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  • Dumm sind immer nur die Anderen

    Dumm sind immer nur die Anderen

    Vor einer Woche ging es an dieser Stelle um die eigene Dummheit. Wann bin ich dumm? – das war die Frage. Heute geht es um die Dummheit der Anderen.

    Die Dummheit der Anderen

    Das Selbstbild der eigenen Dummheit bestimmt auch das Verstehen der Dummheit des Anderen. Dabei ergeben sich allerdings verschiedene Schwierigkeiten. Erstens wissen wir nicht, was der andere grundsätzlich weiß oder wissen könnte, wir wissen aber auch nicht, ob er tatsächlich das Ergebnis so einschätzt, dass er seine Handlungen am Ende bereut. Wir sind hier auf Vermutungen angewiesen. Allerdings kommt es häufig genug vor, dass wir unsere Urteile über die Dummheit der anderen gerade nicht auf Vermutungen zu stützen glauben, sondern meinen, gerechtfertigte, oft normative Überzeugungen zu haben. Wir sagen: „Das hätte er wissen müssen. Das hätte sie beurteilen können. Das hätte er vorhersehen müssen.“ Vor allem aber „Das hat sie nicht gewollt haben können“.

    Wenn etwa nicht ich selbst, sondern mein Kollege einen schweren Kopf hat, weil er gestern zu lange mit Freunden gefeiert hat, obwohl er doch wusste, dass er heute einen wichtigen Termin hat, dann sage ich, dass das dumm von ihm war. Ich versetze mich in seine Lage, vollziehe nach, was er getan hat, und urteile, dass es dumm gewesen wäre, wenn ich selbst so gehandelt hätte und nun unter den Folgen zu leiden hätte.

    Das zeigt, dass wir bei der Beurteilung der Dummheit der anderen oft von unserem eigenen Denken, von unserer Selbsteinschätzung ausgehen. Wir sehen das Handeln des anderen als dumm an, wenn wir selbst, hätten wir in seiner Lage so gehandelt, dieses Tun im Nachhinein als dumm bezeichnen und bereuen würden. Das ist jedoch problematisch, wenn wir bedenken, dass wir ja nicht wissen, was der andere wirklich gewusst hat, was er wirklich hätte überlegen können. Vor allem aber wissen wir nicht, was die Präferenzen und Wünsche des anderen sind, und wie er selbst mit den Folgen seines Handelns zurechtkommt. Vielleicht beurteilt mein Kollege die Sache ja ganz anders, als ich sie beurteilen würde, er sagt sich: Der schwere Kopf heute – das geht weg – die Erinnerung an den tollen Abend mit Freunden aber, die bleibt.

    Die Beurteilung der Dummheit scheint also immer ein subjektives Urteil zu sein, und wirklich beurteilen kann ich nur meine eigene Dummheit. Jedes Urteil über die Dummheit anderer benötigt so viel Vorwissen über den Anderen, seine Ziele, Wünsche, sein Selbstbild, dass es eigentlich dumm wäre, den anderen als dumm zu beurteilen.

    Dummheit, die mich betrifft

    Die Sache sieht aber anders aus, wenn ich vom Handeln des Anderen betroffen bin. Nehmen wir den Fall, dass mein Kollege und ich heute gemeinsam etwas zu erledigen haben: Der Termin am Vormittag erfordert es, dass wir beide in Bestform sind. Nun kommt mein Kollege verschlafen zur Arbeit und sagt mir, dass er die halbe Nacht durchgefeiert hat! Wenn er in diesem Moment Reue zeigt, dann werden wir wohl gemeinsam zu dem Urteil kommen, dass sein Verhalten dumm war – und das Beste daraus machen.

    Anders sieht die Sache aus, wenn mein Kollege – aus seinen subjektiven Einstellungen heraus, sein eigenes Verhalten gar nicht als dumm beurteilt. In diesem Falle nähern wir uns allmählich endlich dem Phänomen, das Thomas Vašek zuletzt als „radikale Dummheit“ bezeichnet hat. Um dieses ganz zu verstehen, müssen wir aber noch ein paar letzte vorbereitende Schritte gehen. Vom Urteil „Ich bin dumm“ müssen wir über das Urteil „Du bist dumm“ zum Urteil „Die sind dumm“ kommen.

    Zunächst mal scheint klar: Der andere ist in seinem Selbsturteil, dass sein Handeln dumm ist, völlig frei. Ich kann nur unter der Annahme, dass ich selbst mich in seiner Situation, bei seinem Wissen und seinem Handeln im Nachhinein als dumm beurteilen würde, ein Urteil über die Dummheit des Anderen treffen – und ich kann dabei gründlich daneben liegen. Allerdings kann ich mit ihm gemeinsam zu dem Urteil kommen, dass er dumm gehandelt hat – Zeichen dafür wäre dann auch, dass er echte Reue zeigt.

