Schlagwort: Lockdown

  • Impfen in Deutschland = ein Trauerspiel

    Impfen in Deutschland = ein Trauerspiel

    Die Inzidenz klettert munter gen 200, wenn’s so weitergeht, sind im April auch 500 drin. Falls 500 dann nicht das neue 35 wird, ist mit schärferen Maßnahmen zu rechnen. Seit vergangener Woche herrscht bei uns im Bonner Süden eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr. Woher ich das weiß? Von meinen Söhnen. Und woher die das wissen? Aus einer Facebookgruppe. Mein sofortiger Check auf der Seite der Kreisverwaltung ergab: Information stimmt. Soll noch mal einer sagen, Facebook würde uns einzig verblöden. Ne AUSGANGSSPERRE! Militärjeeps rollen durch die Straßen, Luftkavallerie seilt sich aus Helikoptern ab, Sondereinsatzkommandos der Polizei brechen Türen auf und kontrollieren, wer sich alles berechtigt und unberechtigt am Abendessentisch befindet. Ich klebe mir vorsichtshalber einen Post-it ans Küchenfenster: Den Müll spätestens um 20.55 rausbringen!

    Softlockdown & Ausgangssperre light

    Jetzt ist es mir als Eigenbrötler, der seit einem Jahr abends die Zeit mit Netflix, ARD-Sondersendungen zum Thema Covid, Facebook und Ratgebern à la „Auch im Lockdown in 30 Tagen zur Bikinifigur. Die Power-Corona-Diät“ totschlägt, eigentlich egal, ob ich ohne oder mit Ausgangssperre um 21 Uhr auf meinem Sofa sitze. Trotzdem: Ne Ausgangssperre hat schon was. Die kannte ich bisher nur von Weltkriegserzählungen meiner Eltern und Großeltern und aus Hollywood-Katastrophenfilmen.

    Da geht aber bestimmt noch was on top: Supermarkt bloß 1x/Woche mit Berechtigungsschein, tanken einzig am Freitag, fürs Joggen muss ich vorher einen Online-Antrag bei der Gemeindeverwaltung stellen etc. etc. Am Ende dann 24/7-Ausgangssperre mit Drohnen, die mir die Lebensmittel über dem Balkon abwerfen und ganz nebenbei kontrollieren, ob ich mich tatsächlich am Homeoffice-Schreibtisch oder auf dem Klo befinde.

    Und so folgt ein Lockdown dem nächsten Lockdown, der wiederum in einen neuen Lockdown mündet, um von einem leicht gemilderten Lockdown (ich darf bis auf Weiteres 2x/ Woche zum Lidl u mir im Kiosk eine Zeitung besorgen) abgelöst zu werden, bis die Lockerung 14 Tage später wieder zurückgenommen wird, denn die Inzidenz liegt jetzt bei 5000. Und aus 5000 eine 35 zu machen: das traut sich dann doch keiner. Lockdown als neue Normalität bis zum Frühjahr 2023, bis das Virus endlich von selbst schlapp macht. Am Ende zählen wir ne Menge Tote, Ärzte & Pfleger, die binnen 24 Monaten um 24 Jahre gealtert sind, Kultur u Gastronomie haben sich halbiert, Insolvenzen u Arbeitslosigkeit sind so hoch, dass die Regierung beschließt, die Zahlen erstmal unter Verschluss zu halten, um Unruhen zu vermeiden. Aber wir dürfen ab sofort wieder 6x/ Woche zum Lidl u 7x zur Tanke, und bei der WM in Katar sind Fans im Stadion zugelassen. Das ist die Hauptsache.

    Nun rächt sich bitter, dass wir im Herbst vergangenen Jahres keinen harten Lockdown praktiziert haben gemäß der alten ABC-Schutz-Seuchen-Verordnung: ALLE 4 Wochen zu Hause bleiben. KEINE Ausnahmen. Dann wird’s dem Virus normalerweise langweilig und es zieht ein Land oder gar einen Kontinent weiter. Oder – noch besser – es verhungert. Wollte sich keiner unserer Politiker zu entschließen und jetzt haben wir halt den Dauer-Softlockdown-Salat. Ob ich „wäre, wäre, Fahrradkette“ kenne? Ja, kenne ich.

