Schlagwort: Judentum

  • Schuld und Verantwortung

    Schuld und Verantwortung

    Im Mai nimmt der Antisemitismus-Beauftragte des Bundes, Felix Klein (50), seine Arbeit auf. Zu diesem Zweck wird eine neue Stelle im Innenministerium geschaffen.  Klein war bisher im Auswärtigen Amt verantwortlich für die Beziehungen zu jüdischen Organisationen und Antisemitismusfragen. Der Zentralrat der Juden befürwortet sowohl Aufgabe als auch Personalie.

    Erstes Zwischenfazit ganz früh in der Kolumne: Das ist gut und war (leider) auch dringend notwendig.

    Als eine seiner ersten Amtshandlungen fordert er eine realistische Abbildung von muslimischem Antisemitismus in der Kriminalstatistik. Diese weise 90 Prozent der antisemitischen Taten Rechtsradikalen zu.

    Von Juden in Deutschland höre ich aber etwas anderes. Vor allem der muslimische Antisemitismus ist stärker, als es in der Statistik zum Ausdruck kommt.
    © Felix Klein in der WELT (nachgedruckt im Bonner General-Anzeiger, 20.04.2018)

    Ebenfalls hier völlige Zustimmung meinerseits. Eine Statistik ist nur so gut wie Infos, mit denen sie gefüttert wird. Durch eine peniblere Erfassung muslimisch initiierter Gewalt gegen Juden wird man ein exakteres Bild der Situation erhalten. Ich wage aber zu bezweifeln, dass der oben genannte Wert von 90 deutlich unter 80 fallen wird. Soll heißen: Zwei Drittel bis vier Fünftel aller antisemitischen Vorfälle sind auch bei verfeinerter Messmethode weiterhin (christlichen oder atheistischen) Deutschen zuzuordnen. Bevor wir also über „importierten Antisemitismus“ lamentieren – der ist genauso übel wie der heimische –, sollten wir deshalb erstmal unser eigenes Verhältnis zum Judentum unter die Lupe nehmen.

    Das Märchen vom christlich-jüdisch geprägten Abendland

    Das Abendland – der Ober-Antijude Luther sprach in seiner Bibelübersetzung noch von „Abend“ – hat sich, seit es christianisiert war, NIE als Nachfolger der jüdischen Glaubenslehre empfunden. Ganz im Gegenteil bildeten Christen- und Judentum stets scharf voneinander abgegrenzte Antagonisten. Dass der größte Teil der Bibel aus dem Alten Testament besteht, hinderte unsere Ururgroßväter und -mütter nicht daran, den Juden stets als fremd und unheimlich anzusehen, der älteren Religion gar okkulte Praktiken zu unterstellen. Juden wohnten in separaten Stadtvierteln, ein Großteil der Handwerke und sonstigen Berufsfelder des Mittelalters war ihnen verwehrt. Es reichten kleinste Anlässe, um den christlichen Mob in Pogromstimmung zu versetzen. Hervorragend geschildert in Feuchtwangers Romanen „Die Jüdin von Toledo“ und „Die hässliche Herzogin“. Die hatte ich Ihnen kürzlich schon zum Lesen empfohlen? Ja ja, ich weiß: Ich wiederhole mich mitunter. Aber, haben Sie es getan: also die beiden Bücher bei Amazon bestellt? Nein?! Dann sollten Sie es heute endlich tun.

    Sie wurden, weil sie den Fernhandel und das Bankwesen beherrschten, geduldet. Für die Ausstellung der Toleranzedikte ließen die ständig am Rande der Insolvenz wandelnden Fürsten und Könige sie allerdings teuer bezahlen. Selbst der angeblich so liberale Alte Fritz duldete seine Juden bloß gegen Bares. Der Antijudaismus war sowohl im Katholizismus als auch im Protestantentum fest verwurzelt. Emanzipation und schrittweise Gleichberechtigung der mitteleuropäischen Juden setzten sich erst um die Mitte des 19ten Jahrhunderts durch. Allerdings startete nahezu zeitgleich die Rassenlehre ihres Siegeslauf. Dass die rein wissenschaftlich betrachtet völliger Bullshit ist, brauchen wir hier nicht zu erörtern. Die Erweiterung des seit anderthalb Jahrtausenden existierenden religiösen Vorbehalts um die Komponente des rassisch minderwertigen, semitisch Orientalen führte dazu, dass Juden nunmehr selbst durch Übertritt zum Christentum nicht mehr vom Stigma des qua vererbter Gene immerwährend böse Ränke schmiedenden Geheimbündlers loskamen. Und die neue Irrlehre wirkte schnell. Die kurze Periode der Weimarer Republik genügte, um weite Teile der deutschen Bevölkerung mit dem Bazillus des rassistisch aufgeladenen Antijudaismus, der nun endgültig zum Antisemitismus-Virus mutierte, zu infizieren. Was danach von 1933 bis 45 folgte, war gruseliger als jede Hollywood-Zombie-Apokalypse.