    Wenn ich von dem Verhalten des Anderen, das ich als dumm beurteile, betroffen bin, dann werde ich es möglicherweise auch als dumm bezeichnen – vielleicht nenne ich es aber auch unfair oder frech. Das gilt insbesondere dann, wenn der andere selbst sein Verhalten nicht als dumm ansieht. Wenn mein Kollege uns den Termin verdirbt und mir zusätzlich auch noch mehr Arbeit macht, weil er durchgefeiert hat, dann werde ich ihn nur dann als dumm bezeichnen, wenn er selbst sein Verhalten auch als dumm beurteilt und bereut. Anderenfalls werde ich ärgerlich sein und nicht von Dummheit, sondern von unfairer Frechheit reden.

    Eine besondere Form dieser Dummheit oder unfairen Frechheit beobachten wir, wenn wir mit dem Anderen gar nicht in direkter Verbindung stehen, wenn wir mit ihnen aber durch die Nutzung gemeinsamer Ressourcen in Verbindung stehen, allgemeiner, wenn ihr dummes oder unfaires Verhalten auf mein Leben Auswirkungen hat, ohne dass ich sie dafür direkt – wie meinen Arbeitskollegen – zur Rechenschaft ziehen kann. Das ist etwa beim Raser auf der Autobahn der Fall, der mich in Bedrängnis oder in Gefahr bringt, oder in der Demokratie etwa bei großen Wählergruppen, die durch ihre Wahlentscheidung, die ich für dumm halte, Entscheidungen herbeiführen, von denen ich meine, dass sie nicht zum Wohle der Gemeinschaft sind, in der wir leben.

    Kollektive Dummheit

    Damit sind wir schon ganz dicht an das Problem der „radikalen Dummheit“, von der Thomas Vašek spricht, oder der „Dummheit des Volkes“ die Herfried Münkler konstatiert, herangekommen. Wir erblicken das Phänomen der kollektiven Dummheit. Allerdings müssen wir nicht ins Politische wechseln, um es zu verstehen, wir haben es schon in unserem Beispiel der Party am Abend vor dem wichtigen Termin gesehen.

    Was wird mir mein Kollege antworten, wenn ich ihn zur Rede stelle? Was wird er sagen, wenn ich ihn frage, warum er trotz des wichtigen Termins nicht frühzeitig zu Bett gegangen ist? Er wird vorbringen, dass es so schön war, mit den anderen zu sitzen und zu schwatzen. Dass man so lang schon nicht mehr in so einer fröhlichen Runde zusammen war. Und dass die anderen auch am nächsten Tag wichtiges vorgehabt hätten. Gemeinsam sei man, so wird unser Kollege sagen, zu dem Ergebnis gekommen, dass es gerade wichtiger wäre, die schöne Zeit zusammen zu genießen, als jetzt schon schlafen zu gehen. Der Kollege wird vorbringen, dass er sich da nicht ausschließen wollte, dass er auch kein Spielverderber sein wollte, der die Stimmung des Abends zerstört.

    Das, was wir in diesem Beispiel erkennen, ist das Phänomen der „kollektiven Dummheit“. Man hat sich gemeinsam entschieden, etwas zu tun, was nicht sich im Nachhinein als falsch herausstellt, und man hätte es gemeinsam besser wissen können, man hätte gemeinsam anders handeln können. Alle Kriterien, die wir am Anfang für die eigene, persönliche Dummheit gefunden hatten, treffen hier auf das kollektive Handeln der Gruppe zu.

    Wiederum müssen wir allerdings konstatieren, dass es unser eigenes, persönliches Urteil ist, dass das Handeln des Kollektivs zu einer Dummheit erklärt. Ich sage mir: wäre ich dabei gewesen, hätte ich gemeinsam mit den anderen zu dem Ergebnis kommen müssen, dass es klug und vernünftig wäre, das schöne Beisammensein früher zu beenden. Ob die anderen, aus ihrem Wissen, ihren Einstellungen, Wünschen und Zielen heraus, ihre Entscheidung tatsächlich auch als dumm bezeichnen müssen, können wir nicht wissen.

    Es sei denn, die Gruppe kommt im Nachhinein ebenfalls kollektiv zu der Einsicht, dass es dumm war, was da geschehen ist – dann kann man davon sprechen, dass es sich wirklich um eine kollektive Dummheit gehandelt hat.

    Die radikale Dummheit

    Man kann jedoch die These vertreten, dass größere Gruppen, wenn sie nicht bestimmten Regeln der Entscheidungsfindung folgen, immer zur Dummheit neigen, und dass sie umgekehrt gar nicht in der Lage sind, als Kollektiv im Nachhinein die Handlung als Dummheit zu erkennen. Dann wäre es allerdings dumm, sich solchen Gruppen anzuschließen, denn innerhalb dieser Gruppen wird es immer wieder nur zu Dummheiten kommen. Man könnte die Dummheit, sich einem Kollektiv anzuschließen, innerhalb dessen nur Dummheiten produziert werden können, als radikale Dummheit bezeichnen. Der Einzelne gibt in diesem Kollektiv seine Fähigkeit, selbst entsprechend seiner Präferenzen, Wünsche und Ziele zu entscheiden, ab, er verliert darüber hinaus auch die Fähigkeit, wenigstens im Nachhinein über die Dummheit zu reflektieren, sie zu bereuen und Konsequenzen zu ziehen.