    Wer spät geimpft wird, kann sich länger drauf freuen

    Und das Impfen, was ist mit dem Impfen, fragen Sie mich? Was soll mit dem Impfen schon sein, antworte ich Ihnen. Erst ging’s im Januar langsam los, dann blieb‘s im Februar gemächlich, um in einen zögerlichen März überzugehen. Aber immerhin diskutieren wir jetzt schon darüber, ob auch Hausärzte impfen können und dürfen, und ob die Arbeitszeitverordnung es zulässt, dass die Impfzentren ebenfalls am Wochenende geöffnet sind. Und auch die Sache mit AstraZeneca soll bis spätestens Jahresende ’22 geklärt sein. Bis dahin gilt: Mit AZ geimpft werden bloß Jüngere, die nicht schwanger sind. Oder waren es Ältere, die nicht schwanger sind? Oder Single-Männer ohne Familie? Egal, auf jeden Fall ist bei AstraZeneca durchgängig Vorsicht geboten, bis die Ständige Impfkommission Entwarnung gibt. Dass die Ständige Impfkommission v.a. für ständige Verwirrung sorgt: geschenkt.

    Das Land des selbsternannten Organisationsweltmeisters rangiert bei der Impfgeschwindigkeit knapp oberhalb des Levels von Kasachstan, der Fidschi-Inseln und Paraguays. In den USA, in Großbritannien und Israel werden sie Covid-19 nur noch aus den Erzählungen der Großeltern kennen, da darf bei uns der erste Hausarzt endlich zur Spritze greifen. Und lassen Sie mich hier gar nicht erst von den Hotlines anfangen, bei denen man 20 Minuten lang in einer nervtötenden Warteschlange ausharrt, bis ein finales Tuten ertönt, weil das System einen rausgeworfen hat. Oder die Warn-App, die aufgrund unseres sakrosankten Datenschutzes für Amazon-Bestellungen besser taugt als für die Nachverfolgung der Infektionsketten. Und die Beschlüsse der nächtlichen Kanzlerin-Ministerpräsidenten-Candy-Crush-Runden, deren Haltbarkeitsdauer kürzer währt als die 15-minütige Sondersendung, die im Anschluss in der ARD ausgestrahlt wird. So blättert der Nimbus des Organisationsweltmeisters noch schneller, als die Fußball-Nati unter dem ewigen Löw ihren Ruf ramponiert. Es ist beides ein Trauerspiel. Zu ertragen einzig mit Netflix und Alkohol.

    Impfzwang: daran darf man nicht mal denken

    Ob wir so jemals die notwendige Herdenimmunität erreichen werden? Keine Ahnung. Ich bin kein Virologe oder Epidemiologe oder Lungenarzt oder Vorsitzender der Vereinigung der Intensivmediziner oder oder oder, sondern bloß treuer Corona-Sondersendungen-Zuschauer. Meine Vermutung: Das Virus wird schon von selbst gestorben sein, bis wir AstraZeneca eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen. Nur vorübergehend (also die Unbedenklichkeitsbescheinigung), denn was eine ordentliche deutsche Behörde ist, die lässt auf die 23-ste natürlich noch eine 24-ste Prüfung folgen. Nicht, dass EINER aus 3 Millionen eventuell eine Erektionsstörung durch die Impfung erleidet. Eventuelle Nebenwirkungen müssen KOMPLETT ausgeschlossen werden. Im Zweifelsfall noch eine 25-ste Prüfung dranhängen.

    Jetzt malen Sie aber SEHR schwarz, Herr Hirsch, meinen Sie? Lassen Sie es mich so sagen: Nach 1 Jahr Homeoffice und abends alleine auf dem Sofa abhängen bin ich etwas Lockdown-müde. Das mag mein objektives Urteilsvermögen trüben; gebe ich unumwunden zu. Aufgrund dieser Trübung sehe ich für einige Branchen bei uns im Land des entzauberten Organisationsweltmeisters mittlerweile allerdings nicht nur schwarz, sondern blicke in ein zappendusteres Insolvenzloch. Sobald die Überbrückungshilfen und das Kurzarbeitergeld wegfallen, werden wir vor einem gewaltigen Scherbenhaufen an Firmenpleiten und explodierender Arbeitslosigkeit stehen. Jeder Tag, den das Impf-Schneckentempo weiter anhält, vernichtet ein paar tausend Existenzen. Viele davon unwiderruflich.

