Schlagwort: ZDF

  • Voll cringe!

    Voll cringe!

    Hast du dir am Freitagabend die Böhmermann-Parodie auf Nuhr angesehen, fragt mich die Chefredaktion.
    Ne, da hab ich mir nen koreanischen Serienkiller-Film angeschaut; der war gar nicht schlecht, schreibe ich zurück.
    Macht nichts, gibt’s in der Mediathek.
    Und dann soll ich was drüber schreiben?
    Klar, andernfalls bräuchtest du dir die Sendung ja nicht in der Mediathek anzusehen. Und beeil dich ausnahmsweise mit dem Schreiben. Der Beitrag soll heute Abend raus.
    HEUTE ABEND?
    Ja!
    +++

    Um es vorneweg zu sagen:
    (a) ich schau mir deutsche Comedy recht selten an (weil ich sie, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, überwiegend als langweilig empfinde)
    (b) die Sendung Nuhr im Zweiten habe ich mir nachträglich in der Mediathek angesehen.

    Um 1 Sendung zu beurteilen, reicht es aus, diese 1 Sendung angeschaut zu haben, weshalb (a) im Zusammenhang mit dieser Kolumne unwichtig ist.
    +++

    Was war geschehen?

    Jan Böhmermann nutzt den Freitagabend-Platz im ZDF, um seine Sendung Magazin Royale komplett der Persiflage seines Satire-Kollegen Dieter Nuhr zu widmen. Zusätzlich treten auf (Parodien von): Lisa Eckhart, Luke Mockridge, Abdelkarim Zemhoute* und irgendein Kleinstadt-Komödiant, den ich auf die Schnelle (Text soll heute noch raus!) jedoch nicht recherchiert bekomme. Alles, was die 5 Parodie-Spezialisten in den 30 Minuten von sich geben, beruht auf Originalzitaten der Parodierten. Das Publikum klatscht teils wie wild, bricht in lautes Gelächter aus, Tränen der Freude rinnen manchen über die Wangen. Endlich werden Nuhr & Co. demaskiert!

    [* EDIT: im Nachgang erreichte mich ein Leserbrief, dessen Schreiber darauf hinwies, dass es sich bei der Persiflage nicht um den o.g. Abdelkarim Zemhoute, sondern Özgür Cebe handelt. Die Erwähnung des Erstgenannten gründet auf einem Beitrag des SPIEGELs.]

    Und bei mir, dem Jammer-Boomer-Kolumnisten, welches Gefühl beherrscht mich, während ich mir das „Spektakel“ ansehe? Ich weiß nicht, wie ich es korrekt beschreiben soll. Ist was Diffuses, oszilliert zwischen „lustig ist was anderes“, Fremdscham und „Kollegenschelte finde ich eigentlich Scheiße“.

    Wenn wir die Parodie sezieren – was wir hier nur grob und oberflächlich tun werden, denn bei diesem Text handelt es sich um eine Kolumne und nicht einen Fachaufsatz zum Thema „Welche Faktoren bestimmen den deutschen Humor?“ –, lassen wir uns am besten von meinen oben genannten 3 Gefühlen leiten:

    Lustig ist was anderes

    ICH habe mich in den 30 Minuten nur mäßig unterhalten gefühlt und dachte oft: DIESER Satz reicht aus, um ihn zu persiflieren? Gibt’s da nichts Gravierenderes, was man durch den Kakao ziehen kann? Ist man heutzutage schon parodierenswert, wenn man sich kritisch zum Gendern und zu fluiden Geschlechtsidentitäten äußert? Wenn man die neue feministische Außenpolitik aufs Korn nimmt? Was war an dem türkischstämmigen Comedian derart verkehrt, dass er ne linke Persiflage verdient? Gänzlich schizophren wird das Ganze bei Lisa Eckhart. Die ist ja ein Liebling vieler deutscher Linksliberaler. Warum muss sie dann als Zerrbild einer rechten Kabarettistin herhalten? Weil sie vor einigen Jahren gezielt antisemitische Klischees bediente (was ihr die Linke aber großenteils durchgehen ließ), oder aber weil sie jetzt Witze über Männer reißt, die sich zu Feministen erklären (ein Feld, bei dem die identitätsfixierte Fraktion keinen Spaß versteht)? Man muss kein Jammer-Boomer sein, um hier ein linkes Humor-Dilemma zu erkennen. Über Luke Mockridge und den anderen Komiker lohnt es nicht, mehr als 1 Satz dazu zu schreiben: zu banal, zu platt ist deren Klamauk, als dass er es auch nur ansatzweise wert wäre, ihn mittels einer Parodie zu adeln.

    Voll cringe

    Fremdscham – neudeutsch-denglisch auch Cringe genannt – überkam mich v.a. beim Publikum. Wie kann man darüber bloß so in Wallung geraten, dachte ich. Waren die Leute auf Glücksdroge, kriegten die Geld fürs Applaudieren, war das ne Nordkorea-mäßig orchestrierte Veranstaltung oder reicht dem mitteleuropäischen Zuschauer echt so ne fade Performance, um sich vor Lachen zu schütteln? Um es an dieser Stelle noch schlimmer zu machen: einige der Originalsätze von Nuhr und Eckhart fand ich wirklich ganz witzig, während ich deren Persiflage als typisch deutsch iSv. ernsthaft um Humor bemüht, aber halt trotzdem nicht lustig, einstufte. Aber was versteht ein Jammer-Boomer schon von Humor?

    +++
    Kurzer Einschub an dieser Stelle: ich fand bspw. gestern Abend auf Netflix sehr lustig, als sich Wednesday (ein Mitglied der Addams Familie) dermaßen über die Blödheit ihrer Mitschüler aufregte, dass sie denen beim Schwimmsport Piranhas ins Becken warf, womit sie ein kleines Blutbad anrichtete. Ohne übrigens Rücksicht darauf zu nehmen, ob sich sensible Zuschauer durch das (kleine) Blutbad verletzt fühlen könnten. Da musste ich grinsen (merke: männliche Boomer schmunzeln nicht. Ist ein Verb, das man als Autor nicht nutzen sollte. Und falls man es doch tut, dann tunlichst nur bei Frauen. Einen schmunzelnden Kerl kann niemand erstnehmen. Selbst linksliberale Frauen nehmen einen schmunzelnden Mann nicht Ernst).
    +++

    Kollegenschelte ist Scheiße

    Ja, ist sie. Und natürlich ist eine Parodie nichts anderes als eine Sonderform der Schelte – du ewig gestriger rechter/konservativer Comedian sagst politisch derart unkorrekte Sachen in deiner Show, dass wir guten Linken nicht drumherum kommen, dich auf die Schippe zu nehmen. Kann man natürlich tun – also Kollegen dissen. Ist ja schließlich nicht qua Gesetz verboten. Wenn wir damit mal anfangen – weshalb nicht auch: Fußballreporter Meier wirft Fußballreporter Müller vor, von Fußball keine Ahnung zu haben? Nachrichtensprecherin Schulze beklagt, dass Nachrichtensprecherin Seifert keine schöne Stimme hat, wenn sie die Nachrichten vorliest. 5-Sterne-Koch Großmann berichtet vor laufender Kamera, dass 4-Sterne-Koch Mittelmann deshalb keinen 5ten Stern erhält, weil er zu billige Zutaten in seinen Speisen verwendet. Und, mein aktueller Liebling, Kolumnist B (oder C oder X oder Y. Suchen Sie sich einen Buchstaben aus) erklärt, dass Kolumnist H vom Kolumnenschreiben keinen blassen Schimmer hat etc. etc. Hat was von Rapper-Beef oder Hip-Hop-Battle. Dem Publikum gefällt das. Das Publikum muss aber auch nicht in den Ring. Das begnügt sich mit Voyeurismus, hämischen Zwischenrufen und Daumen rauf/runter. Ich persönlich halte Kollegenschelte für schlechten Stil und lasse davon, auch wenn es mich bei mancher Kolumne manchmal juckt, die juckenden Finger tunlichst weg von der Tastatur und kratze mich stattdessen lieber zwischen den Beinen.