    Wenn ich weiß, dass innerhalb meiner Freundesgruppe eine vernünftige Einigung über das Ende der Party gar nicht möglich ist, wenn ich darüber hinaus weiß, dass der Druck der Gruppe, kein Spaßverderber zu sein, so groß ist, dass ich mich auch heute Abend nicht gegen das feiern bis zum Morgengrauen wehren kann, wenn ich darüber hinaus weiß, dass ich, wenn ich einmal bei den Freunden angekommen bin, jegliche autonome Handlungsfähigkeit verloren haben werde, dann ist es radikal dumm, immer wieder dieses Kollektiv aufzusuchen, wenn ich doch eigentlich andere Ziele habe.

    Es ist Aufgabe der Soziologie und der Psychologie, dem Zustandekommen und den Funktionsprinzipien solcher Gruppendynamiken nachzugehen. Wir wollen hier die Dummheit als Phänomen nur beschreiben, um sie erkennen zu können und vielleicht genauer sagen zu können, was da überhaupt erklärt werden muss. Radikal dumm ist ein Verhalten, bei dem sich der Mensch der Möglichkeit, über seine Dummheit zu reflektieren, sie zu bereuen und möglicherweise in Zukunft klüger zu entscheiden, beraubt. Das zeigt allerdings auch auf, wie man möglicherweise mit kollektiver radikaler Dummheit umgehen und wie man gegen sie angehen kann.

    Die kollektive Dummheit, wenn sie radikal geworden ist, wird man nicht bekämpfen können, wenn man das Kollektiv oder den Einzelnen als Teil eines Kollektivs anspricht. Der Satz „Ihr seid dumm“ wirft den Einzelnen, der zu diesem „Ihr“ gehört, immer in das Kollektiv zurück, das nichts anderes sein kann, als dumm. „Du bist nicht dumm“ – das ist die einzige richtige Ansprache. Niemand ist ja nur Teil des dummen Kollektivs, jeder ist auch Subjekt, und als Subjekt, als Einzelner ist im Grunde niemand wirklich prinzipiell dumm. Das hatten wir schon gesehen und deshalb hatten wir uns so lange mit dem Einzelnen uns seinem subjektiven Verständnis der Dummheit beschäftigt.

    Wenn Münkler sagt, das Volk sei dumm, dann ist diese Aussage entweder trivial oder falsch. Das Volk als kollektives Wesen kann nur dumm sein, jedenfalls, so lange es sich nicht nach Mechanismen organisiert und strukturiert, die Klugheit hervorbringen. Wenn er jedoch meint, die einzelnen Menschen, die das Volk bilden, seien dumm, dann liegt er ganz falsch. Er weiß einfach zu wenig über die Gründe dieser Einzelnen, so zu handeln, wie sie es tun, über ihre Wünsche und Ziele, die sie Teil des Volks werden lassen. Da er mit der Aussage, das Volk sei dumm, genau das Gegenteil von dem erreicht, was er eigentlich will, muss man vermuten, dass er selbst der Dumme ist.

    Wenn man dem Einzelnen helfen will, aus der kollektiven Dummheit herauszukommen und der radikalen Dummheit zu entfliehen, muss man ihn als Einzelnen ansprechen, so wie den Kollegen, den man zur Rede stellt. Man wird dann möglicherweise erkennen, dass das, was der andere sagt, gar nicht alles so dumm ist, wie man aus der Ferne vermutet hatte. Man wird vielleicht sogar das eine oder andere Urteil, was man über ihn und die Gruppe, der er zugehört, hatte, als dummes Vorurteil erkennen. Vielleicht werden wir ja über diese hektische Zeit, in der wir uns von Dummheit umgeben wähnen, mal sagen, dass wir alle dumm gewesen sind. Nachher ist man ja immer klüger.

  • Was ist Dummheit?

    Was ist Dummheit?

    Der Brexit, die Wahlen in den USA, die Stimmungen in verschiedenen europäischen Ländern, die sich in lautstarken Demonstrationen äußern, auf denen „Lügenpresse“ und „Merkel muss weg“ skandiert wird – all das führt dazu, dass immer mehr Beobachter im kleinen Kreis oder vor laufender Kamera zu dem Schluss kommen, dass die Leute eben dumm seien. In einem Interview hat es der Politikwissenschaftler Herfried Münkler es jetzt ausgesprochen:

    es gibt große Teile des Volkes, die sind nicht besonders informiert, geben sich auch keine Mühe, glauben aber dafür umso besser genau zu wissen, was der Fall ist. Also: sie sind dumm, wenn ich das mal so zusammenfassen darf.

