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  • Warum X (Twitter) nicht stirbt

    Warum X (Twitter) nicht stirbt

    Inzwischen sind sie wohl alle wieder zurückgekehrt, die X – und Twitter-Kritiker, die nach der Übernahme der Plattform durch Elon Musk scharenweise zu Mastodon gewechselt waren. Dort sollte die Ursprungsidee des guten alten Web 2.0 wiederbelebt werden, ein Netz für alle, dezentral, nicht beherrscht und betrieben von einem mächtigen Konzernbesitzer, der im Hintergrund seine eigene kapitalistische Agenda verfolgt.

    Die älteren hatten das alles schon mehr als einmal erlebt, damals, als Facebook durch Google Plus abgelöst werden sollte, dann bald darauf, als Ello die konzernbefreite Alternative zu Facebook werden sollte, dann natürlich, als Facebook WhatsApp kaufte und irgendwie alle meinten, jetzt würden alle zu Threema oder Telegram oder Signal wechseln.

    Es muss einen Unterschied zu X (Twitter) geben

    Es ist interessant, zu beobachten, was wirklich geschehen ist. Facebook hat tatsächlich an Bedeutung verloren, aber nicht durch die Konkurrenz, die eigentlich nichts anderes angeboten hat als die Zuckerberg-Plattform, sondern durch den Kurznachrichtendienst Twitter, der ein anderes Kommunikationsmodell hat. Und auch die WhatsApp-Alternativen konnten dem Original nur insofern ein paar Kunden abspenstig machen, als sie etwas eigenes auf die Beine stellten, was sich vom Original deutlich unterschied.

    Diese Innovationskraft fehlte Mastodon von Anfang an, seine Attraktivität sollte sich einzig aus der überlegenen Moral der Betreiber herleiten: nicht der eigennützige Kapitalist, sondern die altruistischen Serverbetreiber mit den Instanzen im Wohnzimmer – das klang irgendwie schön, aber es reichte nicht als Magnet, um die Nutzer wirklich in großer Zahl zum Überlaufen zu bewegen.

    Und die große Zahl von Followern oder Freunden, somit die Chance auf Weiterverbreitung der eigenen Botschaft und auf Reaktionen, Zustimmung oder Widerspruch, kurz, die Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen, das ist es, was die Leute auf die Social-Media-Plattformen treibt. Wenn ich auf mein kluges Statement keine Antworten erhalte, wenn niemand den Like-Button klickt und keiner meine Nachricht an seine eigenen Freunde und Follower weitergibt, dann hat das Posten keinen Sinn, dann macht es keinen Spaß, dann verschafft es keine Befriedigung. Nur, wenn ich selbst ein paar hundert oder tausend Abonnenten habe, hab ich die Chance auf ein paar Dutzend Reaktionen, davon wiederum vielleicht von zwei oder drei Leuten mit ein paar Tausend Lesern, die mir dann hin und wieder die ganz große Reichweite verschaffen, eine Welle von Reaktionen, die erst nach Tagen wieder abflacht. Das aber funktioniert nicht auf einer Plattform, auf der nur wenige unterwegs sind. Die müsste dann irgendetwas ganz anderes, neues bieten, was mich so lange bindet, bis die Zahl der Verbindungen zu anderen Leuten so weit gewachsen ist, dass eine gewisse Lebendigkeit zu spüren ist.

    Dieses Andere aber hat Mastodon nicht – und deshalb ist passiert, was zu erwarten war: allmählich kehren alle, mehr oder weniger bereitwillig oder zähneknirschend, zu Twitter zurück. Die Betreiber der Mastodon-Instanzen können am Ende froh darüber sein. So bleibt ihnen erspart, was früher oder später auf sie zugekommen wäre: das Löschen von Postings, die gegen Gesetze verstoßen oder bei denen das zumindest angenommen werden kann, das Sperren von Benutzern, die sich nicht an Regeln halten wollen. Wir werden nie erfahren, wie die selbstorganisierenden Server-Admins diese Aufgabe nachhaltig und weitgehend akzeptabel hätten lösen wollen.

    Das Labor der Gesellschaft heißt X (Twitter)

    Das ist der richtige Moment, darüber nachzudenken, was X (Twitter) eigentlich für eine Rolle im öffentlichen Diskurs spielt oder spielen darf – genauer gesagt, welche Rolle die Plattform einfach dadurch spielt, dass sie da ist und dass sich dort eine gewisse Kommunikation etabliert hat, die in ihrer Wirkung quasi zwangsläufig über die Webseite und die Apps, die dazu gehören, hinausreicht. Klar ist: Es sind nur wenige auf Twitter aktiv, selbst von den Personengruppen, die immer wieder genannt werden – Politiker und Journalisten – ist es am Ende nur eine Minderheit. Aber darauf kommt es nicht an. X-Twitter ist eine Laborsituation, eine Experimentalanordnung der politischen Gesellschaft, und auch die, die nicht dort aktiv sind, schauen hin.

    Die entscheidenden Mitspieler bei Twitter sind nicht einmal diejenigen, die sowieso in der Öffentlichkeit stehen, die paar Minister und Bundestagsabgeordneten oder die mehr oder weniger bekannten Journalisten, auch nicht die Wissenschaftler und Experten, die je nach Fach zu Corona, zum Krieg in der Ukraine und zum Klimawandel twittern. Entscheidend ist die anonyme Masse der namenlosen Twitterer, die unter den Tweets der Prominenten ihre Meinung hinterlassen, die liken oder teilen, was da an Statements hinterlassen wird, und die damit wiederum die spontanen Reaktionen derer provozieren, die eigentlich gewohnt und darauf bedacht sind, ihre Worte in der Öffentlichkeit ganz genau abzuwägen. Man meint deshalb oft, Twitter sei ein Medium, das dazu verführt, die Kontrolle über die eigene Kommunikation zu verlieren, und das ist wohl auch richtig, aber es ist kein Nachteil.

    X oder Twitter ist der etwas unaufgeräumte Experimentiertisch der Politik, auf dem wie in einem chaotischen Chemielabor die Dinge zusammengewischt werden, die eigentlich streng auseinander gehalten werden sollten, weil es knallt und stinkt, wenn sie gemischt werden. Und es ist gut so, dass das ab und zu passiert, weil man daran auf kleinem Raum sehen kann, wie gefährlich die gesellschaftlichen Säfte sind, die da an verschiedenen Orten entstehen. Und damit ist nicht nur die Stimmung der so genannten einfachen Leute gemeint, sondern auch die Ignoranz der Politik, die Weltfremdheit der Wissenschaft und die Ahnungslosigkeit vieler Medienmacher. In den Weiten der Gesellschaft hält man sich schön auf Distanz, Konventionen und Höflichkeit verhindern den allzu ernsten Zusammenprall und selbst in den Talkshows weiß man sehr genau, wie man die Erregung so  dosiert, dass der Knall und das bunte Schäumen zwar spektakulär aussieht, aber doch immer unter Kontrolle bleibt. Das funktioniert bei Twitter nicht – und das ist gut so. Hier knallt jeder dem andern seine unverstellte Meinung an den virtuellen Kopf, und noch die drastische Reaktion des Blockierens kann per Screenshot als Munition genutzt werden.

