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	<title>Sprache-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Sprache-Archiv - Texte zur Sache</title>
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		<title>Logik, die Kunst des vernünftigen Sprechens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Phil Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 05:30:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Jörg Phil Friedrich: Arte-Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Taylor]]></category>
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		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Logik ist mehr als formal korrektes Sprechen, es ist die Kunst der vernünftigen Rede. Die muss nicht den Prinzipien mathematischer Regeln entsprechen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/kultur/logik-die-kunst-des-vernuenftigen-sprechens/">Logik, die Kunst des vernünftigen Sprechens</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist Logik? Heute herrscht allgemein die Vorstellung, Logik sei die<a href="https://www.osa.fu-berlin.de/mathematik/aufgaben/mathematische_logik/index.html"> Lehre vom formal korrekten Sprechen und Schließen</a>. In der Logik, so meint man, treffen sich die Philosophie und die Mathematik. In dieser Sicht hat die Logik von der Mathematik das formal Exakte, während sie von der Philosophie das grundsätzliche Fragen nach den Bedingungen der Möglichkeit des richtigen Urteilens und Schlussfolgern habe.</p>
<p>In dieser Partnerschaft von Mathematik und Philosophie ist ein weit verzweigtes Wissenschaftsgebiet entstanden, in dem es nicht nur um die einfache Verknüpfung von schlichten Aussagen über Tatsachen geht, sondern auch um Urteile über Mögliches und Notwendiges, um Erlaubtes und Verbotenes oder um Erwünschtes und Unerwünschtes geht. Und trotzdem umfasst all das nur einen ganz kleinen Teil dessen, worum es in der Logik von ihrem Ursprung her geht und gehen kann.</p>
<p>Denn Logik ist, von ihrem griechischen Ursprung her gedacht, die Lehre vom vernünftigen Sprechen. Vernünftig ist Sprechen nicht unbedingt dadurch, dass es formal korrekt ist. Im Gegenteil, die Forderung, dass ein Sprechen, um vernünftig zu sein, den formalen Regeln einer mathematisierbaren Wissenschaft folgen müsste, ist eine Norm, die sich selbst der philosophischen Reflexion stellen müsste.</p>
<p>Vernünftig ist das, was jemand sagt, wenn es verständlich und begründet ist, und wenn die Begründungen von denen, die verstehen, auch akzeptiert werden. Logik im allgemeinen, wirklich philosophischen Sinne steht vor dem Rätsel, dass verständliches und begründetes Sprechen auch möglich ist, wenn es nicht formalen Regeln folgt, ja, dass es gute Gründe gibt, dass ein formal richtiges Sprechen gerade nicht eine Wahrheit zum Ausdruck bringen kann, die in einer weniger formalen Sprechweise, etwa in einem Roman oder in einem Gedicht, deutlich sichtbar wird. Jeder merkt im täglichen Gespräch, dass eine Sache oft dann klar und verständlich wird, wenn sie durch Aussagen erläutert wird, die sich im streng formalen Sinne widersprechen. Eine Logik, die den Namen verdient, muss auch solche Erfahrungen verständlich machen.</p>
<h2>Wittgenstein und Heidegger</h2>
