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  • Realität, Wirklichkeit und Welt

    Realität, Wirklichkeit und Welt

    In der „Kritik der vernetzten Vernunft“ wird zwischen Realität, Wirklichkeit und Welt unterschieden. Was bringen solche Spitzfindigkeiten für einen Ertrag? Lohnt es sich, diese Begriffe voneinander zu trennen? Und: Darf man das? Darum geht es in diesem philosophischen Podcast.

     

    P.S. Zu dem Video zu Hegels Begriff der Wirklichkeit geht es hier:

  • Schirach ohne Moral

    Schirach ohne Moral

    Es wird wohl das erfolgreichste Theaterstück der kommenden Spielzeit an deutschsprachigen Bühnen werden. Schon jetzt haben 125.000 Menschen das Stück gesehen, und viele Theater haben für die kommende Spielzeit die Premiere im Programm.

    Dabei ist Terror von Ferdinand von Schirach gar kein „richtiges Theaterstück“. Es ist sozusagen die Live- und Echtzeitdarstellung einer Gerichtsverhandlung, mit „Anklageverlesung“, „Zeugenvernehmungen“, „Plädoyers“ und einem „Urteil“ – und die Zuschauer, die sind bei dem ganzen Schauspiel auch nicht einfach das Publikum, sie sind die „Richter“, oder die „Schöffen“, die ein „Urteil“ sprechen, die über „Freispruch“ oder „Schuldig“ zu befinden haben.

    Ja, viele Anführungszeichen stehen in diesem ersten Absatz, viel uneigentliche Rede, das sieht absurd aus. Und irgendwie ist die ganze Sache auch absurd. Auf einer Webseite kann man verfolgen, wieviel Prozent der Zuschauer in welchem Theater auf „Schuldig“ oder „Freispruch“ plädiert haben. Dort kann man auf schwarzem Grund Statistiken in Rot und Grün abrufen, die zeigen, wie sich andere „Schöffen“ an anderen Orten „entschieden“ (ja, auch dieses Wort gehört in Anführungszeichen) haben. Spätestens dort fragt man sich, welcher Show man hier eigentlich beiwohnt.

    Keine Theaterkritik

    Ich habe Terror vor Monaten in Düsseldorf gesehen, und ich werde mir die Premiere am Wolfgang-Borchert-Theater in Münster ansehen. Der Moment, in dem ich diesen Text schreibe, hat den größtmöglichen Abstand zwischen diesen beiden Theaterabenden. Denn hier geht es nicht um konkrete Inszenierungen, hier geht es um das Stück als Text und um diese merkwürdige Einbeziehung der Zuschauer. Dies ist keine Theaterkritik.

    Das Stück macht den fiktiven Abschuss eines Verkehrsflugzeuges durch einen Bundeswehr-Piloten zum Thema. Das Flugzeug ist von Terroristen gekapert worden und diese beabsichtigen, es in einem vollbesetzten Stadion abstürzen zu lassen. Der Pilot hat sich, unabhängig von Vorgaben und Befehlen, dafür entschieden, das Flugzeug abzuschießen, die 100 oder 200 Passagiere zu opfern, um Zehntausende im Stadion zu retten.

    Die Frage ist nun also, ob er schuldig oder unschuldig am Tode der Passagiere ist, ob er deshalb zu verurteilen (und dementsprechend einzusperren) oder freizusprechen ist.

    Ich will mich hier nicht mit den Details der Argumentation von Anklage, Verteidigung, Zeugen und Angeklagtem befassen. Jeder mag da selbst ins Theater gehen und sich die einzelnen Monologe und Dialoge anhören – die sind im Detail durchaus interessant und bewegend. Mir geht es um grundsätzliche Fragen, die sich an dieser Konstellation diskutieren lassen.

    Das moralische „Dilemma“: Eine lange, aber irrige Tradition

    Über den größten Teil von Terror wird die moralische Konfliktsituation, in der sich der Pilot befindet, als Dilemma dargestellt: Das Leben der Menschen an Bord des Flugzeugs gegen das Leben der Menschen im Stadion. Dieses Dilemma wird in verschiedenen Variationen durchgespielt, an leicht abgewandelten Beispielen in einfacher oder komplizierterer Form behandelt. Damit befindet sich von Schirarch in einer bekannten, aber ganz irrigen Tradition. Die Frage, ob man das Leben Weniger für das Vieler opfern sollte oder dürfte, wird immer wieder als eine moralische Grundfrage dargestellt. Man meint, anhand solcher so genannten Dilemma-Situationen darüber reflektieren zu müssen, ob Moral etwas mit Nutzen, sogar mit größerem oder kleinerem Nutzen, mit dem Verrechnen oder Abwägen von Übel und Freude, von Tod und Leben zu tun habe.