    Zwischenfazit 2: Bis 1945 wäre niemand auf die Idee gekommen, von gemeinsamen jüdisch-christlichen Wurzeln des Abendlands zu sprechen. Die es aber trotzdem gibt. Ohne AT kein NT. Ohne Jahwe/ Adonai/ Elohim kein „lieber Gott“ und „Vater unser“.

    Schuld ist endlich: Die Schlussstrichdebatte

    Während meinen vier Großeltern – geboren zwischen 1890 und 1910 – zumindest unterschwellig klar war, dass sie durch ihr Wegschauen Schuld auf sich geladen hatten, sie aber nicht gerne über dieses heikle Thema redeten, ging mein Vater, der das Ende von WK2 als Hitlerjunge an der Flak erlebt hatte, offen damit um. Er erzählte mir, dass er nach jahrelanger Indoktrination in Schule und beim Jungvolk wiederum einige Jahre benötigt hatte, um das gesamte Ausmaß der Nazibarbarei zu begreifen und für sich die deutsche Schuld anzuerkennen. In der damals flügge werdenden Bundesrepublik war die Aufarbeitung der Verbrechen lausig, mit Ausnahme der obersten Führungsgarnitur landete kaum jemand vor Gericht oder wurde gar zu langer Haft verurteilt.
    Zahlreiche alte Kader fanden nach schneller Entnazifizierung neue Jobs in Ministerialbürokratie, Judikative und Wissenschaft. Die Beschäftigung mit der unappetitlichen Nazi-Materie nahm erst Anfang der 60er – bewirkt durch die Hartnäckigkeit des Frankfurter Generalstaatsanwalts Fritz Bauer – endlich Fahrt auf. In der Folge kam es zu Prozessen gegen Täter aus der zweiten und dritten Reihe, wurden auch langjährige Gefängnisstrafen verhängt. Knapp zwanzig Jahre hatte es gedauert, bis man in Deutschland bereit war, die Schuld nicht nur Hitler und seinen engsten Mitstreitern zuzuordnen, sondern den Kreis derer, die sich die Hände schmutzig gemacht hatten, schrittweise zu erweitern.

    Wir haben von nichts gewusst

    Ohne sich hier nun in juristischen Spezialfragen – wie ist beispielsweise die Tätigkeit eines Personalsachbearbeiters im Reichssicherheitshauptamt im Gegensatz zur Aktivität eines SS-Wachtmanns in Bergen-Belsen zu bewerten – verlieren zu wollen, muss für die gesamte damalige Generation festgestellt werden: Schuld hatten sie ALLE auf sich geladen. »MEIN Großvater gehörte der Widerstandsgruppe Schwäbisch Hall an!«, rufen Sie mir entgegen? Noch nie davon gehört. »Die Großmutter versteckte Juden im Keller«, sagt die Dame, die neben Ihnen sitzt? Hören Sie auf damit. Wären all diese Juden tatsächlich versteckt und auf verschlungenen Pfaden außer Landes gebracht worden, hätten die Konzentrationslager leergestanden. Der deutsche Widerstand war – von den Geschwistern Scholl mal abgesehen – ein Witz. Bis auf einige wenige mutige Deutsche hat kein Mensch den verfolgten Juden Unterschlupf gewährt. Als sie abgeholt wurden, sah man wahlweise weg oder genauer hin, ob’s in ihren Häusern noch was für den armen deutschen Nachbarn zu holen gab. Die meisten waren informiert über die Internierung und was den Juden dort blühte. Wie sollte man den Holocaust auch jahrelang geheimhalten können?

