Schlagwort: BMI

  • Nie war ich so fett wie heute oder …

    Nie war ich so fett wie heute oder …

    2020 war das Corona-Jahr. Nicht nur draußen in der realen Welt, sondern ebenfalls ganz heftig in den beiden virtuellen Paralleluniversen Facebook & Twitter und natürlich auch bei uns Kolumnisten. Es verging seit Februar kaum ein Monat, in dem wir uns nicht aus dem ein oder anderen Blickwinkel mit Covid-19 beschäftigten. Ging es am Anfang noch darum, das Problembewusstsein für diese neue Form der Bedrohung zu wecken und zu schärfen, handelten unsere späteren Artikel von Grundrechten in Zeiten von Corona über Nachhilfe für den Corona-Widerstand, gefolgt von Aus deutschen Schlachthöfen bis hin zu aktuell Impfpflicht?. Grob geschätzt zwei Dutzend Beiträge kann man finden, wenn man bei den Kolumnisten das Schlagwort Corona in die Suchmaske tippt. in Man sollte also meinen, zu Sars-CoV-2 wurde mittlerweile ALLES gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Stimmt auch nahezu. Einzig ein wichtiger Aspekt scheint mir bisher völlig zu kurz gekommen zu sein.

    Welcher wichtige Aspekt soll das denn sein, fragen Sie mich?
    Moment, ich erkläre es gleich.

    Stay (dauerhaft) at home -> Gewichtsexplosion

    An Heiligabend, 16 Uhr war es mal wieder so weit: Ich passte nicht mehr in den Heiligabend-Anzug, den ich in den vergangenen Jahren getragen hatte, hinein. Das war mir zuletzt 1997 oder 98 passiert. Da es am Heiligabend um 16 Uhr erfahrungsgemäß schwierig ist, einen Ersatzanzug zu kaufen oder zu leihen und die Änderungsschneiderin, die das Problem 1997 (oder 98) gelöst hatte, mittlerweile verstorben ist, bot sich die beste aller Töchter an, den Knopf so weit zu versetzen, dass ich für die Zeitdauer eines Abends eine geschlossene Hose zumindest simulieren konnte. Beim Jackett, das ebenfalls arg spannte, half der Tipp eines Facebook-Bekannten: „Sakkos immer offen tragen.“ Mit diesen kleinen Tricks kam ich durch den Heiligabend, besorgte mir an Silvester eine neue Batterie für meine Waage, die ich allerdings erst am Neujahrstag bestieg, um mir den Jahreswechsel nicht unnötig zu versauen, und siehe da, wenig erstaunlich, die Nadel zeigte 8 (!!) Kilo mehr als am Jahresbeginn 2020. Kein Wunder, dass viele meiner Hosen und Hemden mittlerweile arg zwickten, was ich bisher stets auf zu heiß eingestellte Programme in der Waschmaschine zurückgeführt hatte. Mich zugegebenermaßen hin und wieder darüber wunderte, weshalb ebenfalls Hosen und Hemden, die vorher gar nicht in der Waschmaschine gewesen waren, ebenfalls arg zwickten; aber lieber ein paar Stunden lang die Luft anhielt und den Bauch einzog, als mich mit dem immer offensichtlicher aus dem Hosenbund quellenden Thema des Corona-bedingten Aus-dem-Leim-gehens auseinanderzusetzen.

    Eine nicht ganz repräsentative telefonische Umfrage unter meinen Freunden und Bekannten ergab, dass 37 Prozent der in etwa gleich alten (also: gleich alt wie ich) Männer und sogar 42 der Frauen vom selben Phänomen berichteten: überproportionale Gewichtszunahme in Corona-Jahr 1. Und da natürlich nicht alle bei einer Telefonbefragung, zumal bei solch einer heiklen Sache wie dem Gewicht, ehrlich antworten, selbst wenn man ihnen komplette Anonymisierung der Daten garantiert, ist die Dunkelziffer hoch und es steht mithin zu befürchten, dass zu den eben genannten 37 und 42 Prozent jeweils nochmal ne Kalorien- bzw. Kilo-Schippe draufgelegt werden muss. Nicht wenige meiner Interview-Partner berichteten zudem von gravierenden Fitness-Einbußen. Einige, die vorher mühelos zehn Treppen steigen konnten, nehmen nun den Lift, um in den ersten Stock zu gelangen.