    Von Schirach meint offenbar, dass das moralische Denken darin bestehen würde, dass die Menschen aus den bestehenden Optionen die richtige, die beste auswählen. Selbst in dem Moment, als kurz aufscheint, dass die Verantwortlichen mehr als zwei Optionen gehabt hätten, wird von diesem Paradigma nicht abgegangen. Es ist der Moment, als die Staatsanwältin fragt, warum das Stadion nicht geräumt worden ist, auch wenn doch noch fast eine Stunde Zeit gewesen sei. In diesem kurzen Moment, der jedoch auch gleich wieder überspielt wird, wird in der konstruierten Situation aus dem Dilemma ein Trilemma, aber immer noch bleibt es dabei, dass es moralisch sei, aus den bestehenden Optionen eine auswählen zu können, und dass diese Auswahl irgendwie nach mathematischen Kriterien erfolgen könnte.

    Auch bei der Beurteilung des Handelns des Piloten wird man diese „dritte Option“ außen vor lassen können, denn für die mögliche Räumung des Stadions war er ja nicht zuständig. Wenn die Zuschauer dann am Ende gefragt werden, ob er schuldig oder freizusprechen sei, bleibt eben nur die Frage: War es richtig, das Flugzeug abzuschießen, oder war es falsch?

    Vielleicht richtig, aber niemals gut

    Aber mit dieser Frage ist das Feld des Moralischen noch gar nicht betreten. Die Frage nach dem moralischen Handeln, die Frage nach der moralischen Schuld, wird gerade verdrängt durch all diese Erwägungen über das Dilemma und über die Zwänge und die Verfahren, die das politische und militärische Entscheiden beeinflussen. All diese Abschätzungen, Syllogismen, Schlussfolgerungen, Gleichnisse, Argumentationen sind nur dazu da, die Stimme des Gewissens und der Moral zum Schweigen zu bringen.

    Der moralische Mensch weiß, dass er schuldig ist, wenn er Menschen tötet. Es mag richtig sein, das zu tun, aber es ist niemals gut. Immer, wenn ich einem anderen Leid zufüge, belade ich mich mit Schuld. Auch wenn ich meine, keine andere Wahl gehabt zu haben. Ich muss diese Schuld tragen, sie wird mir nicht durch das Urteil, dass es doch aber richtig gewesen sei, abgenommen.

    Das moralische Spektrum erstreckt sich nicht zwischen Richtig und Falsch, sondern zwischen Gut und Böse. Mit dem Versuch, eine moralische Frage im Richtig-Falsch-Spektrum zu beantworten, stellen wir uns schon außerhalb der Moral auf. Wir umgehen die moralische Frage, wenn wir fragen, ob unsere Entscheidung richtig war.

    Wir halten Moral nicht mehr aus

    Denken wir zurück an die griechischen Tragödien. Auch hier werden Menschen in Dilemma-Situationen gestellt. Käme irgendein Zuschauer einer solchen Tragödie auf die Idee, die Charaktere wären unschuldig? Im Gegenteil, die Tatsache, dass sie Schuld auf sich geladen haben, dass ihr Schicksal ihnen keine andere Wahl ließ, als schuldig zu werden, ist der Kern der griechischen Tragödie. Wir Heutigen halten diese einfache Tatsache offenbar nicht mehr aus.

    Ganz unmoralisch wird das Projekt, wenn der Autor versucht, die tatsächlich unlösbare Schicksals-Situation auf eine simple Entweder-Oder-Entscheidung zu reduzieren und den Zuschauer per Abstimmung entscheiden zu lassen, ob der Pilot nun schuldig sei oder freizusprechen ist. Freizusprechen wovon? Schuldig woran? Hier werden rechtliche und moralische Fragen auch noch aufs Übelste miteinander vermischt. Aber das ist nicht das schlimmste: Mit der „Abstimmung“ erfolgt sozusagen die definitive moralische Entlastung der Zuschauer, an die Stelle der Katharsis hat von Schirach die „demokratische Entscheidung“ des Publikums gesetzt. Damit können wir, in der Pause und auf dem Heimweg, ganz intellektuell, gelehrt und sachlich die Für und Wider besprechen, die Vor- und Nachteile wägen und uns von der moralischen Belastung, die uns das ungeheuerliche Ereignis eigentlich aufbürden müsste, befreien – falls wir sie überhaupt empfunden haben. Und am Ende schauen wir ins Internet, stellen fest, dass andere Zuschauer anderswo ganz ähnlich „entschieden“ haben und kommen zu dem Schluss, dass es ja dann wohl richtig so sein wird, und schlafen ruhig ein.

    Der Pilot in Terror geht nicht an seiner moralischen Schuld zugrunde, er kann als „unschuldig“ in sein tägliches Leben zurückkehren. Er hat das „Richtige“ getan, das versichert ihm die Gemeinschaft des Publikums.

    Das ist nicht gut.

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  • Monogam? „Partnerschaft“ kommt nicht von „Paar“

    Monogam? „Partnerschaft“ kommt nicht von „Paar“

    „Ehe für alle“ – so lautet heute das allgemeine Motto einer Bewegung, die vor 15 Jahren ihren ersten großen Erfolg errang – denn vor anderthalb Jahrzehnten trat das „Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft“ in Kraft. Seit dem dürfen homosexuelle Paare den „Bund fürs Leben“ schließen, und die Gleichstellung dieser Lebensgemeinschaften mit der Ehe zwischen Frau und Mann wurde und wird nun immer weiter vorangetrieben. Aber monogam sollen sie sein.