    Um zum Schluss zu kommen – denn mehr als maximal 1000 Wörter ist die jüngste Böhmermann-Sendung nicht wert –: ICH fand’s überwiegend peinlich. Wenn einem humoristisch echt nichts mehr einfällt, als seinen Kollegen an deren Comedian-Beine zu pinkeln – oh weh! Die Skriptschreiber scheinen geistig erschöpft zu sein. In diesem Fall rate ich zu ner mehrmonatigen Auszeit wahlweise auf einer unbewohnten thailändischen Insel oder im australischen Outback, um da in der Abgeschiedenheit wieder zu Kräften u.v.a. auf neue pfiffige Ideen zu kommen.

    Zumal durch die Persiflage ja der Eindruck erweckt wird, es gibt guten (Böhmermann) und bösen (Nuhr) Humor. Was für eine Scheiße ist das denn? Wer bestimmt, was guter Humor ist – das ZDF mit seinem Magazin Royale? Die linksliberale Intelligenz, die schon bei Lisa Eckharts Kokettieren mit antisemitischen Klischees meilenweit daneben lag? Warum dürfen keine Witze über Klimaaktivisten gemacht werden? Weil’s aus dem Blickwinkel der Zeitgeistavantgarde politisch unkorrekt ist? Um Gottes Willen! Ne Menge Jokes sind unkorrekt. Um nicht zu sagen: 90 Prozent des weltweiten Humors lebt von seiner politischen Unkorrektheit. Wer das nicht mag, verabredet sich halt nur noch mit den 10-Prozent-Resthumor-Gleichgesinnten.

    Ich empfinde das, was Jan Böhmermann am vergangenen Freitagabend getan hat, als zutiefst unkollegial, hart an der Grenze, dass ich mir ihn in Zukunft nicht mehr ansehen werde (um jetzt noch ein bisschen Verwirrung am Ende der Kolumne zu stiften: inhaltlich stimme ich weit öfter mit ihm als Dieter Nuhr überein. Aber diese penetrant zur Schau getragene intellektuelle Überheblichkeit geht mir doch stark auf den Sack).

    PS. sollte es sich um ein abgekartetes Spiel zwischen Böhmermann und Nuhr handeln – wie bereits einige Facebook-Eingeweihte hinter vorgehaltener Hand raunen –, um mittels gegenseitigen Persiflierens die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben, will ich das Voranstehende natürlich nicht gesagt haben und behaupte in meiner nächsten Kolumne was anderes.

  • Das große Gähnen

    Das große Gähnen

    Bevor ich loslege, gibt’s:

    3 einschränkende Bedingungen

    3 Sachen muss ich voranschicken:
    (1) ich bin etwas spät dran mit meiner Kritik
    (2) Serien schaue ich eigentlich nicht so gerne
    (3) den Roman von Schätzing habe ich nie gelesen.

    Zu meiner Verteidigung: Der Vorteil des Hobby-Kolumnist-Seins besteht darin, dass es für uns keine Deadlines gibt. Wir können unsere Texte dann abgeben, wann immer uns der Sinn danach steht. So halt auch eine etwas verspätete Rezension. (ja ja, es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Ist mir bekannt dieses Valentin-Zitat. Ich mach’s aber trotzdem: also ne weitere Rezi tippen. Einfach aus dem Grund heraus, weil ich gerade Lust und Zeit dafür habe). Und wenn man den zugrundeliegenden Roman gelesen hat – ich hab den, ehrlich gesagt, wegen der enormen Seitenzahl bisher nicht angefasst –, ist das zwar kein Nachteil, man kann den Unterhaltungswert eines Films aber auch ganz gut ohne diese Kenntnis beurteilen. Zumindest einer wie ich, der VIELE Filme anschaut, kann das. Ach so, bevor ich es vergesse: Serien haben immer die Tendenz zur Langatmigkeit, weshalb ich 90- oder 120-Minuten-Produktionen eindeutig bevorzuge.

    Und damit wollen wir uns von den langweiligen einschränkenden Bedingungen ab- und dem Schwarm zuwenden.

    An und für sich ne spannende Geschichte

    Der Plot ist schnell erzählt: In der arktischen Tiefsee leben seit Jahrmillionen Einzeller, die in der Lage sind, sich miteinander zu vernetzen und mittels dieser Agglomeration (als Schwarm) sowohl Intelligenz als auch enorme Kraft zu entwickeln. Diese, von den Wissenschaftlern, die sie aufgespürt haben, YRR getaufte, Lebensform hat erkannt, dass es für unseren Planeten mittlerweile 1 Minute vor Mitternacht ist, und beginnt plötzlich damit, sich gegen den größten Ressourcenkiller des Universums, den Menschen, zu wehren. Die Folge sind Plagen biblischen Ausmaßes: Hummer, die tödliches Gift verspritzen, das in die Kanalisation und von dort in den menschlichen Magen gespült wird, Krebse, die unsere Küsten fluten und jeden auffressen, dem nicht rechtzeitig die Flucht gelingt. Aggressive Wale greifen Touristen an. Tsunamis zerstören die am Meer gelegenen Städte. Der Schwarm kann sogar hochmoderne Schiffe zum Kentern bringen. Das oben genannte Wissenschaftlerteam versucht nun verzweifelt, Kontakt mit YRR aufzunehmen, um mit dieser, uns überlegen erscheinenden, Spezies auf dem Verhandlungsweg zu einer friedlichen Koexistenz zu gelangen, bevor die gesamte Menschheit ausgerottet wird. Mehr soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden.

    Geschichte, auch wenn sie mir nicht völlig neu vorkommt, ist schon intelligent und könnte durchaus spannend erzählt werden. Ob man dafür allerdings ne Serie benötigt, oder das nicht auch auf der Wegstrecke von 120 Minuten bewerkstelligen kann – daran scheiden sich die cineastischen Geschmäcker.

    Der Daseinszweck von Serien

    „Ich schaue deshalb gerne Serien, weil in denen – im Gegensatz zum 90-Minuten-Film – die Charaktere langsamer entwickelt werden und so mehr Tiefe erhalten“, erklärte mir noch vor kurzem eine befreundete Autorin. Das mag durchaus so sein und mag auch für manche Serien gelten – für „Der Schwarm“ trifft es hingegen Nullkommanull zu. Selten habe ich so lieblos, jederzeit austauschbare, Figuren gesehen wie in dieser Produktion. Zu keinem Akteur baute ich als Zuschauer eine engere Bindung auf, ob 2 Darsteller – wegen eines Ruckzuck-Tsunamis – mittendrin plötzlich weg waren – wen juckte das? Die Liebesbeziehungen („das Pilchern“ wie Frank Schätzing das bezeichnete) bar jeglichen Tiefgangs, völlig belanglos, einfach nur ins Drehbuch reingefummelt, weil’s in Serien hin und wieder halt auch zwischenmenschlich ein bisschen knistern muss. Da steckt in jeder Kölner Süßwasserpfütze mehr YRR-Erotik drin als in den im Schwarm gezeigten Diversity-Romanzen.