    Dumm ist für Münkler also jemand, der zwar nicht viel über die Tatsachen weiß und sich auch keine Mühe gibt, etwas über die Tatsachen zu erfahren, auf der anderen Seite aber meint, Bescheid zu wissen. Münkler behauptet, dass große Teile des Volkes in diesem Sinne dumm sind. Allerdings widerspricht Münkler gleich im nächsten Satz der eigenen Diagnose, wenn er nämlich über die Möglichkeit spricht, dem dummen Volk Informationen vorzuenthalten, „indem wir ihnen bestimmte Informationen, die sie missverstehen könnten, missinterpretieren könnten, vorenthalten“. Münkler lehnt diesen Weg zwar ab, aber er gesteht damit ein, dass die „Dummen“ keineswegs an Informationen nicht interessiert sind, und dass sie durchaus versuchen, diese Informationen zu verstehen und zu deuten – sie tun es. Münkler zu Folge, aber irgendwie auf eine falsche Weise.

    In dieser Situation scheint es gar nicht dumm zu sein, einmal einzuhalten und darüber nachzudenken, was das Dumme eigentlich ausmacht.

    In der Ethik ist es schon lange anerkannt, nicht nur nach dem Guten, sondern auch nach dem Bösen zu fragen. Aber ansonsten fragen wir in der Philosophie wir meist nur nach der positiven Seite, etwa nach der Vernunft, oder nach dem Vernünftigen, und nur selten nach dem Dummen. Wir fragen auch nach dem Schönen, aber nicht nach dem Hässlichen. Wir haben, so scheint es, keine große philosophische Übung darin, nach den negativen, den schlechten Seiten unseres Mensch-Seins zu fragen.

    Wann bin ich dumm?

    In jedem Fall gibt es eine Parallelität zwischen dem Bösen und der Dummheit. Beides ist etwas, was wir spontan ablehnen und vermeiden wollen. Der Mensch soll weder böse noch dumm sein. Gleichzeitig ist es aber dem Menschen vorbehalten, überhaupt böse oder dumm sein zu können. Tiere sind weder böse noch dumm. Beides sind Möglichkeiten, die nur einem Wesen mit Selbstbewusstsein möglich sind.

    So, wie das Böse ein Gegenstück hat, nämlich das Gute, so muss auch die Dummheit ein Gegenstück haben. Man könnte vermuten, dass das die Klugheit ist, aber damit ist nicht viel gewonnen, denn was klug ist, ist genauso unklar, wie, was dumm ist.

    Fangen wir mit einer phänomenologischen Betrachtung an, fragen wir, wie es ist, dumm zu sein. Gibt es das Erlebnis, die Erfahrung der eigenen Dummheit? Auf jeden Fall, und das unterscheidet die Dummheit vielleicht grundsätzlich von der Bosheit. Dass ich (manchmal) dumm bin, kann ich mir weit selbstverständlicher eingestehen, als dass ich böse bin. Das liegt vielleicht daran, dass ich meine Dummheit auch eher akzeptieren kann als meine eigene Boshaftigkeit.

    Ein Beispiel: Ich treffe mich abends mit Freunden, es werden fröhliche Stunden. Ich weiß, dass ich am nächsten Morgen früh aufstehen muss und bereits am Vormittag einen wichtigen Termin habe, bei dem ich geistig wach sein muss. Trotzdem sitzen wir lange zusammen, ich mag nicht ins Bett gehen, das eine oder andere Glas Rotwein wird gelehrt. Am nächsten Morgen quäle ich mich aus dem Bett, weiß, dass ich einen sehr anstrengenden Tag vor mir habe, und während ich mit halb geschlossenen Augen einen Kaffee zubereite, denke ich, dass es sehr dumm war, ausgerechnet an diesem Abend so lang mit den Freunden zu sitzen und auch noch Wein zu trinken. Klüger wäre es gewesen, zeitig ins Bett zu gehen, um ausgeschlafen zu sein.

    Im Nachhinein klüger?

    Zunächst gibt es also die Erfahrung, dass ich im Nachhinein meine eigene Handlung als dumm beurteile. Ich habe mich zu einer Handlung entschieden und entsprechend gehandelt, und urteile später, dass diese Entscheidung und diese Handlung dumm waren. „Das war dumm von mir“ sage ich dann. Dieses Urteil hat mit den Ergebnissen oder den Konsequenzen meines Handelns zu tun, aber nicht allein damit, dass die Ergebnisse nicht meinen Erwartungen entsprechen oder die Konsequenzen nicht beabsichtigt waren.

