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	<title>Team Karin Prade-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<description>Meinung und Debatte, Rezensionen, Kunst, Sport, Politik und Gesellschaft</description>
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	<title>Team Karin Prade-Archiv - Texte zur Sache</title>
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	<item>
		<title>Bordellverse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Nov 2017 07:53:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Bei Hank im Wohnzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Bordellverse]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriele Prade]]></category>
		<category><![CDATA[Team Karin Prade]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Lyrische Annäherung an ein altes Gewerbe. Oder: es gibt viele Gründe, ein Bordell zu besuchen. Illustration: Gabriele Prade</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/bordellverse/">Bordellverse</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Hineingeschlittert in das Gedicht, mit dem Dichter durch die Gassen und Spelunken gezogen, mit ihm getrunken und getanzt, nicht an morgen gedacht<br />
<a href="https://nedwirklichblog.wordpress.com/2017/08/16/kunst-im-raum/">Gabriele Prade</a></p></blockquote>
<p>In einer Kolumne, <a href="https://texte-zur-sache.de/2018/02/19/wer-nen-puff-sucht-wird-einen-finden/">die mit <em>Bordellverse</em> überschrieben</a> ist, kann man als Autor Gedanken darüber anstellen, weshalb Männer einen Puff betreten: weil sie im normalen Leben keine Frauen kennenlernen, die schnelle Außerhaus-Nummer oder den bizarren Mitternachtskick suchen? Vielleicht arbeitet eine Bekannte dort, mit der sie in der Mittagspause eine Tasse Kaffee trinken wollen, oder sie haben ihr Herz – und in der Konsequenz das Bankkonto – an eine Hure verloren. Alles schon zigmillionenfach passiert. Man kann aber auch einfach ein Gedicht darüber schreiben und das von einer Künstlerin illustrieren lassen.</p>
<p><a href="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/11/Bordell-Verse-2.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15147" src="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/11/Bordell-Verse-2.jpg" alt="" width="2915" height="3543" /></a></p>
<blockquote><p>&nbsp;</p>
<p>Die zeichnerische Interpretation des Gedichtes &#8222;Bordellverse&#8220; von Henning war mir ein großes Vergnügen. Seine direkte Sprache führt mich Zeile für Zeile in seine Welt. Die Bilder, die dabei entstehen, schaffen eine magische Verbindung zwischen Künstler und Poeten.<br />
Gabriele Prade</p></blockquote>
<h2>Bordellverse</h2>
<p><a href="https://saufdruck.de/kontakthof-blues-1">Um drei Uhr nachts</a><br />
wimmelten noch zwanzig Huren<br />
im Kontakthof des Eroscenters rum<br />
taxierten jeden Neuankömmling<br />
mit professionellem Geierschnabelblick<span class="text_exposed_show"><br />
auf die Dicke der Brieftasche<br />
und seine möglichen sexuellen Wünsche</span></p>
<p>Eine Gruppe besoffener Vorstadtbewohner<br />
in bunten Windjacken lümmelte an der Bar<br />
rief den vorübergehenden Frauen<br />
Pöbeleien zu und lachte laut<br />
eine fette Nutte im pinken Badeanzug<br />
kippte dem Anführer<br />
einem feisten, aknezerfressenen Fünfundvierzigjährigen<br />
ihren Piccolo ins Gesicht</p>
<p>Bevor er Luft holen<br />
und die Kumpels ihm zu Hilfe eilen konnten<br />
waren sie bereits von zehn Huren umringt<br />
die schworen, ihre Pfennigabsätze<br />