    Zwischenfazit „weshalb ne Serie?“: aus dem Roman hat man v.a. deshalb 8 Folgen gemacht, weil so mehr Sendezeit generiert wird. Mit Spannungsbogen und Figurenentwicklung hatte das nichts zu tun.

    Kartoffel-ernste Dialoge

    Niemand, der seine 5 cineastischen Sinne beisammen hat, verlangt von einem adaptierten Drehbuch, dass darin die Romanvorlage 1 zu 1 umgesetzt wird. Man kann stundenlang (und oft ergebnislos) darüber diskutieren, wie viel Original in einer Verfilmung drinstecken soll. Ob es evtl Sinn ergibt, die Handlung etwas umzustricken, Figuren komplett rausfallen zu lassen u andere Charaktere umzumodellieren. Auch muss der Erzählstrang nicht immer sklavisch der Vorlage folgen. Zelluloid ist nun mal ein anderes Medium als bedrucktes Papier. Das ändert aber mMn nichts an der grundlegenden Bedingung, dass ein Autor sein Werk in der Verfilmung nach wie vor erkennen sollte. Und das scheint, wenn man Frank Schätzings Kritik Glauben schenkt, die er in diversen Medien geäußert hat, streckenweise nicht der Fall gewesen zu sein. Ich kann das jedoch – siehe oben einschränkende Bedingung (3) – nicht abschließend beurteilen.

    Was ich jedoch beurteilen kann: selten habe ich derart langweilig-belehrende Dialoge – und die werden ja vom Drehbuchautor geschrieben – gehört wie in „Der Schwarm“. Noch nie habe ich Fiktion gesehen, bei der jeglicher, auch nur winzigkleine, Anflug von Humor komplett aus den Unterhaltungen gestrichen wurde. Mitunter fühlte ich mich am Bildschirm in Homeoffice-Universitätsseminare versetzt. Und ich tue dabei vielen Universitätsseminaren Unrecht, denn in denen werden mitunter Witze gerissen und darf zwischendurch auch mal gelacht werden.

    Gibt’s beim ZDF keine Qualitätskontrolle für Drehbücher?

    Zwischenfazit Drehbuch: von allen kartoffel-ernsten Produktionen, die ich kenne, ist „Der Schwarm“ eine der kartoffeligsten.

    3 Gesichtsausdrücke

    Deutsche Schauspieler (m/w/d, Hautfarbe egal) beherrschen 3 Gesichtsausdrücke:
     sehr ernst
     mittelernst
     nicht ganz so ernst, aber immer noch ernst genug

    … schrieb ich in einem Facebook-Post nach Ansehen der Folgen 1 & 2, um mich am Ende der Serie zu korrigieren:

    Es waren Akteure dabei, die exakt 1 Miene draufhatten (u zwar über die Wegstrecke von 8 Folgen). Bei einigen vermute ich sogar eine temporäre Gesichtslähmung.

    Dass ich von Diversität auf Teufel komm raus bei den Rollenbesetzungen wenig halte, will ich hier nicht weiter ausführen. Das ist ein Thema für sich und hat mit meiner Einschätzung der Spannung/Suspense – einzig um die geht es in dieser Kolumne – nichts zu tun. Ganz unerwähnt wollte ich es jedoch auch nicht lassen.

    Zwischenfazit Darsteller: ob ich mir den Bergdoktor, die Rosenheim Cops oder Der Schwarm ansehe – die schauspielerische Leistung ist immer dieselbe.

    Das große Gähnen

    Dass Frank Schätzing unzufrieden mit der filmischen Umsetzung seines Romans ist, kann ich gut nachvollziehen. Selten (nie?) wurde eine spannende Geschichte derart ideenlos in Szene gesetzt wie in der ZDF-Produktion „Der Schwarm“. Da waren ja manche Weihnachts-Vierteiler der 70-er und 80-er Jahre direkt cineastische Highlights im Vergleich. Mir völlig unbegreiflich, weshalb die Regie nicht mehr auf Bildersprache setzte (was sich bei Bedrohung aus der Tiefsee und biblischen Plagen ja geradezu anbietet), sondern ständig alles von den Wissenschaftlern in sterbenslangweiligen Dialogen und Vorträgen erklären lässt. „Show, don’t tell!“ – kennt man diese goldene Erzähl-Regel nicht in deutschen Produktionsfirmen?

    Der Schwarm als TV-Serie mutet an wie die Inszenierung einer Schauspielgruppe aus der Mittelstufe, bei der auch die Eltern mitwirken dürfen: oberflächliche Handlung mit weichgespülten Charakteren jeglicher Hautfarbe und sexueller Orientierung, bar jeder Boshaftigkeit oder bloß menschlichen Kanten, deren einziges Anliegen darin besteht, 24/7 die Welt zu retten. Garniert mit kartoffel-ernsten Dialogen bis zum Erbrechen, die aber jederzeit 1 zu 1 in Fachaufsätzen zum Thema „politisch korrektes Reden“ als Zitate abgedruckt werden können. Wär’s ne Doku gewesen, dann okay. Bei Fiktion denke ich hingegen: oh weh! Dieses mediokre Zeug wird allen Ernstes als Highend-Produktion gelabelt? Da waren die meisten Folgen von Monaco Franze high-endiger als der dröge Schmarrn (pardon: Schwarm).

    Finales Fazit: Das große Gähnen oder: wie ich es schaffe, 40 Millionen Euro im Polarmeer völlig uninspiriert zu verbrennen (bzw. den Nordatlantik runterzuspülen).

    Bewertung: 5 (von 10) Punkten. Aber nur, weil es die zugrundeliegende Geschichte tatsächlich wert ist, erzählt/gezeigt zu werden.

    PS. die Folgen 1 bis 8 stehen in der ZDF-Mediathek zum Abruf bereit.

  • Öffentlicher Rundfunk: Wichtig oder kann weg?

    Öffentlicher Rundfunk: Wichtig oder kann weg?

    Der Fall (hier im doppelten Wortsinn gebraucht) der Patricia Schlesinger wirbelt in diesem Sommer viel Staub auf. Täglich kommen neue Mauscheleien ans Licht, ständig tritt nun irgendjemand zurück oder wird aufgefordert, zurückzutreten. Vom Versagen der Kontrollgremien ist die Rede, die Intendanten der ARD sprechen der RBB-Spitze gegenüber ihr Misstrauen aus, die Angestellten verlangen in Zukunft mehr Mitwirkungsrechte bei der Programmgestaltung. Jeder ist empört, betroffen, will größere Transparenz und schon morgen soll es wieder um die Sache, und nicht um Personen gehen. Reumütiges Zähneknirschen und Ab-sofort-soll-alles-anders-werden Gelöbnisse, wohin man schaut.

