Schlagwort: Fitness

  • Gesund sterben wollen wir alle, oder …

    Gesund sterben wollen wir alle, oder …

    „Du gehst doch jeden Tag ins Fitnessstudio“, sagt die alte Schulfreundin, und es klingt leicht vorwurfsvoll, wie sie das sagt.
    „Nur 5x/Woche“, antworte ich.
    „Das ist 5x mehr als ich und die meisten meiner Freundinnen.“
    „Nicht mein Problem.“
    „Was machst du da so oft? Läufst du vor dem Tod davon? Denn dass du in deinem fortgeschrittenen Alter attraktiver wirst, glaubst du doch nicht wirklich?“
    „Ich mach’s, weil ich es halt mache.“
    „Na, das ist ja mal wieder eine superschlaue Antwort … aber weißt du was: Du könntest darüber einen Ratgeber schreiben.“
    „Einen Ratgeber?“
    „Genau: einen Ratgeber. Tenor: Warum ich 5x/Woche zum Training gehe, wissend, dass es wenig bringt, weil mein Körper seine beste Zeit definitiv hinter sich hat. Welches tiefere Geheimnis verbirgt sich hinter dem Fitnesswahn von Rentnern?“
    „Ich bin kein Rentner!!!“
    „Aber bald … so ein ü60-Ratgeber wäre sicher ein Verkaufsschlager. Fang klein an mit 1 Kolumne. Damit beschäftigst du dich doch gerne, wenn du ausnahmsweise mal nicht an der Klimmzugstange hängst.“
    „Ich überleg’s mir.“
    „Aber überlege nicht zu lange; denn eines nicht fernen Tages fällst du tot vom Laufband. Und vorher solltest du auf jeden Fall das Manuskript fertiggestellt haben.“
    +++

    Okay, hier der erste Versuch – mit Betonung auf der Vergeblichkeit des (Training-) Tuns, so wie es die alte Schulfreundin gerne hören bzw. lesen möchte:

    Wandelndes Mahnmal

    Mit 60 geht man nicht mehr ins Fitnessstudio, man entschuldigt sich: für den Zustand des Körpers, für die seufzenden Geräusche, die einem auf der Hantelbank (oral!) entfahren, für die langsame Fortbewegung zwischen den Geräten. Man ist nicht Kunde, man ist Mahnmal. Ein lebender Beweis dafür, dass Zeit keine Gnade kennt und dass gute Vorsätze irgendwann aussehen wie orthopädische Maßnahmen. Man kommt nicht, um etwas zu werden, sondern um nicht ganz zu verfallen. Der Körper ist kein Aufbauprojekt mehr, sondern ein Sanierungsfall.

    Trainiert wird trotzdem.

    Nicht aus Hoffnung. Hoffnung wäre unangebracht. Hoffnung setzt einen Spielraum voraus, den es nicht mehr gibt. Ich trainiere, weil ich es tue. Weil es in meinem Alter verdächtig wäre, es nicht zu tun. Stillstand gilt als Geständnis. Wer stehen bleibt, hat kapituliert. Und Kapitulation führt unweigerlich zum vorzeitigen Tod.

    Das Fitnessstudio ist kein Ort der Gesundheit. Es ist ein Ort der Flucht. Niemand kommt hierher, weil er glaubt, etwas grundlegend zu verbessern. Wir kommen, weil wir glauben, etwas hinauszuzögern. Zeit. Abbau. Ende. Das reicht als Motivation.

    Der Tod sieht schweigend zu

    Ich steige auf das Laufband. Das ist mein bevorzugter Fluchtweg. Er ist begrenzt, überwacht und vollkommen sinnlos. Ich laufe, ohne voranzukommen. Ich bleibe exakt dort, wo ich bin, und tue so, als würde ich entkommen. Das ist ehrlich. Ehrlicher als jede andere Form von Aktivität in diesem Alter. Der Tod läuft nicht hinter mir her. Er steht irgendwo und wartet. Geduldig. Ohne Pulsuhr. Ich weiß das. Ich laufe trotzdem. Nicht, um schneller zu sein, sondern um beschäftigt zu wirken. Wer läuft, sieht aus, als hätte er noch etwas vor.