    Die Idee, die hinter dieser Gleichstellung aller Lebenspartnerschaften steckt, ist so zeitgemäß wie naheliegend. Der Zusammenschluss zweier Menschen zu einer Lebensgemeinschaft hat schon lange nicht mehr selbstverständlich den Zweck, gemeinsam Kinder zu zeugen und großzuziehen. Viele Ehen bleiben, gewollt oder ungewollt, kinderlos. Den Staat geht es auch nichts an, ob sich zwei Menschen zum Zwecke der Familiengründung zusammentun oder eben einfach nur aus Liebe.

    Der Zweck der Ehe ist gleichgültig

    Oder aus welchen Gründen auch immer, denn letztlich kann es dem Staat auch egal sein, ob diese beiden Menschen einander lieben oder vielleicht nur eine Zweckgemeinschaft bilden.  Der Zweck der rechtlichen Sicherheit und Klarheit bezüglich des Nachwuchses war ja auch schon vor Jahrzehnten der eigentliche Grund für den vertraglichen Zusammenschluss der zukünftigen Väter und Mütter. Ob da Liebe im Spiel war oder nicht, konnte und sollte dem Staat, der die Ehe bestätigte und förderte, gleichgültig sein.

    Letztendlich ist eine Ehe für den Staat und die durch ihn vertretene Gemeinschaft eine Zweckkonstruktion – und das bleibt sie unabhängig von der geschlechtlichen Konstellation der Personen, die sich da zusammentun und natürlich auch völlig losgelöst von den Gründen und Gefühlen, welche die zwei zusammengeführt haben. Wichtig ist, dass die Partner füreinander Verantwortung übernehmen, dass sie bereit sind, füreinander zu sorgen. Damit entlasten sie den Staat und die Sozialsysteme, und das kann die Gemeinschaft wiederum unterstützen und prämieren.

    Der Staat unterstützt also die Ehe nicht mehr, weil sie Rechtssicherheit für das „Großziehen“ von Kindern schafft und damit zur Reproduktion der Gemeinschaft beiträgt. Aus der Sicht des sozialen Gemeinwesens ist sie dazu da, dass die Beteiligten sich „in guten und in schlechten Zeiten“ gegenseitig unterstützen und damit die anderen von dieser Aufgabe entlasten.

    Damit stellt sich allerdings die Frage, warum diese Institution auf zwei Personen beschränkt sein soll. Die klassische Ehe hat, wenn auch unausgesprochen, die Voraussetzung, dass Mann und Frau sich wechselseitig und monogam lieben. Streng genommen kam es darauf nicht an, aber die Beziehung zwischen genau einer Frau und genau einem Mann war eben der ideal-einfache Fall um eine rechtlich klare Konstellation für eine Familie mit Kindern zu schaffen. Es sind nun einmal genau zwei Personen die Eltern eines jeden Kindes: ein Vater und eine Mutter. Wenn das als Grund für die Ehe zwischen Menschen wegfällt, dann muss man sich fragen: Warum gerade zwei?

    Sind wir monogam?

    Auch zwischen Heterosexuellen ist uns der Fall der wechselseitigen monogamen Liebesbeziehung zwar aus tausenden herzzerreißenden Liebesfilmen vertraut – aber selbstverständlich ist das deshalb nicht. Schon Friedrich Engels stellte in seiner Untersuchung über den „Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ fest, dass strenge Monogamie bei den Vögeln nichts über den Menschen aussagt: die Menschen sind nun Mal keine Vögel.

    Man darf annehmen, dass die gegenwärtige Tendenz zur Monogamie in homosexuellen Lebensgemeinschaften nicht viel mehr als eine sentimentale Reminiszenz an die vertraute Paarbeziehung zwischen Mann und Frau ist – genauso natürlich die Monogamie in kinderlosen heterosexuellen Beziehungen.

    Wenn die Ehe für alle erst einmal etablierte Selbstverständlichkeit ist, und 15 Jahre nach dem ersten Gesetz zur eingetragenen Lebenspartnerschaft sind wir davon nicht mehr weit entfernt, dann wird sich schnell die Frage stellen: Warum soll dieses Rechtkonstrukt nur für Paarbeziehungen möglich sein? Dem Staat kann die Mehr-Personen-Ehe nur recht sein: Umso mehr Personen freiwillig eine private Sorge-Gemeinschaft miteinander eingehen, desto besser für die staatlichen Sozial- und Vorsorgesysteme.

  • Hegel und das Gewissen

    Hegel und das Gewissen

    Das Gewissen ist aus der Mode gekommen. Ethik und Moral sollen sich heute nur noch selten an der subjektiven inneren Stimme orientieren, sondern ihre Kriterien und Maßstäbe von außen und durch rationale Reflexion beziehen.

    Aber wer sich selbst bei moralischen Konflikten beobachtet, merkt schnell, dass das Gewissen nicht zum Schweigen zu bringen ist. Deshalb ist es sinnvoll, sich über die Frage, was das Gewissen ist und wie es wirkt, ein paar philosophische Gedanken zu machen. Dabei lässt sich kritisch an Hegel und Heidegger anknüpfen. In diesem Podcast geht es zunächst um den Begriff des Gewissens bei Hegel.