    Es ist die Realität

    Man sage nicht, das alles habe ja nichts mit der friedlichen Gesellschaft zu tun. Die, die sich da austoben, dürften durchaus viele Brüder und Schwestern im Geiste auch außerhalb Twitters haben. Alle, die sich das wütende Geschehen bei Twitter angewidert ansehen, sollten deshalb lieber ganz genau hinschauen. Es sind, in kleinen und immer noch überschaubaren Dosen, die Zeichen für die Stimmungen, die es bei den Grillparties in der Nachbarschaft, an die Kneipentischen, in der Frühstückspause im Büro und auf der Baustelle und überhaupt überall da gibt, wo sonst weder Politiker noch Journalisten in der Nähe sind. Es sind weder Bots noch besonders extreme und aggressive Leute, die bei Twitter unterwegs sind. Mag sein, dass die Situation der Anonymität und der direkten und dennoch virtuellen Konfrontation eine besondere Eigendynamik hat, die verborgenes zum Vorschein bringt, aber vorhanden sind die Stimmungen und Meinungen, die sich da zeigen, überall. Deshalb sollte man sie auch als real nehmen und nicht ignorieren. Es ist richtig, wenn die Medien Tweets in die breite Öffentlichkeit tragen, sei es von Ministern oder von anonymen Schreibern. Nirgends sonst agieren die Leute so unverstellt und offen. Wer wissen will, was in den Köpfen vorgeht, schaut auf X oder Twitter.

  • Social Media ohne Trump?

    Social Media ohne Trump?

    Als am späten Abend des 6. Januar der letzte QAnon-Schamane aus dem Kongress vertrieben worden war und sich die Reinigungstrupps aufmachten, die in den heiligen Hallen herumfliegenden Bierdosen und BigMac-Kartons einzusammeln, geschah etwas Ungewöhnliches: Sowohl Twitter als auch Facebook sperrten den irrlichternden US-Präsidenten auf ihren Plattformen. Erstmal begrenzt auf 12 Stunden, dann ausgeweitet bis zum Ende seiner Amtszeit. Während sich dieser Schritt bei Twitter schon länger anbahnte, mutete die plötzliche Rigorosität Zuckerbergs, der in einer Art Spontan-Erweckungserlebnis seine Liebe zu einer Fakenews-freien Online-Welt entdeckt zu haben schien, anfangs doch erstaunlich an. Besser spät als nie, dachte ich und ging beruhigt ins Bett. Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte, sortierte ich die Heldentat der Plattformbetreiber am Morgen danach leicht anders ein: Nämlich als 5 nach 12 Bannstrahl, um im allerletzten Moment die Reißleine zu ziehen und nicht in den trumpschen Abwärtsstrudel mit reinzugeraten. Gelegenheit, Eier zu zeigen, gab es vorher schon zur Genüge: Charlottesville, der Aufruf an „Patrioten“, den Anti-Corona-Maßnahmen von Michigan-Gouverneurin Whitmer nicht Folge zu leisten, die Entsendung paramilitärischer Einheiten nach Portland zwecks Eindämmung der BLM-Demonstrationen mögen hier als Beispiele genügen.

    Biegsame Standards und Hausrecht des Betreibers

    Völlig losgelöst vom konkreten Fall Trump müssen drei Fragen gestellt werden:
    – Reicht das Regelwerk der Social-Media-Betreiber aus?
    – Ist es klar formuliert und transparent genug?
    – Und die Gretchenfrage: können private Anbieter nach eigenem Ermessen von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, oder unterliegen Informationsgiganten doch öffentlichen Regeln bzw. muss Meinungsfreiheit auch von manchen Privaten garantiert werden?

    Die (sehr biegsamen) Standards von Facebook und Twitter sind hier und hier zu finden. Nach Studium derselben entsteht der Eindruck, dass eine halbentblößte Titte auf einem Ölgemälde, das ein Rubens-Liebhaber postet, strenger sanktioniert wird als Hass, Hetze, Beleidigung und was es sonst noch alles an Unappetitlichem in den Social-Media-Kanälen zu lesen gibt. Zudem werden die ohnehin nur rudimentären Regeln kaum ernsthaft durchgesetzt. 99 Prozent der Fake-News-Trolle gehen straffrei aus. Was auf entweder grob fahrlässige Nonchalance oder chronisch unterbesetzte Kontrollabteilungen hindeutet. Beides wäre kein Ruhmesblatt für Hightech-Konzerne.

    Die Sache mit der Meinungsfreiheit ist tricky bis heikel, weshalb es sich an dieser Stelle empfiehlt, erstmal die bundesdeutsche Generalklausel zu zitieren:

    Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
    Art. 5 GG, Abs. 1

    Allerdings regelt das Grundgesetz vornehmlich das Verhältnis Bürger-Staat, nicht jedoch die Interaktion zwischen Privatleuten. Und die Social-Media-Kanäle werden nun mal von Privatunternehmen betrieben, die ihre eigenen Regeln aufstellen dürfen. Niemand besitzt ein Dauer-Anrecht auf einen Account und niemand wird durch eine Sperre daran gehindert, seine Meinung trotzdem zu vertreten. Um beim aktuellen Auslöser Donald Trump zu bleiben: Dem stehen ja außerhalb von Facebook & Twitter weitere Kanäle offen, seine Weltsicht zu verbreiten. Beispielsweise Presse Briefings, Pressemitteilungen, TV-Ansprache an die Nation, Teilnahme an öffentlichen Diskussionsrunden, Leserbriefe etc. etc. Ist ja nun nicht so, als ob Social Media die einzige Möglichkeit der Informationsvermittlung darstellt.

    Meinungsfreiheit und Last-Minute-Notbremse

    Streng genommen bedeutet Meinungsfreiheit nichts anderes als den Staat – von begründeten (und gut zu begründenden) Ausnahmefällen abgesehen – daran zu hindern, Zensur auszuüben. Was Zuckerberg und Dorsey mitunter tun, mag dem ein oder anderen zwar wie Zensur vorkommen; juristisch gesehen machen sie jedoch nur von ihrem Hausrecht Gebrauch, das jedem Privatmann zusteht. Wie ein Kneipenwirt dürfen sie einen pöbelnden Gast vor die Tür bugsieren. Und gepöbelt hatte der 45. US-Präsident in den vergangenen 4 Jahren wahrlich genug. Das hätte für 400 Rausschmisse ausgereicht.