    Das Display zeigt Zahlen. Zahlen sind wichtig. Sie ersetzen Bedeutung. Geschwindigkeit, Distanz, Kalorien. Alles messbar. Alles ohne Konsequenz. Der Tod interessiert sich nicht für Zahlen. Aber Zahlen beruhigen mich. Sie sagen mir, dass etwas passiert. Auch wenn nichts passiert.

    Der Körper macht die Flucht schwer. Er ist schwerfällig, laut, widerständig. Die Gelenke melden sich bei jedem Schritt. Sie knacken, knirschen, melden Bedenken an. Früher war mein Körper still. Heute kommentiert er alles. Er ist kein Werkzeug mehr, sondern ein Protokoll.

    Ich ignoriere ihn. Flucht ist kein Gespräch. Flucht ist ein Monolog.

    Trainieren, um nicht zu verfallen

    Die Geräte im Studio sind für junge Körper konzipiert. Sie gehen von Voraussetzungen aus, die bei einem 60-jährigen längst entfallen sind: Beweglichkeit. Belastbarkeit. Regeneration. Ich passe mich an. Langsamer. Vorsichtiger. Mit der stillen Hoffnung, dass nichts reißt, was nicht wieder zusammenwächst.

    Ich trainiere nicht, um besser zu werden. Ich trainiere, um nicht schlechter zu werden. Und selbst das gelingt nur eingeschränkt. Jede Woche kostet mehr als die vorherige. Mehr Zeit. Mehr Konzentration. Mehr Erholung. Der Ertrag schrumpft. Das ist kein Training, das ist Verwaltung.

    Um mich herum schwitzen andere. Manche glauben noch an Fortschritt. Andere tun zumindest so. Ich habe diese Phase hinter mir. Ich schwitze nicht, weil ich glaube, dass es etwas bringt. Ich schwitze, weil Schweiß in diesem Kontext als Einsatz gilt. Wer schwitzt, darf behaupten, er habe es versucht.

    Ich hebe angestrengt Gewichte, mit denen ich mich früher aufgewärmt habe. Heute sind sie Arbeit. Harte Arbeit. Nicht heroisch, nicht beeindruckend. Nur notwendig, um das Gefühl zu vermeiden, endgültig abgehängt zu sein. Wer nichts mehr hebt, hebt irgendwann nur noch Erinnerungen.

    Zwischen den Sätzen pausiere ich länger als früher. Ich nenne es bewusstes Atmen. In Wahrheit sammle ich mich. Mein Körper braucht diese Pausen. Er fordert sie ein. Ignorieren kann ich seinen Wunsch nur bis zu einem gewissen Punkt.

    Ich weiß, dass ich hier niemanden täusche. Am wenigsten mich selbst. Ich werde nicht fitter im klassischen Sinn. Ich verfalle etwas langsamer. Das ist der Maßstab. Nicht mehr Leistungssteigerung, sondern Funktions­erhalt. Und selbst der ist fragil.

    Flucht auf dem Laufband

    Ich laufe weiter. Auf dem Laufband. Wieder und wieder. Es ist eine Flucht ohne Hoffnung auf Erfolg. Aber es ist Bewegung. Und Bewegung ist die letzte akzeptierte Form des Widerstands.

    Sitzen ist gefährlich. Sitzen signalisiert Aufgabe. Wer sitzt, gehört bald nicht mehr dazu. Wer sitzt, wird angesprochen. Behandelt. Geschont. Ich will nicht geschont werden. Ich will noch ignoriert werden dürfen. Dafür muss ich laufen.

    Ich laufe nicht, um dem Tod zu entkommen. Ich laufe, um ihm zu zeigen, dass ich ihn wahrgenommen habe. Dass ich nicht einfach stehen geblieben bin. Dass ich wenigstens versucht habe, ihm nicht kampflos entgegenzugehen.

    Natürlich wird er mich einholen. Das steht außer Frage. Die Frage ist nur, in welchem Zustand. Laufend oder sitzend. Beschäftigt oder wartend. Aktiv oder abgestellt.

    Vergebliche Liebesmüh

    Das Training im Alter ist nahezu vergeblich. Das weiß ich. Jeder hier weiß es. Aber niemand spricht es aus. Vergeblichkeit ist schlecht fürs Geschäft. Also reden wir von „dranbleiben“, von „Kontinuität“, von „Lebensstil“. Große Worte für kleine Effekte. Das Training ändert nichts am Ausgang. Es ändert nur die Haltung. Wer läuft und fleißig Gewichte stemmt, stirbt nicht besser. Aber vielleicht später. Vielleicht noch nicht mal das. Egal. Wichtig ist nur, dass man nicht kampflos aufgibt.

