Schlagwort: Jubiläum

  • Bei Hank im Wohnzimmer

    Bei Hank im Wohnzimmer

    „Du feierst alsbald ein Jubiläum“, sagt Gisela, unsere virtuelle Redaktionsassistentin.
    „Was für’n Jubiläum?“, frage ich verwundert.
    „Deine 250-ste Kolumne.“
    „WAS??? SO VIELE???“
    „Ja. Wir sind so stolz auf dich.“

    „Und nun soll ich bestimmt ne Jubiläums-Kolumne schreiben, mit ner Menge unsinnigem Jubiläumskram drin.“
    „Du könntest dich auf deine Wurzeln rückbesinnen.“
    „Das Bonner Westend, wo ich aufgewachsen bin?“
    „Nein, deine allererste Kolumne.“
    „Die ist lange her. Hilf mir auf die Sprünge.“

    „Du hast dich bei Bukowski ins Wohnzimmer gesetzt und mit deinem literarischen Idol unterhalten.“
    „Stimmt, erinnere mich dunkel. Hab ich damals noch getrunken?“
    „Du warst schon ein paar Jahre trocken.“
    „Dann waren weniger Tippfehler drin.“

    „Die Redaktion hat den Hut rumgehen lassen und zusätzlich die Kaffeekasse geplündert und spendiert dir 1 Nacht im Tropicana Motel. Das gefiel dir doch so gut.“
    „Damit ich mich nach all den Jahren wieder mit Hank verabrede? Wahrscheinlich hat der kurzfristig gar keinen Termin frei.“
    „Längst alles arrangiert. Du triffst dich übermorgen mit ihm in East Hollywood. Touristenvisum habe ich ebenfalls klargemacht … jetzt benötige ich bloß noch deine Kreditkarte“, flötet Gisela.
    „???“
    „Um die Flugtickets und den Mietwagen zu bezahlen. Für eine eventuell zweite Übernachtung müsstest selbstverständlich auch du aufkommen.“
    „War klar.“

    „Und lösche vor deiner Abreise vorsichtshalber alle Posts in Facebook, in denen du dich negativ über den US-Präsidenten geäußert hast. Andernfalls riskierst du …“
    „… 4 Wochen in einem ICE-Internierungslager … könntest du das bitte für mich tun? Bin in Eile: Will mir noch ein paar schlaue Fragen fürs Interview überlegen und muss vorher dringend zum Friseur.“
    „Ich lösche ALLE kritischen Posts von Henning“, sagt Gisela. Dann legt sie auf.
    +++

    In Hank’s Wohnzimmer

    48 Stunden plus 2 Dutzend Coke Zero & 5 Liter Kaffee und 1 AUSGIEBIGE Einreisekontrolle später: 5124 De Longpre Avenue, Los Angeles, CA 90027.

    Ich sitze wieder bei Hank.
    Im Wohnzimmer.
    East Hollywood.

    Der Bungalow döst in der Hitze wie ein altes Krokodil, das auf seine Verdauung wartet.

    Drinnen riecht es nach billigem Alkohol, Papier und schlechten Entscheidungen.

    Ein kleines Jubiläum

    Ich sehe mich um.
    Bierdosen.
    Papierstapel.
    Die alte Schreibmaschine.
    Alles noch da.

    Hank liegt auf dem Sofa.
    Bademantel.
    Offen.

    Er sitiert mich an.

    „Du siehst aus, als wärst du falsch abgebogen.“

    „Ich habe ein Jubiläum.“

    „Klingt nach 20 Jahre mit der falschen Frau zusammen.“

    „Meine 250ste Kolumne.“

    Er nimmt einen Schluck Bier.

    „Du zählst die?“

    „Manche Leute zählen Schritte. Unsere Redaktionsassistentin zählt Texte.“

    „Hübsch?“

    „Wer?“

    „Eure Redaktionsassistentin.“

    „Ist eine Maschine.“

    „Krasser Scheiß!“

    Was ist eigentlich eine Kolumne?

