Thron sitzen. Das wäre ja so etwas von Rosamunde Pilcher.</p>
<h2>Preis für Blutzauber wäre zu hoch</h2>
<p>Auch eine andere Hoffnung der Snow-Jüngerschaft, die Wiedererweckung durch die Blutzauberin Melisandre, wäre eine dramaturgische Enttäuschung. Sicher, die Hexerin hat Wiederauferstehungen im Repertoire, das hat sie schon eindrucksvoll bewiesen. Auch war sie bereits bei Snow auf der Festung und hat ihn dort ordentlich bezirzt. Aber was wäre das für eine Mesalliance? Hier die böse Frau, die Kinder ins Feuer werfen lässt, damit ihre Väter Kriegsglück haben. Dort der gute Mensch von Westeros, der sein Leben nicht nur für seine Freunde, sondern sogar für Wildfremde hingibt?</p>
<p>Nein, dieses Bündnis erschiene unglaubwürdig und gekünstelt. Zudem dürfte Melisandre nicht die Art von Frau sein, die andere Menschen für lau wieder zum Leben erweckt. Nein, diese obskure Magierin würde einen Preis von Snow fordern. Und der dürfte hoch und schmutzig sein. Zu hoch und zu schmutzig für einen Fast-schon-Messias.</p>
<h2>Ist Sansa die wahre Schlüsselfigur?</h2>
<p>Wir entscheiden uns deshalb für die Yoda-Variante! Snow stirbt, aber sein Geist lebt weiter. Entweder fährt er in ein Tier ein, was in der Serie auch gängige Praxis ist. Oder der einstige Grenzschützer wird zu einem der Wesen mit wechselndem Gesicht, die ebenfalls zur „GoT“ Grundausstattung gehören. Vielleicht macht es Snow aber wirklich wie Jesus und erscheint den Seinen in verklärter Form. Etwa seiner Schwester Sansa, die für uns die eigentliche Schlüsselfigur der finalen Staffeln werden könnte.</p>
<p>Weibliche Heldinnen sind gerade angesagt im Hollywood-Blockbuster-Kino. Katniss Everdeen aus „Tribute von Panem“ ist zur absoluten Trendsetterin geworden, die in Zeiten der Emanzipation gerade in den USA ziemlich viele Epigoninnen findet. J. J. Abramas hat mit Rey in seinem „Star Wars“-Sequel die wohl bekannteste von ihnen erschaffen. Beatrice Prior aus „Divergent“ ist ein anderes Beispiel. Folgt Martin diesem Trend?</p>
<h2>Vom Aschenputtel zur Kämpferin</h2>
<p>Dafür spricht: Sansa hat eine enorme Entwicklung genommen. Als braves Mädchen und hilflose Geisel der durchtriebenen Lennister-Sippe ist die älteste Halbschwester Jon Snows einst gestartet. Das Leben, schmutzige Ränke und unglückliche Zwangsehen haben die Lady immer härter und widerspenstiger lassen. Mit unglaublichem Selbstbehauptungswillen ist sie schließlich in Staffel fünf angekommen. Auch töten kann sie inzwischen, das ist unerlässlich bei Game of Thrones.</p>
<p>Erhält Sansa nun, wie einst Luke Sykwalker von Meister Yoda, brüderliche Unterweisungen aus dem Jenseits, könnte die Metamorphose zur Anführerin vollendet werden. Gleichzeitig wird an der Figur Sansa deutlich, was Martins Erzählkunst von anderen Filmhandlungen abhebt. Katniss Everdeen und Beatrice Prior waren von Anfang an stark und sind wohl schon mit geballter Faust auf die Welt gekommen. Sansa Stark musste – nomen est omen – stark werden, weil die Umstände sie dazu zwangen. Den gesamten Prozess kann man in der Serie verfolgen. Es wäre nur Konsequent, würde Martin diesen Wandel jetzt auf einen finalen Höhepunkt zusteuern lassen.</p>
<p>Aber Martin wäre nicht Martin, wenn es am Ende nicht ganz anders käme und auch Sansa bald schon den Gang alles Irdischen gehen müsste. Auch Snow-Jünger müssen zugeben, dass gerade das „Valar Morghulis“, das Wegsterben der Heroen, die ständigen Brüche und unvorhergesehen Wendungen das Salz in der Suppe von „GoT“ sind. Wer das nicht mag, kann „In aller Freundschaft“ schauen.</p>