    Da die deutsche Seele ja empfindsamer ist als die anderer Völker, will sie von Schuld heute nichts mehr wissen. Ich kann diese Abwehrhaltung psychologisch nachvollziehen. Wer von uns möchte schon auf ewig mit dem Stigma „Feigling, der tatenlos zusah, wie Millionen unschuldige Menschen. ermordet wurden“ gebrandmarkt sein? In den 70ern bekam ich ab der Mittelstufe durchgängig bis zum Abitur eine Megadröhnung in Faschismustheorie und -praxis verabreicht. Bis mir das leidige Thema Anfang der 80er dermaßen zum Hals raushing, dass ich damals jedem, der mit »Es muss endlich Schluss sein!« um die Ecke gekommen wäre, Applaus gespendet hätte. Ich war fürs Erste restlos bedient von all der Verantwortung, die mir die linksgrünversifften Oberstudienräte aufoktroyieren wollten. Ich war jung, wollte Party feiern und nicht 24/7 als schuldbeladener Trauerkloß mit gesenktem Kopf durchs Leben laufen. Nachdem ich als Student an einer Führung durch die Gedenkstätte Dachau teilgenommen und dort all die Bilder des Grauens gesehen hatte, setzte Mitte der 80er rasch der Prozess des Umdenkens ein. Mir war erneut bewusst geworden, welch riesige Schuld wir auf uns geladen hatten. »Schuld ist was persönliches», sagen Sie? »Kann einzig für die aktiven Täter gelten. Nicht aber für die Mitläufer und auf keinen Fall für uns Spätergeborene«, schießen Sie noch hinterher? Nun ja, hinsichtlich der jahrelangen Wegschauer sehe ich das anders, und für uns Jüngere können wir das zentnerschwere Wort Schuld gerne in Verantwortung umwandeln. Die wiegt ein bisschen leichter im Gepäck und währt dafür im Gegenzug länger. »ICH habe damit Nullkommanix zu tun. Mit der blöden Verantwortung können Sie mir den Buckel runterrutschen«, kommt nun noch aus Ihrem Mund hinterher? Spätestens jetzt haben wir einen Dissens. Denn aus seiner Verantwortung kann man sich nicht einfach davonstehlen wie ein Dieb. Wer bei der WM freudetrunken Deutschlandwimpel schwenkt, sich nach jedem Sieg hupend in den Autokorso einreiht, und es sich ansonsten auch ganz komfortabel in unserer freundlichen Republik eingerichtet hat, muss im Gegenzug auch die Schattenseite der Historie akzeptieren. Es gab halt nicht nur Goethe, Schiller und Beethoven, sondern ebenfalls Hitler, Himmler und Heydrich. »Das ist aber nicht so schön«, seufzen Sie? Klar, sind die drei Letztgenannten die Verwandten, für die man sich schämt und die man bei Uropas 100stem geflissentlich übersieht. Trotzdem gehören sie zur Familie.

    Vor der Shoa verblassen alle Vergleiche

    »Die Juden waren ja auch ein bisschen selbst Schuld an ihrem Schicksal», raunte die Generation meiner Großeltern manchmal hinter vorgehaltener Hand. »Wollten sich nicht integrieren. kontrollierten unser Finanzsystem. Kein Wunder, dass es da irgendwann krachen musste.« WAS? Die deutschen Juden hatten sich nach der Reichsgründung 1871 bis zum Ausbruch von WK1 nahezu vollständig integriert. Bürgerlicher als diese Gruppe war kaum ein anderer Bürger. Die Sache mit der Kontrolle über das Finanzsystem: Damals und heute eine frei erfundene, verleumderische Nachrede. Als ob es nicht ebenfalls jede Menge katholisch und evangelisch getaufte Bankiers und Börsianer gegeben hätte. Gesetzt den Fall: die Juden hätten sich doch nicht vollständig in den deutschen Volkskörper assimiliert: Das würde als Begründung ausreichen, sie ausrotten zu wollen? Die Argumente der Tätergeneration überzeugten mich bereits als Jugendlicher nicht. Schwieriger war es da schon mit den Relativierungen meines Vaters: »Stalin hat mehr Menschen töten lassen als die Nazis. Und auch unsere Befreier, die Amerikaner, gingen ja nun nicht gerade zimperlich mit ihren Indianern um«. Oder die Begründungen eines Onkels: »Ist dir – der du nur Frieden und Wohlstand kennst. – klar, wie sehr wir damals gelitten haben? Die ständigen Bombardements, die vielen Gefallenen an der Front, der Hunger der Nachkriegszeit?« Das fiel bei mir auf fruchtbaren Boden. Wir hatten furchtbare Verbrechen begangen, aber wir standen damit nicht alleine. Viele andere Nationen, die mit dem Finger auf uns zeigten, wiesen in ihrer Geschichte ebenfalls tiefschwarze bzw. blutrote Flecken auf. Ein schönes Gefühl: Man ist plötzlich nicht mehr alleine mit seinem schlechten Gewissen.

    Jahre später, im Verlauf eines politischen Seminars an der LMU München zum Thema Faschismus & Nationalsozialismus wurde mir allmählich die Einzigartigkeit der deutschen Barbarei bewusst. Sämtliche Vergleiche des Unvergleichbaren mit anderen Gräueltaten laufen ins Leere. Selbst wenn sie ansatzweise vergleichbar wären, greift hier die alte Regel: Kümmere dich zuerst um den Dreck im eigenen Stall, bevor du den Nachbarn ermahnst, bei sich auszumisten!

    Ob wir es nun Schuld oder Verantwortung nennen: die Shoa kann man nicht einfach ausschwitzen wie eine lästige Erkältung. Sie wird uns noch viele Jahrzehnte, eventuell sogar Jahrhunderte begleiten. Das Anerkennen unserer Schuld und der darauf aufbauenden Erinnerungskultur bildet einen integralen Bestandteil der bundesrepublikanischen DNA. Wer die Verantwortung über Bord werfen möchte, will ein anderes Deutschland. Eines, in dem der braune Bodensatz und der mit ihm sympathisierende reaktionäre Teil des Bürgertums endlich ungeniert das sagen dürfen, was Gottseidank seit 1945 nicht gesagt werden durfte.