    „Als ich angefangen habe“, sage ich, „wusste ich nicht mal, was eine Kolumne ist.“

    „Das merkt man vielen Autoren auch nach Jahrzehnten noch an.“

    „Ich habe damals einen Kollegen gefragt.“

    „Das war dein erster Fehler.“

    „Ich fragte: Was ist eine Kolumne?“

    „Und?“

    „Der Kollege sagte: Eine Kolumne ist das, was du darunter verstehst.“

    Hank nickt.

    „Gute Antwort. Heißt: Keiner weiß es so genau.“

    Zwischen einem und einer Million Wörter

    „Dann fragte ich: Wie lang muss so ein Text sein?“

    „Du bist ganz offensichtlich Deutscher.“

    „Er sagte: Zwischen einem und einer Million Wörter.“

    Hank grinst.

    „Das nenne ich mal genügend Spielraum für kreative Freiheit.“

    Der Kerl, der sich bezahlen ließ

    „Ich fragte ihn: Welches Thema?“

    „Jetzt kommt der Teil, wo alles schiefgeht.“

    „Er antwortete: Schreib zuerst über Bukowski. Davon hast du doch ein bisschen Ahnung.“

    Hank setzt sich auf.

    Der Bademantel klafft weit auseinander. Ich bemühe mich, nicht hinzuschauen.

    „Ein bisschen Ahnung“, knurrt er.

    Er zeigt auf sich.

    „Ich habe jahrelang Kolumnen geschrieben.“

    „Ich weiß.“

    „Woche für Woche. „Notizen eines schmutzigen alten Mannes“ …

    … „Ich habe den Dreck aufgeschrieben.
    Die Bars.
    Die Pferde.
    Die Frauen.
    Die Rechnungen …

    … und weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist?“

    „Du hast dich bezahlen lassen.“

    „Verdammt richtig.“

    Du sitzt seit Jahren in meinem Wohnzimmer

    „Nach meinem ersten Besuch hier“, sage ich, „habe ich meiner Kolumne eine Rubriküberschrift gegeben.“

    „Hoffentlich nicht was Deutsch-Verkopftes.“

    „Ich taufte sie: Bei Hank im Wohnzimmer.“

    Mein Gegenüber lässt den Blick durch den Raum wandern.

    Die Dosen.
    Das Sofa.
    Den Teppich.

    „Du sitzt also seit Jahren literarisch in meinem Wohnzimmer.“

    „So ungefähr.“

    Er hebt die Augenbraue.

    „Und ich sehe keinen Cent Miete.“

    Nach fünfzig Texten erlischt das anfängliche Feuer

    Ich zögere kurz, bevor ich weiterrede: „Spätestens nach der fünfzigsten Kolumne merkte ich, dass ich mich geirrt hatte.“

    „Womit?“

    „Mit der Vorstellung, dass man mit Texten die Welt besser machen kann.“

    Hank lacht.

    Es ist kein freundliches Lachen.

    „Du dachtest ernsthaft, Kolumnen retten die Welt?“

    „Vielleicht ein bisschen.“

    „Junge, was für ein romantischer Bullshit.“

    Er lehnt sich zurück.

    „Die Welt ist ein schmutziger Boxring. Und Kolumnisten sind bloß die Leute mit Notizblock am Rand.“

    Idealismus zahlt keine Rechnungen

    „Warum hast du deine Kolumnen geschrieben?“, frage ich.

    Er zuckt mit den Schultern, leert eine Dose warmes Bier auf ex.

    „Weil ich Material hatte. Und Rechnungen. Du hast mit Idealismus angefangen“, sagt er, „Ich mit Existenzangst.“

    „Und wer hatte Recht?“

    „Keiner. Aber ich wurde bezahlt.“

    Warum man trotzdem weiterschreibt

    Stille.

    Die Hitze hängt im Raum.

    „Was würdest du im 250sten Text schreiben?“, frage ich.

    Bukowski denkt kurz nach.