    Nachts träume ich manchmal von Impfzwang – pardon: Impfpflicht – und mobilen Einsatzkommandos, die die Leute in ihren Wohnzimmern verarzten. Als ich das vor ein paar Tagen mal in Facebook vorschlug, erhob sich sofort Protest: Nicht vom Grundgesetz gedeckt, würde vom Verfassungsgericht umgehend gekippt, und überhaupt sei es entlarvend, sowas wie einen Impfzwang überhaupt nur zu denken. Fiele in die Kategorie: paramilitärische Feuchtfantasien eines alten Mannes, der zu viel Katastrophenfilme auf Netflix schaut und sich nach klarer Führung sehnt. In Ordnung, dann werde ich ab sofort nicht mehr von Impfzwang (pardon: Impfpflicht) träumen. Und was ist mit der Idee, dass Geimpfte mehr dürfen als Ungeimpfte? Wäre das eventuell ein Instrument, um Impfbereitschaft und Geschwindigkeit zu erhöhen? Das sei nichts anderes als ZWANG(!) durch die Hintertür, sagen Sie? Okay okay, ich höre schon wieder damit auf.

    Hauptsache, Netflix & Alkohol gehen uns nicht aus

    So bleibt mir also in den kommenden Monaten nichts weiter übrig, als:
    (a) geduldig auf meinen Impftermin zu warten (ich akzeptiere auch Sputnik oder das chinesische Zeug)
    (b) zu hoffen, dass ich als notorischer Schwarzseher für Gastro, Fitness, Kunst & Event viel zu schwarz sehe und am Ende von Corona alles genauso heiter weitergeht, als habe es das Virus vom Wuhaner Großmarkt nie gegeben
    (c) mich bei Netflix zu erkundigen, ob eine neue Staffel „The walking dead“ in Arbeit ist.

    Und vor allem werde ich mir ein zweites Post-it an die Haustür kleben:

    Müll spätestens um 20.55 Uhr rausbringen!

    #impfenindeutschland=eintrauerspiel

  • Corona und kein Ende?

    Corona und kein Ende?

    Die Zahlen steigen, steigen und steigen. Ob es sich dabei nun um die zweite, die Verlängerung der ersten oder den Vorboten der dritten Welle handelt, ist völlig egal. Ob die Zahlen exponentiell explodieren oder nur temporär nach rechts gekrümmt linear anwachsen, ist eigentlich auch nicht so superwichtig. Ob es daran liegt, dass heute mehr getestet wird als noch vor Wochen oder Monaten, interessiert mich als Laien ehrlich gesagt ebenfalls nur am Rande. Fakt ist: Die Gesundheitsämter melden jeden Tag neue Höchststände an Infizierten, die Belegung der Betten auf den Intensivstationen mit Covid-19-Patienten nimmt wieder zu. Wenn die Entwicklung weiter so voranschreitet wie im September und Oktober gehen wir einem äußerst ungemütlichen Spätherbst entgegen. Karl Lauterbach, den die einen für einen notorischen Schwarzseher, die anderen für die sozialdemokratische Reinkarnation der trojanischen Kassandra ansehen, prognostiziert für diesen Fall einen zweiten Lockdown. Und man mag zu Karl Lauterbach stehen wie man will: Er hat sich bisher in Bezug auf Corona so gut wie nie mit seinen Vorhersagen geirrt.

    Lockdown: Da war doch mal was in ferner Vergangenheit?
    Ich frische gerne Ihre Erinnerung auf:

    Lockdown = Ausgangssperre oder auch eine Absperrung bzw. Versiegelung von Gebäuden und Bereichen.

    Shutdown = Situation, in der ein Unternehmen (vorübergehend) seinen Betrieb einstellt.

    Lock- & Shutdown = mittelschwere Katastrophen

    Beides wäre eine mittelschwere Katastrophe. Und zwar sowohl für viele Familien, die dann wieder beginnen müssten, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten und zu bespaßen als auch für große Teile unserer Wirtschaft. Bis weit in den Oktober hinein habe ich deshalb gedacht: Ein neues Herunterfahren des öffentlichen Lebens wird es nicht geben. Wir sind weiter, haben gelernt, mit dem Virus zu leben, uns vor ihm zu schützen. Hin und wieder gibt es lokale Ausbrüche und lokale Hotspots, bei denen es völlig reicht, sie lokal zu bekämpfen. Anscheinend war das aber Wunschdenken meinerseits gewesen. Denn falls die Zahlen weiter so in die Höhe schnellen, wie sie es seit Wochen tun, ist binnen Monatsfrist Gesamt-Deutschland als Hotspot zu betrachten. Von unseren europäischen Nachbarn, wo es im Moment noch schlimmer aussieht als bei uns, brauchen wir hier erst gar nicht zu reden. Horrorbilder wie die vom März in Bergamo tauchen plötzlich vor meinem geistigen Auge auf. Nur dass diese Szenen dann in Köln und Castrop-Rauxel spielen.