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		<title>Die (Fernseh-) Wüste lebt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kern]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Apr 2016 05:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andreas Kern: La vida Tombola]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Ostermontag lief "Sherlock" direkt nach dem "Tatort". Größer kann die die Fallhöhe zwischen genialem Fernsehen und Massenware nicht sein. Briten, US-Amerikaner aber auch Skandinavier sind deutschen Produktionen um Jahre voraus. Besserung ist nicht in Sicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Von Woody Allen wird erzählt, dass er sich die Beziehungskomödie „Der bewegte Mann“ in einem Off-Kino angesehen habe, um den deutschen Humor zu verstehen. Der US-Regisseur soll das Lichtspielhaus verstört verlassen haben. Ob Allen auch „Tatort“ oder „Der Alte“ gesehen hat, ist nicht bekannt. Man muss aber kein US-Filmgenie sein, um deutsche Krimimassenware als international höchstens viertklassig abzutun. Getretener Quark wird breit, nicht stark, das wusste schon Dichterfürst Goethe.</p>
<p style="text-align: left;">Die Programmverantwortlichen der deutschen Sender indes scheinen sich um diese Weisheit nicht zu scheren. Ansonsten würden sie manche Formate nicht so zu Tode inflationieren, wie es sonst nur die venezolanische Staatsbank mit ihrer Landeswährung Bolivar tut.</p>
<h2>&#8222;Der Alte&#8220; ist der wahre &#8222;Walking Dead&#8220;</h2>
<p>Gefühlt hat jedes mittelfränkische Mittelzentrum inzwischen sein Tatort-Ermittlerteam und „Der Alte“ wandelt schon in der dritten oder vierten Inkarnation durch die Münchner Vorortvillen, quasi als echter „Walking Dead“. Kein Wunder, dass den Drehbüchern dieser Endlosserien die Luft ausgehen muss. Längst bin ich aus der deutschen Serienwelt ausgestiegen und halte mich an britischen oder US-amerikanischen Produktionen schadlos. Die sind entweder unterhaltsamer, innovativer oder lustiger als hiesige Produktionen. Meist aber, wie im Fall von „Sherlock“ oder „Game of Thrones“ schlagen sie die Fernsehware aus Germany in allen Kategorien.</p>
<p>Als mit Kassel die dritte Stadt meiner hessischen Heimat ein <a title="Jedes Nest hat einen Tatort-Ermittler" href="http://diekolumnisten.de/2016/02/15/out-of-hildburghausen/" target="_blank" rel="noopener">Tatort-Ermittlerteam </a>bekam, habe ich mich an dieser Stelle über diesen Dinosaurier deutscher Fernsehunterhaltung ausgelassen. Die Reaktionen darauf waren nicht durchweg positiv. Einige Bekannte verwiesen auf den Anspruch der Serie, andere auf Highlights &#8211; wie den Münsteraner Tatort-, der eher einem Comedy-Film als einem Polizeiformat ähnelt. Auch wurden die noch immer sehr hohen Quoten angeführt, die der Tatort allsonntäglich verbuchen kann.</p>
<h2>ARD und ZDF altern mit ihren Zuschauern</h2>
<p>Letzteres ist mir ein Rätsel. Erklären kann ich es mir mit einem gewissen Strukturkonservatismus, der die Deutschen wohl in ihrem Wesen auszeichnet. Zu Revolutionen fühlte sich unser Volk nie berufen. Nicht einmal, wenn man dazu nur den Um- oder Ausschaltknopf auf der Fernbedienung drücken müsste. Zudem altern ARD und ZDF mit ihren Zuschauern – und ältere Menschen ändern ihre Gewohnheiten erst recht nicht. Lieber schläft man mit dem &#8222;Alten&#8220; oder Lena Odenthal ein, als dass man sich an den lüsternen Zwerg aus „Game of Thrones“ oder den Bomben legenden Konvertiten aus „Homeland“ heranwagt. In einem Land, in dem Florian Silbereisen und der Musikantenstadl reüssieren und Helene Fischer als Superstar gilt, können auch Gähngestalten wie Schenk und Ballauf ihr lebenslanges TV-Refugium haben.</p>