    Isolierung ja, aber mit Verstand

    An dieser Stelle wollen wir das individuelle Der-Hirsch-bekommt-den-Reißverschluss-seiner-Hose-nicht-mehr-zu-Thema verlassen und versuchen, die Problematik der Gewichtszunahme im Verein mit gleichzeitiger Fitness-Reduktion aus der Meta-Perspektive der nationalen Gesundheit (das ist nicht dasselbe wie die nationale Sicherheit, die in Hollywood-Filmen ständig bedroht wird; aber alles, wo national davor steht ist auf jeden Fall von großer Bedeutung) zu betrachten. Denn um unsere Gesundheit dreht sich seit 9 Monaten ja beinahe alles. Was auch vollkommen richtig ist. Gesundheit ist wichtiger als im Homeoffice kratze ich so langsam den Kitt aus den Fensterritzen und ich hasse es, beim Bäcker 20 Minuten draußen zu warten, bis ich endlich meine 3 Brötchen bekomme oder gar was mache ich mit meinen Fingernägeln, wenn das Nagelstudio wochenlang geschlossen ist?

    Was mir jedoch völlig schleierhaft ist: Warum sorgt sich der Corona-Nanny-Staat nicht ebenfalls um den Fitness-Zustand seiner Bevölkerung? Er sorgt sich mittlerweile um so VIELES, aber ausgerechnet die physische Kondition der Menschen ist ihm wurscht? Und das, obwohl ein guter Fitnessgrad neben Vereinzelung (sprich: alleine zu Hause auf dem Sofa hocken und 24/7 Paprikachips in sich reinstopfen), Maske tragen und 2m-Abstandsregel einhalten sicher eine veritable Krankheitsprophylaxe (iSv. milderer Verlauf bei Infektion) bedeutet? Woran liegt die beinahe schon grob fahrlässige Vernachlässigung dieses Aspekts? Weil unsere Politiker selber alle keinen Sport treiben? Weil sich der Staat aus unserer individuellen Fitness heraushalten möchte; die sei Privatsache? Derselbe Staat, der mir an Weihnachten und Silvester vorschreibt, wie viele Verwandte ich treffen darf? Weil das Geld für eine bundesweite Trimm-dich-Kampagne fehlt? Falls ja: dann sollte es schleunigst im Haushalt bereitgestellt werden.

    Mal wieder meine Großmutter väterlicherseits

    Es wird ständig gepredigt, was wir alles NICHT tun dürfen. Bin ich d’accord: In Zeiten einer Pandemie darf man halt einiges bis hin zu vieles nicht machen. Bis das Virus abebbt und/ oder Herdenimmunität qua Impfung erreicht ist. Es wird jedoch viel zu wenig gesagt, was wir alternativ tun können, um gesund durch die harten Lockdown-Wochen zu kommen. Kann ja nicht sein, dass Aerobic mit Pamela Reif und Peloton-Ergometer-strampeln die einzigen vernünftigen Indoor-Fitness-Angebote darstellen.

    Weshalb bieten unsere Öffentlich-Rechtlichen nicht 3x täglich ein kleines Zirkeltraining für die Couch-Kartoffeln an? Fände ich in Corona-Zeiten sinnvoller, als eine dumme Vorabendserie gefolgt von einer noch dümmeren Spiel-Show nach der anderen über den Äther zu jagen. Und der größte Irrsinn von allem: Wir schließen sämtliche Sportstätten und Fitnessstudios. Einrichtungen, die sich seit Monaten an sämtliche Hygienekonzepte halten und dafür Sorge tragen, dass zumindest der Teil der Bevölkerung, der sich fit halten will, das auch tun kann. Stattdessen beordern wir alle in die häusliche Isolation und wundern uns im nächsten Frühjahr darüber, dass der durchschnittliche Body-Mass-Index um 3 Punkte angestiegen und die Hälfte der ü50-Jungsenioren ohne Treppenlift alsbald nicht mehr in der Lage ist, vom Wohnzimmersofa aus das Schlafzimmer zu erreichen.

    Meine Großmutter väterlicherseits, die die Spanische Grippe, zwei Weltkriege und die Hungerjahre nach WK2 durchgemacht hatte, gab mir folgenden Ratschlag mit fürs Leben: Ernähre dich gesund und maßvoll (was ich in Corona-Jahr 1 ganz augenscheinlich nicht getan habe), beweg dich oft an der frischen Luft, lauf die Treppe hoch, so lange du kannst, geh vor Mitternacht schlafen und halte dich von Drogen fern, dann wirst du selten krank und wenn du zwischendurch nicht versehentlich vor eine Straßenbahn läufst, dann erlebst du wahrscheinlich sogar deinen 90-sten Geburtstag. Sie selbst wurde 97, war so gut wie nie krank und schlief an einem sonnigen Samstagmittag friedlich im Kreis ihrer Kinder ein.