    (Veranstaltungshinweis: Ein öffentliches Seminar, an dem alle philosophisch interessierten Menschen teilnehmen können, gibt es Anfang November in Münster. Weitere Informationen gibt es hier.)

     

    Update: Ein weiteres Video gibt es jetzt, in dem ich mich an den Begriff „Wirklichkeit“ bei Hegel annähere.

  • Die Philosophie bei Homeland

    Die Philosophie bei Homeland

    Komplexe Fernsehserien bieten eine Fülle an Material für philosophische Reflexion. Da es bei Homeland zudem um Terrorismus, Spionage, Überwachung und Geheimdienste geht, können ethische Fragen am Geschehen der Serie gut diskutiert werden – aber die Serie bietet weit mehr als das.

    Im Folgenden Podcast geht es um ein Buch, in dem genau das passiert: Homeland wird aus einer Vielzahl philosophischer Fragestellungen betrachtet. Achtung: Der Verlag verlost drei Pakete, bestehend aus dem Buch und der DVD-Sammlung zur 5. Staffel. Also bis zum Schluss dranbleiben, es lohnt sich.

  • Wer hat Angst vorm Terrorismus?

    Wer hat Angst vorm Terrorismus?

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und auch einige der so genannten seriösen Medien versuchen uns in den letzten Tagen eindringlich klar zu machen: wir müssen uns nicht so doll fürchten vor den Terroristen. Es wird uns, also jedem einzelnen von uns, schon nichts passieren. Wir, also Sie, liebe Leser ganz persönlich, müssen wirklich keine Angst haben, bei einem Terroranschlag zu sterben, genauso wenig wie der Autor dieser Zeilen.

    Dazu werden Statistiken über Todesursachen bemüht und Wahrscheinlichkeiten für bestimmte schlimme Todesszenarien berechnet. In der letzten Kolumne hatten wir gesehen, dass die Berechnung solcher Wahrscheinlichkeiten im Falle von Terrorangriffen derzeit schlicht unmöglich ist. Aber sei es drum.

    Die spannende Frage ist ja eigentlich: Wer muss denn hier überhaupt beruhigt werden?

    Haben Sie Angst vor Terror?

    Wenn ich so durch die Straßen  gehe, begegne ich eigentlich nirgends Menschen, die besonders ängstlich wirken. Niemand blickt sich argwöhnisch um im Einkaufszentrum, keiner versucht ängstlich, Menschenansammlungen zu vermeiden. Alle sitzen gelassen in den Cafés, plaudern friedlich mit den Verkäufern auf dem Markt.

    Auch im vertrauten privaten Gespräch hat mir noch niemand seine Angst vor dem Terror gestanden. Dass jemand mit verzweifelt zitternden Händen, schweißnasser Stirn und zitternder Stimme flüstern würde, er habe große Angst, von einen Terroristen umgebracht zu werden – nein, das ist mir noch nicht passiert.

    Die seriösen Medien geben natürlich nichts auf meine anekdotischen Erfahrungen. Sie schicken die Meinungsforscher los, damit ihnen eine repräsentative Stichprobe von Alltagsmenschen ihre Ängste mitteilen. Meinungsforscher sind allerdings keine Psychologen, die in geduldigen Sitzungen die Ängste ihrer Interviewpartner ausloten. Sie haben statt dessen Fragebögen, auf denen man ankreuzen kann, ob man einer Aussage zustimmt oder nicht oder es nicht weiß.

    Was fragen also die Meinungsforscher? Geben Sie mal in eine Suchmaschine Ihrer Wahl „Umfrage Terror“ ein. Ignorieren Sie die skandalisierenden Überschriften, versuchen Sie statt dessen, im Text herauszufinden, was in den Umfragen wirklich gefragt wurde. Sei werden sehen, das ist gar nicht so einfach. Insgesamt ergibt sich das folgende Bild. Gefragt wird zumeist, ob man der Meinung ist oder fürchtet, dass die Terrorgefahr oder die Zahl der Terroranschläge in Deutschland oder in Europa in nächster Zeit zunehmen wird.

    Wenig überraschend antworten die meisten Menschen da mit „Ja“.

    Finden Sie irgend eine Umfrage, in der auch nur gefragt würde, ob jemand Angst habe, selbst Opfer eines Terroranschlags zu werden? Wenn ja, her mit dem Link!

    Schon die Berichte über die jeweilige Umfrage lesen sich dann aber ganz anders: Da wird dann mal eben gesagt, die Angst vor dem Terrorismus würde wachsen. Das ist, wenn man den Umfrageergebnissen traut, nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.

    Dann kommen die Aufklärer

    Nun kommen die Experten ins Spiel, die klugen Aufklärer der Tagesschau und die Professoren der Soziologie und der Psychologie. Sie sagen uns: Leute, ihr braucht keine Angst haben. Ihr werdet nicht bei einem Terrorangriff sterben!

    Darüber wieder berichten dann auch alle diese großen seriösen Zeitungen und Rundfunkanstalten, und man denkt sich: Mensch, wenn die alle so gleichzeitig beruhigend auf das Volk einreden, all diese klugen Leute, dann muss die Angst in der Bevölkerung ja wirklich groß sein. Man fragt sich plötzlich: Warum habe ich eigentlich keine Angst? Müsste ich mich nicht auch fürchten, wenn es offenbar alle tun?