<p>Mit seinem Buch „<a href="https://www.suhrkamp.de/buch/charles-taylor-das-sprachbegabte-tier-t-9783518587027">Das sprachbegabte Tier</a>“, das 2017 erschienen ist, hat der kanadische Philosoph <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Taylor_(Philosoph)">Charles Taylor</a>, ohne es ausdrücklich zu versprechen, einen unschätzbaren grundsätzlichen Beitrag zu einem solchen Projekt geleistet. Wie richtungsweisend sein Buch für die Zukunft des Philosophierens werden kann, spürt man schon, wenn man liest, mit welcher atemberaubenden Selbstverständlichkeit Taylor sich im gleichen Satz auf Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger beziehen kann. Er tut dies nicht, um zwei Denkrichtungen, die sich nach allgemeinem Verständnis weit voneinander entfernt haben, zu vereinigen. Im Gegenteil, er tut es, weil <a href="https://texte-zur-sache.de/2019/01/11/wahrheit/">Wittgenstein</a> und <a href="https://texte-zur-sache.de/2017/08/25/noch-einmal-zu-schmitt-und-heidegger/">Heidegger</a> sich in ihrem Denken über die Sprache eben im Grunde viel näher stehen, als es vor allem den Vertretern der Analytischen Philosophie, die gern an Wittgenstein anschließen, genehm sein dürfte.</p>
<p>Hier wird zusammen genannt, was zusammen gehört. Wittgenstein und Heidegger haben beide die schöpferische Kraft der Sprache und die ganze Vielfalt des wirklichen, alltäglichen Sprechens gesehen, und jeder von ihnen hat auf seine Weise davon gesprochen, dass diese Vielfalt, die sich in kein Korsett der formalen Logik zwängen lässt, das menschliche Sprechen, Denken und Weltverstehen ausmacht – mehr noch, dass es gerade dieses schöpferische, vielfältige Denken ist, das die Welt nicht nur verstehbar macht, sondern eine völlig neue Welt, in der der Mensch zu Hause ist, erst schafft.</p>
<p>Das systematisch zu begründen, zu erläutern und zu beschreiben, ist der Anspruch von Charles Taylor.</p>
<h2>Gegen den Mainstream der Analytischen Philosophie</h2>
<p>Überhaupt, der „Mainstream der Analytischen Philosophie“: Ihm gilt Taylors grundsätzliche Kritik. Den Versuchen der Philosophen dieser Richtung, das Sprechen in formale Regeln zu zwängen, weist er den Platz zu, der ihnen gebührt. Sie können zwar einen gewissen Bereich des Sprechens im Umfeld des naturwissenschaftlichen Denkens richtig beschreiben, sie können vielleicht sogar Normen identifizieren, die einen erfolgreichen Informationsaustausch und eine effiziente Argumentation in diesem Bereich ermöglichen – aber für andere Bereiche des Sprechens sind ihre Modelle und Regelwerke schlicht nicht anwendbar.</p>
<p>Um das zu begründen, stellt Taylor die Geschichte und die wesentlichen Argumentationslinien der Analytischen Sprachphilosophie kenntnisreich dar. So kann er sehr schön zeigen, wo die Grenzen dieses philosophischen Denkstils liegen. Vor allem kann er der Anmaßung begegnen, die Hauptfeinde dieser normierenden Sprachtheorie, nämlich das Nutzen von Metaphern und anderen rhetorischen Stilmitteln, aus der Sprache zu verbannen oder ihnen wenigstens einen untergeordneten Platz zuweisen zu wollen.</p>
<p>Taylor zeigt, dass die Fähigkeit des Menschen, eine bildhafte, metaphorische Sprache zu verwenden und zu verstehen, überhaupt die Voraussetzung jeglicher wirklich menschlicher, gesellschaftlicher Sprache ist. Gerade unser Vermögen, die neuen Bedeutungen zu verstehen, die aus dem „Verstoß“ gegen Regeln und der kreativen Erweiterung und Verlagerung von Wortbenutzungen entstehen, macht uns zu Menschen, die sich mit der Sprache eine Welt schaffen. Unsere menschliche Gesellschaft wäre ohne diese konstitutive Kraft der Sprache gar nicht möglich.</p>
<h2>Es gibt kein richtiges Sprechen</h2>