    Die o.g. Änderungen mögen notwendig und vernünftig sein, um zukünftige Vetternwirtschaft schneller aufzudecken oder gar nicht erst entstehen zu lassen; jedoch liegt das Problem des ÖRR in Deutschland tiefer. Es geht um seinen Auftrag, die Zeitgemäßheit, die Art der Finanzierung und daraus resultierend seine Akzeptanz in der Bevölkerung.

    Neben dem sogenannten Grundversorgungsauftrag – jeder Bürger muss freien Zugang zu Informationen besitzen – sollen ARD & ZDF auch einen Programmauftrag erfüllen: Die Rundfunkprogramme dienen demnach gleichermaßen Informationsvermittlung, Bildung und Unterhaltung. Wesentliche Gesichtspunkte sind die Unabhängigkeit von staatlichen Eingriffen sowie die innere und äußere Pressefreiheit. Hört sich erst mal gut und plausibel an. Finanziert wird das Ganze über ein Konstrukt, das sich ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice (früher als GEZ bekannt) nennt und die Gebühren zwangsweise – und im Notfall auch recht ruppig – bei den Bürgern einkassiert. Das hört sich schon weniger gut an, sagen Sie? Hängt halt stark davon ab, was mit dem Geld passiert, antworte ich.

    Der Durchschnittskonsument nutzt längst andere Angebote

    Um die Zeitgemäßheit des ÖRR zu bestimmen, untersuchen wir im Folgenden die TV- & Radiogewohnheiten eines durchschnittlichen westdeutschen, männlichen Boomers; nämlich meine. Bis zu meinem 25-sten Lebensjahr kannte ich nichts anderes als ARD, ZDF und das Dritte. Die Programme starteten am Nachmittag, um 19 Uhr gab’s Heute (mein Vater kam dafür pünktlich jeden Abend um 18.59 aus dem Büro zurück), um 20.15 ein Ratequiz oder eine Spielshow oder ein politisches Magazin, wenn man Glück hatte, wurde ab 22.30 ein nicht völlig veralteter Hollywood-Film gezeigt, im Anschluss die Spätnachrichten und dann gegen Mitternacht die Nationalhymne und im BR das Bayernlied. Sportereignisse allesamt im ÖRR. Bundesliga live im Radio: WDR 2. Mehr brauchte man/frau bis 1987 anscheinend nicht. Revolutioniert (wobei Revolution arg hochgegriffen ist; nennen wir es besser: Ausweitung, um nicht von Aufblähung sprechen zu müssen) wurde das jahrzehntelang beschauliche Angebot durch die Zulassung privater Sender Mitte der 80-er Jahre. RTL, SAT.1, ProSieben traten als neue Akteure in den Markt ein. Jetzt wurden wir mit Sendungen, die auf so schöne Namen wie „Tutti Frutti“, „Explosiv – Der heiße Stuhl“ oder „Alles Nichts Oder?!“ lauteten, beglückt. Bald gefolgt von Shows, die abwechselnd in Containern oder im Dschungel spielen, Bauer-sucht-Frau-Events und so nützlichen Sachen wie Scripted-Reality-Gerichtssendungen. Kannten wir bis 1990 alles nicht, hatten wir bis dahin auch nicht groß vermisst; aber, wie das mit nem neuen süchtig machenden Angebot nun mal so ist: Ist es erst mal in der Welt, will man seine tägliche Dosis haben und zählt die Stunden rückwärts, bis endlich die nächste Staffel GNTM über den Bildschirm flimmert. Man kann das private Angebot entweder superwichtig, megatoll oder völlig für den Arsch finden. Man kann es 24/7 laufen lassen, hin und wieder punktuell vorbeischauen oder die Trivialsender komplett boykottieren. Aber all dies geschieht freiwillig, niemand wird gezwungen, sich Promi Big Brother reinzupfeifen und dafür auch nur 1 müden Cent bezahlen zu müssen.

    Zurück zu den Konsumgewohnheiten des westdeutschen, männlichen Boomers: Ich schaue so gut wie nie bei den privaten Sender vorbei. Nicht, weil ich sie ideologisch boykottiere, sondern da mir das Angebot nicht zusagt. Und wenn mal was dabei ist, was mich interessiert, wird das so oft von Werbung unterbrochen, dass ich spätestens bei der dritten Wiederholung von glücklichen Maggisuppen-Konsumenten entnervt weiterzappe. Allerdings hat ebenfalls mein ÖRR-Konsum in den vergangenen Jahren merklich nachgelassen. Ich habe auf meiner Liste: Die Tagesschau, Sportschau (die ist am Samstag ein Muss), hin und wieder ein Sportevent, ganz selten ein Politmagazin und – noch seltener – eine Talkrunde. Für den ganzen Rest nutze ich mittlerweile Streamingdienste. Wenn ich meine Vor-der-Glotze-hock-Zeit prozentual aufgliedere, gelange ich zu folgender Verteilung: 85% Amazon & Netflix, 14.9% ÖRR, 0.1% RTL & Co.

    Zwangsbeiträge vs. Werbefinanzierung und monatlich kündbare Gebühren

    An dieser Stelle kommen wir nicht drumherum, über Geld sprechen zu müssen. Wie finanzieren sich die Sender? ARD und ZDF erheben dafür (pro Wohnung) einen sogenannten Rundfunkbeitrag. Den muss man zahlen, völlig egal, ob man die Programme nutzt, sogar losgelöst davon, ob man überhaupt ein TV-geeignetes Endgerät besitzt. Beläuft sich aktuell auf 18.36 Euro, was umgerechnet auf meine Seh-Gewohnheiten 60 Cent pro 1 Tagesschau bedeutet. Das ist aber nicht die einzige Quelle der ÖRR: Werbezeit verkaufen die ebenfalls. Sehr strapaziös für männliche Boomer sind die 5 Minuten mit den rezeptfreien Medikamenten für die Zielgruppe Senioren mit Darmreizung u/o unkontrolliertem Harndrang vor den 20-Uhr-Nachrichten. Danach fühle ich mich oft ganz krank und nehme mir vor, demnächst mal wieder einen Routinecheck beim Urologen vornehmen zu lassen. Die Privaten hingegen finanzieren sich ausschließlich über Werbung (von den Plus-Angeboten im Internet mal abgesehen). Die Streaming-Dienste wiederum verlangen monatliche Gebühren (jederzeit kündbar) und verleihen einzelne Filme zu moderaten Stückpreisen. Das Argument, dass ich im Privatsektor ein nahezu identisches Gut entweder gratis oder mittels jederzeit kündbarer Gebühr erhalte, für das der ÖRR lebenslange Pflichtbeiträge von mir einfordert, ist ein starkes und kann nicht einfach mit der Frage, „Was sind schon 18.36€?“ vom Tisch gewischt werden. Es macht eben einen Unterschied, ob ich 18€/Monat freiwillig für 2 Packungen Marlboro (bzw. 1 Kasten Krombacher) oder zwangsweise für eine überwiegend mediokre TV-Berieselung ausgebe.