    (Wenn dann der nächste Meinungsforscher kommt, dann wissen Sie auch schon, was Sie, wenn Sie normal sein wollen, auf die Fragen zur Terrorismusangst antworten müssen. Wobei: haben Sie keine Angst, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Meinungsforscher gerade Sie befragt, ist sehr gering…)

    Sorge vor einer Zunahme von Terroranschlägen, das bedeutet nicht, dass man sich selbst in Todesangst befindet, nicht mal, dass man angst davor hat, bei einem Anschlag selbst verletzt zu werden. Es heißt einfach, dass man sich Sorgen macht, dass der Terrorismus hierzulande zukünftig eine größere Rolle spielt. Sich sorgen, das heißt auch, dass man bereit ist, dafür zu sorgen, mit dieser Gefahr umzugehen. Sorgen ist erst mal nichts Schlechtes.

    Deshalb sollte man solche Sorgen auch nicht zu Angst oder gar Panik hochschreiben und -reden, damit man dann, ganz besorgter Staat, die Sorgen wieder kleinreden kann – oder dem Bürger verspricht, durch diese und jene Maßnahmen dafür zu sorgen, dass uns nichts passiert.

    Sicher, das wollen diese Medien, die derzeit so eifrig versichern, dass wir keine Angst haben müssen, auch nicht. Sie sorgen sich nur um Einschaltquoten und Auflagezahlen. Vielleicht haben sie sogar Angst, dass die zurückgehen. Mit einer Schlagzeile: „Bürger nehmen an, dass es mehr Terroranschläge geben wird“ kann man niemanden locken. Also muss eine Angst her, möglichst gar eine Panik. Und ein besorgter Experte der uns dann sagt, dass wir die Angst, die wir nicht haben, wirklich auch nicht haben müssen.

  • Die Wahrscheinlichkeit, Terroropfer zu werden

    Die Wahrscheinlichkeit, Terroropfer zu werden

    Es wird gegenwärtig gern behauptet, dass die Wahrscheinlichkeit, Terroropfer zu werden, viel geringer sei, als etwa von einem Auto überfahren zu werden oder am Essen zu ersticken.

    Die Wahrheit ist: Man weiß es nicht. Man kann die „Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Terroranschlags zu werden“ nämlich gar nicht ausrechnen.

    Häufigkeiten aus der Vergangenheit

    Jede Wahrscheinlichkeitsberechnung über das Eintreffen bestimmter Ereignisse geht von der Annahme aus, dass die Bedingungen, die zum Eintreffen dieses Ereignisses beitragen, ungefähr gleich bleiben, sodass die tatsächliche Häufigkeit der vergangenen Ereignisse als Wahrscheinlichkeit für die Zukunft genommen werden kann.

    Bei einer Lotterie klappt das z.B. ganz gut, zumal da auch technisch sicher gestellt wird, dass die Bedingungen konstant bleiben.

    Beim Autounfall ist das schon schwieriger, da die Bedingungen sich ändern: Die Zahl der Autos ändert sich, die Technik und die Regeln ebenso.

    Was das Ersticken beim Essen betrifft, ist die Sache auch ziemlich einfach: Wir essen heute so ähnlich wie vor ein paar Jahren, wir verspeisen die gleichen Nahrungsmittel und machen das auf ganz ähnliche Weise.

    Wenn sich die Bedingungen ändern, kann man versuchen, das in die Berechnung der Wahrscheinlichkeit einzubauen. Man kann etwa sagen, dass sich durch die Zunahme des Verkehrs um soundsoviel Prozent die Wahrscheinlichkeit, bei einem Unfall zu sterben, ebenfalls um soundsoviel Prozent erhöht. Wenn man dann also wüsste, wie viele Autos im nächsten Jahr mehr auf den Straßen unterwegs sind, dann wüsste man auch, oder könnte es wenigstens schätzen, wie nächstes Jahr die Chancen stehen, eine Autofahrt zu überleben.

    So etwas funktioniert natürlich nur, wenn alle anderen Bedingungen gleich bleiben, insbesondere, wenn wir unser Verhalten nicht ändern. Wenn wir z.B. vorsichtiger fahren, weil wir denken, das Autofahren sei gefährlicher geworden, ändert das gleich wieder die Wahrscheinlichkeit.

    Genau genommen gibt es also gar keine Wahrscheinlichkeiten für Ereignisse, bei denen menschliches Verhalten im Spiele ist, das wiederum durch Aussagen über Wahrscheinlichkeiten bestimmt wird. Manche behaupten zwar, sie könnten selbst diese Änderung des menschlichen Verhaltens mit in ihre Berechnungen einbauen aber – Entschuldigung – die lügen. Oder sie überschätzen sich maßlos. Es sind diese Soziologen, Wahlforscher und Ökonomen, die dann, mit den realen Entwicklungen konfrontiert, immer sagen: „Ja, dies und das, das hat man ja nun wirklich nicht vorhersehen können!“

    Zurück zum Terroranschlag. Hier trifft erst mal alles zu, was auch für die eben schon genannten Ungewissheiten gesagt wurde. Natürlich wissen wir nicht mal, wie wir uns verhalten sollen, um der Gefahr eines Terroranschlags zu entgehen. Wir wissen auch nicht, ob das irgendjemand wollen würde. Niemand weiß, ob die Leute z.B. seltener in Einkaufszentren oder zu Konzerten gehen werden – oder ob sie trotzig „Nun erst recht!“ sagen.