<p>Der Mainstream der Analytische Philosophie hat heute eine gewaltige normative Kraft entwickelt – gepaart mit dem naturwissenschaftlich-technischen Weltverständnis, welches unsere moderne Gesellschaft bis in die letzten Winkel prägt. Da werden Regelwerke geschaffen, die vorgeben, richtige und falsche Argumentationen in Diskussionen auseinanderhalten zu können. Ganze Kataloge von angeblich falschen Argumenten werden publiziert – und wer sich in einer Diskussion äußert, findet sich schnell in einer Schublade wieder. Allein die mal mehr und oft weniger plausible Klassifizierung einer Meinungsäußerung als „Fehlschluss“, als „Unlogisch“ oder als „Verstoß gegen die richtigen Argumentationsregeln“ soll reichen, um einen Diskutanten oder seine Wortmeldung aus der weiteren Diskussion auszuschließen.</p>
<p>Dabei ist eine jede Meinungsäußerung immer mehr als ein „objektiv gültiges“ Argument, gesetzt, es gäbe so etwas überhaupt. Und es muss auch mehr sein, damit es überhaupt zur Verständigung kommen kann. In jedem Diskussionsbeitrag, sei es im direkten Gespräch, sei es bei Facebook, schwingen immer persönliche Erfahrungen, Überzeugungen und Wünsche mit, sind die aktuelle Umgebung und die ganze Herkunft des Sprechers mit enthalten – auch in denen, die das formal richtige Sprechen und Argumentieren für sich reklamieren. Wir sind, das macht unsere soziale Sprachbegabung aus, auch in der Lage, all das zu erfassen, zu verstehen und zu berücksichtigen. Und das ist auch gut so, denn nur so kann es in Diskussionen wirklich Überzeugen und gemeinsames Umdenken geben.</p>
<p>Wer auf formalen Regeln beharrt, der kann vielleicht gewinnen, aber der kann keinen gemeinsamen Denkraum schaffen, in dem neues Denken und damit eine neue Welt entsteht. Das kann man bei Charles Taylor sehr gut lernen, und deshalb gehört sein Buch zu den wichtigsten, die in letzter Zeit erschienen sind.</p>
<p><em>(Werbung in eigener Sache: Zu diesem Thema ist im vergangenen Jahr mein Essay <a href="https://claudius.de/products/richtig-streiten">Richtig streiten</a> als Buch beim Claudius-Verlag erschienen.)</em></p>
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		<title>Sprach-Spiele statt Gendern</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/sprach-spiele-statt-gendern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jörg Phil Friedrich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Mar 2022 15:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Jörg Phil Friedrich: Arte-Fakten]]></category>
		<category><![CDATA[Gendern]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachspiel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um so zu sprechen, dass sich niemand verletzt oder diskriminiert fühlt, helfen vermutlich keine künstlichen Konstruktionen, sondern ein schöpferisch-spielerischer Umgang mit den Möglichkeiten unsere schönen und vielfältigen Sprache.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/sprach-spiele-statt-gendern/">Sprach-Spiele statt Gendern</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ein weit verbreitetes Unbehagen hinsichtlich der bewussten Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache. Dieses Unbehagen zeigt sich schon im Wort „gendern“. „Gendern“ – das klingt gleichermaßen unfreundlich wie umständlich, es klingt nicht gerade nach einer schönen, gefühlvollen Sprache, nicht nach Poesie und Leichtigkeit, sondern nach Vorschrift und Schwerfälligkeit.</p>
<h2>Auf &#8222;Gendern&#8220; in der Sprache verzichten</h2>
<p>Vielleicht sollten wir damit beginnen, auf das Wort „Gendern“ zu verzichten. Und statt zu diskutieren, ob der <a href="https://www.freitag.de/autoren/joerg-phil-friedrich/warum-der-deutsche-rat-fuer-rechtschreibung-gewisse-formen-des-genderns-ablehnt">Doppelpunkt im Wort</a> nun nach irgendwelchen technischen oder gar wissenschaftlichen Kriterien der Gerechtigkeit näher kommt als das Binnen-I, sollten wir uns vor allem vergegenwärtigen, welches Anliegen mit der ganzen Diskussion um diese Hilfskonstruktionen eigentlich verfolgt wurde.</p>