in die Augen der Männer zu dreschen<br />
wenn diese nicht in derselben Minute<br />
den Kontakthof verließen</p>
<p>Trotz ihrer Beschränktheit begriffen die Idioten<br />
den Ernst der Lage und wankten<br />
sich gegenseitig unterhakend<br />
aus dem Raum , während sie<br />
mehrmals wiederholend riefen<br />
dass sie sich in diesen abgefuckten Laden<br />
bloß versehentlich<br />
verirrt hätten und die hässlichen Weiber<br />
nicht mit der Kneifzange anpacken würden</p>
<p>Ich setzte mich auf einen der freigewordenen Hocker<br />
bestellte beim dürren Pitter<br />
einen Filterkaffee, der hier noch<br />
übler schmeckte als die Plörre, die ich<br />
in meiner eigenen Küche aufsetzte<br />
und beobachtete die Szene</p>
<p>Um diese fortgeschrittene Stunde<br />
bevölkerten noch zwei Dutzend Freier<br />
den Kontakthof. Die Hälfte glotzte auf<br />
einen TV-Apparat in der linken Ecke<br />
in dem asiatische Pornos liefen<br />
die restlichen zwölf unterhielten sich mit den Nutten<br />
und feilschten um die Preise<br />
das altgewohnte Bild</p>
<p>»Willst du mit hochkommen, Junge?«,<br />
eine schwere Hand mit fleischigen Fingern<br />
an denen billige Ringe prangten, legte sich<br />
von hinten auf meine Schulter<br />
ich drehte mich um. »Nein danke«, sagte ich<br />
leise lächelnd und schaute die Frau,<br />
die den fünf Schwachköpfen<br />
vor wenigen Minuten noch Prügel angedroht hatte<br />
freundlich an</p>
<p>Sie blinzelte und fauchte: »du bist der Kleine,<br />
der vier Klassen unter mir auf der Schule<br />
war; stimmt‘s?«<br />
ich nickte stumm mit dem Kopf<br />
»wartest du auf sie?«<br />
»ja«<br />
»sie wird bestimmt gleich kommen. Ist schon vor<br />
über einer Stunde mit einem alten Sack aufs Zimmer.<br />
ewig kann es nicht mehr dauern.«<br />
»danke. Dann werde mich noch ein wenig gedulden«</p>
<p>Pitter stellte einen doppelten Jägermeister vor mich hin<br />
in dem zwei bläuliche Eiswürfel klimperten<br />
»ist nicht gut, so’n später Kaffee«<br />
einen Moment zögerte ich, dann schüttete ich<br />
die braunklebrige Flüssigkeit in einem Schwung<br />
in meine gierige Kehle<br />
es brannte kurz in der Speisröhre<br />
dann verbreitete sich eine angenehme Wärme<br />
vom Bauch ausgehend durch meine Adern</p>
<p>Ich wollte nicht besoffen vor ihr erscheinen<br />
bei jeder anderen wäre es mir egal gewesen<br />
nicht jedoch mit ihr<br />
deshalb hatte ich bereits um Mitternacht<br />
mit dem Trinken aufgehört<br />
eine Flasche Bourbon musste ausreichen<br />
später zu Hause konnte ich nachtanken</p>
<p>»Bist du schon lange hier?«<br />
unbemerkt wie ein leichter Lufthauch<br />
hatte sie neben mir Platz genommen<br />
und strich wie zufällig mit ihrem Lackstiefel<br />
über meine Wade<br />
»ein paar Minuten … möchtest du was haben?«<br />
»nein, von dem vielen Sekt wird mir sonst noch schlecht«<br />
»ich bin auch nicht so durstig«<br />
»tatsächlich? Mal ganz was Neues«. Sie heftete<br />
Ihren spöttischen Blick auf meinen Mund<br />
und ich hätte ihr in dieser Sekunde am<br />
liebsten die Lippen blutig geküsst</p>
<p>»Bist du hier, um zu labern oder<br />
lässt du ein paar Mäuse für eine Nummer springen?«<br />
ihre Augen funkelten jetzt kalt<br />
»reden ist völlig okay für mich«<br />
»such dir eine andere. Meine Zeit ist<br />
dafür zu kostbar«<br />
sie tat so, als ob sie aufspringen wollte<br />
blieb jedoch sitzen<br />
»ich zahle«<br />
»ein Fuffi wird nicht ausreichen«<br />
ich legte schweigend drei blaue Scheine auf die Theke<br />