    Mehr Sport ist auch ne Form der Prophylaxe

    Bei allem Respekt, aber Ihre Großmutter väterlicherseits hatte Null Ahnung von Sars-CoV-2, sagen Sie? Stimmt; jedoch hatte Sie ne Menge Ahnung von der Vorteilhaftigkeit eines intakten Immunsystems und hielt Sport – so lange man ihn in Maßen betreibt – für eine vernünftige Sache. Und Sie war dabei NIE eine Verfechterin von Bachblüten-Therapien und ähnlichem esoterischen Unfug. Sie würde sich – so sie heute noch lebte – auch an sämtliche Vorgaben halten gem. dem Motto, „In Zeiten einer Pandemie ist Vorsicht eine Tugend“. Was allerdings als Gegenbeweis, dass ein mittels sportlicher Aktivität und gesunder Ernährung gewappneter Körper dem Virus genauso schutzlos ausgeliefert ist wie alle anderen übergewichtigen und Fitness-verwahrlosten Körper auch, nicht taugt. Man kann ja durchaus beides tun – also AHA-Regeln befolgen und zusätzlich aufs Ergometer steigen –, anstatt mit der Chipstüte auf dem Sofa zu sitzen und 24/7 durch Netflix zu zappen.

    Deshalb mein Appell: Sportstätten und Fitnessstudios sollten schnell wieder geöffnet werden. Die sind Minimum genauso systemrelevant wie Friseure und Blumenläden. Wenn nicht sogar systemrelevanter.

    Was mit meiner eigenen Gewichtsreduktion ist, wollen Sie noch wissen?
    Eineinhalb Kilo sind schon runter – was evtl. an ner kräftigen Morgenverdauung heute Morgen liegen kann –, 4 weitere sollen bis Ende Januar purzeln. Ich habe es vor ein paar Jahren geschafft, auf zwei Pullen Wodka am Tag zu verzichten, da werde ich doch auch noch mit Nutellabrötchen, Keksen, Sonntagnachmittag-gedeckter-Apfelkuchen und Dosenravioli mit Extrasahne fertig werden. Andernfalls lasse ich mir den Magen verkleinern, denn so kann es auf keinen Fall in Corona-Jahr 2 weitergehen, sonst bin ich im nächsten Winter dreistellig auf der Waage. Eine post-apokalyptische Horrorvorstellung!

  • Dickes Kind hängt am Zucker wie der Junkie an der Nadel

    Dickes Kind hängt am Zucker wie der Junkie an der Nadel

    Gestern holte ich mir im Bonner HBF zur Abwechslung mal die Frankfurter Rundschau und entdeckte auf Seite 2 den hochinteressanten Artikel Die tägliche Überdosis: Zucker und Gesundheit, in dem unter anderem der Frage nachgegangen wird, ob Softdrinks als flüssige Krankmacher anzusehen sind, die Fettleibigkeit und Diabetes verursachen. Eine Stunde später stoppte ich beim Rewe in Bad Honnef, um mir Tabasco und Kaffeepads zu besorgen. Das hätte ich besser nicht getan, denn im Laden war die Hölle los, und ich stand mit meinem 4.87€-Einkauf zwanzig Minuten an der Kasse. Und während ich so vor mich hin wartete, sah sie wieder: die dicken Familien, die ihre vollgeladenen Wagen durch die Gänge schoben, dabei unablässig nach links und rechts in die Regale greifend. Ich ertappte mich in Gedanken dabei, wie ich ihnen auf die gierigen Finger klopfen und sagen will: »Jetzt ist aber genug!« Ich tu’s es nicht, weil ich nicht oberlehrerhaft erscheinen möchte und es mich ja auch nichts angeht. Jeder Erwachsene ist selbst dafür verantwortlich, welche (Un-) Menge an Kalorien er sich täglich reinschaufelt. Schwierig wird’s aber, wenn Eltern ihre Kinder mit Fanta, Erdnussriegeln, TK-Pizza und Schokopudding im Kingsize-Format vergiften.

    RKI und WHO warnen seit Jahren

    Um nun dem Eindruck entgegenzutreten, der Hirsch regt sich gerne über Sachen auf, die er sich bloß in seinem kranken Hirn zusammenfantasiert; da ist wie immer nichts dran – hier ein paar Zahlen und Zitate:

    Zwei Drittel der Männer (67 %) und die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland sind übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen (23 % der Männer und 24 % der Frauen) ist stark übergewichtig (adipös).