<p>Als Helmut Kohl 300.000 Menschen auf der Bonner Hofgartenwiese gegen die Nachrüstung demonstrieren sah, kamen ihm Zweifel an seiner Sicherheitspolitik. Können all diese Menschen unrecht haben, hat er sich gefragt. Später erst habe die Geschichte aus seiner Sicht die Antwort gegeben. Angesichts der unzähligen Tatort-Fans frage auch ich mich: Können sich all diese Fans irren oder liegst nicht Du mit Deiner Ablehnung der Reihe daneben?</p>
<h2>Fallhöhe zwischen Cumberbatch und Makatsch</h2>
<p>So lange wie beim Altbundeskanzler hat es bei mir nicht gedauert, bis ich mich in meiner Position bestätigt sah. Genau genommen, fiel es mir am Ostermontag wie im tagesaktuellen Emmaus-Evangelium wie Schuppen von den Augen. Da lief direkt im Anschluss an einen Tatort mit Ex-VIVA-Girlie Heike Makatsch eine Sonderfolge der hoch gehandelten Serie „Sherlock“. Zwar habe ich nur die BBC-Produktion mit dem koksenden Kultdetektiv gesehen, aber die Reaktionen von Kritikern und Fans reichten mir zum Vergleich.</p>
<p>Bezeichnend eine <a title="Tatort ist wie PUR als Vorgruppe" href="https://twitter.com/ORasche/status/714658527315419136" target="_blank" rel="noopener">Äußerung</a> bei twitter: &#8222;Dieser Tatort und danach Sherlock, das ist wie ein Rolling Stones-Konzert mit PUR als Vorgruppe&#8220;. Weniger originell, dafür umso eindeutiger ein anderer<a title="Deutsches Fernsehen ist zum Weinen" href="https://twitter.com/nieschwietz/status/714543447177359361" target="_blank" rel="noopener"> tweet:</a> <a title="Sherlock schlägt Tatort" href="http://www.bild.de/unterhaltung/tv/tatort/versus-sherlock-starke-konkurrenz-fuer-makatsch-45098982.bild.html" target="_blank" rel="noopener">&#8222;#Sherlock:</a> Das ist einfach alles so gut gemacht, dass ich weinen muss, wenn ich an deutsches Fernsehen denke&#8220;. Drastischer kann man die Fallhöhe zwischen „Tatort“ und „Sherlock“, zwischen Heike Makatsch und Benedict Cumberbatch nicht auf den Punkt bringen.</p>
<h2>US-Sender haben größeren Markt</h2>
<p>Warum die Deutschen so erfolgslos Fernsehserien produzieren wie die US-Amerikaner (die Männer jedenfalls) Fußball spielen, darüber wurde schon viel geschrieben und noch mehr nachgedacht. Zum einen wird es mit dem größeren Markt und der größeren Zahl profilierter Schauspieler begründet. So kommen viele der innovativen Serien von HBO, einem Spartensender, der eben kein „Broadcasting“, kein Fernsehen für ein breites Publikum machen will, sondern sich auf anspruchsvolle Unterhaltung für klar definierte Zielgruppen (&#8222;narrow casting&#8220;) spezialisiert hat. &#8222;Game of Throne&#8220; etwa erzählt eine komplexe, durchgehende Geschichte, bei der die Zuschauer ständig am Ball bleiben müssen. Hauptfiguren kommen und gehen. Immer wieder werden neue Handlungsstränge entwickelt.</p>
<p>Zudem finanzieren sich viele der HBO-Erfolgsproduktionen durch DVD-Verkäufe oder weltweites Streaming bei Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime. US-amerikanische Populärkultur funktioniert eben auch in Europa und Asien. Deutsche Fernsehmacher dagegen finden einen begrenzten Markt. 80 Millionen Deutsche, rund 8 Millionen Österreicher, rund 8 Millionen Schweizer, eine Hand voll Liechtensteiner. Dazu Minderheiten in Luxemburg, Belgien, Südtirol und Namibia. Das war es.</p>
<h2>Auch Briten und Dänen liefern starke Formate</h2>
<p>Dabei sind viele Junge und Dynamische aus der deutschsprachigen Zielgruppe längst zu den Streaming-Portalen emigriert. Und dort wollen sie nicht unbedingt Stoffe aus München-Haidhausen oder Frankfurt-Bonames sehen. New York, London oder Phantasiewelten kommen besser an. Man hört ja auch nicht die Kastelruther Spatzen oder Bernhard Brink, sondern eher Coldplay oder Madonna, wenn nicht gar Iron Maiden oder Eminem.</p>