    „Schreib, dass du keine Ahnung hattest, was eine Kolumne ist. Schreib, dass man dir sagte: zwischen einem und einer Million Wörter. Schreib, dass du dachtest, du könntest mit deinen Texten etwas verändern. Und schreib, dass du nach fünfzig gemerkt hast, dass das kompletter Unsinn ist.“

    „Mehr hast du nicht auf Lager? Ich jette 12 Stunden oneway nach L.A., nur um von dir wiederholt zu bekommen, was ich dir selbst vor 5 Minuten erzählt habe? Da hätte ich mir die Reise echt sparen können für dieses  dünne Gelaber.“

    „Ja, du hättest stattdessen einen Zoom-Call vereinbaren können. Wäre kostengünstiger gewesen. Aber eure virtuelle Assistentin bestand auf einem persönlichen Treffen. Das wäre wichtig für dich, damit du mal rauskommst aus deinem eigenen Wohnzimmer. Von wegen Luftveränderung täte dir gut. Sehr charmant übrigens, die Dame; weshalb ich ihr den Wunsch nicht abschlagen wollte …  aber einen Hinweis habe ich noch für dich. Den wichtigsten.“

    „Welcher wichtige Hinweis soll das sein?“

    „Schreib, dass du trotzdem weitergemacht hast.“

    „Warum?“

    Er lehnt sich zurück, schließt die Augen.

    „Weil Schreiben nicht dazu da ist, die Welt zu retten. Die Welt hört sowieso nicht zu. Schreiben ist nur dafür da, dass du selbst nicht völlig verrückt wirst. Das ist der wahre Grund, weshalb du 250 Kolumnen geschrieben hast und nichts anderes.“

    „Da ist was dran“, sage ich.

    „Natürlich ist da was dran. Ich mach das seit über 80 Jahren. Und nun entschuldige mich: Ich muss meinen Rausch ausschlafen, mir dann Nachschub besorgen und will heute Abend noch 2 Kurzgeschichten tippen. 1 wird von einem orientierungslosen deutschen Kolumnisten handeln, der nach L.A. fliegt, um sich dort Rat von einem Profi zu holen und am Ende doch nichts verstanden hat … du weißt, wo die Tür ist .“ … „Hol dir unbedingt Hilfe, wenn du wieder in Deutschland bist! Das geht sonst nicht gut aus“, ruft er mir zum Abschied hinterher.
    +++

    Zurück am Schreibtisch in Bonn stelle ich fest, dass Gisela ALLE meine Posts in Facebook gelöscht hat.
    Ich rufe in der Redaktion an: „WO IST GISELA?“
    „Die hat sich diese Woche freigenommen. Dringende Wartungsarbeiten am System.“
    „Wusstet ihr, dass sie ALLE Posts von mir gelöscht hat?“
    „Sie sagte, du hättest ihr diesen Auftrag kurz vor deiner Abreise erteilt.“
    „Sie sollte bloß die kritischen Beiträge rausnehmen.“
    „Aus ihrer Sicht waren wahrscheinlich alle deine Beiträge kritisch.“
    „Was für eine Scheiße!“
    „Ärger dich nicht. Schreibst du halt neue Posts. Wofür bist du sonst Autor? … Wie war’s übrigens in L.A.? Hast du ein paar Tipps von Hank bekommen? Wäre schön, wenn du uns die in unserer internen Gruppe mitteilen würdest. Davon können wir alle profitieren und nicht nur du alleine. Sei zur Abwechslung mal ein Teamplayer und nicht das übliche Ich-hasse-meine-Kollegen-Arschloch.“
    „Ihr könnt mich alle mal!“
    +++

    Lesen Sie auch: Das Wiedersehen – Kapitel 1
    Das Wiedersehen
    Ein Interview mit Charles Bukowski für DieKolumnisten? Geht doch gar nicht, der ist doch tot? Natürlich geht das bei Henning Hirsch. (erschienen am 21. Jul 2017).

    Die beste Einstiegslektüre für Charles Bukowski ist sein Debütroman Post Office (dt. Der Mann mit der Ledertasche)

  • Der partout nicht sterben wollende Gallier – zum 60sten einer Comic-Ikone

    Der partout nicht sterben wollende Gallier – zum 60sten einer Comic-Ikone

    Asterix wird 60, obwohl er bereits mit 18 hätte sterben müssen.