»tu noch einen drauf und ich gebe dir eine<br />
komplette Therapiestunde«</p>
<p>»Wirklich nur quatschen? Gefalle ich dir nicht mehr?«<br />
»doch. Aber du wurdest heute schon zu oft angerührt«<br />
»etwa eifersüchtig?«<br />
»nein«<br />
»hast Probleme mit meinem Job?«<br />
»auch nicht«<br />
»sondern?«<br />
»das was ich suche, willst du mir nicht geben.<br />
Also unterhalten wir uns. Das reicht mir«<br />
»bist ein komischer Vogel. Aber von mir aus«</p>
<p>Der dürre Pitter rief uns hinterher:<br />
»wenn’s spät wird, wisst ihr, wo der Notausgang ist«<br />
auf der schmalen Treppe roch es nach Linoleum<br />
und Desinfektionsmittel<br />
ein grimmiger Herkules mit ölpolierter Glatze<br />
in körperbetontem, schwarzen Lederjackett<br />
stierte uns nach, als wir<br />
in Zimmer 348 verschwanden</p>
<p>An der Wand Lederkorsagen, Peitsche,<br />
Hundeleine, die ich nicht kannte<br />
auf dem Bett drei Teddybären<br />
»neue Sachen?«, fragte ich<br />
»wie lange warst du nicht mehr hier?«<br />
»vier, fünf Wochen«<br />
»vor einem Monat angeschafft.<br />
die alten Herren fahren voll darauf ab.<br />
willst du es ausprobieren?«<br />
»nein«<br />
»bist immer noch derselbe kleine Schisser<br />
wie früher in der Pfarrdisco«,<br />
höhnte sie<br />
ihre Stimme klang allerdings<br />
zärtlich, als sie mich<br />
zu ihr runter<br />
aufs Sofa zog</p>
<p>Als ich ihre Lippen berührte<br />
leckte sie genießerisch über meine Zähne<br />
bevor sie sie mir ihre Katzenzunge<br />
weit in den Rachen hineinsteckte<br />
nachdem sie die Glut in mir entfacht hatte<br />
stoppte sie nach dreißig Sekunden<strong><br />
</strong>schob mich von ihrer Schulter weg<br />
sagte geschäftsmäßig:<br />
»küssen ist im Preis nicht enthalten«<br />
ich seufzte: »Leider«<br />
»du weißt, was dann mit dir passiert«<br />
»jap. Schon tausendmal gespürt«</p>
<p>Sie zündete sich eine Zigarette an<br />
»du liebst mich immer noch?«<br />
»so halb«<br />
»erzähl keinen Scheiß. Du tust es seit<br />
unserer Tanzstundenzeit«<br />
»versuche, es mir abzugewöhnen«<br />
»indem du säufst und andere Frauen<br />
unglücklich machst. Eine Kack-Methode«<br />
»was soll ich machen? Du hältst mich<br />
seit Jahren auf Abstand. In ein Kloster gehen?«<br />
»wäre vielleicht eine gute Idee für einen<br />
kaputten Typen wir dich. Müsste ein<br />
weltabgeschiedener Ort ohne Bier und Whiskey sein«<br />
»jetzt bloß keine Moralpredigt!«<br />
»du willst es einfach nicht verstehen: in der Schule<br />
warst du zu jung. Und jetzt bist du ein armer Student<strong><br />
</strong>der sein bisschen Kohle nachts<br />
beim Backgammon verzockt.<br />
was soll ich mit einem Loser wie dir anfangen?«<br />
<strong><br />
</strong>Erregt sprang ich auf<br />
lief zur Wand<br />
schnappte mir in einer Übersprunghandlung<br />
die Peitsche, mit der ich kräftig<br />
auf den Tisch schlug<br />
»so gefällst du mir besser«, lächelte sie<br />
»möchtest du es ausprobieren?«<br />
»was?«<strong><br />
</strong>»wirst schon sehen. Vertrau mir«<br />
sie ging ins Bad<br />
während ich in ihrem kleinen Kühlschrank<br />
nach Bier forschte</p>
<p>Als sie zurückkam<br />
hatte sie sich umgezogen<br />
steckte jetzt obenrum in einer Art Uniform<br />
die mich an Rommels Afrikakorps erinnerte<br />
»was soll das werden«, fragte ich<br />
und schüttete eine Dose Carlsberg in mich rein<br />
»was wohl? Ich werde dich erziehen«<br />
»das hat schon meine Mutter nicht geschafft«<strong><br />