    Die Rechtfertigung für den Rundfunkbeitrag kann nicht darin liegen, dass der ÖRR versucht, das private Angebot zu kopieren oder gar zu übertrumpfen. Es besteht weder eine Notwendigkeit, 08/15-Vorabendserien auszustrahlen (bei denen bloß die Gesichter der Protagonisten und die Orte, an denen das Ganze spielt, ausgetauscht werden. Die Handlungen sind nahezu identisch, die Dialoge werden von K.I. verfasst), noch Spielshows, die mitunter noch dämlicher sind als die, die RTL mir zumuten will, zu produzieren. Es muss auch nicht bei jedem Sportevent mitgeboten werden. Wenn die geldgierige DFL zu dem Entschluss kommen sollte, dass ARD & ZDF zu wenig für die Übertragungsrechte zahlen, dann gibt’s in Zukunft Fußball eben nur noch auf Sky und DAZN. So what? Geht die Welt nicht von unter. Weshalb jeder Sender mittlerweile 1 Dutzend Talkrunden – in denen ständig dieselben Teilnehmer sitzen – ausstrahlen muss: keine Ahnung. Warum gibt’s eigentlich so viele ARD- und ZDF-Töchter? Schaut sich diese Spartenkanäle überhaupt jemand an, oder existieren die bloß, weil die Verantwortlichen es cool finden, über so viele Kanäle herrschen zu können? Wozu die ganzen Landeshäuser (aktuell = 9) der ARD: reicht nicht 1 Erstes? Was ist mit der Idee, den ÖRR zu 1 Anstalt zu bündeln? Wie beispielsweise die BBC oder die RAI. Müssen wir tatsächlich Kleinstsender wie Radio Bremen oder den Saarländischen Rundfunk betreiben?

    Was nun dringend zu tun wäre

    Um wirklichen Änderungswillen zu demonstrieren, muss sich der ÖRR grundlegend (und möglichst schnell) reformieren. Die Haupt-Aufgabenfelder bestehen in:

    (A) Programmstraffung (Konzentration auf den Kernauftrag: Nachrichten & Informationsvermittlung)
    (B) Abbau überflüssiger Verwaltungsstrukturen (keine Organisation benötigt zigfach 9 identische föderale Stellen, wenn es 1 zentrale Position genauso gut täte)
    (C) Prüfung der Zusammenlegung von ARD & ZDF zu 1 ör-Rundfunkanstalt.

    Ziel sollte sein, mit 10€ Rundfunkbeitrag/Monat die Grundversorgung an (unabhängigen) Nachrichten und wichtigen Informationen (z.B. Weltspiegel, Brennpunkt, plusminus, ttt, geschichtliche Dokus etc.) sicherzustellen. Wenn das gelingt = prima. Falls nicht, dann steht zu befürchten, dass die Akzeptanz für dieses Gebührenmodell in der Bevölkerung weiter schwindet, viele mit den Füßen abstimmen (sprich: zu anderen Anbietern abwandern) und der Druck aus dem konservativ-liberalen Lager, das zum Teil bereits die komplette Auflösung des ÖRR fordert, ständig zunimmt.

    Schlau wäre es also, den Fall Schlesinger für eine Generalüberholung zu nutzen. Und es nicht bei neuen Chefs und ein bisschen mehr Mitbestimmung für die Mitarbeiter zu belassen. Da der ÖRR jedoch ein träger Organismus ist – noch träger als ich an einem warmen Sommersonntagmittag –, fehlt mir ein bisschen der Glaube, dass sich da in den kommenden Monaten großartig was von innen heraus reformieren wird. Ich schreibe diese Kolumne aber trotzdem, um meinen Enkeln in ein paar Jahren sagen zu können: „Ihr kennt ARD & ZDF gar nicht mehr, weil die 2030 aufgelöst wurden. Schaut mal her, was euer Opa denen 2022 alles Schlaues geraten hatte. Und sie haben nichts davon gemacht. Typisch. Niemand hört auf Kolumnisten. Das haben sie nun davon. Selbst schuld.“ Und im Anschluss sehe ich mir die Sportschau in Amazon an.
    +++

    Um es nochmal kurz zusammenzufassen: ÖRR ist schon wichtig. Jedoch nur in einer schlanken Variante und mit Konzentration auf Kernaufgaben. Im Zeitalter von geschätzt 100 TV- und Streaminganbietern leuchtet es Nullkommanull ein, weshalb ich mit meinem Rundfunkbeitrag dusselige Shows und noch dusseligere Vorabendserien finanzieren muss, die ich gratis bei RTL und ProSieben nachgeworfen bekomme.

  • Die maoistisch-leninistische Sportschau

    Die maoistisch-leninistische Sportschau

    Eigentlich wollte ich heute was zur Heldenreise der AfD schreiben, die sich täglich in den heroischen Kampf gegen Meinungsdiktatur und Mainstreammedien stürzt. Da kam mir gestern Abend jedoch eine kleine Diskussion in Facebook dazwischen, zu der es sich lohnt, ein paar Sätze zu verlieren, weshalb die Heldenreise aufgeschoben, aber nicht vergessen, wird.

    Die NZZ – neben der BILD das AfD-Versteherblatt Nr. 1 im mitteleuropäischen Sprachraum – berichtet unter dem Titel „ARD und ZDF haben laut Studie ein linkes Publikum“ über die Untersuchung eines britischen Meinungsforschungsinstituts, die belegen soll, dass die Zuschauer der deutschen öffentlich-rechtlichen Programme als politisch links einzustufen sind. Von linkes Publikum zu linkes Programmangebot ist es nur ein gedanklicher Katzensprung. Und so lauteten die Kommentare entsprechend:

    Außer dem Börsenbarometer ist alles rot

    Nicht ohne Grund schaue ich seit Jahren nur noch Netflix

    Tagesschau = Sozialismus pur

    ARD = Rotfunk

    ARD = Rotfunk, das wusste bereits mein Vater – Gott hab ihn selig –, der sich in den 80ern am liebsten über Klaus Bednarz‘ Monitor aufregte, den er sich aber trotzdem immer wieder ansah. Vielleicht einzig aus dem Grund heraus, sich darüber aufregen zu können. Manche Menschen brauchen dieses Gefühl so wie andere den Kick, bei Rot über eine sechsspurige Schnellstraße zu laufen. Wobei wir der Fairness halber dazu sagen müssen, dass damals links weiter links begann, während links seit dem Spätsommer 2015 unmittelbar links von Herrn Seehofer losgeht. Ein Herr Blüm würde heute im Stamokap-Flügel der SPD verortet, während er früher noch als Herz-Jesu-Sozialist durchging. ARD = Rotfunk ist also keine grundlegend neue Erkenntnis; jedoch das kreuzbrave ZDF ebenfalls links??? Weil manche Politiker in Interviews angeblich härter in die Mangel genommen werden als andere?


    An dieser Stelle eine kurze Zwischenbemerkung meinerseits: Die Demokratiefeinde, denen seit Jahren überproportional viel Raum in sämtlichen politischen Sendungen eingeräumt wird, werden dort nach wie vor mit Samthandschuhen angepackt. Ich wünsche mir oft, dass da mal ein Moderator richtig hart nachhakt, um manch menschenverachtende Aussage als das zu entlarven, was sie ist – nämlich demokratiefeindlich und menschenverachtend. Und den Rechten nicht ihre ständige Rumopferei durchgehen lässt. Aber das geschieht leider so gut wie nie. Ende dieser Zwischenbemerkung.