    Trotzdem bleibt bei den Social-Media-Riesen ein ungutes Gefühl zurück. Wer entscheidet da eigentlich? Und anhand welcher Kriterien wird entschieden? Kann man Facebook & Twitter noch mit einer Kneipe gleichsetzen, oder müssen aufgrund der globalen Nahezu-Monopolstellung dieser Anbieter nicht doch andere Maßstäbe herangezogen werden? Gibt es bei Facebook ein Experten-Gremium, das eine so weitreichende Entscheidung wie die Sperrung des US-Präsidenten-Kontos trifft oder macht das der CEO alleine? Konnte Herr Zuckerberg nicht mehr schlafen, weil er um den Fortbestand der US-Demokratie fürchtete oder handelte es sich eher darum, um 5 nach 12 panikgetrieben von Bord des unrettbar sinkenden Seelenverkäufers ans rettende Ufer zu springen? Eine Last-Minute-Notbremse, um den ansonsten drohenden massiven Einbruch der Werbeeinnahmen in der allerallerletzten Nanosekunde zu verhindern? Ist Facebook eine Trink- und Saufhalle mit unbeschränktem Hausrecht des Gastronomen oder müssen/ sollten doch Regeln, wie sie für den öffentlichen Bereich gelten, zur Anwendung gelangen?

    Die Regelwerke von Facebook & Co. gehören dringend überarbeitet

    Nicht nur Angela Merkel sieht die dauerhafte Sperrung der Social-Media-Konten des US-Präsidenten deshalb kritisch: „Die Betreiber sozialer Netzwerke tragen zwar Verantwortung dafür, dass die politische Kommunikation nicht mit Hass und Anstiftung zu Gewalt vergiftet wird. Die Meinungsfreiheit als Grundrecht von elementarer Bedeutung kann aber nur durch den Gesetzgeber, nicht nach der Maßgabe von Unternehmen, eingeschränkt werden“. Hört also die Meinungsfreiheit gar nicht jenseits der staatlichen Garantie auf, sondern umfasst auch Teile des privaten Sektors? Meiner Meinung nach: JA. Denn Facebook & Twitter sind schlichtweg zu groß und kommunikationsmächtig, als dass sie im Bedarfsfall wie ein erzürnter Kneipenwirt handeln dürfen. So sehr die Übernacht-Kündigung Trumps uns emotional gefallen mag, so birgt die Sperre doch den Keim für nachfolgendes Unheil. Was, wenn Zuckerberg in einem Jahr entscheiden sollte, Joe Biden vor die Tür zu setzen, weil der Steuererleichterungen zurücknimmt und/oder eine stärkere Kontrolle der Online-Giganten fordert? Warum Trump und nicht ebenfalls alle anderen Politiker, die offenkundige Falschnachrichten verbreiten und zwischen den Zeilen Unzufriedenheit und Gewalt schüren? Weil The greatest POTUS of all time im Moment des Bannstrahls bereits verloren war, während man das bei den anderen Fakenews-Spreadern halt noch nicht so genau weiß und deshalb mit der Entscheidung lieber abwartet? Das Instrument der Account-Stilllegung aus schierem Opportunismus heraus?

    Facebook & Co. werden um eine grundlegende Debatte, was bei ihnen geht und was definitiv nicht geht, nicht herumkommen. Die augenscheinliche Diskrepanz zwischen Tittenphobie und Beide-Augen-zudrücken bei Hass & Hetze ist dem Publikum nicht mehr lange vermittelbar. Da hilft auch ein Leuchtturm-Rausschmiss wie der des US-Präsidenten nicht weiter. Ohne transparente Regeln und die Möglichkeit des ernstgenommenen Einspruchs des Sanktionierten werden die Socialmedia-Plattformen keine Zukunft haben. Anfang 2021 wirkt das alles immer noch stark flickschusterartig zusammengebastelt anstatt seriös geplant und konstruiert.

  • Corona als Charaktertest

    Corona als Charaktertest

    Pfingsten steht vor der Tür, die Sonne scheint, mein monatelang sich in freiwilliger Selbstisolation kasteiender Nachbar steckt seine blasse Nase aus dem Fenster, schnuppert, ob die Luft noch nach Sars-CoV-2 riecht, entscheidet für sich, und weil Herr Ramelow das auch so sieht, dass die Gefahrenlage eine beherrschbare, wenn nicht sogar bereits obsolete, ist, steigt in sein Auto und fährt endlich mal raus aufs Land. Mit kurzem Stopp an der ESSO. Alles rein in den leeren Tank, denn der Sprit ist günstig. Wenigstens diesen kleinen Vorteil hat Corona uns beschert, sagt er. Und dann düst er ab in Richtung Vulkaneifel. Zwar nur ein kurzer 48h-Urlaub und ungewohnterweise in der Heimat, weil die Grenzen ja noch zu sind; jedoch dringend notwendig. „Ist ja nun schon wieder zwölf Wochen her mit den Skiferien. Eine Ewigkeit!“, seufzt mein Nachbar, der jedes Jahr 5x verreist. Im Sommer gerne nach Ko Samui. „Aber das wird 2020 schwierig werden. Vielleicht geht alternativ Mallorca. Zwar nicht dasselbe wie Thailand. Aber besser als nichts“.

    Das große Gewimmel

    Auf den Straßen wimmelt es, in den Innenstädten wimmelt es, in den Geschäften wimmelt es aufgrund der noch gültigen Abstandsregeln und Hygienevorschriften noch nicht ganz so wie früher; allerdings wird’s ebenfalls dort – dem oben erwähnten Herrn Ramelow sei Dank – alsbald auch wieder fröhlich wimmeln. Wie überhaupt das Wimmeln ein urmenschlicher Trieb zu sein scheint. Ich behaupte mittlerweile sogar, dass die Menschen in der Periode ihrer Bleibt-zu-Hause-Kasernierung das Wimmeln am meisten vermisst haben. Das ständige Alleinsein in der 3-Zimmer-Wohnung und die Ruhe auf den Autobahnen sind zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache. Dafür, dass wir notorische Wimmler sind, haben wir uns in den ersten vier Wochen der Pandemie gut geschlagen. Sagen alle Politiker, und mein Nachbar sagt’s auch. Also wird es stimmen.

    Der Wendepunkt war um Ostern herum erreicht. Mehr als ein Monat Homeoffice war dem postmodernen Wimmler schlichtweg nicht zuzumuten. Die Politiker mit ihren feinen Antennen für jedes neue Magengrummeln ihres Wahlvolks empfingen die Wir-haben-die-Schnauze-voll-von TK-Pizza-und-jeden-Abend-ne Serie-auf Netflix-Signale der zunehmend frustrierteren Bürgerinnen und Bürger und kalibrierten umgehend ihren Corona-Kompass neu: 16 Ministerpräsidenten rückten von der Kanzlerin ab, die Kanzlerin mahnte ihren Chef-Virologen, nicht ständig alles allzu Schwarz zu sehen, der Boulevard nahm sich die Wissenschaft im Allgemeinen und den Drosten im Speziellen zur Brust. Und vorneweg marschierte Herr Laschet, dem es mit den Lockerungen gar nicht schnell genug gehen kann, nachdem er im März noch von der dringend notwendigen Entschleunigung aufgrund der immensen Gefährdungslage gesprochen hatte. Aber weshalb sollte Adenauers Einsicht, „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“, nicht ebenfalls für andere gelten? Wir sind alle Rheinländer (also Adenauer, Laschet und ich) und reden heute so, morgen so und übermorgen wieder so oder auch schon mal komplett andersherum. Bei Adenauer, der ist lange tot, und mir, ich bin bloß ein kleiner Kolumnist, ist das allerdings weniger folgenschwer als bei Laschet, der noch Großes vorhat, wobei ihm sein Corona-Schlingerkurs eventuell noch gehörig auf die Füße fallen könnte. Aber das ist ein anderes Thema.