<p>Es geht um eine bessere, eine angemessenere Sprache. Es geht darum, alle gleichermaßen in der Sprache einzubeziehen, die auch gemeint sind. Es geht um eine freundliche, angenehme, eine schöne Sache. Das gesprochene Wort soll in den Köpfen Bilder erzeugen, Assoziationen auslösen und Impulse schaffen, die unserer Lebensrealität oder vielleicht auch nur unseren Wunschvorstellungen entsprechen. In einer solchen Welt erzählt mir jemand von einem Gespräch einer Leitungskraft mit einer Pflegekraft und in dem Bild, das in meinem Kopf entsteht, hat die Leitungskraft langes lockiges Haar und die Pflegekraft brummt mit einer Bassstimme.</p>
<p>Normalerweise achten wir auch darauf, wie wir sprechen. Wir kennen die Situationen, in denen wir die Worte mit Bedacht wählen. Wir haben schon in der Schule gelernt, dass wir mit Gleichaltrigen anders reden als mit Erwachsenen, und es fällt uns zumeist nicht schwer, so zu sprechen, dass niemand verletzt, verärgert, zurückgesetzt oder gekränkt werden kann.</p>
<p>Wer älter ist, macht irgendwann auch die Erfahrung, dass die eigene Art zu sprechen altmodisch wirkt – sie passt einfach nicht mehr so richtig auf die Dinge und Ereignisse der Gegenwart. Das alte, gewohnte Wort ruft Assoziationen aus vergangenen Zeiten hervor, die eigentlich nicht zu dem passen, was man in der Gegenwart benennen will. Es ist dann selbstverständlich, dass man sich neue Sprechweisen angewöhnt. Das ist manchmal anstrengend und manchmal wirkt es unbeholfen. Aber das liegt vor allem daran, dass man eine Weile aus der Übung gekommen ist, sich mit den Veränderungen der Zeiten mit zu verändern.</p>
<h2>Kritisch zuhören, selbstkritisch sprechen</h2>
<p>Die meisten Menschen haben also Übung darin, sich selbst sozusagen kritisch zuzuhören und bewusst neue Formulierungen und Begriffe aufzunehmen, wenn die alten nicht mehr passen.</p>
<p>Um nichts anderes geht es bei der <a href="https://texte-zur-sache.de/2021/05/16/gendern-notwendig-oder-elitaere-attituede/">geschlechtergerechten Sprache</a>. Wer sich selbst beim Sprechen und beim Zuhören beobachtet, bemerkt schnell, dass bestimmte gewohnte Begriffe althergebrachte Vorstellungen von der Welt transportieren, die eigentlich niemand mehr will und die längst überholt sind. Dann hört man genauer hin und überlegt, wie man sprechen könnte, um den Zeiten und dem, was man selbst eigentlich sagen will, gerecht zu werden.</p>
<p>Dabei helfen vermutlich keine künstlichen Konstruktionen, sondern ein schöpferisch-spielerischer Umgang mit den Möglichkeiten unsere schönen und vielfältigen Sprache ohne Gendern. In dieser Sprache gibt es <em>Leute</em> und <em>Kräfte</em> und <em>Personen</em>, da gibt es <em>Zuhörende</em> und <em>Mitlesende</em>, da kann man mal eine weiblich und mal eine männliche Form benutzen, am besten so, dass die Verwendung ein wenig überraschend klingt. Auf diese Weise macht Sprechen Spaß und wird nicht zur frustrierenden Gender-Pflicht, die immer ein bisschen zu angestrengt wirkt. Das Sprach-Spiel, welches wir täglich spielen, lässt sich auf diese Weise am besten modernisieren.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/joerg-phil-friedrich-arte-fakten/sprach-spiele-statt-gendern/">Sprach-Spiele statt Gendern</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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