    Die Prävalenz von Adipositas hat in den letzten zwei Dekaden weiterhin zugenommen, besonders bei Männern und im jungen Erwachsenenalter.
    © Robert Koch-Institut 2014, Studie DEGS1, Erhebung 2008–2011

    Die Berliner Zeitung zitiert in diesem Zusammenhang aus einer Studie, die von der Weltgesundheitsorganisation in Auftrag gegeben wurde:

    Weltweit sind Forschern zufolge mehr als zwei Milliarden Menschen übergewichtig oder gar fettleibig. Eine Studie zeigt nun, dass der Anteil fettleibiger Menschen an der Weltbevölkerung rasch gestiegen ist – vor allem unter Kindern. Demnach hat sich der Prozentsatz fettleibiger Menschen von 1980 bis 2015 in mehr als 70 Ländern verdoppelt, in den meisten anderen Staaten sei er zumindest stetig nach oben gegangen, schreibt das internationale Forscherteam im „New England Journal of Medicine“

    „Die Häufigkeiten von Fettleibigkeit und Übergewicht bei europäischen Kindern verharren auf einem beispiellosen Niveau“, heißt es in dem Bericht. Deutschland belegt beim Anteil übergewichtiger Kinder einen Platz im europäischen Mittelfeld. Demnach waren hierzulande 16,5 Prozent der untersuchten Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren übergewichtig.

    Aha, denke ich. Liege ich also doch nicht verkehrt mit meiner Einschätzung, dass ich heute mehr Fetten als in der Zeit meiner Jugend begegne. Früher gab’s einen Dicken pro Klasse, heute gilt jeder fünfte Pennäler als übergewichtig. Als 15jähriger Austauschschüler in den USA war ich Ende der 70er erstaunt über den dort zu beobachtenden Splitt in extrem dicke und sportliche Menschen gewesen. In den 80ern wiederholte ich diese Beobachtung bei Studienaufenthalten in England. Auch dort begegnete ich mehr Fettleibigkeit als bei uns zu Hause. Sie essen halt ungesünder, davon dann auch ne Menge, und bewegen sich weniger als wir, dachte ich damals und freute mich über die schlanke Stewardess, die mich mit wohlvertrautem rheinischen Singsang an Bord des Lufthansaflugs von London nach Köln begrüßte.

    Adipositaswelle ergreift Europa

    Zwanzig Jahre später raste der Adipositastsunami über den Atlantik, durchquerte mit kurzem Zwischenstopp im Vereinigten Königreich den Ärmelkanal, um dann mit voller Wucht über Kontinentaleuropa hereinzubrechen. Seitdem werden die Lebensmittelgeschäfte leergekauft. Die Angestellten kommen kaum hinterher, die Regale wiederaufzufüllen und neue Paletten aus dem Lagerraum ranzukarren. Als ob seit der Jahrtausendwende das große Fressen ausgebrochen ist und nicht mehr aufhören will.

    Die Gründe für die moderne Fettleibigkeit sind mannigfaltig: zu wenig Zeit, um gesund zu kochen, ständig erweitertes Angebot hochkalorischer Fertigprodukte, zu viel Zucker in Getränken und Nahrungsmitteln, Fastfood an jeder Straßenecke, suchtartiges Verlangen nach Süßem und Salzgebäck, der virtuelle Ronaldo in der Playstation ersetzt das reale Kicken draußen auf der Straße, finanzielle Einschränkungen: mit sinkendem Einkommen steigt die Tendenz, sich schnell und ungesund zu ernähren. Man kann es natürlich auch simpler erklären: Es wird kontinuierlich mehr oben nachgefüllt, als durch Bewegung in der Mitte und Stuhlgang unten verbraucht werden.

    Ist der Durchschnitts-BMI bei Erwachsenen „nur“ als besorgniserregend einzustufen, so ist es bei Kindern allerdings ein Verbrechen, deren Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten derart aus dem Ruder laufen zu lassen, bis sie in der 24/7-Hungerfalle sitzen und sich weigern, zu Fuß bis in die zweite Etage zu steigen.