<p>Doch allein mit dem Mangel an Masse und finanziellen Möglichkeiten können sich die deutschen Sendeanstalten nicht herausreden. So stammt &#8222;Sherlock&#8220; nicht von einem US-amerikanischen Hipster-Kanal, sondern von der guten alten BBC, der Mutter aller öffentlich-rechtlichen Sender. Und der sollte kommerzieller Erfolg ebenso egal sein, wie ARD oder ZDF.</p>
<h2>Danmarks Radio hat kleineres Budget als ARD</h2>
<p>Ohnehin feuern die BBC und die private Konkurrenz von ITV immer wieder neue Geniestreiche ab. „Broadchurch“, „Luther&#8220; oder das kriminalistische Erweckungserlebnis der 90er Jahre „Für alle Fälle Fitz“ sind nur die bekanntesten Erfolgsserien von der Insel. Auch die Skandinavier liefern seit Jahren Produktionen ab, die hiesige Massenware klar in den Schatten stellen. „Die Brücke“, „Kommissarin Lund“ und „<a title="Borgen - ein Hit aus Dänemark" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Borgen_%E2%80%93_Gef%C3%A4hrliche_Seilschaften" target="_blank" rel="noopener">Borgen &#8211; Gefährliche Seilschaften</a>“ heißen einige der außergewöhnlichen Formate. Dabei verfügen Dänemark und Schweden nur über ein Zehntel der Einwohnerzahl Deutschlands. Auch ist der für &#8222;Borgen&#8220; verantwortliche Sender Danmarks Radio ebenfalls öffentlich-rechtlich organisiert. Er hat längst nicht das Budget von ARD oder ZDF.</p>
<p>So dürften Strukturkonservatismus, Kopflastigkeit und Risikoscheu die eigentlichen Fundamente der Serienwüste Deutschland sein. Der gesamte deutsche TV-Markt ist nicht innovationsfreundlich. In Schweden und Dänemark sieht das anders aus &#8211; da sind die Öffentlich-Rechtlichen an interessanten Co-Produktionen beteiligt. Hierzulande wird &#8211; so lange die Quoten stimmen &#8211; wie gewohnt weiter gewerkelt, werden halbtote Pferde zu Tote geritten. Das ist kurzfristig einfacher und billiger. Und es erspart den Verantwortlichen Konflikte in den hierarchisch organisierten Sendern.</p>
<h2>Neue Fehlerkultur muss her</h2>
<p>Mitentscheiden wollen beim deutschen Fernsehehen viele. Wo die trendigen US-Sender den Kreativen das Steuer überlassen, gilt in good old Germany immer noch das Prinzip der vielen Köche. Und oft haben diese Köche auch politische Loyalitäten zu berücksichtigen. Man stelle sich vor, in einer deutschen Rundfunkanstalt käme jemand auf die Idee, eine Serie mit Zombies, einem Drogen dealenden Lehrer oder einem notgeilen Gnom zu drehen und sie zur Hauptsendezeit auszustrahlen. Den Widerstand und die Bedenken in den Gremien kann man sich bildlich vorstellen. Floppt das Format erst einmal, weil ein Teil der Zuschauer wegen der komplexen Handlung aussteigt, kann es für den zuständigen Redakteur schnell ungemütlich werden. Mir ist unklar, ob FDP-Chef Christian Lindner auch an die hiesige Fernsehlandschaft denkt, wenn er immer wieder eine andere <a title="Lindner fordert andere Fehlerkultur" href="https://www.facebook.com/welt/videos/10153103608413115/" target="_blank" rel="noopener">Fehlerkultur </a>für Deutschland fordert. Dies wäre aber eine entscheidende Voraussetzung, damit es endlich einen deutschen &#8222;Sherlock&#8220; oder ein deutsches &#8222;Borgen&#8220; gibt.</p>
<p>Noch sind solche Produktionen aber nicht am Horizont erkennbar. Dafür aber jede Menge &#8222;Bergdoktor&#8220;, &#8222;In aller Freundschaft&#8220; oder &#8222;SOKO Leipzig&#8220;. Die deutsche (Fernseh-) Wüste, sie lebt!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/filme-und-serien/die-fernseh-wueste-lebt/">Die (Fernseh-) Wüste lebt</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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