    Corona ist auch nur ein Schnupfen

    Wo waren wir stehengeblieben? Richtig, beim Wendepunkt um Ostern herum. Quasi über Nacht wurde Covid-19 von tödlicher Gefahr auf Grippe und wiederum zwei Nächte später auf „auch nicht schlimmer als ein Schnupfen“ runtergestuft. In der Art eines Tornados, wie er periodisch die Südküste der USA heimsucht, von dort aus eine Spur der Verwüstung von Louisiana bis Arkansas hinterlässt, dabei an Kraft verliert, bis er schließlich in Missouri nur noch als laues Lüftchen wahrgenommen wird. Was ist das denn für ein Vergleich, fragen Sie mich? Ein Tornado ist doch was völlig anderes als ein Virus. Stimmt, antworte ich. Wir benehmen uns aber im Moment trotzdem dergestalt, als verhalte sich Corona wie ein Wirbelsturm: weitergezogen, Gefahr vorüber. Dass es nicht so ist, wissen die Virologen, die Freimaurer, Bill Gates und die, die 1918 – Die Welt im Fieber (*) gelesen haben. Die zweite Welle lauert irgendwo da draußen in den Weiten des Atlantiks oder im Dickdarm einer Wildente.

    Dass die Menschen wieder wimmeln wollen – geschenkt. Gemäß einer nicht-repräsentativen Umfrage in meiner Nachbarschaft vermissen 40 Prozent den regelmäßigen Friseurbesuch, ein Drittel will zu McDonald’s und die Hälfte möchte endlich mal wieder an den Strand. Das sind aufaddiert mehr als 100 Prozent, sagen Sie? Stimmt: Mehrfachantworten waren möglich. Sind alles urmenschliche Sehnsüchte, das sehe ich ein. Was jedoch im Wimmeltrieb-Zusammenhang verstört, ist der Umstand, mit welcher Vehemenz bis hin zu verbaler Brutalität diese Wünsche vorgetragen werden. Die wohlstandsverwahrlosten Anti-Corona-Demonstranten agieren ja nicht im luftleeren Raum. Das, was sie auf ihre Plakate schreiben und maskenbefreit quer über unsere Marktplätze grölen, ist nichts anderes als das, was man vorher schon tausendfach auf den digitalen Plattformen lesen konnte. Wenn man Facebook & Twitter für ein 1-zu-1-Abbild der realen Welt hält – was sie beide glücklicherweise (noch) nicht sind –, dann kann einem an manchen Tagen Angst und bange werden; dermaßen empathielos und voller Häme wird dort, nachdem wir das Schlimmste überstanden haben (ich klopfe 3x auf Holz), gegen die noch fortbestehenden Corona-Vorsichtsmaßnahmen gehetzt. Weshalb es unzumutbar sein soll, beim Einkaufen eine Maske aufzuziehen, 1.5m Abstand einzuhalten und sich hin und wieder die Hände zu waschen – keine Ahnung. Und dass wir die Krankheit nicht in Altersheime einschleppen sollen, müsste ebenfalls einleuchten. Tut es aber nicht jedem. Man liest im Netz auch solche Sätze: „Meine Oma stirbt lieber in Würde als würdelos eingesperrt zu sein.“ Was soll man darauf erwidern? Am besten nichts und still hoffen, dass die besagte Oma den Besuch ihres Enkels unbeschadet überstehen wird.

    Politik muss manchmal schnell entscheiden

    Wie Covid-19 letztlich einsortiert werden muss, wie groß die reale Gefahr für Leib und Leben tatsächlich war, ob unser Gesundheitssystem ohne Staythefuckathome kollabiert wäre, werden wir erst in ein, zwei Jahren abschließend beurteilen können. Politik muss jedoch manchmal im Hier und Heute eine Entscheidung treffen und kann sich den Luxus des Aussitzens nicht immer leisten. Und dass bei Ausbruch einer globalen Seuche mit ungewissem Ausgang der Aspekt der sofortigen Gefahrenabwehr unbedingten Vorrang vor allen anderen Betrachtungsweisen genießt, scheint mir ein Ding der Selbstverständlichkeit zu sein. Selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass man Politik im Sinne der Allgemeinwohlverpflichtung begreift; was natürlich nicht in jedem Land selbstverständlich ist. Wer davon faselt, dass Gesundheit und Leben bloß zwei Faktoren unter vielen im Grundrechte-Kanon darstellen, der sieht das mit der Notwendigkeit eines solidarischen Shutdowns folgerichtig anders. Für den sind die Öffnungszeiten des lokalen Baumarkts wichtiger als die ausreichende Bettenkapazität im Kreiskrankenhaus. Von da bis zum Gedanken, dass wir – und vor allem die alten Leute – eh irgendwann sterben müssen, ist es erfahrungsgemäß nur ein kleiner Schritt. Eugenik light im 21sten Jahrhundert. Der Primat der Wirtschaft endet für mich allerdings dort, wo es um lebensrettende Maßnahmen geht.

    Ich habe vollstes Verständnis für die Nöte von Branchen, die wegen des Lockdowns in Existenznot geraten sind: z.B. Gastronomie, Kulturbetriebe, Fitnessstudios. Hier geht es oft um’s blanke wirtschaftliche Überleben. Und deshalb müssen zum einen schnelle finanzielle Hilfen angeboten und zum anderen Fortführungsperspektiven aufgezeigt werden. Weshalb in manchen Bundesländern der Aufenthalt in einem Sportstudio strenger beurteilt wird als bspw. der Besuch eines Gottesdienstes, erschließt sich dem nicht-virologisch-geschulten Betrachter nicht immer. Warum in NRW Sachen erlaubt sind, die Bayern weiterhin verbietet, begreift auch nicht jeder. Dass die betroffenen Wirtschaftszweige darüber ihren Unmut äußern – völlig legitim. Weniger Verständnis habe ich hingegen für diejenigen, die jammern, dass sie ein paar Wochen lang nicht ins Sportstudio durften. So what? Mach jeden Morgen ein paar Kniebeugen und Sit-ups auf dem Wohnzimmerteppich, und gut ist es. Und am wenigsten Verständnis habe ich für die Gruppe von Schreihälsen, die sich lautstark über den Wegfall von Trainingsmöglichkeiten beschweren, ohne je ein Fitnessstudio von innen gesehen zu haben.

    Hauptsache, dagegen gestänkert

    Und ebenfalls die Äußerungen mancher Politiker – auch jenseits der dauerstänkernden Fundamentaloppositionisten von der AfD – lassen mich abwechselnd ratlos und verstört zurück. Was einen Herrn Lindner reitet, wenn er von Corona-Maulkörben spricht oder seinen Parteikollegen Kubicki antreibt, der mal ganz salopp die Sinnhaftigkeit der R-Zahl in Zweifel zieht, oder auf welcher Grundlage Frau Sudings Warnruf, durch die temporären Schulschließungen stünden die Lebenschancen mehrerer (!) Generationen auf dem Spiel, erfolgt, wissen vermutlich die drei Genannten selbst nicht so genau. Hauptsache, mal wieder einen rausgehauen und der Kanzlerin und ihrem Rasputin (pardon: Drosten) ordentlich was eingeschenkt. Für mich hat dieser faktenfreie Beißreflex schon was Pawlowartiges. Aber auch das ist ein anderes Thema.