    Nicht totzukriegende Märchen

    Wir müssen uns von drei Mythen lösen:
    (a) Dem christlich-jüdischen Abendland
    (b) Unsere Großeltern befanden sich alle im Widerstand
    (c) Dass die Juden, bevor die Flüchtlinge kamen, hier sicher lebten

    Solange ich zurückdenken kann, wurde die Kölner Synagoge von Sicherheitsdiensten – und bei Gottesdiensten zusätzlich von Polizei – bewacht. Jüdische Mitschüler und Mitstudenten fühlten sich nie hundert Prozent wohlbehütet in unserem Land, lebten ihre Religion eher diskret. Wie oft haben Sie schon Kippa und Schläfenlocken auf unseren Straßen gesehen? Nie, selten? Ich wage zu behaupten: Die meisten von uns nie. Während diese Symbole in Städten wie Antwerpen, London, New York und Chicago mit großer Selbstverständlichkeit offen zur Schau getragen werden. Machen wir uns nichts vor: Deutschland wird nach 1945 nie mehr ein Land sein, in dem sich Juden 24/7 sicher und stets willkommen fühlen. Wäre ich Jude, würde ich nach Israel auswandern bzw. hätte es schon längst getan. Und das hat nur am Rande mit dem durch die Flüchtlinge importierten arabischen Antisemitismus zu tun.

    Es ist fadenscheinig, wenn die deutsche Rechte sich einerseits den Schutz der Juden vor (muslimischen) Übergriffen auf die Fahnen schreibt, während sie andererseits den raschen Schlussstrich unter den Schuldkult fordert und Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet. Nicht viel besser die Linken, die unter dem Deckmantel ihrer pathologischen Israelkritik die Grenze vom Antizion- zum Antijudaismus längst überschritten haben. Klar, ist es praktikabel, den eigenen kleinen Judenhass nun auf die Flüchtlinge zu projizieren und ihnen die Schwarze-Peter-Karte unterjubeln zu wollen. Wir instrumentalisieren also die Muslime, um von unseren eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. Die traurige Wahrheit lautet jedoch: Wir haben seit Jahrzehnten intern ein massives Antisemitismus-Problem. Ein nicht geringer Prozentsatz der Bevölkerung glaubt mittlerweile wieder an krude Verschwörungsszenarien, in denen jüdische Unternehmen von Rothschild bis Soros weltweit die Finanzströme lenken, Politiker nach ihrer Pfeife tanzen lassen, Kriege anzetteln, Nationen in den Ruin treiben und insgeheim Umvolkungspläne schmieden. Zulasten der braven, hart arbeitenden Deutschen. Das ist in leicht abgewandelter Form die Denke unserer Weimarer Großeltern. Was im Anschluss geschah – bitte scrollen Sie fünfzig Zentimeter zurück im Text.

    Bleibt zu hoffen, dass dem neuen Antisemitismus-Beauftragten auch Befugnisse eingeräumt werden, damit dieser neugeschaffene Posten keine Placebo-Veranstaltung wird. Mir schwebt fürs Erste sowas vor wie das Recht, Bußgelder verhängen zu dürfen. Beispielsweise für geschmacklose Liedzeilen wie diese hier: „Mein Körper ist definierter als von Auschwitzinsassen“. Der Griff ins Portemonnaie tut solchen Leuten mehr weh als mediale Empörung, die sie ja ohnehin in Publicity ummünzen. Lasst Farid Bang & Kollegah eine Mio Euro Strafe für den textlichen Ausflug ins Klo zahlen. Und den doppelten Betrag vom Musiklabel beitreiben. So lernen die kleinen Gangsta-Rap-Aluhutträger, die zielgenau die antijüdischen Ressentiments ihrer Fans bedienen, am schnellsten.

    Fazit: Einerseits begrüßenswert: Das seit vielen Jahren schwelende Problem des Antisemitismus wird von Seiten der Bundesregierung endlich Ernst genommen und angepackt. Andererseits tieftraurig, dass dies überhaupt notwendig wurde.

    Weiterführende Literatur
    Heinrich Graf Coudenhove-Kalergi: Antisemitismus, von den Zeiten der Bibel bis Ende des 19. Jahrhunderts (1901. Neu aufgelegt: 1992)

  • Pimmel-Kolumne

    Pimmel-Kolumne

    Gehören sie zusammen: das Kopftuch und die Knabenbeschneidung? Die einen sagen ja, die anderen nein, und die Dritten haben gar keine Meinung dazu. Da die beiden Themen jedoch oft miteinander vermengt werden, und ich gestern was zum Kopftuch schrieb, will ich mich heute an der männlichen Vorhaut versuchen. Mal schau’n, was am Ende der Kolumne von ihr übrig bleibt.