</strong>»dann wird es höchste Zeit dafür«<br />
»ist jetzt nicht so mein Ding«<br />
»entspann dich. Es wird dir gefallen«</p>
<p>Sie fingerte eine Phiole aus ihrer Handtasche<br />
zerbrach das dünne Glas<br />
und verrührte die klare Flüssigkeit<br />
in einem Zahnputzbecher Wasser<br />
»trink das!<br />
bei Drogen bist du ja experimentierfreudiger<br />
als mit neuen Lusterfahrungen«<br />
ich schluckte die geschmacklose Medizin <strong><br />
</strong>und wartete auf die Wirkung<br />
nach fünf Minuten trübte sich mein Blick<br />
der ohnehin spärlich beleuchtete Raum<br />
verwandelte sich in eine neblige Herbstlandschaft<br />
in meinem Kopf erhob sich ein leichtes Brausen<br />
ähnlich einem Wasserfall, wie ich ihn mal in<br />
den Dolomiten bestaunt hatte<br />
und aus weiter Ferne hörte ich ihre metallene Stimme:<br />
»zieh dich aus!«<strong><br />
</strong>in diesem Moment wurde mir alles egal</p>
<p>Ich führte ihre Befehle<br />
jetzt wie in Trance aus<br />
kniete nieder<br />
ließ mich an den Händen fesseln<br />
küsste ihre Stiefel<br />
die sie unendlich langsam auszog<br />
und leckte ihre dunkelrot lackierten<br />
Zehen ab<br />
sie stellte ihren Fuß<br />
auf meine Schulter<br />
grinste<br />
drückte mich nach hinten<br />
so dass ich rücklings<br />
auf den hellgrauen Filzteppichboden<br />
fiel<br />
und mich wie ein flügelloses Insekt<br />
fühlte</p>
<p>Mein Gehirn arbeitete weiter<br />
jedoch in Zeitlupe<br />
zudem war ich völlig<br />
willenlos<br />
hätte sie befohlen<br />
mir ein Stück Fleisch aus<br />
dem Oberschenkel zu schneiden<br />
und es roh zu verzehren<br />
ich hätte es getan<br />
»möchtest du mit mir schlafen,<br />
du geiler Bock?«<br />
»ja«<br />
»und wirst alles tun,<br />
was ich von dir verlange?«<br />
»ja«<br />
»sehr schön«<br />
sie schlüpfte aus ihrem<br />
kurzen Latexrock<br />
ich glotzte auf ihre<br />
penibel rasierte Scham<br />
dann öffnete sie meine Hose<br />
und zog mich aus</p>
<p>Meine Erregung steigerte sich<br />
ins Unermessliche<br />
sie stand kurz auf<br />
wühlte in einer Schublade<br />
und kehrte mit einer<br />
transparenten Plastiktüte zurück<br />
die sie mir über den Kopf stülpte<br />
»was machst du, Wahnsinnige?«, rief ich<br />
»lass dich überraschen.<br />
das wird der beste Fick deines Lebens werden«<br />
ich versuchte, mich zu wehren,<br />
nach ihr zu schlagen<br />
allerdings vergeblich<br />
Arme und Beine waren schwer<br />
wie Blei<br />
und ließen sich nicht einen Millimeter<br />
bewegen</p>
<p>Sie nahm breitbeinig Platz<br />
und ritt mich<br />
erst behutsam<br />
dann immer schneller werdend<br />
mein Atem ging stoßweise<br />
denn viel Luft bekam ich nicht<br />
ich hörte mich selbst wie durch<br />
eine Wattewand hindurch<br />
schreien<br />
Lust gepaart mit Todesangst<br />
sekundengleich mit der<br />
letzten Zuckung des Orgasmus<br />
der eine Stunde zu dauern schien<br />
schwand mir das Bewusstsein</p>
<p>Als ich wieder zu mir kam<br />
befand ich mich schweißgebadet<br />
auf dem roten Sofa<br />
sie hatte mich wohl<br />
dorthin verfrachtet<br />
auf der Stirn ein mit Eiswürfeln<br />
gefüllter Waschlappen<br />
sie saß im weißen Trainingsanzug<br />
und Badelatschen daneben<br />
rauchte</p>
<p>»Hältst ja nicht allzu viel aus, mein<br />
kleiner Tanzstundenpartner«,<br />
lächelte sie<br />
»für den Anfang war es aber ganz okay.<br />
du musst noch viel lernen. Vor allem<br />
wie man eine Frau wie mich befriedigt«<br />