    Politik ist ein undankbares Geschäft, wie blauäugig sind Sie denn, Herr Kolumnist, fragen Sie? Ich weiß, dass Politik ein undankbares Geschäft ist. Mache aber der guten Ordnung halber hin und wieder trotzdem darauf aufmerksam. Ich wiederum behaupte, bei der Einsicht bzw. der Nicht-Einsicht in die Notwendigkeit solidarischen Handelns zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. Wer zwingend gebotene Vorsichtsmaßnahmen als Panikmache verunglimpft und sich gar zu der Behauptung versteigt, eine Gesundheitsdiktatur stünde kurz bevor, ist bestenfalls verstrahlt. Vermutlich gehört er aber der Glaubensrichtung an, die von der unbedingten Vorteilhaftigkeit individueller Entscheidungen und singulären Tuns überzeugt ist. Gemäß dieser Doktrin muss halt jeder für sich selbst wissen, wie er mit einer Seuche umgeht. Der Staat hat sich da rauszuhalten. Kann man mögen und dran sterben. Und wenn man dran stirbt, ist es auch nicht weiter tragisch, denn man hat sich das ja freiwillig ausgesucht. Da ergibt der Spruch, „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“, gleich einen ganz anderen Sinn.

    Wie wär’s zur Abwechslung mal mit einem leisen Das-haben-Sie-gut-gemacht-Frau-Bundeskanzlerin?

    Ob es eine gute Idee war, einen Großteil unserer Präventionsregeln über Bord zu werfen und von nun an so zu tun, als ob Covid-19 eine vorübergezogene, kleine Wintergrippe gewesen sei, werden die kommenden Monate erweisen. Der Optimist in mir hofft: Ja, das war’s. Der Pessimist im schräg gegenüberliegenden Hirnlappen raunt hingegen: Es kommt oft heftiger, als man denkt. Unterm Strich lässt sich aber festhalten, dass Deutschland aufgrund raschen Handelns halbwegs glimpflich aus der Sache rausgekommen ist. Zumindest halbwegs glimpflich aus der ersten Welle der Sache rausgekommen ist. Wie man die Auswirkungen einer Pandemie durch anfängliches Verharmlosen und zu lange mit der Entscheidung warten verschlimmert – dafür brauchen wir bloß nach USA, UK und Brasilien zu schauen. Deshalb wäre an dieser Stelle ein leises Danke-Frau-Merkel-das-haben-Sie-gut-gemacht durchaus angebracht. Ich bedank mich doch nicht bei ner Kanzlerin dafür, dass die ihren Job ausübt. Dafür wird die doch fürstlich bezahlt, sagen Sie? Ich weiß, dass Sie das nicht tun, antworte ich. Mir würd’s schon reichen, wenn Sie sich nicht ständig über Ihre Phantomschmerzen wegen des Baby-Lockdowns beklagen würden. Und Frau Merkel würde das ebenfalls reichen. Da bin ich mir sicher.
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    (*) Laura Spinney: 1918 – Die Welt im Fieber. Wie die Spanische Grippe die Gesellschaft veränderte

  • Macht Facebook aggro?

    Macht Facebook aggro?

    »Du benimmst dich in Facebook noch arschiger als im normalen Leben«, sagt sie.
    »Woher weißt du, wie ich mich in Facebook benehme?«, frage ich. »Wir sind da überhaupt nicht miteinander befreundet.«
    »Glaubst du allen Ernstes, dass bloß weil du ständig meine Freundschaftsanfragen ablehnst, ich nicht trotzdem genauestens über deine Aktivitäten Bescheid weiß?«
    »Du spionierst mir nach?«
    »Lass es mich so ausdrücken: ich zeige ein gewisses Interesse an deiner Person. Darüber solltest du dich eigentlich freuen, statt mal wieder die ewige Jammerplatte aufzulegen. Seit Jahren dasselbe Trauerspiel mit dir. Bemerke keinerlei Fortschritt in deiner Entwicklung.«
    »Trink nicht so viel!«, sage ich.
    »Von einem Facebook-Arsch wie dir lasse ich mir überhaupt nichts sagen.«

    Seitdem sie sich von ihrem dritten oder vierten Mann hat scheiden lassen, ist sie viel in den sozialen Netzwerken unterwegs, hat mich im vergangenen Herbst nach vierzig Jahren Funkstille in Facebook wieder aufgespürt und ist felsenfest davon überzeugt, dass sie, bloß weil wir in der 8ten Klasse mal Händchen gehalten haben, nun ein Gewohnheitsrecht darauf besäße, mir einmal pro Woche auf die Pelle rücken zu dürfen. Ich mag sie tagsüber recht gerne; allerdings abends, wenn sie zu tief ins Glas geschaut hat, geht sie mir nach der zweiten Flasche Prosecco ganz gehörig auf die Nerven. Als ich sie eine Stunde später endlich vom sechsten Stock nach unten auf die Straße und dann ins Taxi verfrachtet habe, setze ich mich an den Schreibtisch, werfe den Laptop an und schaue aus alter Gewohnheit als erstes in Facebook vorbei. Dort das übliche Freitagabend-nach-22-Uhr-Spektakel:

    ▪Darf Greta Thunberg jeden Freitag die Schule schwänzen und das Weltklima retten?

    ▪Warum lässt sich der Broder von der Weidel knutschen?

    ▪Kann man Diesel-NOx genauso sorgenfrei inhalieren wie Pfefferminzaufguss in der Herrensauna?

    Ich überfliege ein Dutzend Diskussionen, hinterlasse drei kurze Kommentare, langweile mich, klappe den Deckel zu, denke: früher fand ich Facebook spannender und zappe im Anschluss noch ein bisschen kreuz und quer durch Netflix, wo ich auch nichts Gescheites entdecke, weshalb ich mich aufs Sofa lege und ein paar grundlegende Gedanken zu meinem Internetverhalten anstelle, an denen ich Sie gerne teilhaben lasse.

    Powerfacebooken = nicht-stoffgebundene Abhängigkeitserkrankung

    Klären wir als Erstes die Frage, ob Powersurfen eine nicht-stoffgebundene Sucht darstellt. Knappe und eindeutige Antwort: ja, tut es! Jeder, der täglich – außerhalb beruflicher Aktivitäten – Zeit in diversen Foren und Plattformen verdaddelt, ist ein Digital-Junkie AUSRUFEZEICHEN Der Grad der Abhängigkeit ist einfach zu messen: je mehr Stunden vertrödelt werden, desto kritischer ist der psychische Zustand des Nutzers zu beurteilen. Täglich drei, vier Stunden in Facebook, Twitter, Instagram sind aufs Jahr hochgerechnet ja schon ne Menge vergeudeter Lebenszeit. »Es gibt schlimmere Süchte als Facebook«, meinen Sie? Stimmt; beispielsweise Crack, Wodka und Nymphomanie. Aber in die Top 10 der Bad Habits würde ich Facebook auf jeden Fall einsortieren.