    Bevor ich gleich schlaue Gedanken zur anatomischen Notwendigkeit des Präputiums (so heißt das Teil im Medizinerlatein) anstelle, will ich mich outen: auch meins ist weg. Passiert im Spätherbst 1981. Ich hatte das Geschehnis vor einigen Jahren in einer Kurzgeschichte zusammengefasst:

    Story von der geplatzten Vorhaut

    Ehrenfeld (Kölner Bezirk) im Oktober 1981. Auf der silberfarbigen Couch im Wohnzimmer meiner Eltern. Weit nach Mitternacht.
    »Ahhh!«
    »Was ist los? Bist du schon wieder zu früh gekommen?«
    »Nein … das ist es nicht.«
    »Was denn?«
    »Weiß nicht … komisches Gefühl gerade .. wie ein Messerstich in die Eichel.«
    »In meiner Möse? … was hast du eingeworfen?«
    »Nix … bloß ein paar Bier und Whiskey-Cola getrunken.«
    »Vermutlich die komplette Pulle Jim Bean … du wirst noch plemplem werden von dem vielen Alkohol.«
    »Geh runter von mir!« Ich drücke Karoline nach hinten. Sie springt gelenkig auf und schaut mich spöttisch von oben an. »Das war echt eine Scheißnummer. Hätte ich mir vorher denken können.«
    »Sei leise und mach das Licht an.«
    Das Sofa ist mit Blut besudelt. Mist, denke ich. Die Vorhaut sieht aus, als hätte ich sie in einen Häcksler gesteckt.
    »Wow … wie eine explodierte Wurstpelle«, flüstert Karoline und will die Wunde betasten.
    »Finger weg!«, zische ich.
    »Gib jetzt nur nicht mir die Schuld.«
    »Wem sonst?«
    »Und jetzt?«
    »Bring mich ins Krankenhaus.«
    »Nimm ein Handtuch mit. Sonst saust du das Auto auch noch ein.« Einen kurzen Augenblick lang glaube ich, in ihrer Stimme einen Hauch Empathie zu hören.
    »Tut’s dir leid, dass du meinen Schwanz geschreddert hast?«
    »Nein.«

    Im Auto:

    »Wohin?«
    »In die Uniklinik.«
    »Für das Muttersöhnchen natürlich nur die beste Adresse«, ätzt sie. »Die geplatzte Salami kannst du dir von jedem Metzger nähen lassen.«

    Wir stoppen auf dem riesigen Parkplatz, der neben einem Hochhaus liegt, das um diese späte Uhrzeit hell erleuchtet ist. Die Uniklinik schläft nie.

    »Wohin wollen Sie?«, erkundigt sich die Dame am Empfang.
    »Notaufnahme«, antworte ich.
    »Du meine Güte … hast doch keinen Herzinfarkt erlitten«, kichert Karoline. Ich bereue so langsam, sie mitgenommen zu haben.
    »Den langen Korridor entlang und dann auf den Stühlen vor der Glastür Platz nehmen. Kann eine Weile dauern, bis Sie aufgerufen werden. Um vier Uhr morgens sind nicht so viele von unserem Personal im Einsatz.«

    Nach zwanzig Minuten, die mir wie eine Ewigkeit erscheinen, kreuzt endlich ein verpennt wirkender Arzt auf und winkt uns schlecht gelaunt in den mit Neon beschienenen Raum hinein. Überall chromblitzende Maschinen und Folterapparate. Ich fühle mich krank.
    »Wie kann ich Ihnen helfen?«
    Ich räuspere mich, huste verlegen: »Mein bestes Teil scheint ramponiert zu sein.«
    »Mein bestes Teil befindet sich unter der Kopfschale, und bei dir ist es der Schwanz.« Karoline prustet los, kann sich kaum halten vor Lachen. Der Mediziner grinst. Ich hasse die beiden.
    »Was genau ist passiert?«
    »Seine Vorhaut sieht aus wie eine Einkaufstüte, die versehentlich in der Waschmaschine geschleudert wurde.«
    »Haben Sie irgendwelche speziellen Sexpraktiken ausprobiert?«
    »Nein! Sie saß einfach auf mir und dann spürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz.«
    »Die Dame verfügt wahrscheinlich über ein schmales Becken und war noch nicht genügend stimuliert.«
    »Daran wird es liegen; denn allzu groß ist sein Ding nicht.« Die zwei schauen sich feixend an.
    Leck mich, denke ich.