    Genau genommen gibt es drei Fälle, wie es zu der Beurteilung einer eigenen Handlung als dumm kommen kann. Erstens: Ich bin mit dem Ergebnis nicht zufrieden, das, was meine Handlung bewirkt hat, ist nicht das, was ich bewirkten wollte – und ich hätte es besser wissen können. Das ist z.B. der Fall, wenn ich im Studium eine Prüfung verhaue, weil ich mich nicht ordentlich vorbereitet habe. Ich hätte wissen können, dass es nicht reicht, am letzten Tag vor der Prüfung die Vorlesungsmitschriften durchzuschauen, und ich hätte auch genug Zeit gehabt, um mich vorzubereiten.

    Zweitens: das Ergebnis ist zwar das gewollte, die beabsichtigte Wirkung ist eingetreten, aber der eigentliche Zweck meiner Handlung ist nicht eingetreten – und ich hätte das zuvor bereits so beurteilen können. Ich möchte mit einer Angebeteten gern essen gehen, und um sie dazu zu überreden, suche ich ein besonders teures Restaurant aus. Sie nimmt meine Einladung an, ich investiere viel Geld und meinen ganzen Charme, aber sie will mich nicht wiedersehen. Ich ärgere mich über meine Dummheit, hätte ich doch wissen können, dass sie sich wegen mir nicht von ihrem gegenwärtigen Freund trennt.

    Schließlich: ich habe zwar das Ergebnis erreicht, das ich gewollt habe, aber es hatte negative Konsequenzen, die den Zweck, den Nutzen im Nachhinein aufwiegen – und ich hätte das zuvor bereits absehen können. Das ist zum Beispiel bei meinem Abend mit den Freunden der Fall: Wir haben ein paar schöne, lustige Stunden miteinander, aber am nächsten Tag brummt mir der Schädel und ich schaffe nicht das, was ich mir vorgenommen habe.

    Die Beispiele zeigen schon, dass es ein ziemlich merkwürdiges Urteil ist, wenn ich etwas im Nachhinein als dumm bezeichne. Ich kann nicht einfach sagen: Wenn diese und jene Bedingungen vorliegen, dann ist die Handlung in jedem Falle dumm. Ob ich mich selbst in einer bestimmten Situation im Nachhinein als dumm ansehe, hängt von meinen Präferenzen und meinen Wünschen, vor allem aber auch von meinen Ansprüchen an mich und meinem Umgang mit meinen eigenen Schwächen oder Leidenschaften ab. Selbst mit schwerem Kopf kann ich mir sagen: Aber der Abend war schön – und den Rest bekomme ich schon hin. Und auch den Abend mit der Angebeteten kann ich in guter Erinnerung behalten, auch wenn ich meine Ziele – vorhersehbar – nicht erreicht habe.

    Die Tatsache, dass ich vorher bereits hätte wissen können, dass die Handlung auf eine der drei Weisen falsch ist, scheint jedenfalls wesentlich für das Selbsturteil der Dummheit zu sein. Wenn ich ein Wissen nicht habe, welches ich bräuchte, um ein ungewolltes Ergebnis meines Handelns vorwegnehmen zu können, dann ist meine Handlung nicht unbedingt dumm. Wenn ich bestimmte Zusammenhänge nicht kenne, die Auswirkungen auf mein Handeln haben, sodass das Ergebnis nicht das Gewünschte ist, dann ist es auch nicht unbedingt dumm, das zu tun, womit ich glaube, meine Ziele erreichen zu können.

    „Et hätt noch immer jot jejange“

    Allerdings gibt es hier eine Einschränkung: Wir beurteilen manche Situationen als unübersichtlich, wir sagen, dass wir wissen, dass wir nicht genug Informationen haben, oder dass wir die Zusammenhänge nicht kennen. Auch dann kann es sein, dass wir im Nachhinein eine eigene Handlung als dumm beurteilen, weil wir uns sagen, dass wir hätten wissen oder wenigstens vermuten können, dass die Sache „schief geht“ weil wir eben nicht genug gewusst haben.

    Wenn ich leichtsinnig in die Berge gehe und einem unbekannten Pfad folge, der immer schlechter und schwieriger wird, dann ist es dumm, immer noch weiter zu gehen. Wenn die Sache schief geht und ich die Bergrettung rufen muss, dann werde ich mich über meine Dummheit ärgern. Ich werde nicht sagen: Ich konnte doch nicht wissen, dass der Weg nicht mehr besser wird, ich habe gedacht, es könnte doch bald wieder einfacher werden. Solche Dummheit bezeichnen wir zumeist als Naivität. Ich sage mir, dass ich naiv war, auf eine Verbesserung der Situation zu hoffen. Ich hätte es, aus meiner allgemeinen Lebenserfahrung heraus, besser wissen können, auch wenn mir die konkreten Umstände vorher nicht bekannt sein konnten. Vielleicht würde ich auch sagen: Es war dumm, dass ich mich nicht vorher besser informiert habe. Aber es gibt auch Fälle, in denen gibt es keine weiteren Informationen – und vielleicht ist es gerade dann dumm, etwas zu tun, ohne Bescheid zu wissen, was damit auf mich zukommt.