    Vor allem aber wissen wir derzeit nicht, ob es in Zukunft mehr oder weniger Terroranschläge geben wird, ob die Terroristen sich viele kleine oder wenige große Ziele aussuchen werden, ob unsere Sicherheits-Behörden irgendwie effizient Anschläge verhindern können werden.

    Aus all dem ergibt sich: Es gibt keine berechenbare „Wahrscheinlichkeit, bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen“. Wie groß, im Nachhinein betrachtet, die Häufigkeit dieser Todesursache in den nächsten Jahren sein wird, ob sie höher oder niedriger liegt als beim „Ersticken beim Essen“ – niemand kann das sagen. Es mag sein, dass die, die es trotzdem tun, ehrenwerte Motive haben. Sie wollen uns beruhigen, sie wollen, dass wir locker bleiben. Aber sie lügen, oder sie haben eben keine Ahnung davon, was Wahrscheinlichkeit ist.

    Trotzdem locker bleiben

    Locker bleiben sollten wir trotzdem. Wir können schauen, wie Menschen in Ländern, in denen Terror schon längst Alltag ist, mit dieser realen Gefahr umgehen, ganz ohne Wahrscheinlichkeitsberechnung. Wir sollten uns probeweise mal mit dem Gedanken beschäftigen, dass der nächste Anschlag ganz in der Nähe der eigenen Wohnung sein könnte, dass wir bald einmal an einem abgesperrten Tatort vorbeigehen müssen, dass es demnächst mal jemanden trifft, den wir weitläufig gekannt haben.

    Terroropfer sind ja nicht nur die, die dabei sterben, sondern auch die, die dabei Freunde und Verwandte verlieren, auch die, die dem Terror im Alltag begegnen müssen. Und das werden in Zukunft vielleicht ziemlich viele sein. Wir sollten anfangen, darüber zu sprechen, wir sollten uns fragen, wie wir damit umgehen werden. Wie wir das Überleben überleben und wie wir uns dabei gegenseitig helfen können.

    Das ist eine bessere Methode, sich auf die Zukunft vorzubereiten, als uns mit Zahlenspielen über „Wahrscheinlichkeiten“ zu beruhigen.

    Hinweis: Die Frage, wer überhaupt Angst vorm Terrorismus hat, wird in meiner neuen Kolumne diskutiert.

  • Waffen verbieten in den USA? Es ist kompliziert.

    Waffen verbieten in den USA? Es ist kompliziert.

    In den USA sind wieder Menschen erschossen worden. Es war ein Amoklauf, oder ein Hinterhalt für Polizisten, oder Polizisten haben einen Schwarzen erschossen – oder es war irgendeine Schießerei, die nur eine lokale Zeitungsmeldung wert ist. Im Jahr werden in den USA rund 12.000 Menschen erschossen, also täglich mehr als 30. Es sind nicht die großen Amokläufe oder Anschläge, die auch bei uns bekannt werden, es sind nicht die spektakulären, rassistisch oder politisch motivierten Taten, es ist nicht die Polizeigewalt – es sind die unzähligen Schießereien und Morde, die sich zu dieser Zahl summieren.

    Je 100.000 Einwohner sterben in den USA jedes Jahr zwischen drei und vier Menschen durch Schusswaffengewalt. Ist das eigentlich viel? Ich weiß, jeder Tote ist einer zu viel, das sagt man gern sehr schnell. Aber da es ja auch andere Möglichkeiten gibt, einen Menschen zu töten, als mit einer Schusswaffe, muss man, um die Situation in den USA einordnen zu können, einen Vergleichsmaßstab finden. Tatsächlich gibt es internationale Vergleiche, die UNO erstellt Statistiken zur so genannten Tötungsrate (Tötungen je 100.000 Einwohner). Da liegt die USA weltweit mit fast fünf Tötungen je 100.000 Einwohner im Mittelfeld, deutlich unterhalb der mittleren Tötungsrate von 6,2 / 100.000 Einwohner. Gemessen an Westeuropa ist das trotzdem sehr viel, hier zählt man ca. eine Tötung je 100.000 Einwohner im Jahr. Allerdings liegen die baltischen Länder Litauen, Lettland, Estland mit 5-7 Tötungsdelikten je 100.000 Einwohner oberhalb der amerikanischen Quote, in Russland etwa liegt die Rate etwa doppelt so hoch wie in den USA. Und in der Schweiz, deren Waffenrecht ebenso liberal ist wie das US-amerikanische, liegt die Rate bei gerade mal 0,6 Tötungen je 100.000 Einwohner.