    Frage Nummer 2: Kann man in sozialen Netzwerken (richtige) Freundschaften schließen? Das ist schon schwieriger zu beantworten. Hängt davon ab, ob Sie Lust und Zeit haben, ihre digitalen Bekannten auch beim Nachmittagskaffee oder Gute-Nacht-Viagra treffen zu wollen. Bei mir oszilliert dieses Bedürfnis saisonal zwischen den Polen schwach (Winter) und „Warum nicht? Wenn’s nicht weiter als fünfzig Kilometer sind“ (Sommer). Die Begrenzung auf maximal 45 Minuten Anreise reduziert die Anzahl möglicher Kontakte ungemein. Virtuell ist eben virtuell, und real bleibt real. Sind irgendwie doch zwei unterschiedliche Sphären mit allenfalls kleindimensionierter Schnittmenge. Sie mögen das komplett anders sehen und handhaben. Auch okay. Die rein digitalen Bekannten verhalten sich oft unverständlicher und sind schneller eingeschnappt als meine vorvorletzte Exfreundin, und die machte mir oft wegen Winzigkeiten die Hölle heiß. Da reicht mitunter ein leicht sexistisches Posting, ein falsches Wort in einem Kommentar, ein Text, in dem man sich als Amazonkunde outet, und weg sind sie. Was ich in den letzten Jahres alles an Spontan-Entfreundungen erlebt habe – darüber kann ich eine separate Kolumne schreiben. Würde aber hier jetzt zu weit führen.

    Frage Nummer 3 – mit der wir endlich beim eigentlichen Thema ankommen –: Wie sieht’s aus mit unserer Kommunikation im Internet? Schnelle Antwort: streckenweise traurig bis hin zu partiell außer Kontrolle.

    Ein paar Kostproben:

    Sie scheinen ein notorischer Schwachkopf zu sein, der seinen Studienabschluss entweder gekauft hat oder frei erfindet. Zur Ehre gereichen Sie Ihrem Berufsstand auf jeden Fall nicht.

    Sie armes Würstchen können einem bloß noch leidtun.

    Kein Wunder, dass ein pädophiler Grüner wie Sie diese kleine schwedische Behinderte gut findet.

    Mit Ihnen bin ich noch lange nicht fertig.

    Rote Faschisten wie Sie sind die allerschlimmsten.

    »Wo treiben Sie sich denn rum?«, fragen Sie mich? … Nur in Facebook.

    Und auch ich selbst kommuniziere online anders als im Büro oder morgens um 8 Uhr, wenn ich dem Nachbarn aus der zweiten Etage unten auf dem Parkplatz begegne. Tippe Sätze wie:

    Sie klingen, als seien Sie uns aus der AfD-Parteizentrale zugeschaltet.

    Nehmen Sie Ihren Blutdrucksenker, warten Sie eine halbe Stunde, bis der wirkt und schreiben Sie dann Ihren Kommentar erneut.

    Hat man Sie als meinen Dauertroll abkommandiert?

    Wenn es einen Preis für den fadesten Kommentar gäbe, dann gebührte der Ihnen.

    Merke: gepöbelt wird – entgegen dem üblichen Facebook-du – häufig in der dritten Person.

    Pöbeln = virtuelle Wirtshausrauferei

    Und genau das meint meine alte Schulfreundin, wenn sie sagt: »Virtuell bist du noch arschiger als im realen Leben«. Warum tue ich das? Ich weiß es selbst nicht so genau. Vermutlich, weil es möglich und in vielen Threads mittlerweile Normalität ist, sich knapp unterhalb der strafrechtlich relevanten Schwelle gegenseitig zu beleidigen. Der digitale Schlagabtausch ersetzt die gute, alte Wirtshausrauferei. Choleriker trifft auf Klugscheißer, Linke und Rechte schreien sich die Seele aus dem Leib, Veganer und Karnivore kloppen sich wegen Sojaburgern, die politisch Superkorrekten regen sich aus dem Stand heraus bei Fatshaming auf, dasselbe tun die Neo-Emanzen, sobald sie Mansplaining wittern. Facebook jenseits der Katzenfotos bedeutet Krieg. Allerdings einer, der seelische und keine physischen Wunden zufügt. Wer das nicht verinnerlicht und sich beizeiten eine dicke Teflonschicht zulegt, wird an diesem Medium über kurz oder lang verzweifeln.

    Digitale Beiträge bezwecken Aufmerksamkeit und Reichweite. Und die lassen sich am schnellsten mittels marktschreierischer Überschriften, Kondensierung komplexer Sachverhalte auf maximal fünf Sätze bei gleichzeitiger Vernachlässigung anderer Wahrheiten als der eigenen erzielen. Facebook ähnelt also zu vier Fünfteln der Promi-Berichterstattung der BILD ; weitere 19 Prozent bestehen aus nicht-hinterfragter Weiterverbreitung von Fake-News aus dubiosen Quellen wie Russia Today, Compact und Breitbart, um nur drei Protagonisten aus dieser unappetitlichen Liste aufzuzählen. Ja ja, es gibt lobenswerte Ausnahmen. Ist mir bewusst. Erinnere mich an eine friedliche Diskussion vergangenen Dienstagabend über die Komplexität des Rilkeschen Versmaßes in einer geschlossenen Poetengruppe. Aber die machen maximal ein Prozent der Plattform aus und werden in der Regel schlecht besucht und nur spärlich kommentiert. Die bei weitem überwiegende Mehrheit der Posts hat Trivialitäten zum Inhalt.

    Man kann nun wie Robert Habeck oder einer der Instagram-Erfinder sich die grundlegende Frage stellen: verpasse ich irgendwas, wenn ich am digitalen Geplappere nicht mehr teilnehme? Und nach kurzem Nachdenken zur an und für sich befreienden Schlussfolgerung gelangen: Natürlich versäume ich Nullkommanull, sobald ich den Dampfplauderbuden Facebook und Twitter den Rücken kehre oder wie Schlecky Silberstein die Forderung aufstelle: Das Internet muss weg!. Mal ganz ehrlich: steht da irgendwas drin, was man sonst nicht auf herkömmlichem Weg in Erfahrung bringen könnte oder tatsächlich wissen muss, um mitreden zu können? Zu 97% lautet die Antwort: nein, tut es nicht! Was also treibt uns trotzdem magisch in die digitalen Arenen der Eitelkeiten und des Grauens? Meines Erachtens ist die Antwort genauso simpel wie niederschmetternd: es ist einzig die Macht der schlechten Gewohnheit, die uns jeden Tag aufs Neue ins Zuckerbergsche Spinnennetz hineinlockt. Und wie schwer es ist, sich von einer Abhängigkeit zu lösen – da erkundigen Sie sich mal bei Rauchern, Alkoholikern und Spielothek-Süchtigen in Ihrem Bekanntenkreis. Die werden Ihnen das schon erklären.