ich richtete meinen Oberkörper auf<br />
vor meinen Augen kreisten<br />
weiße Spiralen und Sterne<br />
auf gummiweichen Beinen<br />
stand ich auf und zog mich an<br />
»das war heute ein Freundschaftspreis.<br />
beim nächsten Mal musst du<br />
mehr Kohle mitbringen«<br />
»leck mich«, flüsterte ich<br />
und schlich den stockdunklen<br />
Korridor entlang<br />
in Richtung Treppe<br />
»du bist ein undankbares<br />
Arschloch. Zu nichts zu<br />
gebrauchen. Ich hasse dich«,<br />
kreischte sie mir hinterher.<br />
&#8230;.</p>
<p>Eventuell werden die Beweggründe eines Freiers für den sporadischen oder häufigen Bordellbesuch auf lyrischem Weg [streng genommen handelt es sich bei den Zeilen oben um ein Hybrid zwischen Gedicht und Short Story] besser verständlich als in einem Prosatext. Aber auch hier gilt: irgendwann wird&#8217;s selbst dem treusten Kunden fad.</p>
<p>Illustration: Gabriele Prade (<a href="https://www.prade-kunstimraum.co/">Team Prade &#8211; Kunst im Raum</a>), Nov. 2017</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/bordellverse/">Bordellverse</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wodka pur</title>
		<link>https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/wodka-pur/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Henning Hirsch]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Oct 2017 13:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Henning Hirsch: Bei Hank im Wohnzimmer]]></category>
		<category><![CDATA[AA]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
		<category><![CDATA[Alkoholismus]]></category>
		<category><![CDATA[Anonyme Alkoholiker]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriele Prade]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlossene Abteilung]]></category>
		<category><![CDATA[Team Karin Prade]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diekolumnisten.de/?p=14608</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wodka pur.<br />
Illustrierte Geschichten aus dem Leben eines Trinkers.<br />
Heute: Am Stadtrand, oder was ich letzten Dienstagabend im Haus meiner neuen Bekannten aus der AA-Gruppe erlebte.<br />
Zeichnungen: Gabriele Prade</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/wodka-pur/">Wodka pur</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/10/Version-4_Blatt-1_26.10.17.jpg"><br />
<img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-14610" src="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/10/Version-4_Blatt-1_26.10.17.jpg" alt="" width="629" height="960" /></a></p>
<p><a href="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/10/Version-4_Blatt-2_26.10.17.jpg"><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-14636" src="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/10/Version-4_Blatt-2_26.10.17.jpg" alt="" width="641" height="960" /></a><a href="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/10/Version-4_Blatt-3_26.10.17.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-14638" src="https://texte-zur-sache.de/wp-content/uploads/2017/10/Version-4_Blatt-3_26.10.17.jpg" alt="" width="619" height="960" /></a></p>
<p>Illustration: <a href="https://nedwirklichblog.wordpress.com/2017/08/16/kunst-im-raum/">Gabriele Prade</a><br />
Text: Henning Hirsch<br />
Basierend auf der Story: <a href="http://www.saufdruck.de">Am Stadtrand</a> (in: <a href="https://www.amazon.de/Halbes-Kilo-Hackfleisch-Beinahe-Gedichte/dp/1980360596">Halbes Kilo Hackfleisch</a>,<br />