    Das Fitnessstudio ist kein Ort der Hoffnung. Es ist ein Wartesaal auf den Tod mit Bewegungspflicht und Spiegeln. Wer hier ist, hat verstanden, dass es keine Lösung gibt. Nur Beschäftigung.

    Solange ich laufe, sitze ich nicht.
    Solange ich laufe, bin ich nicht fertig.
    Solange ich laufe, tue ich so, als hätte ich noch Zeit.

    Mehr verlange ich nicht.

    PS. Ob dieser– zugegebenermaßen leicht depressive – Text der Schulfreundin gefallen wird? Wenn ich ihn mir jetzt am Ende noch mal durchlese, kommen mir doch Zweifel, ob er ihr zusagt. Denn insgeheim findet sie es ja gut, dass ich 5x/Woche trainieren gehe. Egal. Notfalls schreibe ich morgen eine neue Kolumne mit etwas heiterer Grundnote.
    +++

    Lesen Sie auch: Australien wirft Jugendliche aus Social Media raus: mutig oder naiv?

  • Nie war ich so fett wie heute oder …

    Nie war ich so fett wie heute oder …

    2020 war das Corona-Jahr. Nicht nur draußen in der realen Welt, sondern ebenfalls ganz heftig in den beiden virtuellen Paralleluniversen Facebook & Twitter und natürlich auch bei uns Kolumnisten. Es verging seit Februar kaum ein Monat, in dem wir uns nicht aus dem ein oder anderen Blickwinkel mit Covid-19 beschäftigten. Ging es am Anfang noch darum, das Problembewusstsein für diese neue Form der Bedrohung zu wecken und zu schärfen, handelten unsere späteren Artikel von Grundrechten in Zeiten von Corona über Nachhilfe für den Corona-Widerstand, gefolgt von Aus deutschen Schlachthöfen bis hin zu aktuell Impfpflicht?. Grob geschätzt zwei Dutzend Beiträge kann man finden, wenn man bei den Kolumnisten das Schlagwort Corona in die Suchmaske tippt. in Man sollte also meinen, zu Sars-CoV-2 wurde mittlerweile ALLES gesagt, was es dazu zu sagen gibt. Stimmt auch nahezu. Einzig ein wichtiger Aspekt scheint mir bisher völlig zu kurz gekommen zu sein.

    Welcher wichtige Aspekt soll das denn sein, fragen Sie mich?
    Moment, ich erkläre es gleich.

    Stay (dauerhaft) at home -> Gewichtsexplosion

    An Heiligabend, 16 Uhr war es mal wieder so weit: Ich passte nicht mehr in den Heiligabend-Anzug, den ich in den vergangenen Jahren getragen hatte, hinein. Das war mir zuletzt 1997 oder 98 passiert. Da es am Heiligabend um 16 Uhr erfahrungsgemäß schwierig ist, einen Ersatzanzug zu kaufen oder zu leihen und die Änderungsschneiderin, die das Problem 1997 (oder 98) gelöst hatte, mittlerweile verstorben ist, bot sich die beste aller Töchter an, den Knopf so weit zu versetzen, dass ich für die Zeitdauer eines Abends eine geschlossene Hose zumindest simulieren konnte. Beim Jackett, das ebenfalls arg spannte, half der Tipp eines Facebook-Bekannten: „Sakkos immer offen tragen.“ Mit diesen kleinen Tricks kam ich durch den Heiligabend, besorgte mir an Silvester eine neue Batterie für meine Waage, die ich allerdings erst am Neujahrstag bestieg, um mir den Jahreswechsel nicht unnötig zu versauen, und siehe da, wenig erstaunlich, die Nadel zeigte 8 (!!) Kilo mehr als am Jahresbeginn 2020. Kein Wunder, dass viele meiner Hosen und Hemden mittlerweile arg zwickten, was ich bisher stets auf zu heiß eingestellte Programme in der Waschmaschine zurückgeführt hatte. Mich zugegebenermaßen hin und wieder darüber wunderte, weshalb ebenfalls Hosen und Hemden, die vorher gar nicht in der Waschmaschine gewesen waren, ebenfalls arg zwickten; aber lieber ein paar Stunden lang die Luft anhielt und den Bauch einzog, als mich mit dem immer offensichtlicher aus dem Hosenbund quellenden Thema des Corona-bedingten Aus-dem-Leim-gehens auseinanderzusetzen.