    „Ist bei uns in Deutschland nicht möglich“, sagen Sie?
    „Ich klopfe abergläubisch 3x auf meine hölzerne Tischplatte“, sage ich.

    Falls einige sich im Juli und August in bierseliger Stimmung an dichtgedrängten Ostseestränden der Illusion hingegeben haben sollten, ‚aus und vorbei‘, so werden wir nun, wo draußen die Temperaturen sinken, schnell wieder mit der harten Realität konfrontiert: Das Virus war nie weg. Es hat eine kurze Verschnaufpause eingelegt und macht sich nun frisch erholt daran, uns ein weiteres Mal heimzusuchen. Ob es noch exakt derselbe Erreger wie im Frühjahr ist oder das Ding in den Sommerferien ein-, zwei-, dreimal mutierte: Wen, außer den Experten, juckt das? Es handelt sich nach wie vor um ein hochansteckendes Virus, das, wenn es schlecht läuft, den Infizierten ins Krankenhaus und, wenn es noch schlechter läuft, von dort in die Kühlkammer befördert.

    „Es sind doch aber nur wenige, die daran sterben und die, die sterben, sind alt und waren vorerkrankt. Wir können doch nicht ein ganzes Volk in Sippenhaftung für eine kleine Risikogruppe nehmen“, sagen Sie nun?
    „Sie mich auch“, erwidere ich.

    Ansteckungsgefahr wächst täglich

    Die Wahrscheinlichkeit, mit Covid-19 persönlich Bekanntschaft zu machen, wächst von Tag zu Tag. Kannte ich Corona bis in den Spätsommer hinein nur vom Hörensagen – z.B. der Kindergarten im Nachbarviertel schließt für zwei Wochen, weil eine Erzieherin sich angesteckt hatte –, so kommen die Einschläge nun im Herbst näher. Erst gestern wurde mir von einer befreundeten Familie berichtet, bei der fünf Personen gleichzeitig erkrankt sind und der Mann, jünger als ich, wegen schwerer Symptome bereits nach 48 Stunden ins Krankenhaus abtransportiert wurde, während sich Mutter und Kinder in strenger häuslicher Quarantäne befinden. Oha, dachte ich, so schnell kann’s gehen und überlegte, wann statistisch gesehen ich selbst an der Reihe bin.

    Nun neige ich weder zu Schwarzmalerei, noch zu Alarmismus. Lag selbst 10x auf der Intensivstation und weiß, dass es auch von dort wieder einen Weg nach draußen gibt. Das Virus wird uns nicht alle killen; dafür ist die Mortalität Gottseidank zu gering. Es wird uns jedoch nicht so schnell in Ruhe lassen und uns, falls wir nicht energisch gegensteuern, in den kommenden Monaten einige zehntausend vermeidbare Todesfälle bescheren.

    Die effektivste Methode, SARS-CoV-2 zu stoppen, bestünde darin, dass wir ALLE vier Wochen lang zu Hause bleiben. Vorher ordentlich Klopapier, Dosenravioli und Corned Beef hamstern und dann mit dem Arsch festgetackert auf dem Sofa kreuz und quer durch Netflix zappen. Dem Erreger keine Chance bieten, vom einen zum anderen Wirt weiterzuspringen, der biologischen Malware den humanen Nährboden entziehen, das Teil schlichtweg aushungern. Ob’s dann jedoch tatsächlich für immer und ewig vorbei ist, oder uns eventuell im März eine neue Welle von Asien oder Afrika oder vom Nordpol herkommend überrollen wird, weiß allerdings auch niemand so genau.