<a href="https://texte-zur-sache.de/2020/10/11/der-pegelsaeufer/">85 Gedichte</a>, von: Henning Hirsch, 2016)<br />
+++</p>
<p><strong>| Am Stadtrand</strong><br />
Ich kannte Manu aus der Therapiegruppe die jeden Donnerstag<br />
im Westflügel der Klinik stattfand eine zierliche Person<br />
mit lebhaften Augen die jeden Satz<br />
mit einem Lachen beendete obwohl ich damals<br />
nicht so super drauf war denn ich verbrachte<br />
meine 15te oder 20ste Entgiftung in dem Laden<br />
ließ ich mich gerne<br />
von ihrer guten Laune anstecken sie sei seit sechs Monaten Abstinenzlerin<br />
das Nicht-Trinken eröffne ihr völlig neue Perspektiven<br />
und ein positives Lebensgefühl erzählte sie<br />
Rolf und ich gähnten denn diese Stories<br />
hatten wir schon tausend Mal</p>
<p>gehört<br />
ich fragte Manu nach ihrer Telefonnummer<br />
und als ich nach drei Wochen endlich rauskam<br />
rief ich sie an<br />
bring Soave und Bier mit sagte sie<br />
vorsichtshalber packte ich am Bahnhofskiosk zusätzlich eine Flasche Wodka ein<br />
Manu wohnte weit draußen in einem Stadtteil<br />
den ich bisher nicht kannte Reihenhaus an Reihenhaus<br />
10qm-Vorgarten neben 10qm-Vorgarten Jägerzäune, Kiesbeete, Kirschlorbeer Hecken akkurat gestutzt<br />
ich wollte schon umkehren als Manu vom Balkon rief da bist du ja endlich komm hoch<br />
ich verdurste, empfing sie mich steckte ihre Zunge in meinen Mund zog mich in ihre Wohnung rein<br />
schenk mir ein Glas ein, randvoll</p>
<p>Eis ist im Kühlschrank, sagte sie und verschwand im Bad<br />
ich trank eine Dose Bier um in Stimmung zu geraten Manu kam zurück: nackt<br />
trug nur noch ihre oberschenkelhohen Stiefel<br />
das gefiel mir<br />
wir vögelten ein paar Stunden in einem Riesenbett<br />
und ich vermutete<br />
dass ich an diesem Tag nicht der erste war der darin lag<br />
zwischendurch tankten wir und erzählten uns belanglose Klinikgeschichten Manu warf Pillen ein<br />
willst du welche?<br />
nein danke; der Wodka reicht sie wurde nun zügellos verlangte Sex ohne Atempause ich keuchte und ächzte schwitzte aus allen Poren<br />
mein Unterleib schmerzte<br />
die Bandscheiben meldeten sich</p>
<p>was ist los, fragte ich<br />
warum bekomme ich dich nicht befriedigt? gib mir den Wein!<br />
sie leerte die halbe Flasche in einem Schluck und jetzt schlag mich<br />
was soll ich tun? mich schlagen<br />
ist das so schwer zu verstehen? egal wohin?<br />
auf die Augen, in den Bauch, auf den Mund völlig wurscht<br />
es muss wehtun das kann ich nicht<br />
wie: du kannst das nicht? jeder Mann kann das obwohl betrunken und müde begriff ich<br />
dass ich nicht der richtige Kerl war um Manu heute glücklich zu machen ich stand auf<br />
und suchte meine Klamotten zusammen was tust du?<br />
ich gehe<br />
es ist Mitten in der Nacht bin nicht ängstlich</p>
<p>scher dich zum Teufel du Schlappschwanz<br />
wenn ich geahnt hätte, was für eine Nullnummer du bist<br />
wärst du hier nie reingekommen<br />
in der Küche standen noch zwei Dosen Bier die nahm ich als Proviant mit<br />
denn der Weg zurück war lang<br />
und um diese Uhrzeit fuhren weder Busse noch Bahnen<br />
vielleicht entdeckte ich ein Nachtlokal wo ich ein paar Kurze kippen konnte aber so viel Glück hat man selten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://texte-zur-sache.de/henning-hirsch-bei-hank-im-wohnzimmer/wodka-pur/">Wodka pur</a> erschien zuerst auf <a href="https://texte-zur-sache.de">Texte zur Sache</a>.</p>
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