    Eine nicht ganz repräsentative telefonische Umfrage unter meinen Freunden und Bekannten ergab, dass 37 Prozent der in etwa gleich alten (also: gleich alt wie ich) Männer und sogar 42 der Frauen vom selben Phänomen berichteten: überproportionale Gewichtszunahme in Corona-Jahr 1. Und da natürlich nicht alle bei einer Telefonbefragung, zumal bei solch einer heiklen Sache wie dem Gewicht, ehrlich antworten, selbst wenn man ihnen komplette Anonymisierung der Daten garantiert, ist die Dunkelziffer hoch und es steht mithin zu befürchten, dass zu den eben genannten 37 und 42 Prozent jeweils nochmal ne Kalorien- bzw. Kilo-Schippe draufgelegt werden muss. Nicht wenige meiner Interview-Partner berichteten zudem von gravierenden Fitness-Einbußen. Einige, die vorher mühelos zehn Treppen steigen konnten, nehmen nun den Lift, um in den ersten Stock zu gelangen.

    Isolierung ja, aber mit Verstand

    An dieser Stelle wollen wir das individuelle Der-Hirsch-bekommt-den-Reißverschluss-seiner-Hose-nicht-mehr-zu-Thema verlassen und versuchen, die Problematik der Gewichtszunahme im Verein mit gleichzeitiger Fitness-Reduktion aus der Meta-Perspektive der nationalen Gesundheit (das ist nicht dasselbe wie die nationale Sicherheit, die in Hollywood-Filmen ständig bedroht wird; aber alles, wo national davor steht ist auf jeden Fall von großer Bedeutung) zu betrachten. Denn um unsere Gesundheit dreht sich seit 9 Monaten ja beinahe alles. Was auch vollkommen richtig ist. Gesundheit ist wichtiger als im Homeoffice kratze ich so langsam den Kitt aus den Fensterritzen und ich hasse es, beim Bäcker 20 Minuten draußen zu warten, bis ich endlich meine 3 Brötchen bekomme oder gar was mache ich mit meinen Fingernägeln, wenn das Nagelstudio wochenlang geschlossen ist?

    Was mir jedoch völlig schleierhaft ist: Warum sorgt sich der Corona-Nanny-Staat nicht ebenfalls um den Fitness-Zustand seiner Bevölkerung? Er sorgt sich mittlerweile um so VIELES, aber ausgerechnet die physische Kondition der Menschen ist ihm wurscht? Und das, obwohl ein guter Fitnessgrad neben Vereinzelung (sprich: alleine zu Hause auf dem Sofa hocken und 24/7 Paprikachips in sich reinstopfen), Maske tragen und 2m-Abstandsregel einhalten sicher eine veritable Krankheitsprophylaxe (iSv. milderer Verlauf bei Infektion) bedeutet? Woran liegt die beinahe schon grob fahrlässige Vernachlässigung dieses Aspekts? Weil unsere Politiker selber alle keinen Sport treiben? Weil sich der Staat aus unserer individuellen Fitness heraushalten möchte; die sei Privatsache? Derselbe Staat, der mir an Weihnachten und Silvester vorschreibt, wie viele Verwandte ich treffen darf? Weil das Geld für eine bundesweite Trimm-dich-Kampagne fehlt? Falls ja: dann sollte es schleunigst im Haushalt bereitgestellt werden.

    Mal wieder meine Großmutter väterlicherseits

    Es wird ständig gepredigt, was wir alles NICHT tun dürfen. Bin ich d’accord: In Zeiten einer Pandemie darf man halt einiges bis hin zu vieles nicht machen. Bis das Virus abebbt und/ oder Herdenimmunität qua Impfung erreicht ist. Es wird jedoch viel zu wenig gesagt, was wir alternativ tun können, um gesund durch die harten Lockdown-Wochen zu kommen. Kann ja nicht sein, dass Aerobic mit Pamela Reif und Peloton-Ergometer-strampeln die einzigen vernünftigen Indoor-Fitness-Angebote darstellen.