    »Ziehen Sie die Hose runter und lassen Sie mich mal nachsehen.«
    Stumm gehorche ich seinem Befehl.
    Er setzt eine Brille auf und leuchtet mit einer kleinen Taschenlampe auf meine Lendengegend.
    »Ein sauberer Riss … allerdings recht lang … leiden Sie an Phimose?«
    »Nein«, erwidere ich. »Vielleicht als Kind. Ist lange her. Kann mich nicht so richtig daran erinnern.«

    »Ich werde die Vorhaut nun entfernen. Bei der Länge der Wunde bringt Nähen nichts. Würde beim nächsten Gebrauch sofort wieder einreißen.«
    »Was? Die komplette Vorhaut weg?«
    »Ja, muss sein. Ist ein kleiner Eingriff. Wird jeden Tag einige tausend Mal auf der Welt durchgeführt.«
    »Eine andere Möglichkeit gibt es nicht?«
    »In Ihrem Fall: nein.«
    »Scheiße!«
    »Nun hab dich nicht so«, sagt Karoline. »Ist eh hygienischer ohne.«
    In Gedanken verfluche ich ihr schmales Becken und meine Geilheit.

    »Ich verabreiche Ihnen jetzt eine lokale Betäubung.«
    »Okay«, willige ich erschöpft ein.
    Der Pferdemetzger öffnet eine Schublade, nestelt eine Spritze und eine Schere heraus. Dann rollt er mit dem Hocker an mich heran und beugt sich über meine Leisten. Mir graust es bei der Vorstellung, dass er binnen einer Zehntelsekunde erst in meine Vorhaut hineinstechen und die dann für immer abtrennen wird. Die Angelegenheit dauert einige Minuten. Ich beiße auf die Zähne, presse die Lippen zusammen.

    »So fertig. Sauber geschlossen.« Der Arzt klopft sich selbst auf die Schulter.
    »Und nun?«, frage ich.
    »Ich gebe Ihnen eine schmerzstillende Salbe mit. Die streichen Sie morgens und abends auf die entzündete Stelle. In fünf Tagen dürfte das Gröbste überstanden sein. Morgen gehen Sie zu Ihrem Hausarzt, damit der den Verband wechselt. In zwei Wochen dürfen Sie sich nochmal bei mir präsentieren.«
    »Das war’s dann?«
    »Und natürlich kein Geschlechtsverkehr für einen Monat. Die Gefahr, dass die Naht ansonsten aufreißt, ist zu groß.«
    »In Ordnung.« Ich will nur noch raus hier.
    »Schafft der eh nicht.« Karoline muss mir noch einen Spruch reindrücken. Sie sollte sich besser Gedanken über ihr zu schmales Becken machen.

    Schweigend fahren wir zurück nach Ehrenfeld. Und ich muss noch das Blut vom Sofa wegbekommen, bevor meine Eltern gleich aufstehen.

    Zirkumzision: ein uralter Brauch

    »Das ist ein medizinisch notwendiger Eingriff gewesen. Kann man Null mit der Beschneidung von Säuglingen vergleichen«, sagen Sie? Stimmt –  allerdings bloß zu 50%. Vergleichen kann man das schon. Aber darauf komme ich später zurück. Jetzt starte ich erstmal mit dem seriösen Teil des Textes und schreibe was zur Herkunft des Brauchs:

    Die Zirkumzision (von lat. circumcisio) ist die teilweise oder vollständige Entfernung der männlichen Vorhaut und wird zumeist aus religiösen und kulturellen Beweggründen durchgeführt. Die Beschneidung war mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits in der Steinzeit bekannt. Die alten Ägypter praktizierten sie. Das Judentum lernte die Methode vermutlich am Beginn des ersten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung kennen; das wäre in etwa die Zeit, als sich Salomo mit der Königin von Saba vergnügte. Eventuell aus der Überlegung heraus, weil die Vorhaut die einzige Stelle des männlichen Körpers ist, deren Opferung an Gott keinerlei bleibenden Schaden nach sich zieht. Also die Lightversion der abrahamitischen Altarszene. Das Christentum übernahm den Ritus nicht. Paulus sprach sich explizit dagegen aus:

    Denn in Christus Jesus kommt es gerade nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist.
    (Gal 5,6 EU)

    Der Islam wiederum leitet die Notwendigkeit der Zirkumzision aus den Hadhiten ab:

    Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Zur Fitra (natürlichen Veranlagung) gehören fünf Dinge: Die Beschneidung (der Männer/Jungen), das Abrasieren der Schamhaare, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel, das Auszupfen (bzw. Rasieren) der Achselhaare und das Kurzschneiden des Schnurrbarts.
    Sahih Muslim: Buch 2, Nummer 495, 496

    Die WHO schätzt, dass weltweit 25 bis 33% der männlichen Bevölkerung beschnitten sind.

    Bei den Juden entfernt man dem Knaben die Vorhaut am achten Tag nach seiner Geburt im Rahmen einer Brit Mila genannten Zeremonie. Die Prozedur wird als essenzieller Bestandteil jüdischer Identität angesehen. Als Eintritt in den Bund mit Gott. Die Muslime beschneiden zumeist später; jedoch ebenfalls im Kindesalter. Die Kulthandlungen heißen: Chitan (arab.), Chätnesorän (Farsi) und Sünnet (türk.). Das Alter der Knaben variiert zwischen „rasch nach der Geburt“, über sieben bis hin zu zehn Jahren. Bei den Jesiden geschieht es im 14. Lebensjahr.