    Natürlich sollte Russland oder gar Südamerikanische oder afrikanische Bürgerkriegsländer kein Maßstab für die USA sein – eher dann eben doch schon Frankreich oder Deutschland. Und die Rechnung scheint ja einfach zu sein: Nehmt den Leuten die Schusswaffen weg, dann bleibt von den fünf Tötungen je 100.000 Einwohner nur noch einer übrig und schon hätten die Vereinigten Staaten westeuropäische Verhältnisse.

    Damit kommen wir aber auf das eigentliche Problem: Wie sollte man das denn bitteschön anstellen?

    Man stelle sich vor, die amerikanische Regierung beschließt: Ab dem 01.01.2017 ist der Waffenbesitz verboten. Alle Bürger werden aufgefordert, die in ihrem Besitz befindlichen Waffen abzugeben. Wir wollen hier einmal von den Schwierigkeiten absehen, dass dazu möglicherweise die amerikanische Verfassung geändert werden müsste – es sei als rechtlich möglich angesehen.

    Was würde geschehen?

    Brave Bürger und Verbrecher

    Sicherlich würde es ein paar ganz brave Bürger geben, die ihre Waffen abgeben. Man könnte versuchen, anhand von Registrierungen und Nachweisen Waffenbesitzer konkret anzuschreiben und zur Abgabe ihrer Waffen aufzufordern. Auch das würden einige brave Bürger tun. Andere würden angeben, ihre Waffe vor langer Zeit verloren, verkauft oder verschrottet zu haben.

    Vermutlich würden vor allem solche Leute bereit sein, ihre Waffe abzugeben, die diese ohnehin nie benutzen würden, die ihre Pistolen und Gewehre seit Jahren sicher verwahrt und längst als große Last empfunden haben. Man könnte sagen, dass man damit schon mal ein paar spektakuläre Amokläufe verhindern könnte, bei denen Jugendliche sich aus dem Waffenschrank der Eltern bedient haben. Klar, das wäre nicht schlecht, aber wie gesagt, das ist ohnehin nur eine kleine Zahl. Und wer andere töten oder mit in den Tod ziehen will, das zeigen ja auch Ereignisse im friedlichen Westeuropa, der findet auch andere Mittel.

    Diejenigen, die hingegen mit dem Gedanken spielen, in bestimmten Situationen ihre Waffe auch gebrauchen zu wollen, würden sicherlich gute Ideen entwickeln, um dem Abgabegebot zu entgehen.

    Die „echten“ Verbrecher dürften es dabei am einfachsten haben, denn sie werden ohnehin nicht als rechtmäßige Besitzer ihrer Waffen registriert sein. Im Ergebnis würde es zu einer Entwaffnung der friedlichen Menschen kommen, wohingegen die gewaltbereiten Verbrecher ihre Schusswaffen behalten würden.

    Es ist dies das gleiche Prinzip wie bei jeder Verschärfung eines Kontroll- und Überwachungsgesetzes, es trifft diejenigen, die Rechtschaffenden, während sich die Kriminellen entziehen können.

    Was also kann man tun?

    Es ist wie beim Rauchen

    Zunächst mal ist Besonnenheit gefragt. Dabei sollte man auch sehen, dass der Schusswaffeneinsatz in den USA über Jahrzehnte rückläufig ist. Das zeigt, dass die Bürgergesellschaft sich in den USA in eine friedliche Richtung entwickelt, dass das Tragen und der Einsatz einer Schusswaffe mehr und mehr abgelehnt werden. Das muss im Vordergrund der Diskussion stehen. Der Schein trügt, es werden nicht immer mehr, sondern immer weniger Menschen in den USA Opfer von Waffengewalt.

    Das Beispiel Schweiz zeigt zudem, dass ein liberales Waffenrecht nicht automatisch zu vielen Morden oder Amokläufen führt. Es kommt vielmehr auf die gesellschaftliche Situation insgesamt an – und da waren die USA zumindest in den letzten Jahrzehnten offenbar auf einem guten Weg, auch wenn wir das aus unserer feinen europäischen Perspektive nicht so sehen wollen.

    Die Gesetzgebung sollte diesem guten Trend folgen, und ihm nicht vorauseilen. Auch hier gibt es Vergleiche zu europäischen Entwicklungen auf anderen Gebieten. Ein Rauchverbot in Gaststätten und in der Öffentlichkeit überhaupt ist erst durchsetzbar, wenn der gesellschaftliche Konsens schon auf die Ablehnung des Rauchens in der Öffentlichkeit gerichtet ist. Es klingt vielleicht merkwürdig, aber im Prinzip ist es mit dem Waffenbesitz ganz genauso.

  • Einfach Hegel lesen?

    Einfach Hegel lesen?

    Über Philosophen wie Heidegger und Hegel kursieren hartnäckige Vorurteile: Sie seien dunkel und schwer verständlich. Manchmal wird sogar behauptet, diese Denker hätten sich absichtlich so unklar ausgedrückt, um nur von wenigen verstanden zu werden.

    Das hält viele davon ab, sich überhaupt mit diesen Philosophen zu beschäftigen. Man meint, man müsse erst ein langwieriges Studium absolviert haben, um eine Chance zu haben, Heidegger oder Hegel „zu verstehen“.

    Aber wer weiß schon, ob man einen Text richtig „verstanden“ hat? Welcher Experte könnte behaupten, zu wissen, was ein Hegel wirklich gemeint hat? Und was wäre damit gewonnen?