    Aber der Reihe nach: im Herbst 1959 taten sich Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo zusammen und schufen eine der bis auf den heutigen Tag erfolgreichsten Comicfiguren weltweit: den kleinen, pfiffigen, und – sobald er Zaubertrank intus hatte – ein paar Stunden lang unbesiegbaren Gallier Asterix. Gemeinsam mit Kumpel Obelix frönt er exakt zwei Hobbies: Wildschweine jagen und Römer verprügeln. Beim Kuss einer schönen Frau – Falballa oder Kleopatra – wird er kurz schwach und erfüllt der Dame im Anschluss jeden Wunsch. Im Gegensatz zu Obelix käme er jedoch nie auf die Idee, sich länger als maximal eine Stunde zu verlieben. Er ahnt die auf die rosarote Phase folgende Gefahr der lebenslangen Unfreiheit voraus, hat um sich herum genügend Maulhelden à la Majestix, Automatix, Methusalix und Fischverleihnix versammelt, die zu Hause bei ihren dominanten Frauen Nullkommanix zu melden haben, und ihm so als täglich abschreckende Beispiele für die Fesseln des Ehelebens dienen, ist deshalb schlau genug, notorischer Single zu bleiben und bevorzugt sowieso Herrenabende mit dem Druiden Miraculix und best buddy Obelix. Hin und wieder geht er in geselliger (Männer-) Runde ein paar Cervisia heben. Aufgrund des nie zu sättigenden Expansionshungers Cäsars, der nicht ruht, bevor er nicht auch noch das letzte freie gallische Dorf unterworfen hat, ist Asterix ohnehin 24/7 damit beschäftigt, sein kleines Gemeinwesen vor den Klauen der stets sprungbereiten Wölfin zu schützen, sodass ihm für Dates und amouröse Abenteuer schlichtweg die Zeit fehlt. Asterix ist Held und Anti-Held in einer Figur, hat mitunter mehr von Donald Duck als von Batman, was den kleinwüchsigen schnauzbärtigen Gallier so sympathisch macht.

    Kongeniales Duo: Goscinny & Uderzo

    Nach einem etwas holprigen Auftakt mit „Asterix der Gallier“, in dem man jedoch schon viele der in den Folgejahren immer wieder auftretenden Charaktere kennenlernt, wirkt der Nachfolger „Die goldene Sichel“ zeichnerisch und textlich schon weitaus reifer. Es folgten: Die Goten, Gladiator, Tour de France, Kleopatra, Kampf der Häuptlinge, Briten, Normannen, Legionär (1). Allesamt Klassiker der franko-belgischen Comic-Kultur. Als Kinder fieberten wir dem Erscheinungsdatum des nächsten Albums entgegen, waren bereit, das Taschengeld eines Monats für die neueste Story zu investieren. Bis hin zu Band 20 (auf Korsika) wurden unsere Erwartungen nie enttäuscht. Danach bröckelte Goscinnys Kunst, eine spannende Geschichte zu erzählen. Der Wortwitz, der die ersten zwanzig Ausgaben ausgezeichnet hatte, wiederholte sich jetzt oft, wurde flacher. Nachdem das Piratenschiff zum 15ten Mal – begleitet vom Zitat „Auri sacra fames (verfluchter Hunger nach Gold)“ versenkt worden war, kannte man Vorgang und Spruch und dachte: Wie wär’s mal zur Abwechslung mit glücklichen Seeräubern? Cäsar, dessen sporadisches Erscheinen den einzelnen Episoden den notwendigen imperialen Glanz verlieh, nutzte sich mit jedem weiteren Auftritt immer mehr ab, sodass Asterix in Folge 22 (Die große Überfahrt) bereits gen Nordamerika in See stechen musste, um mal was grundlegend Neues zu erleben. Trotz allmählich sinkender Qualität blieb die Treue der Fans jedoch unerschütterlich.