    Das war ein Parforceritt durch die globalen Zirkumzisionsgebräuche. Die Kolumne ist bereits an dieser Stelle viel zu lang, und wir sind gerade mal bei der Hälfte des Textes angekommen. Holen Sie sich eine Pulle Bier aus dem Kühlschrank, ich setze mir derweil einen Kaffee auf, bevor wir gleich weitermachen.

    Pro- & Contra-Argumente

    Anstatt nun Juden und Muslime in Ruhe ihre jahrtausendealten Bräuche praktizieren zu lassen, fordert ein nicht gerade kleiner Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung ein generelles Beschneidungsverbot und weiß sich dabei im Einklang mit einigen Ärzteorganisationen.

    Die wichtigsten Contra-Zirkumsisions-Argumente lauten:
    (1) medizinisch unnötig
    (2) mit Schmerzen verbunden
    (3) riskant
    (4) irreversibel
    (5) Kind kann nicht „Nein“ sagen

    Die Befürworter der alten Praxis führen dagegen ins Feld:
    (6) schützt vor Geschlechtskrankheiten und einigen anderen Infektionen
    (7) lässt sich besser reinigen
    (8) uralter Ritus

    Die Pro-Argumente (6) und (7) sind mMn wenig stichhaltig und verblassen gegenüber dem Einwand, dass es sich um einen nicht notwendigen, mit Schmerzen verbundenen und ohne Einwilligung des Patienten durchgeführten Eingriff handelt.

    Mit unpassenden Analogien à la „dann darf auch kein Kind geimpft werden“ oder „ist auch nicht schlimmer als Ohrlochstechen und Piercings“ lassen sich die Argumente der Gegner nicht entkräften. Die Beschneidung im Knabenalter ist weder medizinisch noch hygienisch geboten.

    Rechtfertigen lässt sich die Praxis einzig aus der Religion heraus. Und hier gelangen wir an einen, speziell für uns Deutsche aufgrund unserer unrühmlichen jüngeren Vergangenheit, heiklen Punkt: Wie tolerant verhalten wir uns gegenüber fremd anmutenden Ritualen? Juden und Moslems riskieren durch die Beschneidung die Gesundheit ihrer Söhne sagen Sie? Das sei grob fahrlässig bis hin zu menschenverachtend, kommt noch hinterher? Au weia!

    Kennen Sie die Romane Die Jüdin von Toledo und Die hässliche Herzogin. von Lion Feuchtwanger? Nein? Dann unbedingt lesen. Hochinteressant, wie sich die antijüdischen Ressentiments des tiefen Mittelalters in leicht abgewandelter Form in der Moderne wiederholen.

    Kein Mann benötigt seine Vorhaut

    Um an dieser Stelle mal wieder zur Vorhaut zurückzukommen: Die braucht kein Mensch bzw. Mann. Genauso überflüssig wie Polypen, Mandeln, Blinddarm und Zahnstein; weshalb die Gleichsetzung mit einer Amputation eher bösartig ist. Ob die freigelegte Eichel im Nachgang Hornhaut ansetzt (klar tut sie das), man sexuell schwieriger zu erregen ist (halte ich für ein Gerücht), für den Orgasmus länger benötigt (was ja nicht immer verkehrt ist): das sind irreführende Randaspekte.

    Interessant sind in diesem Zusammenhang einzig diese beiden Fragen:
    (a) Wie schmerzhaft ist der Eingriff?
    (b) Welche Komplikationen sind zu befürchten, und wie häufig kommen die vor?

    Aufgrund eigener Erfahrung behaupte ich: die Angelegenheit schmerzt nach dem Abflauen der Betäubung schon. Und zwar einige Tage lang. Jetzt nicht dramatisch; lässt sich aushalten. Aber die Wunde zwickt und brennt.

    An Komplikationen sind bekannt:
    – Wundinfektionen
    – Nachblutungen
    – Anschwellen von Körperbereichen und Auftreten von Blutergüssen
    – Nahtriss
    – mögliche Allergien auf das Anästhesiemittel
    – Verletzungen der Eichel oder der Harnröhre während des Eingriffs

    Urologen bezeichnen den Eingriff trotzdem als risikoarm und meinen zu den selten auftretenden Schwierigkeiten:

    Der Großteil der möglichen Komplikationen ist nicht schwerwiegend und kann gut behandelt werden.

    Alle anderen in diesem Zusammenhang vorgebrachten Sorgen sind Mumpitz. Niemand erleidet ein Trauma, weil er mit 14 plötzlich seine Vorhaut vermisst.