    Lösungsmöglichkeiten sind bekannt

    Nun ist Dickwerden keine Gottesgeißel, der man machtlos ausgeliefert wäre und gegen die bloß Beten hilft. Lösungen für Kinder und Jugendliche liegen seit Jahren auf dem Tisch und lassen sich in drei Überschriften zusammenfassen:
    (A) Gesunde Ernährung in Elternhaus und Schule
    (B) Reduzierte Aufnahme stark zuckerhaltiger und hochkalorischer Snacks und Softdrinks
    (C) Tägliche Bewegung

    Einsicht und Freiwilligkeit sind immer begrüßenswert; reichen allerdings beim Thema „falsche Ernährung“ nicht aus, um das Problem in den Griff zu bekommen. Nach wie vor werden unsere Kinder von morgens bis abends mit Haribo- & Milka-Werbung zugeballert. Die Supermärkte sind vollgestopft mit Gummibärchen, Keksen, Salzstangen und Erdnüssen. Und wer es als Mutter geschafft hat, sein Kind an all den Krankmachern vorbeizubugsieren, auf den warten an der Kasse das Regal mit den Bonbons, Weingummis und der kleinen Prinzenrolle, direkt daneben die Kühltheke mit dem abgepackten Eiskonfekt. Spätestens hier ist der Schreikrampf des bisher leer ausgegangenen Sprösslings vorprogrammiert.

    Foodwatch sagt dazu:
    Längst ist belegt, dass freiwillige Vereinbarungen nicht funktionieren. Die Hersteller machen die größten Profite mit Süßkram, Zuckergetränken und Knabberartikeln. Freiwillig werden sie nicht damit aufhören, genau diese Produkte an Kinder zu bewerben und deren Geschmack schon früh zu prägen.

    Gebot der Stunde: Warnhinweise

    Da es sich um ein kombiniertes Angebot-Nachfrage-Phänomen handelt – ohne den Snack im Regal könnte das Kind den nicht essen und süchtig nach dem Stoff werden –, muss hier ebenfalls die Industrie in die Verantwortung genommen werden: Verpflichtung zu drastischer Reduktion des Zuckeranteils bei gleichzeitigen Warnhinweisen auf den Packungen, was alles passieren kann, wenn man den Konsum nicht drosselt. Und weg mit der speziell auf Kinder zielenden Süßigkeitenwerbung im TV. Die ist von den gesundheitlichen Auswirkungen her als genauso problematisch wie Alkoholspots einzustufen. Und mir jetzt nicht mit der Mündigkeit der Verbraucher kommen. Kinder sind alles mögliche, aber bestimmt nicht mündig.

    Mir leuchtet partout nicht ein, weshalb wir auf jeder Wurst und jedem Käse minutiös über die Inhaltsstoffe informiert werden, aber auf Mars, Snickers, Bounty, Kinderüberraschungseiern nicht klar und deutlich draufsteht, wie viele Kalorien und Zucker darin enthalten sind, und wie lange wir benötigen, um das Zeug wieder zu verdauen. Weshalb Ekelbilder einzig auf Zigarettenpackungen und nicht ebenfalls auf Chips und Erdnussflips? Warum keine Zuckersteuer und keine Preisaufschläge auf krankmachende Süßigkeiten? Totenköpfe auf Coke und Pepsi: könnte ich mit leben.

    Mehr Sport und Ernährungskunde an den Schulen

    Bei Eltern, die tatenlos zusehen, wie ihre Söhne und Töchter sich dem BMI 30 annähern, müssen Lehrer und im Wiederholungsfall das Jugendamt vorstellig werden. Zehn- oder gar Zwölfjährige, die beim 1000m-Lauf bereits nach einer Runde um den Platz entkräftet und weinend zusammenklappen, gab es zu meiner Schulzeit nicht. Heute ist dieses konditionelle Unvermögen so normal, dass die Pädagogen bloß noch resignierend mit den Schultern zucken. Sehr viel dringender als schnelles Internet und Hotspots benötigen wir deshalb deutlich mehr Sportunterricht und Ernährungskunde an den Schulen. Am besten flankiert von einer Kampagne: TK-Pizza und nachmittags auf der Couch rumlungern sind total uncool!

    Ein wichtiges Betätigungsfeld für einen Gesundheitsminister. Herr Spahn könnte sich mit einem bundesweiten Aktionsplan „BMI an den Schulen runter“ hundertpro große Meriten erwerben. Vielleicht sagt ihm das mal jemand; denn Meriten mag er eigentlich sehr gerne. Aber eher wird der Papst das Zölibat aufheben, als dass wir erleben dürfen, wie die Politik der täglichen Vergiftung unserer Kinder durch Cola und Schokoriegeln den Kampf ansagt.

    Also fressen wir munter weiter und wundern uns nicht, dass die Konfektionsgröße XL demnächst kontinentaleuropäisches Standardmaß sein wird.