    Es gibt jedenfalls einen wichtigen Unterschied zwischen der Dummheit in den ersten Fällen und der Naivität. In den ersten Fällen sagen wir, dass wir eigentlich alles gewusst haben, was wir hätten wissen müssen, dass wir aber nur nicht genug nachgedacht haben. Dieses mangelnde Nachdenken beurteilen wir als Dummheit. Wenn wir aber in unübersichtlichen Situationen handeln, und dabei schon vermuten, dass wir einige wichtige Informationen nicht haben und Zusammenhänge nicht kennen, dann nennen wir das nicht unbedingt dumm, auch nicht zwingend naiv – vielleicht nennen wir es risikovoll. Als dumm bezeichnen wir dieses Handeln erst, wenn wir wenigstens wissen, dass das Risiko, dass etwas schief geht, sehr hoch ist.

    Das Beispiel zeigt auch, dass Naivität nicht unbedingt Dummheit sein muss: Jeder Entdecker braucht diese Naivität, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Auch die Bewohner der schönen Domstadt Köln sind für diese Naivität bekannt, sie haben diese Einstellung zu ihrem Grundgesetz gemacht, dessen zentrale Aussage bekanntlich lautet: „Et hätt noch immer jot jejange“.

    Wir hatten oben angenommen, dass Klugheit das Gegenstück zur Dummheit ist. Aber ist das wirklich so? Zur Klugheit gehört Wissen und die Fähigkeit, aus diesem Wissen durch Nachdenken die richtigen Schlüsse für das Handeln ziehen zu können. Jetzt haben wir gesagt, dass wir wenigstens das eigenen Handeln im Nachhinein auch als dumm ansehen, wenn wir eben auch – wenigstens prinzipiell – das relevante Wissen hatten – aber eben nicht genug nachgedacht haben. Dumm nennen wir es, wenn wir wider besseres Wissen etwas getan haben, was zu absehbaren Folgen geführt hat, die wir eigentlich nicht gewollt haben können. Also gehört Klugheit dazu, das eigene Handeln im Nachhinein als dumm beurteilen zu können. Wenn wir aber das nötige Wissen gar nicht hatten, oder die wichtigen Zusammenhänge gar nicht kannten, dann werden wir auch später nicht sagen, dass wir dumm gehandelt haben. Allenfalls reden wir dann davon, naiv oder zu risikobereit gewesen zu sein.

    Bin ich zu dumm dafür?

    In unserem Selbsturteil gibt es noch eine andere Verwendung des Begriffs Dummheit. Wir bezeichnen uns als dumm, wenn wir geistig etwas nicht vermögen, was wir für nötig halten, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen. „Zu dumm“, das kann bedeuten: Ich weiß nicht alles, was nötig wäre. Es kann auch bedeuten: „Ich besitze das notwendige geistige Vermögen nicht, um aus dem, was ich weiß, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen“. Meine Selbst-Einschätzung als „dumm“ ist dann zumeist absolut: Wenn ich der Meinung bin, dass ich nur momentan nicht die nötigen Kenntnisse oder Fähigkeiten habe, mir diese aber verschaffen könnte, dann würde ich mich nicht als dumm, sondern eben allenfalls als nicht ausreichend informiert oder geschult bezeichnen. Meistens sage ich dann nicht „Ich war dumm“ sondern „Ich bin (überhaupt) zu dumm dafür“. Wir könnten das erste als situative Dummheit, das zweite als prinzipielle Dummheit bezeichnen.

    Wenn ich etwa trotz eifriger Vorbereitung durch die Prüfung rausche, weil ich den Inhalt des Lernstoffes einfach nicht begreife, dann sage ich „Ich bin zu dumm dafür!“ Es hat nichts damit zu tun, dass ich meine, in der konkreten Situation wider besseres Wissen falsch gehandelt zu haben. Ich halte mich prinzipiell für „zu dumm“ ein Ziel zu erreichen.

    Also hätte Dummheit, wenigstens in dieser Verwendungsweise, doch etwas mit Unwissenheit zu tun? Man darf nicht vergessen, dass eine solche Beurteilung als dumm meist gar nicht aus einer ursprünglichen Selbst-Beurteilung, sondern oft aus einer – vielleicht bereitwillig angenommenen – Fremdbeurteilung kommt. „Du kannst das sowieso nicht beurteilen“ ist oft eine Behauptung, die den Menschen, der sie annimmt, in Unmündigkeit halten soll. Wir gehen fürs weitere davon aus, dass niemand wirklich „zu dumm für irgendetwas“ ist. Es mag geistige Fähigkeiten geben, über die nur wenige verfügen, aber die Handlungsoptionen, die sich daraus ergeben – etwa eine neue physikalische Theorie aufzustellen oder eine Schach-Weltmeisterschaft zu gewinnen, sind für die meisten Situationen, die für unser Leben in unserer Welt wirklich bedeutsam sind, zu vernachlässigen.