    Studie mit fragwürdiger Repräsentativität

    Zurück zur britischen Studie. Die stammt aus dem Reuters Institute der University of Oxford. Keine Ahnung, was sich dahinter verbirgt. Ich kenne Reuters und ich war auch schon mal in Oxford und hab mir dort die altehrwürdige Hochschule von außen angeschaut. Die Kombination von beiden ist mir jedoch fremd. Klingt ein bisschen wie Monsanto-Fakultät an der TH Köln. Sei’s drum. Ich frage mich allerdings, wie man seriös die politischen Präferenzen von zig Millionen Zuschauern, die sich über mehrere Dutzend Formate verteilen, evaluieren möchte. Welche Stichprobe wurde gezogen? Wie groß ist die Stichprobe? Wie lauten die Kriterien, um in die Stichprobe aufgenommen zu werden? Hier Repräsentativität sicherzustellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Andersherum ausgedrückt: Hätten sich die Autoren auf die Analyse eines (in Ziffer dargestellt: 1) Politmagazins konzentriert – bspw. Panorama, plusminus, Frontal 21 –, hätte was statistisch Belastbares draus werden können; aber über alle Sendungen? Wer Bergdoktor und Traumschiff anschaut, ist linker als das Mock-the-week-Publikum der BBC? Wer sich Tatort und Donna Leon reinzieht, setzt sein Kreuz bei SPD, Grünen und der Linken? Wer soll solch einen hanebüchenen Quatsch denn glauben? Und sowas wird mir als ernstzunehmendes Studienergebnis verkauft?

    Weshalb interessieren sich Briten und Schweizer überhaupt dafür, wer in Deutschland abends welchen Kanal einschaltet? Bei den Schweizern kann ich es sogar verstehen. Das Land ist jenseits des Bankgeheimnisses derart langweilig, dass man sich notgedrungen täglich mit den Nachbarn beschäftigen muss, weil es sonst nichts zu schreiben gibt. Aber die Engländer? Die haben ja im Moment mehr als genug mit sich und dem Brexit um die Ohren, als dass man eine merkwürdige Studie zum Thema „Politische Präferenzen des deutschen ÖR-Publikums“ in Auftrag geben müsste. Die dann zu bahnbrechenden Resultaten wie diesem gelangt: „Eine Hälfte der Zuschauer [der BBC] verortet sich leicht links der Mitte, die andere leicht rechts davon, während sich das Publikum von ARD und ZDF fast vollständig in die linke Hälfte des politischen Koordinatensystems einordnet “. Wow! Was für eine [schwachsinnige] Erkenntnis.

    Altbekannte Lügengeschichte von den linken Medien

    Es ist dies natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die immer schon gewusst haben, dass wir von den öffentlich-rechtlichen Anstalten [links] zwangsindoktriniert werden, und die deshalb dem staatlichen Rotfunk die Geldzufuhr kappen wollen. Diese Forderung erschallt in schöner Regelmäßigkeit aus den Lagern von AfD und FDP. Den einen ist alles links von Gauland zu links, den anderen ist ebenfalls vieles zu links, sie stören sich aber v.a. am durch die Gebühren außer Kraft gesetzten Wettbewerbsprinzip. Vielleicht steckt auch bloß schnöder Geiz dahinter, weil man heute alles gratis auf den Monitor erhalten möchte. Nun kann man sich natürlich darüber unterhalten, ob 17,50 Euro pro Monat (entspricht zweieinhalb Schachteln Marlboro) eventuell zu hoch angesetzt sind für 24/7 Nachrichten, Politik, Sport und Entertainment, ob wirklich jede Vorabendserie und jede Klamauk-Show zum Bildungsauftrag der Öffentlichen dazugehört. Man kann ebenfalls darüber diskutieren, wie viel ein Intendant und ein Chefredakteur verdienen sollen, ob wir ständig mehr ör-Spartenprogramme benötigen, oder ob Erstes, Zweites und Drittes und ein bisschen ARTE nicht völlig ausreichen. Was ich persönlich allerdings auf gar keinen Fall haben möchte, ist der Wegfall der Öffentlichen bei gleichzeitiger Dauerberieselung durch RTL und Pro 7. Sollte das jemals geschehen, werde ich mich komplett in die (linke?) Scheinwelt von Amazon und Netflix zurückziehen.

    Die Lügengeschichte (Märchen klingt in diesem Zusammenhang zu nett) von der flächendeckenden sozialistischen Umerziehung durch unsere Medien wird auch durch die Veröffentlichung [absurder] Studien und ihrer Verbreitung durch AfD-Versteherpublikationen nicht wahrer. Ner Lüge kann man auf den Leim gehen, oder man tut es eben nicht. Wer glaubt, der Fernsehgarten sei ne linke Sendung, der glaubt auch daran, dass die erste Mondlandung in Studio 613 von MGM und nicht auf dem Mond stattfand und der berühmte Satz, „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit“, aus der Feder eines (linken) Hollywoodautors stammt.

    Ich werde mir heute Abend übrigens die maoistisch-leninistische Sportschau – in der Hoffnung, dass es der FC gegen Gladbach nicht verkackt – ansehen und direkt im Anschluss die linksextreme Tagesschau. Und danach schwanke ich zwischen einem linken Tarantino-Streifen und einem ultralinken Tim-Burton-Film.

  • Die halluzinierte Meinungsdiktatur

    Die halluzinierte Meinungsdiktatur

    »Man darf nichts mehr sagen«, sagt Jupp.
    »Du hast sie nicht mehr alle«, sage ich.

    »Schreib bloß nicht wieder so viel«, meint sie.
    »Nur zwei, drei Seiten«, sage ich.
    »Maximal eine«, erwidert sie. »Mehr liest eh keiner.«

    Am vergangenen Sonntag wurde in Brandenburg und Sachsen gewählt. Dank der Prognosen, die seit Wochen bekannt waren, kam das Ergebnis dann zwar leicht schockartig, jedoch nicht überraschend. Ich vergleiche es mit einer Krebserkrankung, von der man schon länger ahnt, dass man sie in sich trägt und die, wenn man sich damit endlich zum Arzt traut, von diesem mit trauriger Miene bestätigt wird. Obwohl man wusste, dass es so kommt, ist man in dem Augenblick, in dem es definitiv feststeht, dann doch leicht frustriert, weil man insgeheim gehofft hatte, dass es anders ausgeht. Et es wie et es, sagen wir in Köln dazu. Gefolgt vom schulterzuckenden: Wat wells de maache?

    Es soll in dieser Kolumne nicht darum gehen, ob der Osten brauner tickt als der Westen. Und falls ja, woran das liegt. Darüber wurden schon tonnenweise kluge und weniger kluge Texte veröffentlicht. Mich beschäftigen in dieser Nachbetrachtung speziell zwei Fragestellungen, die mir im Zusammenhang mit dem ständigen Erstarken der Hellblauen von Relevanz zu sein scheinen.
    (A) Stimmt es, dass man heute nicht mehr offen das sagen darf, was man denkt?
    (B) Wie reagieren Politik und Medien auf das Phänomen?

    Deutschland eine Meinungsdiktatur?