    Wer ein philosophisches Problem wälzt, kann in der Lektüre eines Hegel-Werkes Anregung und Hinweise finden, unerwartete Zusammenhänge werden sichtbar, nicht bedachtes wird deutlich. Und darauf kommt es letztlich an.

  • Amerikaner: Menschen wie wir!

    Amerikaner: Menschen wie wir!

    Ich habe ein paar Tage in den USA verbracht, genauer: elf Tage in Alaska, vier Stunden in einem Flugzeug der Alaska Airlines, sowie 3 Stunden auf dem Flughafen von Seattle. Die Zeiten an Bord von Condor-Maschinen will ich nicht zählen.

    Meine Kontakte zu Amerikanern waren notwendig beschränkt auf wenige Personen, das sei gleich vorweg zugegeben. Ein Paar aus Reno, Nevada, eine junge Frau aus Houston, Texas, ein junger Mann, der von irgendwo oder überall her stammte und uns auf unserer Trekking-Tour begleitete, der Besitzer der Firma aus McCarthy, einem Ort ganz weit draußen in Alaska, bei der wir das Trekking gebucht hatten. Darüber hinaus: ein paar Bar-Keeper in Anchorage, ein Juwelier-Paar, eine Stewardess – Zufallsbekanntschaften. Keine repräsentative Stichprobe, aber es ergab sich ein Bild. Das ist jetzt mein Bild von „den Amerikanern“.

    Fußball

    Amerikaner gucken europäischen Fußball. Bei unserem ersten Besuch in der Hotelbar lief das EM-Spiel Deutschland-Italien auf zwei Bildschirmen. Es war zu diesem Zeitpunkt schon vorbei, wir waren im Flugzeug sogar über den Verlauf informiert worden. Aber nun hätten wir, wenn wir gewollt hätten, das Spiel auch noch sehen können.

    Als ich unseren amerikanischen Mit-Trekkern am nächsten Tag verwundert davon erzählte, erwiderten sie mit leuchtenden Augen „We saw the shootout!“ (Wir haben das Elfmeterschießen gesehen!)

    Politik

    Amerikaner interessieren sich für europäische Politik. Das heißt in diesen Tagen vor allem: Sie fragten uns nach dem Referendum in Großbritannien. Dabei zeigten sie wenig bis gar kein Verständnis für die EU-Ablehnung der Briten.

    Merkel ist natürlich eine große Politikerin und eine famose Kanzlerin.

    TTIP hingegen sagt ihnen gar nichts, davon hatten sie noch nichts gehört. Auf unsere Erklärung hin fanden sie die Idee natürlich gut. Chlorhähnchen lehnen sie auch ab.

    Insgesamt glaube ich, dass der Verbraucherschutz in den USA wenigstens genauso gut ist wie in Europa.

    Deutschland

    Deutschland finden die Amerikaner toll, nicht nur den Fußball und die Kanzlerin. Jeder, der merkte, dass wir aus Deutschland kommen, wollte wissen, wo wir genau her sind. Münster kannte aber niemand. „Zwischen Köln und Hamburg“ – das war eine befriedigende Auskunft. Lukas Podolski kommt aus Köln – das habe ich in Alaska gelernt. Und der Juwelier war ganz stolz, dass er Namen wie „Götze“, „Müller“ und „Manuel Neuer“ aussprechen kann.

    Überhaupt sind die Leute extrem freundlich. Der Barkeeper meinte „The best wines of the world are from Germany!“ (Die besten Weine der Welt kommen aus Deutschland!). Da ist man dann doch zunächst sprachlos und etwas irritiert. Gemeint war aber der weiße, der Riesling – gut, da mögen unsere Weinbauern führend sein.

    Ausrüstung

    Die Trekking-Ausrüstung, die man sich in Houston, Texas, oder in Reno, Nevada, kauft, ist exakt dieselbe wie die, die man in Münster, NRW, kauft. Bis hin zur Farbe der Schuhe und der Suppenschüssel. Die Luftmatratzen und Trinkflaschen die wir hatten, kamen sowieso aus den USA, da war vorher schon klar, dass wir alle dieselben haben.

    Noch was

    Vor amerikanischen Supermärkten gibt es genauso viele unbenutzte Behindertenparkplätze wie bei uns. Was wir aber noch lernen können: Auf jedem öffentlichen Herren-WC, egal, ob irgendwo in Alaska oder auf dem Flughafen von Seattle, gibt es einen Baby-Wickel-Tisch.

    Um jeden Anflug von Shitstorm zu vermeiden: Ich finde das gut. Ich finde Amerika überhaupt gut. Ich werde dahin zurückkehren.

    P.S.

    Da es sich bei diesem Bericht fast um so etwas wie eine persönliche Urlaubs-Nachlese handelt, hier noch ein paar Eindrücke in bewegten Bildern:

    Backpack Trekking im Nationalpark Wrangell – St. Elias, Alaska


    Eindrücke aus den Orten McCarthy und Kennecott, ganz weit draußen in Alaska


    Schließlich noch ein paar Bilder aus Anchorage, der Hauptstadt Alaskas.