    Zuckerbergs Datensammelwut = manisch

    Weshalb entblößen wir uns freiwillig in Plattformen, von denen wir wissen, dass die hinter der bunten Oberfläche verborgenen Algorithmen 24/7 sämtliche unserer Daten sammeln, unsere digitalen Schritte penibel beobachten und aufzeichnen, uns gläsern machen, uns – egal, wo wir uns bewegen – mit Werbung überschütten, und von denen wir v.a. nicht in Kenntnis gesetzt werden, was sie mit unseren Infos im Verborgenen sonst noch so alles anstellen? Wer garantiert, dass ich von der Maschine jenseits meines Konsumverhaltens nicht zusätzlich noch in eine politische Zielgruppe einsortiert werde? Würden sich eventuell meine Krankenkasse und Lebensversicherung darüber freuen, wenn sie von Facebook erführen, „der Hirsch ernährt sich ausschließlich von Nutella, Dosenravioli, kalter Bockwurst und Cola Zero“, und mir im Anschluss Beitragserhöhungen aufgrund ungesunder Ernährung ins Haus schicken oder gar die Police kündigen? »Sie übertreiben mal wieder maßlos«, sagen Sie? Für den Moment mögen Sie Recht haben; die Tendenz geht aber mMn eindeutig in Richtung gläserner User. Und noch einmal die grundlegende Frage: Warum liefern wir täglich Daten an ein System, das niemand kontrolliert? Was schallte 1987 noch für ein Aufschrei durchs Land, als per Volkszählung ein paar harmlose Sachen wie Alter, Geschlecht und Berufsgruppe für statistische Zwecke in Erfahrung gebracht werden sollten. Die halbe Nation weigerte sich, an der Datenerhebung teilzunehmen. Gerichte wurden angerufen, um die Aktion zu stoppen. Und heute? Wir liefern von morgens bis abends Informationen an die Plattformbetreiber, deren Menge im Vergleich zu dem, was vor dreißig Jahren von uns gefordert wurde, ausreichen würde, um die Karibik zuzuschütten, während wir 1987 noch Mühe gehabt hätten, den Decksteiner Weiher im Kölner Grüngürtel damit zur Hälfte zu befüllen. Und das Bermudadreieck, wo alles spurlos verschwindet, liegt bekannterweise nicht auf 50° 56′ 33″ nördlicher Breite. Weshalb tun wir das? Und vor allem: Warum ohne jegliche Gegenwehr? Weil Facebook verantwortungsvoller mit den Infos umgeht als die Staatsbürokratie? Wer das glaubt, der glaubt ebenfalls daran, dass die komplette Abholzung des Amazonasregenwalds bei gleichzeitiger Erhöhung der CO2-Ausstöße keinerlei Auswirkungen auf das Weltklima haben. Cambridge Analytica lässt grüßen.

    So lange Facebook primär nach Tittenbildern fahndet, während Gewaltverherrlichung und Menschenverachtung eher als vernachlässigbare Sünden gelten, wird sich am grottigen Kommunikationsverhalten der User nichts ändern, steht vielmehr zu befürchten, dass die Welle der digitalen Pöbelei über kurz oder lang in die reale Welt überschwappt. Wissenschaftler warnen bereits vor einer Verengung der Weltsicht aufgrund zu einseitiger Informationsaufnahme in den sozialen Medien, wodurch das Verständnis für Andersdenkende reduziert wird, woraus dann wiederum dogmatische Lebensentwürfe bei gleichzeitig sinkender Frustrationstoleranz resultieren. Je mehr wir digital pöbeln, desto gewaltbereiter werden wir in der Realität.

    Freiwillige Selbstkontrolle = Nullnummer

    Die Kontrolle durch Maschinen funktioniert ganz offensichtlich nicht. Die Etablierung (geschulter?) Moderatorenteams hat sich bisher als Flop erwiesen; unter anderem deshalb, weil Zuckerberg lieber Geld in auf die Werbetreibenden zugeschnittene Zielgruppenanalysen als in Human Resources investiert. Falls die Nutzer weiterhin schamlos ausspioniert werden, nicht transparent gemacht wird, was mit den Abermilliarden Daten geschieht, die gegenseitigen Beleidigungen weiter zunehmen, muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der laue juristische Wind, der Facebook noch umweht, alsbald auffrischt. Und seien es bloß auf digitale Pöbeleien spezialisierte Abmahnvereine und Staatsanwaltschaften, die Verbleib und sicherer Aufbewahrung der Kundeninfos nachspüren. Das reicht schon, um es in der bisher nahezu unregulierten Plattform ungemütlicher werden zu lassen.

    Ob ich glaube, dass sich Leser nach dem Studium dieser Kolumne aus den digitalen Netzwerken abmelden werden? Nein, glaube ich nicht. Tue ich ja auch nicht und hat ebenfalls Schlecky Silberstein bisher nicht getan. Die Kraft der schlechten Gewohnheit ist stark.

    Ganz am Ende des Textes zurück zur Ausgangsfrage: Macht Facebook aggro?
    Zwei Antworten:
    (1) hängt von Ihrem individuellen Gemütszustand ab
    (2) hin und wieder auf jeden Fall.

    Erleichtert stelle ich nach dreitägigem Selbsttest fest, dass ich im Büro-Meeting und an der Sonntagnachmittagkaffeetaffel meiner Tante Edith keine Bemerkungen à la, „Herr lass Hirn vom Himmel regnen“ oder „Hast du heute Morgen etwa vergessen, deine Pillen einzuwerfen?“, von mir gebe. Glücklicherweise haben die facebookschen Ruppigkeiten also noch nicht völlig von mir Besitz ergriffen. Wobei diese Aussage einzig für mein Reden in der Öffentlichkeit gilt. Ob ich mitunter virtuell-vereinfacht denke – darüber werde ich mich demnächst mal mit meiner Therapeutin unterhalten. Uns gehen eh so langsam die Themen aus.

  • Eis mit dem Löffel?

    Eis mit dem Löffel?

    »Du musst heute eine Kolumne schreiben«, informiert mich Gisela, unsere neue, cloudbasierte Redaktionsassistentin vorgestern um sechs Uhr morgens.
    »Weißt du, wie spät es ist?«, frage ich.
    »Sechs Uhr eins und dreiundzwanzig Sekunden. Du musst ebenfalls den Namen deiner Rubrik ändern.«
    »Warum? Was ist an dem Namen verkehrt?«
    »Er ist zu sehr 2018 und klingt stark nach Pornographie.«
    »Mir gefällt er. Und auf die Schnelle fällt mir auch nichts Gescheites ein.«
    »Abgabetermin 18 Uhr!«, sagt sie und legt auf.