    Deshalb bleibt es beim weiter oben Gesagten: ein zweiter bundesweiter Lock-/ Shutdown kann nur die allerletzte Möglichkeit sein, falls alle anderen, weniger invasiven Maßnahmen versagen sollten. Denn ein erneuter Shutdown würde ein Branchensterben bisher nicht gekannten Ausmaßes nach sich ziehen. Hand aufs Herz: Wann sind Sie das letzte Mal ins Kino, zu einer Musikveranstaltung, ins Theater gegangen? Haben Sie sich mit einem Gastronomen oder Hotelbesitzer darüber unterhalten, was die für Umsatzeinbrüche in diesem Jahr verkraften müssen? Wissen Sie, wie viele Clubs & Nachtlokale in den vergangenen Monaten ihre Pforten für immer schließen mussten? Haben nicht zahlreiche Arbeitgeber Corona als willkommenen Vorwand genommen, um Belegschaft, die sie eh schon länger loswerden wollten, erst in Kurzarbeit und im Anschluss in die Jobcenter zu schicken? Der Kitt der Kurzarbeit verstellt im Moment den klaren Blick auf das wahre Ausmaß der sich in Bälde anbahnenden ökonomischen Katastrophe. 2021, sobald die Maßnahme ausläuft, wird als das Jahr mit DEN Rekord-Arbeitslosenzahlen in die Geschichtsbücher eingehen.

    Lieber arbeitslos als tot?

    „Lieber arbeitslos als tot“, meinen Sie?
    „Habe ich im Frühjahr noch genauso gesehen“, antworte ich. Heute hingegen graut mir manchmal vor einer Depression, wie wir sie Ende der 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts schon mal erlebt haben. Auch wenn man die Situationen damals und heute nicht 1 zu 1 miteinander vergleichen kann, so ähneln sich ökonomische Depressionen doch darin, dass sie sich oft als hartnäckig erweisen und als unappetitliche Folge das Erstarken der radikalen politischen Ränder im Schlepptau haben.

    So lange die Inzidenzwerte nicht in die Stratosphäre schießen, die Krankenhäuser nicht am Limit arbeiten u.v.a. die Mortalitätsrate nicht explodiert, sollten wir deshalb ALLES versuchen, die Pandemie mit hausärztlichen Mitteln (i.e. Maske beim Einkaufen und auf der Straße tragen, Abstand halten, Menschenmengen meiden, lieber einmal zu oft als einmal zu wenig zu Hause bleiben, die Möglichkeiten von Homeoffice und Homeschooling umfangreich nutzen etc. etc.) in den Griff zu bekommen, als Gefahr zu laufen, dass wir qua Gesetz/ Verordnung pünktlich zum Start der Adventszeit unsere vier Wände bis zum Frühjahr nicht mehr verlassen dürfen und Gastronomie & Hotellerie der endgültige Todesstoß versetzt wird. Der leicht erkältete Patient Deutschland, der sich im Moment noch mit Mitteln aus der Hausapotheke selbst kurieren kann, würde dann mit dauerhaft 40° Grad Fieber auf die ökonomische Intensivstation verfrachtet. Länge des Aufenthalts und Rückkehr zu alter Stärke völlig ungewiss.

    Der Optimist in mir sagt, wir werden es mit Masken und Rückzug auf die Wohnzimmercouch schaffen, weil wir Menschen vernünftige und soziale Wesen sind. Der Pessimist hält dagegen: „Vernünftig und sozial? Vergiss es! Das klappt nie und nimmer. Es gibt immer noch ne Menge Leute, die sich störrisch und grob fahrlässig der Prävention verweigern. Spätestens an Weihnachten wird der nationale Infektions-Notstand ausgerufen.“

    Bleibt nur zu hoffen, dass sich möglichst viele am eindringlichen Appell der Kanzlerin ausrichten. Denjenigen, die der Kanzlerin, egal was die gerade empfiehlt, grundsätzlich misstrauen, sei zusätzlich ein Tipp meiner Großmutter väterlicherseits ans Herz gelegt: Im Krieg und bei Seuchen ist Vorsicht eine Tugend. Die Dame hat mit diesem Motto zwei Weltkriege und die Spanische Grippe relativ unbeschadet überlebt und wurde knapp 100 Jahre alt, weshalb mir der Ratschlag vernünftig zu sein scheint. Ich jedenfalls habe mir zusätzlich zum Netflix- jetzt auch noch ein Maxdome-Abo zugelegt und ein Dutzend Romane in Amazon bestellt, damit mir beim (noch freiwillig) Zu-Hause-bleiben auch bestimmt nicht langweilig wird.

    Und wie lange soll das (freiwillige) Zu-Hause-bleiben dauern, wollen Sie abschließend wissen? Halt so lange, bis die Werte wieder absinken und ein Impfstoff zur Verfügung steht. Und der Impfstoff wird kommen. Da bin ich SEHR zuversichtlich.