    Es scheint so, als hätten die prinzipielle Dummheit und die situative Dummheit nichts miteinander zu tun. Aber das ist nicht der Fall, sie hängen, wenn wir genau hinsehen, so eng miteinander zusammen, dass wir das gleiche Phänomen dahinter erkennen können: Wer sich als prinzipiell zu dumm für ein Problem beurteilt, der denk nämlich gleichzeitig, dass es dumm war, sich dieses Problem überhaupt vorzunehmen. Warum hab ich überhaupt angefangen, Maschinenbau zu studieren, ich wusste doch, dass man da Mathematik braucht und dass ich zu dumm für Mathematik bin! Genau genommen ist das Erleben meiner prinzipiellen Dummheit immer das Eingeständnis, dass ich zuvor einmal in einer bestimmten Situation so dumm war, mich auf „das alles, was ich sowieso nicht kann“ überhaupt einzulassen.

    Die Reue

    Wenn ich etwas Dummes tue und das im Nachhinein auch als dumm beurteile, dann bereue ich es. Ich sage: Ich hätte es nicht tun sollen, oder ich hätte etwas anderes tun sollen. Damit bleibt, dass ich mich selbst als dumm empfinde, wenn ich eine Handlung im Nachhinein bereue weil ich zu dem Schluss komme, dass ich das Ergebnis nicht gewollt habe, und dass ich das bereits vorher hätte wissen können. Diese Begriffsbestimmung der eigenen Dummheit umfasst auch den zuletzt besprochen Fall, in dem ich einschätze, dass ich „zu dumm“ bin, ein Ziel überhaupt anstreben zu können – denn zumeist ist damit die Reue darüber verbunden, dass ich mir die nötigen Mittel zuvor nicht angeeignet habe oder dass ich überhaupt versucht habe, etwas zu tun, wofür ich „eigentlich zu dumm“ bin.

  • Ein schauriges Spiel

    Die Entfernung zwischen Politik und Alltag, zwischen Politikern und Bürgern, wird oft beklagt, aber zumeist bleibt diese Klage abstrakt. Wir werfen den Abgeordneten und den Regierungsmitgliedern vor, keine Ahnung von unserem Leben und unseren Problemen zu haben – aber das bleibt im Ungefähren. Hier und da lässt sich so eine Behauptung, wenn sie mal konkret gemacht wird, auch auf einfache Weise widerlegen. Das beste Beispiel ist das Interview von Angela Merkel bei Anne Will. Da konnte die Kanzlerin auf den Vorwurf, sie wüsste vielleicht nicht, wie die Probleme vor Ort wirklich aussehen, schlicht erwidern, dass sie da schon im Bilde sei – wer wollte da streiten?

    Die Distanz zwischen Bürgern und Politik lässt sich aber auch ganz konkret erleben, und zwar ausgerechnet an einer Stelle, an der die Menschen von der Straße dem politischen Geschehen ganz nahe kommen sollen: Beim Besuch einer Plenarsitzung im Bundestag.

    Personalien und Sicherheitscheck

    Im Plenarsaal im Bundestag sind oben so genannte Zuschauertribünen installiert, von denen aus man die Debatten der Abgeordneten sozusagen hautnah erleben können soll. Man kann von oben auf die Politiker herab sehen, aber selten führt eine Redewendung so sehr in die Irre. Umso näher man den Politikern kommt, desto mehr Entfernung wird nämlich aufgebaut.

    Es beginnt schon mit der Planung des Besuchs. Glauben Sie nicht, liebe Leser, dass Sie bei einem Besuch der Hauptstadt spontan mal zu Ihren Freunden sagen können: „Lasst uns doch mal einen Blick in den Bundestag werfen und den Politikern beim Debattieren zusehen!“ – Weit gefehlt: Schon Monate vorher müssen Sie Ihren Besuch beim Besucherdienst des Bundestages anmelden – und zwar mit genauer Teilnahmeliste einschließlich der Personalien und Personalausweisnummern aller Teilnehmer.

    Benehmen Sie sich!

    Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, bekommen Sie eine genaue Vorgabe, zu welchem Zeitpunkt Sie sich mit Ihrer Gruppe am Bundestag einzufinden haben. Aber Sie können da nicht so einfach reinspazieren. Bereits im gehörigen Abstand vor dem Gebäude sind Container für den Sicherheitscheck aufgebaut. Dort werden Sie kontrolliert wie vor einem Interkontinentalflug am Frankfurter Flughafen. Personalien werden abgeglichen, gleichzeitig werden Sie darauf vorbereitet, dass von hier ab alles nur noch hochgradig diszipliniert weitergeht. „Stellen Sie sich dort auf!“, „Sammeln Sie sich da!“, „Warten Sie dort, bis Sie abgeholt werden!“

    Unter straffer Führung mit klaren Kommandos gelangen Sie auf die Zuschauerebene. Dort müssen Sie natürlich alles Gepäck, das Sie dabei haben, sowie Ihre Mäntel und Jacken abgeben – auch wenn gerade alles kontrolliert worden ist. Nun kommt der Höhepunkt der Prozedur: Sie erhalten eine Einweisung, wie Sie sich von dem Moment an zu benehmen haben, in dem Sie die Zuschauertribüne betreten. „Handys aus! Und wenn ich sage, aus, dann meine ich aus. Nicht lautlos, nicht Flugmodus, sondern AUS! Wenn Sie die Tribüne betreten, setzen Sie sich zügig auf die Plätze. Nicht reden, nicht lachen, nicht herumlaufen! Und nicht einschlafen! Denken Sie daran, dass auch die Zuschauertribünen gefilmt werden, was würde das für einen Eindruck machen, wenn Sie da die Augen geschlossen haben?“

    Der Einlass auf die Tribüne erfolgt immer zur vollen Stunde, verbunden mit der Anweisung, dass Sie bis zehn Minuten vor der nächsten vollen Stunde sitzen zu bleiben haben und sich dann „selbständig zu erheben haben und die Tribüne wieder verlassen“.

    Schlechte Plätze, schlechte Schauspieler, schlechtes Stück

    Dann sitzen Sie da. Sie fühlen sich wie auf den schlechtesten Plätzen eines Theaters, in dem ein schlechtes Stück mit schlechten Schauspielern gegeben wird. Ein Redner nach dem andern klettert im Fünf-Minuten-Takt auf die Bühne und hält einen Monolog. Im Falle meines Besuches dort ging es irgendwie um auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Im Parkett des Theaters sitzen ein paar Leute und klatschen hin und wieder. Sie reden miteinander – was Ihnen hier oben streng verboten ist. Sie schauen auf ihre Smartphones, Sie mussten Ihres ausschalten (auch wenn Sie das in einem Anflug von Verwegenheit heimlich doch nicht getan haben). Sie stehen auf, laufen raus, kommen rein, wie es ihnen gefällt – all das ist Ihnen hier oben untersagt worden.

    Was lernen Sie bei diesem Besuch? Was macht das mit Ihnen? Und was macht es mit den Politikern da unten, die oben auf den Rängen ein artiges Volk versammelt sehen, das dicht gedrängt in engen Reihen sitzt und gebannt ihren nichtssagenden, schlecht vorgetragenen, langweiligen Reden folgt?

    Warum nicht anders?

    Stellen wir uns eine Alternative vor. Klar, ein bisschen Sicherheit muss sein. Denken wir uns also, dass wir ganz ohne Anmeldung zum Bundestag hinüberschlendern, für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Besucherandrang groß ist, wird uns eine Wartezeit angezeigt, etwa wie bei großen Attraktionen im Vergnügungspark. Wie passieren den Sicherheitscheck, der gern dem am Flughafen ähneln kann.

    Von mir aus könnten ein paar Plakate auf der Zuschauertribüne darauf hinweisen, dass man sich leise verhalten soll und die Handys bitte lautlos sein sollen. Vielleicht so, wie im Theater. Auf der Zuschauertribüne stehen ein paar kräftige Aufpasser, die sich um die paar Störenfriede kümmern, die wirklich zu viel Krach machen.

    Auf die Tribüne würden immer nur so viele Leute gelassen werden, wie eben drauf passen. Es ist ganz unwahrscheinlich, dass sich bei einer normalen Debatte (das Wort ist hier ein unpassender Euphemismus) wirklich jemand mehr als ein paar Minuten dort oben aufhält. Ich jedenfalls hatte nach 15 Minuten, spätestens nach dem dritten Redner, genug gesehen.

    Dann würden die Leute da unten auf der Bühne ihr Spiel eben nicht nur vor halbleerem Saal, sondern auch vor halbleeren Rängen aufführen. Das Kommen und Gehen auf der Tribüne würde ihnen zeigen, was das Publikum von der ganzen Inszenierung hält. Und die eine oder andere unmittelbare Unmutsbekundung würde deutlich machen, was das Volk über das ganze Spiel denkt, das da aufgeführt wird.

    Nicht „wie in der DDR“

    Um das klar zu sagen: Nein, das erinnert mich nicht an DDR-Verhältnisse. Denn als ich da oben saß, wusste ich schon, dass ich darüber schreiben würde, dass ich mir meine Empörung ganz öffentlich und ohne Gefahr von der Seele würde schreiben können. Auf die Idee wäre ich in der DDR im Traum nicht gekommen. Aber die Distanz zwischen politischer Klasse und Volk ist erschreckend – um das ganz live zu erleben, lohnt sich der Besuch des Bundestags.

    Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Jörg Friedrich über die Freuden des Klimawandels.