    Keine Erzählung – von der angeblichen Gefahr der messermordenden Migranten abgesehen – wird so häufig und mit solcher Inbrunst von den AfD-Funktionären und ihren Followern auf allen Kanälen verbreitet wie die Behauptung, in Deutschland könne man nicht mehr frei das aussprechen, was einen wirklich beschäftigt; dürfen die wahren Probleme allenfalls flüsternd im engen Freundeskreis diskutiert werden. Ich reibe mir dann immer verdutzt die Augen bzw. säubere meine Ohren mit Q-tips, um auch bloß nichts von dem zu verpassen, was da an bisher streng Geheimgehaltenen gleich kommen wird. Und es kommt entweder nichts oder halt Altbekanntes. Dass nämlich Deutschland aufgrund der Migration kurz vor dem Kollaps steht. Ich blicke von meinem Balkon runter auf die Straße, in der viele Migranten der ersten, zweiten und dritten Generation leben, und überlege, ob der Kollaps spätestens übermorgen droht oder ich ihn eventuell verschlafen habe. Danach gehe zurück ins Wohnzimmer und denke: Wat soll dä Kwatsch?

    Losgelöst vom nicht stattfindenden Kollaps fällt bei genauem Hinhören auf, dass die behauptete Unsagbarkeit weder die AfD-Funktionäre noch deren Fanbasis daran hindert, eigentlich Unsagbares trotzdem fröhlich jeden Tag zu sagen. Da werden munter Schießbefehle an der Grenze, Internierungen auf einsamen Inseln, Reduzierung der Willkommensleistungen auf Null, schnelle Abschiebungen in Bürgerkriegsregionen, Einstellung der Seenotrettung im Mittelmeer gefordert, wird Libyen als sicheres Herkunftsland gepriesen, der syrische Schlächter Assad als gütiger Landesvater hofiert, werden junge Nordafrikaner in toto zu stets gewaltbereiten Sozialschmarotzern deklariert, und bekommt natürlich täglich die Kanzlerin, die an der ganzen Misere die Schuld trägt, ihr Fett weg. Es wird also im Minuten-Stakkato gesagt, was man früher noch nicht mal denken wollte. Und es wird, so lange man niemanden persönlich beleidigt oder Nazi-Vokabular benutzt, auch völlig straffrei, mithin risikolos, gesagt. D.h. jeder kann beispielsweise einen Hochverratsprozess – selbst wenn er mit 95%iger Wahrscheinlichkeit nicht weiß, was dieser Begriff überhaupt beinhaltet – gegen Frau Merkel verlangen, ohne dass ihm für diesen Wahnsinn auch nur eine Anzeige ins Haus flattert. Das hätte der Chemnitzer AfD-Rentner vor 35 Jahren mal bei Honecker versuchen sollen. Im Gerechtigkeitskombinat Bautzen wäre ihm schnell klar geworden, welche Systeme tolerieren, dass man sagen darf, was man denkt – selbst wenn es hanebüchen ist –, und welche Regime allergisch auf freie Meinungsäußerung reagieren.

    Das Märchen, dass wir in der Bundesrepublik nicht sagen dürfen, wo uns der Schuh wirklich drückt, darf man den Hellblauen nicht durchgehen lassen. Wenn sie es mal wieder mit Leichenbittermiene vortragen – wie bspw. der AfD-Vertreter in der Berliner Runde am vergangenen Sonntagabend –, muss die Reaktion lauten: „WAS dürfen Sie nicht sagen?“ und nicht: „Oh doch, bei uns im ZDF dürfen Sie alles sagen“. Schon ist man in die Falle getappt, denn dies impliziert, dass die Menschen außerhalb des liberalen ZDF eventuell doch nicht alles sagen dürfen. So fasste es der Herr von der reaktionären Alternative ja auch sofort auf. Bei der Frage „WAS?“ wird man hingegen feststellen, dass außer Flüchtling-Nordafrika-Messerstecher-Gebrabbel nichts kommt. Denn zu anderen Themen wie Renten, Bildung, Pflege, Infrastrukturausbau, E-Mobilität hat diese Partei einfach nichts zu sagen, weil sie sich mit diesen Problemfeldern gar nicht ernsthaft beschäftigt. Okay, noch ein bisschen mit der Klimalüge, aber das war’s dann schon mit Inhalten.

    Mehr mit den Menschen reden

    Eine am Abend des ersten September von den interviewten Politikern häufig in den Mund genommene Satzschablone lautete: „Wir müssen in Zukunft mehr mit den Menschen reden“. Und ich dachte: Wtf! Das tut ihr doch hoffentlich schon seit Anbeginn der Republik. Kommunikation ist ein integraler Bestandteil eures Jobs. Warum geht ihr den Hellblauen auf den Leim, die frech behaupten, außer ihnen würde niemand mit den Leuten ins Gespräch kommen? Denn „Wir müssen in Zukunft mehr mit den Menschen reden“ impliziert ja genau das: Bisher wurde anscheinend zu wenig kommuniziert.

    Wenn man sich mit Politikern, die etwas abseits des medialen Rampenlichts stehen, unterhält, ergibt sich folgendes Bild: dreißig bis fünfzig (in den parlamentsfreien Wochen) Prozent ihrer Zeit verbringen sie damit, den Kontakt zu den Bürgern zu pflegen. Denn die sind ihre Wähler. Wer mit denen nicht im ständigen Austausch steht, ist bei der nächsten Wahl ratzfatz wieder weg vom Fenster. Jeder Abgeordnete betreibt ein Wahlkreisbüro, bietet regelmäßige Sprechstunden an, tingelt in seinem Wahlkreis von Oberzentrum A über Mittelzentrum F bis hin ins Mikrozentrum Z. Besucht Weinfeste, Firmeneröffnungen, Gewerkschaftsbüros, Betriebsratssitzungen und Jubilare in Altersheimen. Er tut das, weil es (a) ihn von Berufs wegen interessiert (b) für ihn überlebenswichtig ist. Die Erzählung von der abgehobenen Politikerkaste, die vor lauter Staatsbanketten und Auslandsreisen gar nicht mehr weiß, was an der Basis eigentlich Sache ist, gründet genauso auf einem Hirngespinst wie die Mär von der Meinungsdiktatur. Aber – und das ist in diesem Kontext das wichtige Aber – ein Abgeordneter muss nicht zwangsläufig das für richtig erachten oder gar als Antrag im Parlament einbringen, was ihm ein einzelner Bürger insinuieren möchte. Weshalb sollte bspw. ein grüner MdB die Forderung eines Görlitzer Mauer-Nostalgikers nach Stacheldraht und Tellerminen entlang der Neiße mit zurück nach Berlin nehmen, wenn er selbst die Sache völlig anders sieht? Oder ein Sozialdemokrat sich für den Wunsch einer patriotischen Rente erwärmen? Es geht also gar nicht darum, dass die da oben denen da unten nicht zuhören, sondern darum, dass die oben nicht alle das machen, was einige da unten wollen. Prinzip nennt sich Repräsentative Demokratie, ein Konstrukt, das völkisch Denkenden noch nie gefallen hat, weshalb es völlig egal ist, wie viel mit den Rechten geredet wird. So lange man nicht das tut, was sie (also: die Rechten) für dringend notwendig erachten, werden sie stets über die dekadente, den Volkswillen mit Füßen tretende, Hauptstadtpolitikerbande lamentieren. Daran würde auch ein Hochfahren der Bürgerkommunikation auf hundert Prozent Nullkommanichts ändern.