    2012: der Gesetzgeber wird aktiv

    Nachdem im Frühjahr 2012 das Landgericht Köln  in völliger Unkenntnis der Historie die Zirkumzision als Körperverletzung einstufte , brachte der Deutsche Bundestag noch im Dezember desselben Jahres das Gesetz über den Umfang der Personensorge bei einer Beschneidung des männlichen Kindes auf den Weg, in dem u.a. folgendes drinsteht:
    ▪ die Personensorge der Eltern umfasst grundsätzlich auch das Recht, bei Einhaltung bestimmter Anforderungen in eine nicht medizinisch indizierte Beschneidung ihres nicht einsichts- und urteilsfähigen Sohnes einzuwilligen
    ▪  In den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Sohnes dürfen auch von einer Religionsgesellschaft dazu vorgesehene Personen die Beschneidung vornehmen, wenn sie dafür besonders ausgebildet und für die Durchführung der Beschneidung einer Ärztin oder einem Arzt vergleichbar befähigt sind.
    ▪ Dies soll nur dann nicht gelten, wenn im  Einzelfall durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks  das Kindeswohl gefährdet wird.

    Zentraler Punkt ist die Formulierung, dass die Beschneidung „nach den Regeln der ärztlichen Kunst“ vorgenommen werden muss. Das ist das Maß aller Dinge. Deshalb bringe „der Regierungsentwurf die Rechte der Kinder, der Eltern und der Religionsgemeinschaften in den bestmöglichen Ausgleich.
    Stephan Thomae (FDP) in der vorangegangenen Debatte des Bundestags

    Das ist ein weiser Beschluss. Hätte sich der Gesetzgeber nämlich dem Diktum der strikten Gegner/ Intaktivisten gebeugt, wären dies die Konsequenzen gewesen:
    (1) Beschneidungstourismus ins benachbarte Ausland
    (2) Deutschland würde in den Augen Israels und der islamischen Welt dramatisch an Attraktivität verlieren

    Von daher war es klug, bei der religiös motivierten Zirkumzision die Kirche im Dorf bzw. die Vorhaut weiterhin purzeln zu lassen, solange gewährleistet ist, dass medizinisch geschultes Personal den Eingriff durchführt. Und Beschneidungen, die wir den Juden zugestehen, wollen wir den Muslimen doch nicht vorenthalten? Oder doch? Weil’s sich bei den einen um Folklore und den anderen um ein politisches Statement handelt? Der freigelegte türkisch-arabische Phallus als männliches Pendant zum Kopftuch? Zu weit hergeholt, meinen Sie? Was glauben Sie, was ich an Sachen schon so alles in den sozialen Netzwerken gelesen habe.

    Lange Rede, kurzer Sinn: nicht alles, was auf den ersten Blick fahrlässig  erscheint, ist es auch bei genauerer Betrachtung. Und geben wir uns keinen Illusionen hin: Hätte Paulus die Zirkumzision ebenfalls für das neue Christentum gefordert, würden wir diese Praxis heute noch anwenden.

    Die strikten Gegner sollten im Hinterkopf behalten, dass der Grat zwischen Beschneidungsverbot und Antisemitismus ein schmaler ist. Nicht wenige rutschen ab in den darunterliegenden braunen Morast. Auch an dieser Stelle empfehle ich nochmal die Lektüre der beiden o.g. Romane Feuchtwangers.

    Verlust der Vorhaut schnell verschmerzt

    Sie wollen noch wissen, wie die Geschichte damals bei mir weiterging? Die ist schnell erzählt: Nachdem die Betäubung nachließ, kippte ich mir eine halbe Flasche Cognac hinter die Binde und legte mich zwei Stunden ins Bett. Im Anschluss wechselte ich von kneifenden Herrenslips zu Boxershorts, trug drei Tage lang eine Jogginghose und lief o-beinig wie Pierre Littbarski durch Köln. Morgens, mittags und abends ließ ich meinen Schwanz jeweils für fünf Minuten in eine mit Kamillentee gefüllte Tasse hineinbaumeln. Nach einer Woche demonstrierte ich das Ergebnis meinen Kumpels und ein paar Freundinnen (die Zweitgenannten durften berühren, die ersten nicht). Ob ich die Vorhaut seitdem vermisst habe? Nein! Weg ist weg. An deren Einbuße hatte ich mich genauso schnell gewöhnt wie an den Verlust von Polypen, Mandeln und Blinddarm.

    PS. Heinrich Schmitz hatte sich im Herbst 2012 mit der juristischen Einordnung des novellierten Beschneidungsgesetzes beschäftigt: Beschneidung – Schnipp-schnapp die Vierte oder: Wie man ein schlechtes Gesetz macht

    Die Auswirkungen des Kölner Urteils kommentierten damals auch Nina Scholz und Heiko Heinisch: Das Kölner Beschneidungsurteil