    Qualitativer Absturz nach dem Tod des Texters

    Während der Arbeit für Band 24 (bei den Belgiern, 1977) starb Goscinny leider viel zu früh. Die Episode wurde noch zu Ende geführt, im darauf folgenden Jahr veröffentlicht, und man spürte als Leser zum letzten Mal wehmütig den Abschiedshauch des großen Texters. Und spätestens damit hätte man es bewenden lassen sollen. Stattdessen verfiel nun Uderzo auf die Schnapsidee, Storytelling, textliche Feinarbeit und Zeichnungen in Personalunion zu übernehmen, anstatt zumindest einen neuen Autor auszuprobieren. Es geschah, was oft geschieht, wenn der Geist von Bord geht und der Handwerker ohne Architekt weiter werkelt: es kommt Murks heraus. Nummer 25 (Der große Graben) war literarisch gesehen ein großer Reinfall. Die Texte nur noch halb so gut wie zwei Jahre zuvor bei den Belgiern und schon Lichtjahre entfernt von Perlen wie „Olympische Spiele“ und „Streit um Asterix“. Drei Ausgaben später (im Morgenland) hatte die Serie bereits Micky-Maus-Niveau erreicht. Und von diesem textlichen Tiefpunkt hat sich Asterix bis heute nicht erholt. Eine Zeit lang hoffte man als Fan der ersten Stunde noch auf Besserung, schöpfte Hoffnung, als ein frisches Gespann das Kommando übernahm: Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Illustration). Der erste Band (lfd. Nr. 35) „Bei den Pikten“ des neuen Duos knüpfte allerdings dort an, wo Uderzo mit „Asterix und Obelix feiern Geburtstag“ aufgehört hatte: textliche Ödnis. Fade Story, platte Witze, garniert mit Wiederholungen altbekannter Sequenzen. Zu allem Überdruss zeichnet Conrad auch weniger detailfreudig als Uderzo, sodass Asterix nun ebenfalls bei den Illustrationen auf Walt-Disney-Level schrumpft. Die letzte, vor zwei Jahren im Vorfeld von der Presse stark hochgejubelte Episode „In Italien“ hielt den Erwartungen mal wieder nicht stand, reihte sich nahtlos ein in die seit „Der große Graben“ zum Standard gewordenen Banalitäten und Trivialitäten. Vom in Kürze auf den Markt kommenden Jubiläumsband anlässlich des 60sten Geburtstages „Die Tochter des Vercingetorix“ verspreche ich mir deshalb wenig Erheiterndes. Als Comic-Junkie werde ich das Album trotzdem kaufen, es vermutlich stirnrunzelnd ob all der Plattitüden durchblättern und beim Verstauen in meinem Kellerregal nostalgisch daran denken, was für eine gute Story „Der Arvernerschild“, in der Vercingetorix zum ersten Mal gehuldigt wurde, doch gewesen war. „Alesia? Ich kenne kein Alesia!“

    Werd‘ bitte nicht mehr 70!

    Mit Asterix passiert das, was auch mit Star Wars geschieht: Die Reihe wird zu Schanden geritten bzw. so lange gemolken, bis auch der letzte Euro aus ihr rausgesaugt worden ist. Der leider viel zu frühe Tod Goscinnys hätte das Ende des Projekts bedeuten müssen. Es war, vom qualitativen Standpunkt aus betrachtet, ein kompletter Nonsenseinfall dem, sicher begnadeten, Zeichner Uderzo nun auch noch die Textarbeit zu überlassen. Vom abrupten Sturz in den Großen Graben hat sich die Serie nie mehr erholt. Wäre Asterix gemeinsam mit Goscinny gestorben, hätte es ihn zwar bereits mit 18 erwischt, aber er wäre ruhmreich auf seinem literarischen Höhepunkt abgetreten. So bleibt zum 60sten nicht viel mehr – in Abwandlung der Schlussszene – zu sagen als: „Nein, ihr werdet nicht mehr singen!“ oder: „Macht bitte nicht weiter bis zum 70sten!“ Irgendwann muss Schluss sein mit dem kleinen Dorf, seinen kauzigen Bewohnern, den Wildschweinen und den ständig Prügel beziehenden Römern. Von den immerfort kenternden Piraten ganz zu schweigen.

    Ich schließe mit einem Zitat aus dem Arvernerschild: „Bis repetita non placent! (Wiederholungen gefallen nicht)“ und werde heute Abend in meiner Asterix-Kiste wühlen auf der Suche nach „Kleopatra“. Denn die hatte nicht nur eine hübsche Nase, sondern war ein intelligent gemachter und vergnüglich zu lesender Comic.

    ENDE
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    (1) Das ist die französische Reihenfolge. In Deutschland, wo Asterix erst 1968 startete, wurden die ersten zehn Alben teils abweichend nummeriert