    Nun täte man sowohl dem alten Hank als auch mir Unrecht, wenn man uns beide auf Porno und ähnlich Schlüpfriges reduziert. Er war nebenbei ein begnadeter Pferdetotoexperte und konnte blind Mahler und Bruckner voneinander unterscheiden, während ich in der Tageszeitung sowohl den Politik- als auch den Feuilletonteil überfliege, bevor ich zur Panoramaseite mit den leicht geschürzten Pin-up-Girls weiterblättere. Und der letzte Pornostreifen, den ich mir im Kino angeschaut habe, liegt Lichtjahre zurück. Aber Gisela hat nicht ganz Unrecht – einige meiner Kolumnen lassen sich nur mit äußerster Mühe und Wohlwollen des Lektors unter die Überschrift „Bei Hank im Wohnzimmer“ einsortieren.

    Verschlafen schalte ich Facebook an – was ich entweder vor oder unmittelbar im Anschluss an meine/m/n morgendlichen Stuhlgang tue –, scrolle mit noch unscharfem Blick durch den Nachrichtenticker, bleibe an einem Foto, das einen Eisbecher zeigt, kleben. Ein an und für sich völlig harmloses Bild, aufgenommen vermutlich bei einer Häagen-Dazs-Session, aus dem mir 5000 Kalorien entgegenlächeln. Darunter Dutzende Wutsmileys und eine Flut Kommentare, die, würde ich sie ausdrucken, von meinem Balkon im sechsten Stock bis runter in den Heizungskeller reichten. Was gibt’s an einem dummen Eisbecher groß rumzustänkern, überlege ich, mache mir erstmal einen Kaffee und studiere dann die Kommis:

    Wasser predigen und Wein trinken.

    Fahrrad fordern und nach Kalifornien fliegen?

    Selbst exzessiv fliegen, dies aber Anderen verbieten wollen – eine grüne Lieblingsdisziplin

    Aber eben twitterte sie doch noch: Fight climate change! #actnow. In Kalifornien mit dem Einweg-Eisbecher und Plastiklöffel?

    Wow!, denke ich. Worüber man sich so alles aufregen kann.

    EU und Grüne fordern Plastikverzicht

    Ende Oktober beschloss das EU-Parlament ein Plastikverbot, das u.a. folgende Produktgruppen umfasst: Trinkhalme, Besteck, Teller, To-go-Becher, Rührstäbchen, Plastiktüten. Die Grünen begrüßen die neue Richtlinie ausdrücklich. Zur Jahreswende jettet Katharina Schulze, die Fraktionsvorsitzende der bayerischen Ökos im Maximilianeum, urlaubsreisend nach Kalifornien und postet von dort in Instagram (oder Twitter … egal, alles dasselbe) ein, beim Verzehr einer amerikanischen Speiseeisgranate aufgenommenes, Bild. Wenige Minuten später bricht der kleine Shitstorm los.

    Die Logik dieser Empörungsmechanik ist simpel gestrickt: Eine grüne Politikerin darf weder in ein Flugzeug klettern, noch zuckerhaltiges Eis essen und schon gar nicht aus einem Wegwerfbecher mit einem Plastiklöffel. Vor meinem geistigen Auge entwickelt sich folgende Szene:

    Verkäufer: »Medium or giant size?«
    Schulze: »Do you have Mehrweg-Cups?«
    Verkäufer: »Sorry? … With or without chocolat crumbles on top?«
    Schulze: »Please wait. I go back to my hotel and ask for a Mehrweg-spoon. I’ll be back in thirty minutes.«

    Sie hätte das Eis aber zumindest aus einer Waffel essen können, schreibt eine weiterhin nicht besänftigte Kommentatorin. Haben Sie schon mal versucht, einen tausend Gramm schweren US-amerikanischen Vanilla-Caramel-Brownie-Klumpen in ein Hörnchen zu zwingen, frage ich zurück. Danach Schweigen im Walde bzw. Thread. Müssen Grüne, deren Partei ja vernünftigerweise periodisch wiederkehrend auf den mittlerweile komplett aus dem Ruder laufenden Verpackungsirrsinn hinweist, also ab sofort im Supermarkt nach Schüttgut anstehen: Käse, Schinken, Joghurt in mitgebrachte Keramikbehälter füllen oder mit der bloßen Hand nach Hause transportieren? Dasselbe abenteuerliche Argumentationsmuster, das SPD-Politikern das Tragen einer Rolex oder eines Brioni-Anzugs ankreidet, sich über Linke echauffiert, die anlässlich des Bundespresseballs ein sexy Abendkleid oder einen Smoking überstreifen, Konservative, die sich wegen ihrer Geliebten scheiden lassen, kritisiert, verlangt von Grünen, dass sie sich vor Besteigen eines Flugzeugs nach Übersee bei der Crew zu erkundigen haben, ob der Tank mit Kerosin befüllt wird; falls ja: müssen sie den Atlantik entweder mit einem Schlauchboot durchqueren oder auf den Trip verzichten.

    Empörungswelle schwappt ungezügelt rüber ins Neue Jahr

    Der Sofasport, an Volksvertreter Verhaltensanforderungen zu stellen, die kein einziger der Kommentarschreiber je erfüllen könnte, nimmt immer beängstigendere Ausmaße an. Eine MdB erzählte mir kürzlich, dass sie generell keine Urlaubsfotos online stellt, weil sie auf Reaktionen à la, „So verprasst ihr unsere Steuergelder auf der Skipiste“, Null Bock hat. War der Empörungsmüll im analogen Zeitalter auf Stammtische, Kaffeekränzchen, Saunaabende und die hinteren Seiten des Boulevards begrenzt, schwappt er einem heute aus jedem dritten Facebookpost entgegen. Der sozialmedienbefeuerte Unrat befleckt bereits morgens um kurz nach sechs meinen Monitor. In Kombination mit völliger Humorlosigkeit der digital Wütenden verursachen solche Beiträge bei mir Kopfschütteln, saures Aufstoßen der chinesischen TK-Nudeln von gestern Abend und den Wunsch, Backpfeifen zu verteilen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge.

    Ich: statt über den Löffel sollte man sich besser Sorgen über den Urlaubs-BMI von Frau Schulze machen

    Sie haben die Bigotterie der grünen Politikerkaste anscheinend immer noch nicht verstanden (Reaktion einer empörten Diskussionsteilnehmerin)

    Was kann man da noch antworten?
    Nichts, raten Sie?
    Stimmt, nichts ist am besten.

    Mal losgelöst davon, dass ich selbst nie auf die Idee käme, Eis aus einem Hörnchen zu essen, weil ich seit Kindheit den Geschmack der trockenen Waffel hasse und das Teil binnen weniger Minuten derart aufweicht, dass die Zitronenkugel nicht in meinem Magen, sondern auf dem T-Shirt landet, stelle ich fest, dass die Entrüstungsflut das Neue Jahr erreicht hat. Ich könnte es nun einem der Instagram-Erfinder gleichtun, der in einem zwischen Weihnachten und Silvester in der SZ abgedruckten Interview erklärte, dass er sämtliche sozialen Medien aus seinem Alltag verbannt hat und seitdem endlich Ruhe und Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens gefunden hätte. Aber ganz so weit wie dieser weise Mann bin ich noch nicht auf meinem langen Weg der Erkenntnis vorangeschritten.

    Jetzt habe ich allerdings endlich die neue Überschrift für meine Rubrik ausgebrütet:

    Aus der digitalen Hölle