    Weshalb bieten unsere Öffentlich-Rechtlichen nicht 3x täglich ein kleines Zirkeltraining für die Couch-Kartoffeln an? Fände ich in Corona-Zeiten sinnvoller, als eine dumme Vorabendserie gefolgt von einer noch dümmeren Spiel-Show nach der anderen über den Äther zu jagen. Und der größte Irrsinn von allem: Wir schließen sämtliche Sportstätten und Fitnessstudios. Einrichtungen, die sich seit Monaten an sämtliche Hygienekonzepte halten und dafür Sorge tragen, dass zumindest der Teil der Bevölkerung, der sich fit halten will, das auch tun kann. Stattdessen beordern wir alle in die häusliche Isolation und wundern uns im nächsten Frühjahr darüber, dass der durchschnittliche Body-Mass-Index um 3 Punkte angestiegen und die Hälfte der ü50-Jungsenioren ohne Treppenlift alsbald nicht mehr in der Lage ist, vom Wohnzimmersofa aus das Schlafzimmer zu erreichen.

    Meine Großmutter väterlicherseits, die die Spanische Grippe, zwei Weltkriege und die Hungerjahre nach WK2 durchgemacht hatte, gab mir folgenden Ratschlag mit fürs Leben: Ernähre dich gesund und maßvoll (was ich in Corona-Jahr 1 ganz augenscheinlich nicht getan habe), beweg dich oft an der frischen Luft, lauf die Treppe hoch, so lange du kannst, geh vor Mitternacht schlafen und halte dich von Drogen fern, dann wirst du selten krank und wenn du zwischendurch nicht versehentlich vor eine Straßenbahn läufst, dann erlebst du wahrscheinlich sogar deinen 90-sten Geburtstag. Sie selbst wurde 97, war so gut wie nie krank und schlief an einem sonnigen Samstagmittag friedlich im Kreis ihrer Kinder ein.

    Mehr Sport ist auch ne Form der Prophylaxe

    Bei allem Respekt, aber Ihre Großmutter väterlicherseits hatte Null Ahnung von Sars-CoV-2, sagen Sie? Stimmt; jedoch hatte Sie ne Menge Ahnung von der Vorteilhaftigkeit eines intakten Immunsystems und hielt Sport – so lange man ihn in Maßen betreibt – für eine vernünftige Sache. Und Sie war dabei NIE eine Verfechterin von Bachblüten-Therapien und ähnlichem esoterischen Unfug. Sie würde sich – so sie heute noch lebte – auch an sämtliche Vorgaben halten gem. dem Motto, „In Zeiten einer Pandemie ist Vorsicht eine Tugend“. Was allerdings als Gegenbeweis, dass ein mittels sportlicher Aktivität und gesunder Ernährung gewappneter Körper dem Virus genauso schutzlos ausgeliefert ist wie alle anderen übergewichtigen und Fitness-verwahrlosten Körper auch, nicht taugt. Man kann ja durchaus beides tun – also AHA-Regeln befolgen und zusätzlich aufs Ergometer steigen –, anstatt mit der Chipstüte auf dem Sofa zu sitzen und 24/7 durch Netflix zu zappen.

    Deshalb mein Appell: Sportstätten und Fitnessstudios sollten schnell wieder geöffnet werden. Die sind Minimum genauso systemrelevant wie Friseure und Blumenläden. Wenn nicht sogar systemrelevanter.

    Was mit meiner eigenen Gewichtsreduktion ist, wollen Sie noch wissen?
    Eineinhalb Kilo sind schon runter – was evtl. an ner kräftigen Morgenverdauung heute Morgen liegen kann –, 4 weitere sollen bis Ende Januar purzeln. Ich habe es vor ein paar Jahren geschafft, auf zwei Pullen Wodka am Tag zu verzichten, da werde ich doch auch noch mit Nutellabrötchen, Keksen, Sonntagnachmittag-gedeckter-Apfelkuchen und Dosenravioli mit Extrasahne fertig werden. Andernfalls lasse ich mir den Magen verkleinern, denn so kann es auf keinen Fall in Corona-Jahr 2 weitergehen, sonst bin ich im nächsten Winter dreistellig auf der Waage. Eine post-apokalyptische Horrorvorstellung!