    Kein falsches Verständnis für Unsagbares zeigen

    Um zum Abschluss der Kolumne zu gelangen, denn es sind doch schon wieder drei Seiten geworden: Es wird höchste Zeit, der AfD auf den Feldern, wo sie Unsinn erzählt oder gar offensichtlich Lügenmärchen auftischt, mit harter Replik zu begegnen. Jemand, der sich in einer Meinungsdiktatur wähnt, soll entweder konkrete Beispiele benennen oder, falls es die nicht gibt, er sich aber weiterhin in einer Tyrannis eingesperrt fühlt, zum Psychiater geschickt werden. Jedoch sollten Politik und Medien nicht immer wieder Verständnis für Menschen äußern, die unfassbare Dinge sagen, die wir früher noch nicht mal denken wollten. Andernfalls besteht irgendwann die Gefahr, dass wir uns aufgrund von Phantomschmerzen eine Kopf-OP aufschwatzen lassen, an deren Ende wir dann hirnlos in einer richtigen Meinungsdiktatur aufwachen.

  • Wider den Quotenwahn

    Wider den Quotenwahn

    Auch die moderne Gesellschaft, deren ökonomisches und politisches Grundprinzip der Wettbewerb ist, entzieht einige wesentliche soziale und kulturelle Institutionen aus gutem Grund dem Markt. Das sind die Institutionen, von denen wir wissen, dass sie wichtig sind, dass sie aber auf der Grundlage einer Angebots-Nachfrage-Ökonomie nicht existieren könnten. Theater gehören dazu, Museen, Kunstausstellungen. Aber der grassierende Quotenwahn bringt auch dort den Markt hin: den der Aufmerksamkeitsökonomie.

    Dinge, die wir brauchen, aber nicht bezahlen wollen

    In einer zivilen Gesellschaft besteht Konsens darüber, dass es Dinge gibt, die für das Bestehen der Gesellschaft wichtig sind, auch wenn keiner persönlich für ihre Benutzung so viel bezahlen möchte, dass allein aus dieser Benutzung ihre Existenz sichergestellt ist. Dazu gehören vermutlich noch mehr Institutionen als die kulturellen Einrichtungen, die ich gerade genannt habe, aber ich möchte einmal bei dieser Art von Unternehmungen bleiben. Auch die Ausstellungshallen, Opern- und Schauspielhäuser sehen sich immer wieder der Forderung ausgesetzt, doch ein Angebot zu machen, für das das Publikum zu zahlen bereit ist – aber gleichzeitig wissen wir, dass das nicht ganz funktionieren wird. Und wir haben irgendwie die Gewissheit, dass es für den Erhalt unserer Kultur, unseres Wertesystems, unseres zivilisatorischen Selbstverständnisses wichtig ist, dass sie trotz unserer jeweiligen Knauserigkeit und Faulheit erhalten werden. Also versuchen wir den Kompromiss: Wir finanzieren sie zum Teil aus Steuermitteln, fordern aber auch ein bisschen Marktorientierung, versuchen, sie ein bisschen zu überwachen und verlassen uns doch darauf, dass da Leute arbeiten, die schon aus ihrem Berufsethos und ihrem Spaß an der Sache heraus für recht wenig Geld ganz gute Leistungen produzieren wollen. Und so leisten sie ihren Beitrag zum Erhalt unserer Kultur.

    Es zählt nicht vor allem die Quote

    Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk ist genau so eine Institution, wie die Theater und die Museen es sind. Das Kulturgut, das er bewahrt, ist der gute Journalismus und die gute Unterhaltung. Wir brauchen den mehr denn je. Darüber müssen wir uns endlich klar werden und müssen aufhören, ihn andauernd nur am Markt, an der Quote, am Marktanteil zu messen.

    So, wie wir Theater öffentlich fördern, gerade weil wir nicht wollen, dass es zum Boulevard herabsinkt, müssen wir dem Öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine zu starke Marktorientierung sogar verbieten. Wir brauchen ihn als Qualitäts-Garanten, und damit er das bleibt, darf er nicht nur an der Einschaltquote gemessen werden.

    Kulturgut unterhaltender Journalismus ohne Quotenwahn

    Wir brauchen Journalisten, die sich Zeit nehmen für Recherchen, die Beiträge produzieren, die den höchsten Qualitätsanspruch haben, die Menschen mit schönen Geschichten suchen und mit Feingefühl porträtieren können. Wir brauchen gut geführte Interviews, die sich Zeit nehmen, Hintergründe und Details zeigen. Wir brauchen auch kreative und angenehme Unterhaltung mit Liebe zum Detail. Es geht nicht nur um seriöse Informationen, es geht auch um gut erzählte Geschichten, bei denen man sich auch Zeit für das Licht, den Ton und den Schnitt nimmt. Wir brauchen, dass Beiträge entstehen, die nicht morgen weggeworfen werden, sondern die man sich auch mit Genuss noch nach Jahren wieder ansehen kann. Das alles stabilisiert unsere Kultur, schafft Heimat und Verbundenheit mit der Gemeinschaft. Auf den flüchtigen Moment gerechnet, mag das alles nicht so wichtig erscheinen, aber mit einem Blick auf die Vergangenheit und die Zukunft, die sich in der journalistisch erzählten Gegenwart treffen, wird diese Qualität bedeutsam.

    Das heißt nicht, dass der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk nur noch Kultur- und Nachrichtenprogramm sein sollte. Ganz im Gegenteil. Gerade das Radioprogramm, das nebenbei beim Frühstück, in der Küche, im Auto läuft, das gut mit klugem und professionellem Journalismus unterhält, ist eine kulturelle Errungenschaft der letzten Jahrzehnte, die wir nicht dem kurzfristigen Quotenwahn-Marktanteils-Denken preisgeben dürfen.

    Informationsquelle in Fake-News-Zeiten

    Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist also nicht nur, aber eben auch Lieferant vertrauenswürdiger Informationen, gut recherchiert und professionell produziert. Das wiederum ist gerade in Fake-News-Zeiten ein unschätzbarer Wert. In der Welt der sozialen Medien müssen auch die Öffentlich-rechtlichen senden, sie müssen die vertrauenswürdigen Quellen in der Online-Debatte sein. Auch dafür müssen wir sie uns leisten! Die demokratische Gesellschaft muss sich unabhängige Informations-Sender für die Online-Welt leisten, denen die Bürger vertrauen. Dafür müssen wir sie mit den nötigen Ressourcen und Freiheiten ausstatten.

    Wir brauchen den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk mehr als je zuvor. Aber nicht als Spitzenreiter in den Marktanteilen, der dem Quotenwahn verfällt. Das kann auch mal schön sein, und letztendlich sollte gerade gute Unterhaltung und informative Dokumentation auch eine entsprechende Breitenwirkung haben. Aber das darf nicht von der kurzfristigen Quote her gedacht werden, nicht von der Anbiederung an den Tagesgeschmack und schon gar nicht von der Marktforschung her. Ausgangspunkt muss der eigene Qualitätsanspruch von Journalisten sein, die unabhängig von Quotenvorgaben gute Arbeit machen wollen. Die zu bezahlen und mit dem auszustatten, was sie benötigen, sollte uns die Zukunft unserer Gesellschaft wert sein.